Kleine Schritte statt Perfektion

Mir zerbröselt es den Rücken. Und auf meinen Augenlidern liegt Blei. Aber in meinem Herz bin ich überglücklich, ja, ganz aufgekratzt! Amelie und Josefine haben endlich jede ihr eigenes Zimmer! Die letzten drei Tage habe ich gestrichen, Möbel gerückt, Löcher gespachtelt, ausgemistet, neu dekoriert.

Ich habe den Schritt lange vor mir her geschoben, weil ich wusste, dass es keine perfekte Lösung für unser Raumproblem gibt. Also habe ich lange Zeit lieber gar nichts gemacht. Während des Arbeitens wurde mir klar, wie oft ich Dinge gar nicht anpacke aus Angst, das Ergebnis könne nicht perfekt sein. Egal, ob es darum geht ein paar Kilo abzuspecken, das Haus zu entrümpeln, den Garten auf Vordermann bringen, ein Provisorium zu beenden, kaputte Hosen zu flicken. Ein Berg aus Anforderungen liegt vor mir und seine schiere Größe raubt mir den Mut, die ersten Schritte zu gehen. Aber warum muss ich mir denn immer vornehmen, den ganzen Berg zu erklimmen? Es reicht doch auch ein Tagesausflug ins Vorgebirge: Anstatt das ganze Zimmer zu entrümpeln, fange ich mit einer Schublade an. Manchmal motiviert das Ergebnis so sehr, dass ich direkt weitermachen möchte. Oder auch nicht. Das ist dann auch ok. Warum den kompletten Garten in Ordnung bringen? Ich könnte mich doch einfach nur einem Beet widmen.

Das Streben nach Perfektion lähmt mich. Lieber einen Tagesausflug, den ich mit Liebe unternehme anstatt mit hängender Zunge den Alpinisten zu spielen.

Unseren innerhäuslichen Umzug habe ich damit begonnen, dass ich Bücher aussortiert habe. Dann hatte ich Lust weiterzumachen und fuhr zum Baumarkt, um Farbe zu kaufen. Schritt für Schritt und Tag für Tag habe ich mich dem Ziel genähert.

Heute Abend bin ich müde. Glücklich müde. In unserem unperfekten Haus, das heute von zwei sehr sehr glücklichen Mädchen bewohnt wird.

Amelies Zimmer (bevor sie es innerhalb von zwei Minuten auf den Kopf stellte…)

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Josefines Zimmer (bevor sie es innerhalb von 0,2 Sekunden auf den Kopf stellte…)

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7 Kommentare zu „Kleine Schritte statt Perfektion

  1. oooh das ist ja sooo liebevoll eingerichtet! möchtest du mein Zimmer auch neu gestalten? Ich bezahle mit frischgemachter Brombeermarmelade!! (meine Schwester hat eingekocht!) alles liebe… und nein, perfekt werden wir nie sein… aber das ist OK!

  2. Ja, Veronika, ihr habt es schön!!! Für mich war der Gedanke wertvoll, dass wir die Dinge einfach anpacken und einen Schritt nach dem anderen machen dürfen – ohne den Anspruch, alles „perfekt“ (was ist das überhaupt?) zu machen. Dieser Perfektionismuswahn hintert mich leider viel zu oft daran, den Anfang zu wagen… danke für diesen Beitrag!

    1. Hallo Hanna,
      das Bett haben wir gebaut, als Amelie 2 war. Es gibt ja nur die Versionen mit Leiter – das war uns damals zu heikel. Das Bett hab ich selbst entworfen und die Männer haben’s gebaut. Die Pläne habe ich leider nicht mehr 🙁
      Liebe Grüße
      Veronika

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