Gott und mein super-duper-mega-popeliger Alltag

Jetzt hab ich drei mal begonnen, diesen Beitrag zu schreiben. Und jedes Mal alles wieder gelöscht. Ist auch nicht so schlau, gleichzeitig zu schreiben UND Kinder ins Bett zu bringen. Aber die Muse sucht sich bei mir nie den perfekten Augenblick aus, sondern küsst mich immer ungestüm in den blödesten Augenblicken…..kurz vorm Einschlafen, auf dem Zahnarzt-Stuhl, beim Kinder-Ins-Bett-Bringen.

In den vergangenen Tagen habe ich viel viel viel geschrieben. Internet-Sperre rein, Word-Dokument auf, nicht nachdenken, einfach loslegen. Habe versucht, meinen inneren Zensor auszuschalten und das hervor zu locken, was tief in mir schlummert. Die Worte sind gekommen, ungeordnet, wild, stolpernd. Nichts, was vorzeigbar wäre. Aber im unzensierten Schreiben – wenn ich es fließen lasse – fördere ich Stück für Stück zu Tage, was mich beschäftigt, was ich fühle. Oft fehlt mir genau dafür nämlich das Bewusstsein, weil mein Alltag so laut und herrlich voll ist, dass ich mich selbst nicht denken höre.

Da formt sich etwas in mir, das ich nur holprig formulieren kann: Ich möchte mein Leben nicht mehr in einen geistlichen Teil und einen Alltags-Teil aufspalten. Denn ich bin mittlerweile überzeugt, dass alles eine geistliche Dimension besitzt. Gott hat sich in den letzten Jahren mehr in meinem popeligen Alltag offenbart als im Gottesdienst. Ich habe mehr geistliche Weisheiten beim Windelwechseln, Brotbacken und Schreiben als auf Seminaren begriffen. Mein Geist hat sich mehr nach Ihm ausgestreckt beim Wachen am Kinderbett und in persönlichen Nöten als im Lobpreis. Gnade ist zu einer greifbaren Dimension gewachsen, weil ich sie als Mutter und Ehefrau mehr denn je benötige. Alltag schenkt mir Nahrung, wenn ich Ihn lasse.

Vielleicht liegen mir in letzter Zeit auch mehr die leisen Töne? Ich bevorzuge neuerdings Folk statt Rock. Bescheidene Gesten statt Schnelllebigkeit. Besonnene, progressive Prediger statt laute, wild gestikulierende Halleluja-Gottesmänner (und -frauen).

Ich will meinen Gedanken weiter nachhängen. In die Stille und in meinen Alltag horchen. Ich will das annehmen, was eigentlich schon immer da war….aber oft nicht haben will, weil es nicht in meine Kategorie von „super-duper-geistliches Erlebnis“ passt.

Könnt ihr die Gedanken nachvollziehen? Oder meint ihr, ich habe einen meiner komischen Anfälle?

Mini-Ausschnitte der Woche aus meinem super-duper-mega-popeligen Alltag:

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17 Kommentare zu „Gott und mein super-duper-mega-popeliger Alltag

  1. Liebe fremde und doch irgendwie vertraute Veronika 😉
    Seit Monaten lese ich schon deine Beiträge und bin immerwieder fasziniert wie mir deine Worte aus der Seele sprechen. Da ich selbst viele Kinder vonunserem Herrn geschenkt bzw. anvertraut bekommen habe, fehlt mir die Zeit und die Nerven mich am Sonntagmorgen mit meinem „Rudel“ auf den Weg zu nem Gottesdienst zu machen. Anfangs fehlte mir das „reden Gottes“ aber nun geht’s mir Wie dir…Gott redet still und leise in meinen Alltag hinein…ist da, wenn ich nicht damit rechne…und sendet seine „dienstbaren Geister“ die Engel, die da sind, wenn ich als Mutter mal wieder nicht alle Kids im Blick habe. Könnte soviel schreiben was ich im Alltag erlebe mit ihm, mit meinem Herrn und Freund Jesus Christus, aber wo fang ich an und interessiert das jemand? Noch ein Blog einer frommen Hausfrau und Mutter?
    Da lese ich lieber weiter deine Beiträge und schmunzle darüber wie ähnlich wir doch unseren Alltag erleben…
    Liebe Grüße aus der Pfalz

  2. Liebe Veronika
    also ich verstehe sehr gut, was Du da beschreibst, da es mir so oft genau so ergeht! Zum einen die Tatsache, dass ich das unzenzierte Schreiben brauche, um LIcht in mein Seelenwirrwarr zu bringen. Aber leider habe ich dafür viel zu wenige Zeit – naja, oder ich gönne sie mir nicht 🙁
    Und sowas kann ich bisher auch nicht auf meinem Blog. Da ist bei mir dann doch zu sehr das Wissen präsent, dass dies gelesen werden kann… mit meinem Tagebuch hingegen passiert das in der Regel nicht!
    Und das Problem mit der Muse – oh ja, das ist mir sowas von vertraut! Die guten Gedanken und tollen Worte schwimmen stets dann massenhaft in meinem Kopf umher, wenn Tagebuch oder Computer unerreichbar sind. Und wenn ich es dann endlich an den PC schaffe ist so oft alles wieder wie weggeblasen. Manchmal hat mich das schon richtig wütend gemacht 🙂 Aber inzwischen kann ich selbst damit die meiste Zeit gelassen umgehen. Und ich sage mir, das, was wirklich wichtig ist, wird schon irgendwann und irgendwie seinen Weg von innen nach außen finden 🙂
    Und ich muss sagen, ich finde das so cool von Gott, dass er genau da spricht, wo wir sind… und wenn wir im Alltag mit Kindern stecken, gibt es so viele Gelegenheiten und so viele Punkte wo man längst vertraute Wahrheiten oder Verse aus der Bibel plötzlich ganz neu und tief versteht, weil das Leben genau das widerspiegelt. Das ist so spannend und ein absolutes Geschenk finde ich!
    DANKE fürs Anteil haben lassen an Deinen Gedanken.

  3. War mit meinem vierten Kind hochschwanger und nahm an einem geistlichen Seminar teil. Es war ein echter Flop und ein Schlüsselerlebnis zugleich: „Wie du siehst“, sagte Gott, „brauchst du mich nicht außerhalb zu suchen. Sei sicher, dass ich in deinem Alltag bin.“

  4. Oh ja, ich weiß , was du meinst. Schon vor einiger Zeit habe ich gemerkt, dass ich Gott im Alltag sehr viel näher bin als im Gottesdienst: Ein „feiert Jesus“ Lied mit den Kindern im Auto geschmettert, eine Seite in einem Buch von Shauna Niequist, zwischendurch im Hauswirtschaftsraum gelesen, oder ein kleines Gebet auf dem Weg zur Arbeit, inspiriert mich gerade sehr viel mehr als lange Messen . Ich habe das Gefühl, viele Predigten muss ich erst verstehen und umdeuten, um sie für meinen Alltag passend zu machen, während das andere direkt daraus entsteht.
    Mein Oma war sehr gläubig und sagte immer: Gott schickt dir jeden Tag Zeichen, wenn du sie sehen magst.
    Daran glaube ich fest und manchmal hauen sie mich richtig um.
    Bsp vom letzten Sommer: : Ich verliere meinen Geldbeutel beim Einkaufen, bin völlig verzweifelt, sehe am nächsten Tag im Intenet, dass er im Fundbüro am Flughafen abgegeben wurde (danke, Gott!). Das Geld fehlt (70 Euro , ein 50er und ein 20er), finde ich zwar doof, ist aber das kleinere Übel.
    Zwei Tage später besucht meine damals Dreijährige Tochter mit ihrem Kindergarten den Flughafen und findet neben einem Mülleimer unter einer Bank zwei Geldscheine: 50 und 20 Euro (von denen sie sofort den gesamten KIndergarten zum Eisessen einlädt :o))
    Nicht jede meiner Gott-Alltagsgeschichten ist so unglaublich, aber jede ist toll!
    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiß, wie eigentlich immer, genau wovon du sprichst :o)))

  5. Liebe Veronika, ganz oft fragte ich mich früher, wie das gehen soll … Alltag UND Gott. Am Sonntag in der Predigt fühlte ich mich oft positiv bestärkt, oft war am Sonntagabend schon wieder alles ALLTAG und ganz und gar nicht voller Liebe und Gnade. Ich hatte dieses Jahr in Freising ein Schlüsselerlebnis. Ich schrieb einen Brief an Gott und malte, wenn mir die Worte ausgingen, nebenbei all das auf ein Blatt Papier, was mir zum Vater einfällt. Mir kam die Frage in den SInn: „Wie kann ich Dich, Herr, in meinen Alltag bringen? Wie kann ich Dich ins Boot holen?“ … vor mich hin grübelnd malte ich dieses Boot … und siehe da, er saß schon drin, lachte mich herzlich an und sagte: „Ich bin doch schon lange im Boot – Du siehst mich nur nicht an und vertraust mir nicht. Ständig versuchst Du, die Überfahrt alleine zu schaffen und willst mir das Ruder aus der Hand reissen!“ Mir wurde bewusst, dass er immer da ist – er sitzt in meiner Küche, wenn ich koche, und würde gern mit mir reden, meine Sorgen hören. Er läuft mit mir jeden Tag zur Arbeit und er bringt mit mir die Kinder ins Bett. Er sitzt auch bei mir, wenn ich mich in mein Zimmer zurückziehe und verzweifelt bin … und er staunt mit mir über die Wunder der Natur. Ich muss ihn nur wahrnehmen. Seitdem ich das begriffen habe, unterhalte ich mich mit ihm – jeden Tag … auf dem Weg zur Arbeit, beim aufräumen, beim umgraben im Garten, beim Warten auf die Strassenbahn. Ganz oft fällt mir auf, wie ich vor mich hingrüble und dann wende ich mich ihm zu und entschuldige mich, dass ich ihn schon wieder ignoriert habe – seit ich ihn in meinem Leben wahrnehme, ist es mir mehr und mehr eine Freude geworden, ihm zu danken, ihn zu bitten, ihn zu rate zu ziehen … Und auch hier klingen vor allem die leisen Töne an – denn bei Dance-Music kann ich ihn nicht hören! LG Anett

    1. Hallo Anett, mir ging es früher nach dem Gottesdienst genauso – das Gehörte und Erlebte schwand stündlich. Und dann machte ich mich selbst klein, weil ich es nicht schaffte, „geistlicher“ zu sein. Dein Bild mit dem Boot trifft es auf den Punkt! Danke, dass du es mit uns geteilt hast.
      Liebe Grüße
      Veronika

  6. Liebe Veronika,
    ich lese nun auch schon ne Weile deinen Blog und nun melde ich mich auch mal zu Wort. 🙂
    Als ich den heutigen Eintrag gelesen habe, kam mir der Ausspruch der Ordensfrau Teresa von Avila in den Sinn: „Christus ist auch zwischen den Kochtöpfen“, womit sie genau das meinte, dass es keine Trennung gibt zwischen Aktion und Kontemplation. Das ist mir zur Zeit oft ein Trost, wenn ich Gottesdienstangebote nicht mehr so wahrnehmen kann, wie früher, als meine Tochter noch nicht geboren war. Seit sie da ist, erlebe ich aber -wie du und die anderen Schreiberinnen- unzählige spirituelle Momente im Alltag mit ihr, diesem großen Wunder.
    Und meine Oma hat schon oft von einem alten Pfarrer erzählt, der immer sagte: Wer am Sonntag bei den Kindern zu Hause ist, tut einen ebenso wertvollen Dienst an Gott, wie der, der zur Eucharistiefeier geht. (Und das zu Zeiten, als bei uns Katholiken die sogenannte „Sonntagspflicht“ noch sehr ernst genommen wurde 🙂
    Liebe Grüße von Katharina

  7. Liebe Veronika, ich habe über die Jahre, dieselbe Erfahrung gemacht – Glaube muss Alltags tauglich sein, sonst taugt er nichts. Jesus war mitten im Alltag und im Leben und begegnet mir auch fast ausschließlich IM Alltag.
    An dieser Stelle möchte ich dir noch sagen, dass das lesen deines Blogs mir endlich den Mut gab auch einen zu starten. Mein allererster Beitrag handelt genau von dem Thema – Gott im Alltag erleben. Wenn du willst schau doch mal rein:
    http://mammandrea.jimdo.com/2015/06/08/die-tasche-und-gott/

    Herzlichst Andrea

  8. hhm zum ersten Mal komm ich nicht so mit…

    Zunächst:
    Ich bin vor Gott Suchende. Schon immer mehr im Alltag, denn ich habe nur einen Gottesdienst pro Woche und aus vers Gründen keinen Hauskreis. ich strecke mich aus nach Gottes idee für mich, mein ICH und dass muss ich alltäglich tun, darf ich… ich nehme dabei brüllende Hallelija Prediger und leise Töne mit und versuche meinen SCH***Bewertungsstauts zu erschlagen und auszuschalten. Einfach offen zu bleiben, trotz meiner Herzenshärte und Bilder von mir und meinem Leben.

    Das ist also der Teil an dem ich nah bei dir bin…wo ich nicht mitkomme ist: wieso sollte ein Alltag, in dem Du lebst und Gottes Kind bist popelig sein. Wer sagt, dass Alltag ständige Events und Uiii Momente braucht? Das was ich auf den Fotos erahne, ist zwar ohne Ton, aber erzählt mir von Gerüchen, Farben, Reibereien, Fragen, Gestaltwillen und krassen Erfolgen ( Salsa selbstgemacht!!! löst in mir das Gefühl aus pobelig zu sein!).
    Du darfst das Gefühl streichen Durchschnitt zu sein.
    Gott im Alltag
    Jesus im Alltag
    Heiliger Geist im Alltag heisst auch:
    Feier den Alltag- gerade dann, wenn die Zähne knrischen wollen.

    UMARMUNG du Wundervolle!

    1. Hi Steffi, nein, ich empfinde meinen Alltag nicht als popelig. Es ist nur meine Selbstironie, die in manchen Alltagsmomenten durchscheint – man darf bei mir nicht immer alles wörtlich nehmen 🙂 Liebste Grüße zurück!

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