Familie

Weniger

Letzte Nacht fühlte ich mich in die heiße Stillphase zurückversetzt. Schlafen in Alarmbereitschaft und jede Stunde panisch-sabbernd aus dem Tiefschlaf aufwachen. Nur dass es nicht die Milch war, nach der ausdrücklich verlangt wurde, sondern der Kotzeimer. Erst als die Amsel im Garten ihr Lied zu schmettern begann, kehrte im Schlafzimmer Ruhe ein.

Josefine hat schwer gelitten. Und nun warten wir hoffnungsbang ab, ob der fiese Magen-Darm-Virus die ganze Familie niederstreckt oder sich mit unserer Jüngsten zufrieden gibt. Eigentlich sind da 1000 Dinge, die mir im Nacken sitzen und erledigt werden wollen. Von den Kinderfingerverdreckten Fenstern ganz zu schweigen. Die kommen erst im Herbst dran…..oder nie. Aber anstatt heute durch meine MEGADRINGENDE To-Do-Liste zu powern, machte ich mir meine Muttipalme, blieb im Pyjama, spielte Brettspiele, las Bücher vor, verteilte Kekse und Zwieback und Kamillentee und wohnte einer spontanen Zirkusvorführung von Amelie bei.

Die letzten 24 Stunden zeigen mir mal wieder, dass dieses Leben meistens Durcheinander bedeutet, das ich nicht wirklich im Griff habe. Und dass es manchmal sehr viel einfacher ist, die Chaos-Welle zu surfen, anstatt gegen die Brandung anzukämpfen. Vor lauter Kämpfen habe ich mittlerweile fürchterliche Nackenschmerzen. Immer ein Zeichen dafür, dass ich mir zuviel aufgeladen habe: 20% Aufgaben und 80% Sorgen, wie ich diese schaffen soll. Es ist ein immer währender Lernprozess, dass ich mir selbst die Erlaubnis erteilen darf, weniger zu tun. Ich brauche weniger: in meinem Kalender, auf meinen Listen, in unseren Schränken.

Bis ich es wieder neu gelernt habe, surfe ich in der Zwischenzeit dahin mit Muttipalme und Pyjama und fettigem Haar und Kotzeimer.

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10 Gedanken zu „Weniger“

  1. Ich habe noch nicht einmal einen Magen-Darm-Virus als Entschuldigung dafür, dass ich permanent auf der Chaoswelle surfen sollte, anstatt gegen das Chaos in meinem Leben anzukämpfen. Ich bin halt ein totaler Chaot und viel zu gerne spiele ich Feuerwehr, wenn mich jemand braucht, als dass ich mich gerne bemühen würde, hier alles im Griff zu haben. Ich liebe Deinen Blog, weil immer irgendetwas aus Deinen Beiträgen aus meinem Leben erzählt. Nur könnte ich das nie so vortrefflich in Worte packen, wie Du es kannst! Wenn ich Deine Beiträge lese, bekommt meine Leben plötzlich etwas Komisches und in dem Moment, wo ich über Deine Beiträge lache, oder zumindest schmunzeln kann, verliert auch mein Leben an gefühlter Tragik und es wird erträglicher bis hin zu lebenswert. Danke, dass Du mich an Deinem Leben teilhaben lässt.
    Lieben Gruß, Susanne

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  2. Muttipalme geht immer! Oder, wie ich letztens heruasgefunden habe, wie es stylisch genannt wird: Bloggerdutt! Also bist du ja styltechnisch schon mal vorne weg und außerdem tragen die ganzen stars ja auch immer pyjama/joggingoutfit:-)
    gute besserung an alle und dir, dass du ruhezeiten für dich findest!
    alles liebe aus den USA, wo ich auch nur nich mit Mutti- äh.. aupair-…uhm… bloggerdutt rumlauf;-)

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  3. Gute Besserung und dem Rest eine stabile Gesundheit!
    Wünsch dir viel Schlaf in der kommenden Nacht ganz ohne kotzeimer!
    Wir hatten den vorletzte Nacht leider auch bei unserem jüngsten 😦 und er jammert noch immer rum, wenn auch zum Glück ohne spucken…
    Ich sollte wohl auch Surfen lernen 😉

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  4. 20% Aufgaben und 80% Sorgen, wie wir diese schaffen sollen… 😃 Genauso ist es doch! Deine träfen Feststellungen sind immer wieder genial. Du bringst so manches auf den Punkt. Danke! Gute Besserung!

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