Familie

Zirkus

Es ist noch ruhig, nur ein paar Vögel und unser Igel sind mit mir wach. Neben mir auf der Couch dampft eine Tasse Kaffee und ich widme mich meinem Morgen-Ritual: die Gedanken auf Wanderschaft schicken, meine Lieblings-Blogs lesen, in der Bibel lesen. Manchmal gehe ich danach in den Garten, lasse mich von der kühlen Morgenluft wachküssen, pflücke Himbeeren und zerschneide ein paar Schnecken, die nicht schnell genug fliehen konnten. Da ich immer noch mit meinen Nebenhöhlen kämpfe, fällt Morgensport flach. Ich bin ganz und gar nicht traurig darüber, im Gegensatz zu meinen allmählich erschlaffenden Bauchmuskeln.

Nachher werden sich die Kinder regen und je nach Laune den Tag mit fröhlichem oder wütendem Geschrei beginnen, um daraufhin den Esszimmerboden vollzukleckern und sich verrückte Kleiderkombinationen ausdenken (Winterhose, Cinderellakleid und Gummistiefel? Ja, bitte!). Heute sollen sie sich sogar verrückt anziehen: der Kinderferienzirkus beginnt und meine Mädels nehmen zum ersten Mal daran Teil. Zirkus! Ist das nicht ein Traum jeden Kindes? Ich weiß, dass ich eine Phase hatte, in der ich mich am liebsten einem Wanderzirkus anschließen wollte. Manchmal hege ich noch heute solche Träume. Aber ich hab ja hier daheim meinen Zirkus – warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt?

Zirkus herrscht auch in den Zimmern. Nach monatelanger Haussuche ohne Erfolg geben wir unser Gästezimmer/Büro auf und verwandeln es gerade in Amelies neues Zimmer. Die letzten Tage habe ich ausgemistet wie noch nie in meinem Leben. Um überhaupt Platz zu gewinnen, muss Zeugs raus. Ich bin erstaunt, wieviel nutzloser Kram sich über die Jahre ansammelt. Diesmal habe ich alle nostalgischen Gefühle niedergekämpft und gnadenlos aussortiert. Das Ergebnis: zwei Umzugskisten Bücher und zwei Säcke voll Kleidung und Schuhe. Ich stehe vor meinem Konsum-Berg und denke an die Flüchtlinge, die demnächst in dieser Gegend in Zeltstädten untergebracht werden. Menschen, die alles zurücklassen mussten und nur noch ihr Leben haben. Das Leid schwappt vor meine blumengeschmückte Haustüre, rüttelt daran und dringt durch meinen Wohlstandsnebel. Unter all unseren Schichten sind wir doch alle bloß Menschen mit denselben Bedürfnissen nach Sicherheit, Liebe, Essen, Wasser. Die Flüchtlinge haben alle ihre Schichten verloren, und ich verstecke mich hinter meinen. Ich will helfen, weiß aber noch nicht wie…

Das Thema bewegt mich zutiefst, vor allem auch der zunehmend raue und menschenverachtende Ton in der Gesellschaft (und in Internetforen). Werde noch einen Blog-Eintrag dazu verfassen. Aber bis dahin widme ich mich weiter den vollen Schränken und der Wandfarbe und den Schnecken im Garten und den Blumen und meinen zwei Zirkus-Mäusen.

IMG_8318

IMG_8381

IMG_6830

IMG_7231

Gedanken, Glaube, Schreiben

Gott und mein super-duper-mega-popeliger Alltag

Jetzt hab ich drei mal begonnen, diesen Beitrag zu schreiben. Und jedes Mal alles wieder gelöscht. Ist auch nicht so schlau, gleichzeitig zu schreiben UND Kinder ins Bett zu bringen. Aber die Muse sucht sich bei mir nie den perfekten Augenblick aus, sondern küsst mich immer ungestüm in den blödesten Augenblicken…..kurz vorm Einschlafen, auf dem Zahnarzt-Stuhl, beim Kinder-Ins-Bett-Bringen.

In den vergangenen Tagen habe ich viel viel viel geschrieben. Internet-Sperre rein, Word-Dokument auf, nicht nachdenken, einfach loslegen. Habe versucht, meinen inneren Zensor auszuschalten und das hervor zu locken, was tief in mir schlummert. Die Worte sind gekommen, ungeordnet, wild, stolpernd. Nichts, was vorzeigbar wäre. Aber im unzensierten Schreiben – wenn ich es fließen lasse – fördere ich Stück für Stück zu Tage, was mich beschäftigt, was ich fühle. Oft fehlt mir genau dafür nämlich das Bewusstsein, weil mein Alltag so laut und herrlich voll ist, dass ich mich selbst nicht denken höre.

Da formt sich etwas in mir, das ich nur holprig formulieren kann: Ich möchte mein Leben nicht mehr in einen geistlichen Teil und einen Alltags-Teil aufspalten. Denn ich bin mittlerweile überzeugt, dass alles eine geistliche Dimension besitzt. Gott hat sich in den letzten Jahren mehr in meinem popeligen Alltag offenbart als im Gottesdienst. Ich habe mehr geistliche Weisheiten beim Windelwechseln, Brotbacken und Schreiben als auf Seminaren begriffen. Mein Geist hat sich mehr nach Ihm ausgestreckt beim Wachen am Kinderbett und in persönlichen Nöten als im Lobpreis. Gnade ist zu einer greifbaren Dimension gewachsen, weil ich sie als Mutter und Ehefrau mehr denn je benötige. Alltag schenkt mir Nahrung, wenn ich Ihn lasse.

Vielleicht liegen mir in letzter Zeit auch mehr die leisen Töne? Ich bevorzuge neuerdings Folk statt Rock. Bescheidene Gesten statt Schnelllebigkeit. Besonnene, progressive Prediger statt laute, wild gestikulierende Halleluja-Gottesmänner (und -frauen).

Ich will meinen Gedanken weiter nachhängen. In die Stille und in meinen Alltag horchen. Ich will das annehmen, was eigentlich schon immer da war….aber oft nicht haben will, weil es nicht in meine Kategorie von „super-duper-geistliches Erlebnis“ passt.

Könnt ihr die Gedanken nachvollziehen? Oder meint ihr, ich habe einen meiner komischen Anfälle?

Mini-Ausschnitte der Woche aus meinem super-duper-mega-popeligen Alltag:

IMG_7801_edited-1

IMG_7821

IMG_7222

IMG_7808 IMG_7798

IMG_7211

IMG_7804 IMG_7202 IMG_7217
IMG_7813

Bilder, Dankbarkeit, Freundschaften

Der Sommer ist ein wankelmütiger Lover….

An diesem Wochenende habe ich mich zum ersten Mal nach Herbst gesehnt. So sehr ich die Idee vom Sommer liebe, so sehr hasse ich die Schwüle und Mücken und Hitzepickel und Wespen und Gewitter und den Unternehmungsdruck.

Erleichternde Regen-Momente ließen mich im Freien herumtanzen.

IMG_7764_edited-1 IMG_7750_edited-1 IMG_7751_edited-1

Und dann gibt es magische Sommer-Nächte, die mich verzaubern. Sie lassen mich vergessen, weshalb ich den Sommer hasse und erinnern mich an alles, was an ihm gut ist. Wie ein Lover mit vielen Macken: Wenn er sein charmantes Grinsen aufsetzt, dann werfe ich die Vernunft aus dem Fenster und vergebe ihm liebestrunken alle Fehltritte.

Gestern war ich sommerliebestrunken. Nach dem Regennachmittag kam abends pünktlich die Sonne raus und ich feierte mit Freundinnen. Der Sommer ist so schnell vorbei – solche Momente muss man auskosten bis zum letzten Tropfen. Und nachts noch stundenlang in den Kerzenschein und Sternenhimmel starren.IMG_7772_edited-1 IMG_7775_edited-1

IMG_7749_klein

IMG_7777_edited-1IMG_7783_edited-1 IMG_7786_edited-1 IMG_7788_edited-1Heute bin ich sterbenskrank (Armin lachte bis zwölf Uhr mittags in der Annahme ich hätte einen Kater – später brachte er mir schuldbewusst Salbeitee). Nase und Kopf dicht, der Hals steht in Flammen, die Glieder schmerzen tief in den Knochen.

IMG_7795_edited-1

Heute hasse ich den klebrigen Sommer wieder. Es ist einfacher, im Herbst krank zu sein. Ich kann mir nicht mal ein Halstuch umbinden oder ein heißes Bad nehmen, ohne in Gefahr zu laufen vom Hitzschlag niedergestreckt zu werden. Er ist nicht ohne Gewalt, der Sommer.
Aber dann schickt mir mein wankelmütiger Lover das. Und ich? Ich werde wieder schwach….

IMG_7794_edited-1

Familie

Einfach mal machen lassen

Vorsichtig schiebe ich im Kinderzimmer  Playmobil-Szenarien aus dem Weg. „Hoffentlich das merkt Amelie morgen nicht, sonst gibt es wieder Drama..“ Die andere Möglichkeit unbeschadet an Amelies Bett zu kommen, wäre, wenn mir Flügel wüchsen. Das ist bisher nicht geschehen. Also muss ich in der Dunkelheit umhertapsen und mir von Playmobilschwertern die Fußsohlen durchbohren lassen.

Eigentlich muss ich nachts nicht mehr nach Amelie sehen. Eigentlich. Sie ist ja jetzt fast Schulkind und wird mit jeder Minute noch größer und schlauer und unabhängiger. Aber mein Mutterherz muss das schlummernde Kind, das zwischen zerknüllter Bettdecke und zwei Dutzend adoptierter Kuscheltiere und Puppen träumt, ansehen und anhimmeln. Ich kenne nicht mehr alle ihre Träume. Ich weiß nicht mehr haargenau, was sie beschäftigt. In den letzten Wochen findet beinahe unmerklich Veränderung statt. Hier am Bett, nachdem der Lärm des Alltags verebbt ist, wird sie mir bewusst. Ich streiche ihr eine Strähne ihres wilden Haares aus der Stirn, gebe ihr einen Kuss und spüre nach, was sich eigentlich verändert.

Es hat damit angefangen, dass sie sich alleine bettfertig macht. „Mama, ich kann jetzt auch alleine duschen und meine Haare waschen!“ Ich war zunächst skeptisch (dieses Kind besitzt von uns allen die größte Mähne!) aber als Mama muss ich jeden Tag neu lernen: Unsere Kinder wachsen über sich hinaus, wenn wir unsere Zweifel runterschlucken und ihnen was zutrauen. Eine Viertelstunde später steht sie sauber vor mir und hält mir den Kamm entgegen: „Aber kämmen musst du, Mama.“

Sonntagmorgen muss ich nicht mehr am Herd stehen. Amelie backt jetzt unsere Pfannkuchen. Ich war zunächst skeptisch, aber dann erinnerte ich mich wieder an meine gute alte Erziehungshelferin Montessori: Hilf dem Kind es selbst zu tun. Also stellte ich mich anfangs neben Amelie, erklärte wie man den Teig anrührt und den Herd anstellt und einen Pfannkuchen unfallfrei wendet. Sie verbrannte sich zweimal den Finger. Aber der Stolz über ihren Erfolg war größer als der Schmerz.

Caillou hat ausgedient. Babykram. Amelie schaut neuerdings Logo – Nachrichten für Kinder. Ich war zunächst skeptisch. „Direkt vor dem Schlafengehen Nachrichten über Krieg und Flüchtlinge und Griechenland? Wird sie die komplexen Zusammenhänge unserer Welt denn überhaupt schon verstehen? Und überhaupt wird sie dann Fragen stellen! Wie soll ich die EU, Bildungspolitik und die Grünen erklären???“ Amelie schaltet meinen Beschützerinstinkt und Erklär-Faulheit mit ihrer Begeisterung für Nachrichten und Wettervorhersagen aus. Nach Logo sprechen wir darüber, wie hundsgemein wir es finden, wenn Flüchtlingsheime angezündet werden. Und ich erkläre holprig die Sache mit Griechenland und dem Geld. Dann beten wir gemeinsam. Das heißt Amelie betet – weil sie es ja schon alleine kann. In ihr Gebet um eine gute Nacht lässt sie die syrischen Kinder und den Weltfrieden, die Natur und die Griechen, unsere Katze und Dank fürs Essen mit einfließen. Dann geht sie alleine und mit Frieden im Herzen ins Bett.

Ich bleibe für ein paar ruhige Minuten zurück und spüre nach, wie aufrichtig und voller Dringlichkeit ihr Gebet war. „Bitte höre auf sie, Gott. Wenn nicht auf mich, dann wenigstens auf sie.“ Mein Kind geht mit den Nachrichten vernünftiger um als ich. Pragmatisch, positiv, dramafrei. Weil sie ja weiß, dass Gott sich um alles kümmert.

Mein Kind lernt viel. Ich lerne durch sie viel. Sie bringt mir bei, loszulassen, Kontrolle aufzugeben, zu vertrauen, sinnlosen Quatsch zu machen, zuzuhören, Gott machen zu lassen.

Vielleicht ist das unsere größte Herausforderung als Mütter: Unsere Kinder und Gott machen zu lassen. Skepsis tapfer runterschlucken. Und der Welt mit positivem Pragmatismus begegnen.

IMG_6495_edited-1

Dankbarkeit

Ihr macht mich fertig…Hicks…

Ihr macht mich echt fertig.

Mit euren wunderbaren, Herz erwärmenden Kommentaren! Tausend Dank jedem, der hier in den letzten Tagen kommentiert hat – mit Buchtipps, Persönlichem, Mutmachendem. Am liebsten würde ich mal kurz aus dem Alltag aussteigen, eine Flasche Sekt köpfen und mit euch anstoßen: auf alles was schön und gut und liebenswert ist – auf euch.

Moment mal….ich hab da sogar noch einen richtig guten Tropfen im Keller stehen!

IMG_7198 IMG_7201

Eine liebe Blogleserin war am letzten Wochenende – am heißesten Tag des Jahres! – mit ihrer Familie zu einem Foto-Shooting bei mir. Es stellte sich heraus, dass ihr Mann ein Weingut betreibt *klick*. Als Beweis hinterließen sie mir zwei Flaschen Secco. Eine ist schon weg, die haben Armin und ich uns hinter die Binde gekippt…ähäm..genossen.

Das Shooting war übrigens eines der entspanntesten, das ich je hatte. Und das mit vier Kindern! Hut ab, liebe Familie Nägele (bei denen man übrigens auch eine hübsche Ferienwohnung mieten kann!)

IMG_6826_edited-1 IMG_6944_edited-1

Wenn ich mich nicht gerade am helllichten Tag mit Secco betrinke, versuche ich Herrin des alltäglichen Chaos zu sein. Es gelingt nur bedingt. Aber mit einem Schwips lässt sich alles leichter ertragen…

IMG_7190 IMG_7192

Ihr habt mir so wunderbare Buchtipps gegeben! Einiges davon ist schon auf meine Wunschliste gewandert. Aber erst schmökere ich mich durch diesen Stapel. Ich hätte gerne noch soviel mehr Zeit zum Lesen. Diese Woche ist die Zeit rar, aber ich quetsche trotzdem ein paar Leseminuten rein. Ohne ein Buch an meiner Seite fühle ich mich leer….

IMG_7195 IMG_7196_edited-1

Euch allen einen wunderbaren, hoffnungserfüllten Wochenanfang!!

IMG_7189

Gedanken

Die Angst vor dem Ungenügend…

Endlich wieder eine Nacht, in der ich eine dickere Decke gebraucht habe. Um 5 Uhr bin ich klipper-klapper-frierend aufgewacht und hab mich mit einem wohligen Seufzer in eine dicke Wolldecke gewickelt. Nur einschlafen konnte ich dann nicht mehr. Also lauschte ich dem Vogelkrach draußen und meinen Gedanken hier drinnen. Deshalb auch ein Blogeintrag zu so früher Stunde…

Ich zögere zurzeit ein neues Beitrags-Feld in diesem Blog zu öffnen. Mir fehlen nicht die Ideen, oh nein. Vor dem Einschlafen bäumt sich meine Kreativität nochmal auf und ich kritzele wahllos Gedanken und Ideen in mein Tagebuch. Dieses hat Gott sei Dank kein Publikum und ich fühle keinen Druck, etwas Tolles produzieren zu müssen. So geht es mir nämlich in letzter Zeit mit meinem Blog. Meine Worte fließen nicht mehr. Vor jedem Satz überlege ich: „Ist das jetzt auch inspirierend / provozierend / lustig / intelligent genug? Werden Sie Likes / Kommentare / Emails auslösen?“

Als dieser Blog nur rund 10 Leser am Tag hatte (die ich alle kannte und die mich kannten), schrieb ich viel mehr von der Leber weg. Was konnte schon schief gehen? Selbst wenn meine 10 treuen Leser mein Geschreibsel unendlich doof empfunden hätten, so wusste ich doch, dass sie mich als Person nicht ablehnten. Dass ich genug bin, auch wenn meine Worte ungenügend sind.

Je mehr ich schreibe, je mehr Leser ich bekomme, je mehr Anerkennung fließt, desto größer wird die Angst, dass es nicht mehr genügt. Also scheue ich in letzter Zeit davor zurück, überhaupt etwas zu schreiben. Perfektion ist der Feind des Guten und Mittelmäßigen.

Sind wir doch ehrlich: Oft sind wir Mittelmaß. In lichten Momenten sogar richtig gut. Und in in den nicht ganz so glorreichen Momenten unterirdisch.

Aber eines ist unveränderlich:

Ich genüge.

Du genügst. 

Du bist kein Produkt deiner Leistung und Anerkennung und deinem Aussehen und Status. Du bist nur ein Produkt deines in dich verknallten Schöpfers.

Und du (das bist du in deinem Kern mit deinem müden, abgearbeiteten, liebenden, harten Herz) genügst ihm. 

IMG_6376

Rezepte

Tabouleh und eine Handvoll Erinnerungen

Heute teile ich euch meine Version von Tabouleh mit. Ich wurde nämlich nach meinem letzten Blogeintrag danach gefragt. Ich weiß noch ganz genau, als ich das erste Mal diesen libanesischen Salat probiert habe….

Es war Frühling 1994 und ich arbeitete in einem israelischen Kibbuz nahe der Hafenstadt Akko. In unserer Freizeit hingen wir Volontäre meistens am Pool rum, planten Parties oder nahmen den Linienbus nach Akko. Am Eingang zur Altstadt genehmigte ich mir immer eine Falafel vom besten Falafel-Stand des Orients. (Den Stand gibt es übrigens immer noch….). Dann führte mich der Weg durch den verschlungen Shuk, der immer nach Kreuzkümmel, Lammfleisch und verschwitzten Menschen roch. Vorbei an den Säcken mit Gewürzen, Kreuzfahrer-Gemäuern, Schmuckständen. Ich schaute weder nach links noch nach rechts. Einerseits um die vielen verführerischen Angebote zu ignorieren (das Geld war stets knapp) und andererseits um mir die vielen penetranten Möchtegern-Reiseführer vom Hals halten. („Hello beautiful miss! You need guide?“ Anfangs gab ich höflich Antwort, was zwar eine nette deutsche Angewohnheit war, aber im Orient einen bösen Fehler darstellte. Dann ging ich zur Taktik über, ganz laut und unhöflich NEIN zu sagen. Funktionierte aber auch nicht. Zuletzt legte ich mir die Methode zu, starr geradeaus zu blicken, nicht zu antworten und schnellen Schrittes weiterzugehen. Die orientalischen Schlitzohren ließen mich endlich  in Ruhe). 

IMG_6799

Wenn ich dann den Spießrutenlauf durch den Basar überlebt hatte, kam ich im Hafen an, plumpste erleichtert auf einen der wackligen Stühle im kleinen Café und bestellte Tabouleh. Mit Blick auf das glitzernde Mittelmeer und dem Geruch von Fisch in der Nase, ließ ich mir Bulgur, Tomaten und viel frische Petersilie schmecken. 

Heute mache ich gerne meine eigene Version von Tabouleh, was vom Original leicht abweicht. Es ist der ideale Juli-Salat, weil ich Verwendung für die Tomaten- und Gurkenflut aus dem Garten finde.

Tabouleh

Zutaten für vier Personen:
100 g Couscous oder Bulgur
Salz
200 g Tomaten
200 g Gurken
4 Frühlingszwiebeln
1 Bund Petersilie
1/2 Bund Minze
6-8 EL Zitronensaft
8 EL Olivenöl
Pfeffer, Salz, etwas Zucker nach Belieben
1 Packung Feta

Couscous oder Bulgur nach Packungsanweisung in Salzwasser zubereiten.
Tomaten und Gurken in kleine Würfel schneiden. Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Petersilie und Minze fein hacken.
Couscous oder Bulgur abgießen, abtropfen und auskühlen lassen. Die Zutaten für das Dressing in einem leeren Marmeladenglas mit Deckel mischen, die Kräuter hinzufügen, verschließen und kräftig schütteln (das ist meine Methode zur Herstellung von Dressings….). Alles Zutaten mit dem Dressing vermengen. Am Ende den gewürfelten Feta über den Salat streuen.

Lasst’s euch schmecken…

Ich

Ich…

…schwitze!

IMG_6787klein

…genieße: das Spiel meiner Kinder, unser Vergnügen im Planschbecken, kein Make-Up im Gesicht, zur Langsamkeit verdonnert zu sein.

IMG_6779 IMG_6778 IMG_6772_edited-1

…kühle mich ab: Mit eisgekühlter Wassermelone, Gazpacho (spanische kalte Tomatensuppe – Rezept siehe unten) und Tabouleh-Salat. Die Küche bleibt kalt – ich trete in den Hitzestreik.

IMG_6795

…höre: Mähdrescher, Grillen, Stechmücken (uaaaaaah!), Tom Waits.

…lese: Nichts Gescheites. Irgendwelche Buchtipps, die ihr mir geben könnt???

…sehe: Meinen Garten, der in Warp-Geschwindigkeit wächst und mich beginnt mit Zucchinis, Gurken und Himbeeren zu bombardieren.

IMG_6776klein

IMG_6771_edited-1 IMG_6775klein..rieche: sehr viel Achselschweiß. Und die Bio-Tonne (man sollte doch besser keine toten Ratten im Hochsommer in die Tonne kloppen).

…mache: Arznei. Die Heilkräuter in den verschiedenen Ecken unseres Gartens explodieren und ich mache Tees, Tinkturen und Salben. Mit jeder Saison sammle ich mehr Wissen an und ich kann die nächste Grippewelle kaum erwarten, um an meiner Familie rumzudoktern.

IMG_6791klein IMG_6792 IMG_6773_edited-1

…freue mich: Über unseren heutigen Flohmarkt-Besuch und unsere Fundstücke. Die Verkäufer waren auch hocherfreut. Uns war nämlich zu heiß zum Handeln.

IMG_6772_edited-1 IMG_6797

Die größte Hitze soll ja morgen vorbei sein, aber wem immer noch zu heiß ist, dem empfehle ich wärmstens Gazpacho, die spanische kalte Tomatensuppe. Nichts kühlt mich besser ab, sättigt und päppelt mich wieder auf. Die Knoblauchnote, die mich nach dem Gazpacho-Genuss umweht, kommt meiner Introvertiertheit zugute.

Gazpacho
Zutaten für sechs Personen

1 kg Strauchtomaten
1 Zwiebel
1 Salatgurke
1 Paprika
3 Knoblauchzehen
etwas Cayennepfeffer
eine Prise Zucker (je nach Geschmack mehr oder weniger)
15 EL Balsamico-Essig
6 EL Olivenöl
4 Scheiben Toastbrot
1 Dose Tomaten
1/2 l Gemüsebrühe

Das Gemüse in Stücke schneiden. Die Tomaten brauchen nicht geschält zu werden. Alle Zutaten in eine große Schüssel geben und mit einem Mixer pürieren. Das kann eine Weile dauern 🙂 Das Toastbrot wird übrigens ebenfalls mit püriert – es dient der Bindung. Am Schluss das Öl in den laufenden Mixer fließen lassen.
Eine Stunde kühlen.

Ich reiche dazu gerne in kleine Würfel geschnittene Gurken, Tomaten, Paprika und Schafskäse. Und ich LIEBE Eiswürfel in meiner Gazpacho!

Bilder, Reisen

Mallorca, Produktivität und ein langsamer Sommer

Die letzten Wochen vor unserem Urlaub war meine Produktivitätsrate hoch, die Nerven dünn, der Schlaf wenig. Als wir im Landeanflug auf Mallorca waren, hingen meine nervösen Gedanken noch in Deutschland fest. Hab ich alles erledigt? Was ist liegen geblieben? Ich hatte diesen Urlaub mehr als verdient (und nötig), aber ich nahm meine innere Unruhe mit in unsere mallorquinische Lieblingsbucht. Wo das Leben langsam verläuft und süß wie Honig schmeckt. Der erste Schritt aus dem Bus und mir verschlug der vertraute Duft von harzigen Pinien und Salz und gebratenem Fisch den Atem. Ich griff zögernd nach diesen wunderbaren faulen unproduktiven Tagen, ließ sie langsam durch meine Finger gleiten und wurde mit jedem Tag ruhiger. Meine Familie musste einen neuen Rhythmus im Miteinander finden (was nicht immer so einfach war).Ich musste meinen neuen Rhythmus finden. Und der bestand aus: Am Pool rumlungern, Eis essen, mit den Kindern im Wasser toben, Krimis lesen, im glasklaren Meer schwimmen, Fische bewundern, Kajak fahren, Yoga am Strand, Nickerchen, mit Armin quatschen, eiskalten Weißwein trinken, an nichts denken. Alles, was mich sonst ablenkte, lag daheim faul rum und machte ebenfalls Urlaub: Fernseher, Internet, To-Do-Listen, Bügelwäsche, Kalorientabellen.

Jetzt sind wir zurück. Und ich bin ein wenig enttäuscht über das Wetter hier. Es verhält sich typisch deutsch und zeigt allen, dass es Hitze besser kann als Mallorca. Du blöder Angeber-Sonnenschein.

Dieser Morgen katapultierte mich zurück in meine gewohnt deutsche Produktivität. Ich wusch einen Berg Wäsche, ließ ihn im Freien turbotrocknen und dann besorgte ich 5 Kilo Erdbeeren und 8 Kilo Gurken. Weil ich ja am ersten Tag nach dem Urlaub nichts Besseres zu tun habe, als diesen Berg in der Küche zu verarbeiten. Ich verfluchte mich, als ich während der Mittagshitze Marmelade kochte. Es könnte sein, dass ich Schweißtropfen untergerührt habe. Irgendwann gegen 17 Uhr war ich fix und fertig mit dem Einkochen und Einwecken. Da wartete ja noch die turbogetrocknete Wäsche. Die musste zusammen gelegt werden, weil wir Fans von frischer Unterwäsche am Morgen sind.

Ich ärgerte mich ein wenig, dass ich direkt nach der Erholung wieder Vollgas gab und mich verausgabte.

Nach dem Abendessen fragten mich die Mädchen: „Kommst du noch mit in den Pool, Mami?“ (Wir haben KEINEN Pool, nur ein Angeber-Planschbecken). Mir lag die Antwort auf den Lippen: „Ich hab keine Zeit.“ Stattdessen sagte ich einfach ja, zwängte mich in meinen türkisgrünen Badeanzug und veranstaltete mit zwei glücklichen quietschenden Kindern eine Wasserschlacht. Da war das süße Sommergefühl wieder.

Ganz entspannt brachte ich die Mädchen ins Bett und nahm mir vor, dass ich diesen Sommer tatsächlich langsam durch die Finger gleiten lassen möchte. Weniger Produktivität, mehr Spaß.

Also fahren wir morgen an den See und ich lass den Einweck-Automat daheim.

IMG_6445_edited-1 IMG_6462_edited-1

IMG_6455_edited-1 IMG_6638_edited-1 IMG_6628_edited-1


IMG_6623_edited-1 IMG_6612_edited-1

IMG_6530_edited-1 IMG_6580_edited-1 IMG_6531_edited-1

IMG_6585-2_edited-1 IMG_6528_edited-1

IMG_6484_edited-1 IMG_6477_edited-1 IMG_6467_edited-1 IMG_6460_edited-1 IMG_6495_edited-1 IMG_6527_edited-1

IMG_6708_edited-1

IMG_6701_edited-1 IMG_6711_edited-1 IMG_6725_edited-1 IMG_6622_edited-1

IMG_6732_edited-1 IMG_6689_edited-1

IMG_6619_edited-1 IMG_6589_edited-1IMG_6599_edited-1IMG_6761_edited-1