Gedanken, Glaube

Freude trotz Resting Bitch Face…

Gestern morgen saß ich grummelig auf der Couch. Eigentlich wollte ich in Ruhe meinen Kaffee trinken, aber mit zwei energiegeladenen Kindern ist der Kaffee-Part noch möglich, der Ruhe-Part aber nicht. Nachdem ich die dritte Streitfrage des Morgens völlig unpädagogisch gelöst hatte („Wenn ihr weiter streitet, gibt’s heute kein I-Pad!!!), lies ich meinen rastlosen Blick auf einem Psalm ruhen. Von Freude und Jauchzen war da die Rede. Ich war noch mehr genervt. Egal, welchen Psalm ich lese, immer IMMER werde ich aufgefordert, mich zu freuen und zu jauchzen. (Wären die Psalmen von irgendeinem drittklassigen Selbsthilfe-Guru verfasst worden, ich hätte sie schon längst in die Ecke gepfeffert.) 

Früher wurde ich oft gefragt, warum ich denn so ernst / böse / traurig / bitchig schaue. Gefolgt von einem Aufmunterungsversuch. Oft war ich einfach nur in Gedanken. Und wenn ich in Gedanken bin, dann setz ich automatisch mein „Resting-Bitch-Face“ auf.  Niemand kann was für sein Resting-Bitch-Face – das ist rein genetisch.

Was ich sagen möchte: Manchmal möchte ich keinen Aufmunterungsversuch, weil ich einfach nur in Ruhe meinen Gedanken nachhängen will. Sowie gestern morgen auf der Couch. Meine Kinder zerhacken aber gerne jeden Gedankenfluss in kleine Fragmente, die ich hinterher nicht mehr zusammen puzzeln kann.

Ich hab dann den Rest des Tages meine Gedanken ab und zu zur Freude wandern lassen. Abends ließ ich Revue passieren, wann ich mich denn tatsächlich gefreut hatte. Fast gar nicht. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, meine Kinder unpädagogisch zu erziehen, meine Aufgaben abzuhaken, das Chaos und Leben unter Kontrolle zu halten. Ich fragte mich, ob Freude nur ein Produkt besonders glücklicher Momente ist. Oder ein hoffnungsvolles „Trotzdem“, das Funken in unserem unkontrollierbaren Leben aufleuchten lässt.

Ein kühler Septembermorgen ist angebrochen. Ich sitze mit meinem Kaffee auf der Couch. Die Kinder schlafen noch. Ich beschließe die Freude aus der Warteschlange zu holen, wo ich sie abgestellt habe. Sie ist etwas verstaubt, wir gehen noch etwas unbeholfen miteinander um. Aber ich will sie mitnehmen in alle meine Alltags-Situationen. Und sie wird mir neu die Augen für alle Schönheiten des Lebens öffnen. Und manchmal wird sie leise zur Seite treten, um anderen wichtigen Gefühlen Platz zu machen.

Nur das mit dem Jauchzen. Das lass mal sein. Soweit bin ich noch nicht. Geht auch echt schwer mit einem Resting-Bitch-Face….

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5 Gedanken zu „Freude trotz Resting Bitch Face…“

  1. Das mit dem „Warum guckst Du denn so böse?“ kenne ich gut. Nachdem sich vor allem von einer Kollegin solche Fragen gehäuft hatten, hatte ich mich bemüht, immer betont zu lächeln, wenn ich über die Redaktionsflure schlich. Mit dem Ergebnis, dass ich dann gefragt wurde, warum ich denn so grinsen würde…. Man kann es eben niemandem recht machen. Jetzt gucke ich, wie es mir passt 😉

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  2. auf dem bild siehst du übrigens aus wie 18 🙂 bitch face hält jung…
    schön bist du wieder da. mir tun deine worte immer gut und ich mag deine ehrlichkeit so sehr (wer gibt sonst schon seine unpädagogischen anweisungen zu).
    danke
    christa

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  3. Danke für die Ausformulierung dieses Zustandes. War die letzten zwei Tage auch so unterwegs und es tut gut, damit nicht allein zu sein. Warum denke ich nur immer ein fröhliches Gesicht haben zu müssen? Das ist doch fern dem echten Leben! Auf der Suche nach der tiefen, echten Freude……..;)

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