Familie, Weihnachten, Wochenende

Wochenende

Das letzte Mal, dass ich ein Neugeborenes – frisch geschlüpft aus meinem Bauch – in meinen Händen hielt, ist fünf Jahre her. Blitzgeburt. Dünne Beinchen. Schneefall. Ängste (Schaff ich das? Kann ich sie genau so lieben, wie mein erstes Kind? Werde ich je wieder schlafen? – Heute kann ich antworten: Ja! Ja! Und Ja!!!)

IMG_8694IMG_8691Ein Krankenhaus mit Entbindungsstation. Sie kann ihre eigene Geburt – die ich ihr jedes Jahr in allen herrlichen Details erzähle – nachspielen. Toll, gell?

IMG_8720Und ein Werkzeugkasten in Rosa. Mädchenträume sind wahr geworden.

IMG_8727Plätzchenwerkstatt für den alljährlichen Adventsmarkt auf dem Hof meiner Eltern. Ich werde schon Tage vorher rührselig…im wahrsten Sinne des Wortes.

IMG_8734Pünktlich zum Markt: Schnee. (Schnee!!!! SCHNEE!!!!)

IMG_8742Every time it snows, somethings magic happens (Zitat Gilmore Girls)

IMG_8750_edited-1Hier habe ich meine ersten Schritte gemacht..

IMG_8759_edited-1…und hier bin ich ein paar Mal als Kind reingeplumpst.

IMG_8748_edited-1IMG_8754_edited-1IMG_8760_edited-1IMG_8775IMG_8765_edited-1IMG_8767_edited-1IMG_8780Der Stand von Amelie und Josefine. Unsere Kinder müssen schon früh am Familieneinkommen mitarbeiten….

IMG_8786_edited-1IMG_8793_edited-1IMG_8788_edited-1Muttis Flohmarkt – alles muss raus!

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IMG_8803„Auf unserem Hof sieht es gerade aus wie in der Anfangsszene von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, kurz bevor der Prinz kommt.“ (Meine Schwester)

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Dankbarkeit, Familie, Freitags-Futter, Listen, Wochenende

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Wirklich: Ist diese Woche schon wieder rum?

Am letzten Wochenende haben wir es tatsächlich geschafft – trotz kränkelnder Josefine – zur Familienfreizeit am Bodensee zu fahren. Das Wochenende war bombig!

Als ich dann Montag vor den Gepäckbergen und einem überquellenden Kalender stand, seufzte ich und verfiel kurz in eine Panikattacke. Tief durchatmen. Innehalten. Beten. Langsam gehen, Schritt für Schritt.
(Irgendjemand sagte mir mal: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam.“)

Und so habe ich die hektischste Woche des Jahres mit einer fast unheimlichen inneren Ruhe hinter mich gebracht. Tief durchatmen. Innehalten. Beten. Langsam gehen, Schritt für Schritt. 

Dieses Jahr komme ich nicht mal dazu, meine geliebte, von den Amis geklaute Thanksgiving-Tradition aufrecht zu erhalten. Deshalb funktioniere ich diesen Blog heute um, stoße mit euch virtuell an, schieb jedem von euch ein Stück Truthahn und Pumpkin Pie auf den Teller und erzähle euch, für was ich diese Woche dankbar bin.

Schließt ihr euch an?

Ich bin dankbar…

  • für 5 Jahre Josefine. Heute! Dieser kleine Wirbelwind mit seinem verschmitzten Humor ist für uns ein Geschenk des Himmels. (Gestern am Tisch: „Gell Mama, an Halloween feiern wir den Heiligen Geist!“)
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  • für Menschen, die wunderbare Bücher und Artikel schreiben und meine Seele damit füttern.

  • für meinen Hauskreis. Seit acht Jahren schleppen wir uns gegenseitig durchs Leben.

  • für meinen Mann, der zwar des Öfteren den Kopf über unseren Weiberhaushalt schüttelt, aber uns immer wieder zeigt, wie sehr er uns liebt.

  • für Raureif-Nebel am Morgen.

  • für unser Haus, das randvoll ist mit Kreativität und Streit und Versöhnung und Essen und Lachen und Gästen (und leider auch mit Zeugs).
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  • für Fältchen und graue Haare. Sie sind sichtbarer Beweis für einen Lebensabschnitt, den ich besonders genieße. Ein Hurra aufs Älterwerden (das Hurra übe ich noch…).

  • für diesen Ort hier, für euch lieben Blogleser!

  • für die Möglichkeit zu schreiben. Und zu nähen! Und zu fotografieren!

  • überhaupt dafür, als Frau ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

  • und dass meine Mädchen Zugang zu Bildung haben.

  • und dass ich meine Meinung frei äußern darf.

  • für dieses Land, in dem all das möglich ist.

 

 

 

Familie, Haushalt, Weihnachten

Unser Weihnachts-Klo

Wenn der Tag  verkackt ist, dann hilft es, ihn sich ein bisschen schöner zu machen. Nicht wahr?

So wie unser Klo.

IMG_8679Meine erste Weihnachtsdeko dieses Jahr.

Vielleicht dekoriere ich die nächsten Tage noch ein bisschen mehr.

Vielleicht auch nicht.

Vielleicht werde ich meine wenige Kraft diese Woche nur auf meine Kids konzentrieren.

Vielleicht überfällt mich aber noch der Rappel und ich werde in meinem Wahn backen, die Fenster putzen, die Geranien draußen endlich reinholen, Fenster-Sterne basteln, einen Werkzeugkoffer für Josefines Geburtstag glitter-pink gestalten, Adventskalender basteln und zehn Kilometer Lichterketten entwirren.

Vielleicht könnte ich auch den Autor Tommy Jaud zitieren: „Einen Scheiss muss ich.“ (Passend zum Toiletten-Thema).

Vielleicht habe ich diese Woche nur Bock auf dem Sofa zu liegen.

Ganz sicher: Diese Woche konzentriere ich mich nur aufs Nötigste. Kranke Kinder pflegen. Ein klitzekleinwenig backen. Die Fenster (wie immer) dreckig lassen. Geranien erfrieren lassen. Neue Lichterketten kaufen. Auf der Couch rumgammeln.

Und mich mit jedem Klogang ein wenig weihnachtlicher fühlen.

PS: Ich sollte mich an meine fällige Family-Kolumne setzen. Morgen früh – ganz sicher! Mit gespitztem Bleistift, angestrengter Miene und leerem Kopf. Vielleicht könnt ihr mir Gedankenanstöße, Stichworte, Wunschthemen nennen? Manchmal reicht nur ein Wort und dann purzeln die restlichen Worte in meinem Kopf in die richtige Reihenfolge!

 

Familie, Freitags-Futter, Haushalt

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Wenn die äußere Welt schief in den Angeln hängt, gefährlich hin- und herklappert und mir damit Angst einjagt, verkriech ich mich in meine vier Wände. Dann muss ich meine Hände beschäftigen, um mein Herz zu beruhigen:

Herd, Wolle, Brettspiele, Putzwut, Laptop, Kerzenlicht, Malstunden, Brot backen, Schreiben.

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Und Pippi Langstrumpf und Madita lesen. Stuuuuundenlaaaaaang. Zwei Mädchen, die sich von nichts und niemandem einschüchtern lassen. Die fiese Jungs auf Bäume werfen und Außenseiter zu Freunden machen.

„Pippi stand mitten im Kreis und lachte ganz freundlich. Benno hatte gehofft, daß sie böse werden oder anfangen würde zu weinen. Wenigstens ängstlich aussehen müßte sie. Als nichts half, gab er ihr einen Schubs. ‚Ich finde, daß du kein besonders feines Benehmen Damen gegenüber hast‘, sagte Pippi.“
IMG_8677Heute schreibe ich nichts Profundes, weil meine Hände immer noch schwer beschäftigt sind. Mit Packen und Medizin-Verteilen und Teekochen. Unser Familienfreizeit-Wochenende steht kurz bevor. Pünktlich zu diesem lang erwarteten Ereignis ist Josefine gestern krank geworden. Ich erhoffe Zauberkräfte von meinen Zaubertranks, die gerade in der Küche köcheln. Die ganze Welt kann ich nicht heilen (sorry, Michael Jackson), aber vielleicht mein Zuhause.

Zwiebelsirup gegen Husten:
Das ist ein uraltes, echt wirksames Hausmittel und es gibt verschiedene Zubereitungarten.
Ich schäle und würfele eine Zwiebel, gebe sie zusammen mit einigen Esslöffeln Honig oder Löwenzahnsirup in einen Topf und lasse das ganze bei geringer Hitze köcheln. Dann lasse ich die Mischung einen Tag lang stehen, seihe sie in ein Glas mit Schraubverschluss ab und gebe den Kindern bei Bedarf alle paar Stunden einen Teelöffel voll davon.

Ingwer-Zitronen-Honig-Tee
Bei ersten Anzeichen einer Erkältung koche ich diesen Tee und trinke ihn literweise. Ein daumengroßes Stück Ingwer schälen, klein schneiden und in eine Teekanne geben. Eine Zitrone auspressen und dazu geben. Einen Liter Wasser aufkochen, überbrühen und 15 Minuten lang ziehen lassen. Nach Geschmack mit Honig süßen.

„Etwas, was gut ist gegen Keuchhusten und schlimme Füße und Bauchschmerzen und Windpocken und wenn man sich eine Erbse in die Nase gebohrt hat. Es wäre gut, wenn man auch Möbel damit polieren könnte. Eine richtige prima Medusin 
soll es sein.“ (Pippi in der Apotheke)

 

 

 

 

Ernährung, Ich, Wochenende

Ich…

…fühle mich emotional erschöpft. Den letzten Samstag habe ich zum Internationalen Scheißtag erklärt: Trauer um Paris, Trennung von guten Freunden, Megastau in Stuttgart (Letzteres war am Ende des Tages einfach noch das Tüpfelchen auf dem i).

…sehe mir jeden Tag das hier an:

…höre Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters.

…trinke wärmenden, scharfen Chai (Rezept hier).

…bastle mit den Kindern Salzteig-Anhänger und Blätter-Collagen. Hauptsache einfach.

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…koche derzeit viele viele Suppen. Suppe ist mein Seelentröster. Heute: Kürbis-Birnen-Ingwer-Suppe (Eigenkreation)

…schreibe mir jeden Tag die Finger wund und ringe um jedes Wort. Klingt
es richtig, klingt es gut? Knüpfe ich an das an, was ich gut kann? Werden es die Leute mögen? Werden sie mich mögen?

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…lese mit meinem Book-Club „Seeing is Believing“. So viele Glühbirnen werden in meinem Kopf hell….

…miste die Kinderzimmer aus vor dem großen Geschenke-Schub.

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…bete zögernd für Attentäter und ISIS-Kämpfer. Hmmm, schwierig.

…fühle mich extrem dankbar für meinen Mann, mein Zuhause, meine Kinder, für jeden normalen Tag. ( Ist langweilige Normalität nicht die Abwesenheit von Leid?)

…fühle mich schuldig, weil es mir gut geht.

…freue mich auf die Adventszeit.
Rettung und Licht sind immer, immer nahe.

 

 

 

 

Gedanken

Wenn alles hoffnungslos ist….

Heute ist ein verdammt schwerer Tag, Leute. Mein Magen ist ein Knoten und das Herz ist müde.

Ich hab gebetet. Aber die Katastrophen sind trotzdem passiert. Im Großen und im Kleinen. Heute bin ich in einem Alptraum gefangen, aus dem ich einfach nicht aufwache. Weil er real ist. An solchen Tagen muss ich mich an Worte klammern, die wahr und hell sind:

„When I was a boy and I would see scary things in the news, my mother would say to me, ‘Look for the helpers. You will always find people who are helping.’ To this day, especially in times of ‘disaster,’ I remember my mother’s words and I am always comforted by realizing that there are still so many helpers – so many caring people in this world.” – Mr. Rogers

Heute vor einem Jahr

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Heute vor einem Jahr

Freitags-Futter, Rezepte

Freitags-Futter

Was hatten wir für einen herrlichen Frühsommer die letzten Tage!

Die Kinder können endlich in kurzen Sachen raus…

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Die Tomaten reifen im Garten…

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Der Rucola wächst mir über den Kopf…

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Die Ringelblumen blühen…

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Der Sauerampfer treibt aus…

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Und es ist November.

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Ich möchte mich an dem warmen Wetter freuen, aber es gelingt mir nicht ganz. Mir ist so, als hätte sich der sonst so griesgrämige November eine Ecstasy eingeschmissen und nun LIIIIIIIIEBT er die ganze Welt. Lieber November, das ist nicht normal! Entweder bist du tatsächlich berauscht…..oder mit unserem Klima stimmt etwas nicht mehr. Meine Freude an dem Wetter ist getrübt, ich hätte gerne wieder den alten November zurück. Mit Nebel, Regen und Frost. Vielleicht sogar ein paar Schneeflocken. Plätzchenbacken bei 20 Grad macht keinen Spaß.

Also verschiebe ich das Plätzchenbacken und gehe lieber in den Garten um das Beste aus dem verrückten Klimawandel herauszuholen. Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann mach Tequila draus. Oder so ähnlich….

Ich esse Salat bis zum Platzen, mache Kräuterquark, koche Tomatensauce ein und gestern habe ich mich um den explodierenden Sauerampfer gekümmert.

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Ich kochte eine unserer Lieblings-Suppen, die von ALLEN Familienmitgliedern gegessen wird:

Altfränkische Sauerampfer-Suppe

Zutaten:

  • 1 großer Bund Sauerampfer (alternativ Brennnesseln, Löwenzahn, Rucola – also alles, was jetzt noch im Freien an Grünzeug wächst)
  • 3 große Kartoffeln, gewürfelt
  • 30 g Butter
  • 1 1/2 l Gemüsebrühe
  • 2 Eigelb
  • 4 EL Sahne
  • Salz und Pfeffer

Den Sauerampfer waschen und kleinwiegen. Die Butter in einem Topf erhitzen und bei nicht zu großer Hitze den Sauerampfer anschwitzen. Wenn er zusammen gefallen ist, mit Gemüsebrühe aufgießen. Zum Kochen bringen und die Kartoffeln dazu geben. 30 Minuten köcheln lassen, anschließend pürieren. Die Eigelbe und die Sahne mit etwas Suppe vermengen und dann die Mischung in die Suppe gießen. Suppe bei geringer Hitze binden lassen, rühren, rühren, rühren. Nicht aufkochen lassen!

Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Listen, Weihnachten

Mein Weihnachtsbuch

Heute morgen war ich bei meinem anatolischen Allgemeinarzt. Erst sprachen wir über zu hohe Cholesterinwerte und Harnsäure und dann über kurdische und fränkische Großfamilien, während vor dem Behandlungszimmer die Warteschlange immer länger wurde. Irgendwie vermisse ich, genauso wie mein Allgemeinarzt, das Gefüge einer Großfamilie. Das bedeutet nämlich auch, dass nicht alle Last die eigenen Schultern zerquetscht. Die war übrigens in Ordnung, die Schulter. Und meine Lunge hätte die Kapazität eines Profisportlers, meinte der Arzt. „Treiben Sie professionell Sport?“ „Nein, ich schreie nur meine Kinder an.“

Auf dem Nachhause-Weg brummte mir der Schädel. Es ist zu laut, da oben in meinem Kopf. Zuviele Stimmen, die an mir zerren. „Du musst noch…denk daran….du darfst nicht…du solltest….und genug Butter haben wir auch nicht mehr im Haus.“

Wie schön wäre so eine Großfamilie, in der die Oma öfter mal das Kochen übernimmt und die Tante Socken für die Kinder strickt und das Kind im Tante-Emma-Laden die Butter holt. Ich hab zwar so eine Familie, die ist aber weit weg und im Alltag nicht verfügbar.

Im Alltag, da bin nur ich. Ab und zu eine Freundin, die ein bisschen was abnehmen kann. Aber die haben selbst alle ihre Schultern pickepackevoll.

Die Adventszeit naht mit Riesenschritten, sowie drei Geburtstage, die ich wuppen muss. Der Gedanke daran verursacht Schnappatmung und Herzrasen.

IMG_8635Am Wochenende hab ich auf einem Bücherflohmarkt „Das große Ravensburger Weihnachtsbuch“ aus dem Jahr 1972 mitgenommen. Ich weiß nicht, was mich da gerade wieder reitet, aber mich hat ein Retrobuch-Fimmel befallen. Und dieses Buch ist dermaßen herrlich retro, dass ich seit Tagen darin lese und eine Perle nach der anderen finde:

„Haben Sie viel Mürbeteig zubereitet, so sollten Sie die Ausstechreste zum Schluss nicht auf Mehl, sondern auf Puderzucker ausrollen. Das macht den Teig nicht so trocken.“

„Kaufen Sie sich einen Wäschesprenger mit großen Löchern und füllen Sie ihn voll Mehl. Dann pudern Sie den Teig und die Tischplatte mit ein.“

„Wer seinen Putzzwang nicht zu überwinden vermag, der putze in Gottes Namen, aber nicht mehr in der zweiten Dezemberhälfte und nicht, wenn der Rest der Familie in der Wohnung wohnen will.“

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Nach einigen Seiten stieß ich auf den Ratschlag der Autorin, ein Weihnachtsbuch zu führen. Einerseits zur leichteren Planung und andererseits als Dokumentation für die nächsten Jahre. Ich hab den Vorschlag sofort in die Tat umgesetzt, damit endlich meine Schnapp-Atmung aufhört. Und tatsächlich, ich liebe schon jetzt mein Weihnachtsbuch. Friede kehrt ein.

Jede Seite in meinem Weihnachtsbuch enthält eine Liste.

  • Seite 1: Geschenke-Liste. Hier notiere ich nicht nur konkrete Geschenke, sondern auch übers Jahr Geschenk-Ideen.
  • Seite 2: Backliste (dieses Jahr werde ich aus dem Retro-Buch ein paar Rezepte nachbacken – bin so gespannt!)
  • Seite 3: Geschenke – Selbermachen
  • Seite 4: Namensliste für Weihnachtspost
  • Seite 5: Weihnachtsmenü
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Ich habe noch zwei Seiten hinzugefügt für die Kindergeburtstage, die in die Weihnachtszeit fallen.

Listen helfen mir. Listen sind gut. Listen bringen die sorgenvollen Stimmen in meinem Kopf zum Schweigen. Ich muss meine Listen nicht lückenlos abarbeiten, aber sobald ich die Gedanken aus meinem Kopf zu Papier bringe, werde ich ruhig. Und wenn mir dann doch wieder alles über den Kopf wächst, dann lass ich einfach mal einen Urschrei los. Die Lungenkapazität dazu besitze ich ja.

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(Retro-Bücher riechen übrigens gut. Den Duft sollte es als Parfum für Büchernerds wie mich geben…..)

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Freitags-Futter

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Ich komme heim, fünf Tage stand unser Haus leer. Die Räume sind kalt und staubig. Im Flur stapeln sich Dreckwäsche und Krimskrams. In der Küche finde ich überall Katzenfutterspuren. Die Wiese hinter dem Haus ist übersät mit goldenem Laub, das langsam vor sich hinmatscht.

Jetzt hätte ich gerne einen Zauberstab, mit dem ich alles *hexhex* in einen Zustand perfekter Ordnung und Sauberkeit verwandeln könnte. Blöd nur, dass dieser Zauberstab noch nicht erfunden wurde (aber den Mars erforschen, das können wir!).

Ich verfalle mal wieder in innere Panik, weil nicht gleich wieder alles im perfekten Zustand ist (war es das jemals??). Mein Leben fülle ich an bis in den letzten Winkel mit To Dos und trotzdem ist es nie genug. Mein Haus ist nie komplett sauber, der Garten niemals tiptop, die Kinder nie porentief rein.

Gerade lese ich das neueste Buch von Elizabeth Gilbert „Big Magic“, das von kreativen Prozessen und Inspiration handelt. Ich stehe ihrer Schreibkunst und ihrer pathetischen Esoterik zweifelnd gegenüber. Aber bei Frau Gilbert ist das so, dass sich in ihren Büchern hie und da Perlen verstecken, die es wert sind, sich durch ihr Universums-Gelaber zu kämpfen.

Direkt nach unserer Rückkehr hab ich diesen Absatz gelesen:

„Ich glaube, Perfektionismus ist nur die edle Haute-Couture-Version von Angst. Ich glaube, Perfektionismus ist nur Angst in schicken Schuhen und Nerzmantel, scheinbar elegant, aber eigentlich voller Panik. Denn hinter der glänzenden Fassade ist Perfektionismus nur tiefsitzende existentielle Angst, die wieder und wieder sagt: ‚Ich bin nicht gut genug, und ich werde nie gut genug sein.‘ „

Die Wahrheit ist doch, dass alles was ich tue, tatsächlich nie genug ist. Ich lerne immer mehr, diese Wahrheit zu akzeptieren und mich nicht von ihr ängstigen zu lassen. Am Ende dieser Woche ruhe ich mehr und mehr in dieser Wahrheit, ich schaue über die To-Dos hinweg auf mein Leben, das genug ist.

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Bilder, Gedanken, Reisen

Reiten, Amsterdam, Anne Frank

Warnung: Der folgende Blogbeitrag ist unzusammenhängend, vollgestopft mit Bildern und Erlebnissen und Gedanken. Beschwert euch hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt…

Los gehts!

Vor ein paar Tagen sind wir gen Norden gestartet, das Auto vollgestopft mit Herbstklamotten, Stiefeln und Büchern (eine Reise ohne Bücher ist unvorstellbar….und IMMER habe ich zuviele Drucksachen dabei und zu wenig Socken). Wir verbringen die Herbstferien bei meinen Schwiegereltern in Norddeutschland. Dort, wo die Menschen seltsam sprechen, viel Schnaps trinken und genauso grummelig wie bei uns im Süden sind.

Julie, unsere 13-jährige quirlige Nichte aus den USA lebt ein Jahr bei ihren Großeltern (also meinen Schwiegis) und die ist natürlich ganz aus dem Häuschen, dass Leben in der Bude ist. Ich selbst hatte den Plan, mich die meiste Zeit schreibend zurückzuziehen, aber daraus ist dann doch nichts geworden.

„You wanna come horseback riding, Vroni?“(Möchtest du reiten gehen?). Tausend Ausreden schossen mir durch den Kopf: Ich habe Rückenschmerzen. Ich habe keine Reiterklamotten dabei. Mir ist kalt. Ich kann das bestimmt nicht mehr. Ich habe meine Tage. Ich bin zu alt für den Scheiß. 

Und ich sagte Ja.

Als junges Mädchen bin ich leidenschaftlich gerne geritten. Ja, ich war eines von DIESEN Mädchen! Pferdenärrisch. In meinen Träumen ritt ich die ganz großen Turniere und gewann kiloweise Pokale. Ich wollte richtig richtig gut sein im Reiten und es allen zeigen, dass ich mit meinen 12 Jahren was kann. In allem war ich Mittelmaß. Mit nichts stach ich heraus. Ich fühlte mich unsichtbar, nicht wahr genommen. Blöde Pubertät. Uns wurde eingeredet, dass wir gut sein müssen, in dem was wir tun. Schule. Sport. Musik. Hobby. Also betrieb ich alles, was ich tat mit verbissener Ernsthaftigkeit und schaffte es doch niemals über das Mittelmaß hinaus. Ich konnte mit nichts glänzen, was natürlich in einem Alter der erschütterten Identität nicht hilfreich ist. Selbst angesagte Klamotten blieben mir verwehrt, weil in einer Familie mit fünf Kindern kein Budget für teure Benetton-Pullis und Levis-Jeans vorhanden war.

Mich hat das mutlos gemacht. Irgendwann gab ich das Reiten auf. Und das Klavierspielen. Und das Schreiben. Und das Malen. Weil man mir immer nur sagte: „Streng dich mehr an, das kannst du sicher noch besser.“ Und danach bekam ich eine 3 oder 4 oder eine weitere Ermahnung.

Heute würde ich meinem 14-jährigen Ich verständnisvoll über den Kopf streicheln und sagen: „Du hast Spaß an diesen Sachen und das ist die Hauptsache. Freu dich wie verrückt daran, dass du auf einem Pferd sitzen kannst oder wenn du den Stift zur Hand nimmst oder wenn du eine Melodie auf dem Klavier spielst. Schau nicht auf das Ergebnis, nur auf die Freude!“

Vielleicht wollte ich deswegen zuerst mit Julie nicht reiten gehen. Weil ich es nicht gut genug kann. Aber ich habe Ja gesagt. Und ich hatte den Spaß meines Lebens, als wir zwei auf unseren Pferden über nebelverhangene Wiesen und durch bunte Wälder jagten, wo mir die Zweige nur so ins Gesicht peitschten und ich laut „Woooohooooo“ schrie.

Ich konnte es noch: Lautlos mit dem Pferd kommunizieren, der leichte Trab, der Jagdsitz. Ich hätte mir dieses Erlebnis beinahe selbst verbaut mit meinen Selbstzweifeln. Und es hat mir Mut gemacht, EINFACH ZU MACHEN und den urteilenden Stimmen meiner Jugend den Mund zuzuhalten.

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Ich muss nicht der nächste Paul Schockemöhle, der nächste Picasso, der nächste Ansel Adams, die nächste Margret Atwood sein.

Von den Meistern darf ich lernen. Und dann zu mir selbst zurückkehren und ich selbst sein. Pures herrliches lebensbejahendes Mittelmaß!

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Gestern haben wir unsere zwei Gören bei den Schwiegis und der begeisterten Julie geparkt und sind nach Amsterdam abgehauen. Die Ruhe auf der hinteren Sitzbank war ungewohnt. Anfangs drehte ich mich noch immer um und musste jedes Mal realisieren, dass wir alleine sind!

Die Fahrt nach Amsterdam zieht sich. Holland ist flach und langweilig und die Autobahn verläuft schnurgerade. Armin kauft sich Lakritze und weil mir so furchtbar langweilig ist, teste ich, ob ich dieses schwarze Zeugs nicht doch mögen könnte. Das erste Lakritz spucke ich angewidert aus dem Autofenster. Hoffentlich ist es dem Holländer hinter uns an die Windschutzscheibe geflogen. Die müssen doch echt mal merken, dass das Zeug ungenießbar ist. Dann probiere ich das nächste Lakritz, vielleicht war das erste verdorben.

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Ne! Schmeckt wie eine Mischung aus Erbrochenem und verdorbenem Fisch.

Aber wir nähern uns Amsterdam!  Wir haken den Besuch eines Flohmarkts und des Pralinenladens mit den WELTBESTEN PRALINEN ab.

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IMG_8568_edited-1 IMG_8562 IMG_8565Anschließend steuere ich einen Starbucks an. „Hier gibt es sicherlich Pumpkin Spice Latte“, rufe ich. Armin erwidert näselnd: „Aber vergiss beim Bestellen nicht die Betonung auf La-TÄÄÄII!“

Endlich, endlich halte ich wieder einen Pumpkin Spice La-TÄÄÄII in der Hand. Das letzte Mal hab ich ihn in Yale getrunken, was einer herbstlichen Kaffee-Offenbarung gleich kam. Ich war damals völlig angefixt und entsprechend begeistert reagiere ich darauf, dass es diesen Kaffee auch in Amsterdam gibt. Endlich halte ich das flüssige Gold in der Hand!!!! Nach sechs langen Dürre-Jahren!!!!

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Ich bin voll glückseliger Erwartung. Boah, riecht der lecker!

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Erster Schluck. Totale Ernüchterung. Was ist denn das für eine ekelhafte Plörre? Das ist kein Pumpkin Spice La-TÄÄII! Das ist dünner Kaffee mit irgendeinem zimtigen Ekelsirup. Bäh! Ich könnte vor Enttäuschung heulen, pfeffere die halb leergetrunkene Plörre in den nächsten Mülleimer und schäme mich für meine First-World-Problems….

Zucker- und koffeinerfüllt bummeln wir weiter durch Amsterdam, das mir so vertraut ist durch viele, viele Besuche.

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Mit 14 Jahren hatte ich das Tagebuch der Anne Frank gelesen verschlungen. Und dann las ich es noch zehn weitere Male. Jedes Mal hoffte ich, das Buch würde anders ausgehen. Dass es nicht mit dem 4. August 1944 endet, sondern damit, dass Anne den Krieg überlebt und sich ihren Traum erfüllt und als Schriftstellerin nach Paris geht. Annes Worte gingen tief und füllten einen sehnsüchtigen Winkel meines Herzens. Ich fühlte mich in meinem Teenager-Empfinden verstanden. Ich war nicht wie Anne eingesperrt, ich musste mich nicht vor einem Feind verstecken. Aber ich war auf andere Weise eingesperrt, in einem Körper, den ich nicht mochte, in einem Wesen, das ich nicht sein wollte.

Ich bewunderte ihre Schreibgabe. Anne inspirierte mich, Tagebuch zu schreiben. Ich schrieb und schrieb. Und hörte wieder entmutigt auf. Ich würde niemals so gut schreiben können wie Anne.

Mit 25 Jahren besuchte ich das Anne-Frank-Haus in Amsterdam. Ich kann mich kaum mehr daran erinnern.

Mit 41 Jahren besuche ich mit Armin erneut das Anne-Frank-Haus. Ich weine vom ersten Augenblick an. Als hätte man eine innere Schleuse geöffnet. Heute bin ich Mutter und nehme Anne Frank nicht mehr als Gleichaltrige wahr, sondern aus der Mutter-Perspektive. Mein Mutterherz heult auf vor der grausamen Wahrheit, dass die ganze Familie bis auf den Vater ausgelöscht wurde. An der Wand entdecke ich Bleistift-Markierungen. Margots und Annes Wachstums-Schübe, aufgezeichnet vom Vater. Bis sie nicht mehr weiter wachsen durften.

Ich weine immer noch, als wir nach dem Rundgang durch das Versteck im Hinterhaus eine Multimedia-Show sehen. Wegbegleiter Annes und berühmte Persönlichkeiten äußern sich zu ihr. Nelson Mandela erzählt, dass viele Häftlinge auf Robben Island Annes Worte gelesen hätten und neuen Mut schöpften.

Und meine Lieblingsschauspielerin Emma Thompson sagt in einer bewegenden Rede:

„All her would-haves are our opportunities.“
(Schwierig zu übersetzen: Unsere Möglichkeiten sind alle ihre „was-wäre-gewesen-wenns“.)

Anne war meine erste Inspiration. Und ich hatte den Fehler gemacht, mich mit ihr zu vergleichen. Ich durfte in ihr Buch eintauchen, mich vollsaugen mit ihrer Lebenskraft und dann habe ich 20 Jahre gewartet, bis ich wieder anfing zu schreiben. Ich will aus Lust an meinem Leben schreiben. Ich will aus Dankbarkeit für dieses eine kostbare Leben schreiben.

All her would-haves are my opportunities. 

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