Familie

Sonntags-Funk

Manchmal sind Sonntage einfach nichts für mich.

Weil ich an diesem Tag oft Opfer komischer Stimmungen werde. Dabei fängt der Tag immer gut an. Mit frohen Kindergesichtern und Pfannkuchenschlacht in der Küche.

Heute habe ich mich nach dem Frühstück sogar mit der neuen Family-Zeitschrift ins Bett verzogen, während die Kinder das Chaos im Haus vergrößerten. Das Dossier der Zeitschrift handelte von Gelassenheit und so konnte ich das Gelesene sofort in die Praxis umsetzen. Ich versuchte tobende Kinder, Ahornsirupspuren auf dem Tisch und Männersocken auf dem Boden zu ignorieren. Es gelang mir auch fünf Minuten lang richtig gut. Ich verbuche das Erfolg.

Aber als der Tag voranschritt, legte sich eine düstere Decke auf mein Gemüt und bleierne Müdigkeit auf meinen Körper. Ich wurde gereizt und streitlustig. Gestatten: Mein üblicher Sonntags-Funk.

Mein Körper und Geist signalisieren mir sonntags mit diesem Gefühl, dass ich dringend den Pausenknopf drücken muss. Dann nehme ich mir tatsächlich die Freiheit, an diesem Tag nichts zu tun (soweit wie es halt mit Kindern geht…). Und ich halte ausgiebig Mittagsschlaf. Wenn der Funk ganz arg schlimm wird, dann geh ich den Wald. Dort löst sich der Knoten in meinem Bauch und mir wird leicht ums Herz. Funktioniert immer. Der Wald ist mein Happy Place.

Das war unser Sonntag:

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Regenmorgenlicht im Wintergarten

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…und täglich gehe ich auf Schneckenjagd…IMG_6750_edited-1 IMG_6751_edited-1 IMG_6731_edited-1

Pünktlich vor dem Urlaub fertig geworden.
Unsere Stranddecke aus tausend alten Stoffresten, die tausend Erinnerungen bergen.

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Mein neues Lieblingsstück. Ein Kalender meiner Lieblings-Illustratorin

IMG_6740…der auch bei den Mädchen Anklang findet. Wir versinken in den Bildern und erfinden Geschichten dazu.

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Aufatmen! (Allen Kontroversen unter meinen Freunden zum Trotz habe ich mir wieder einen Pony schneiden lassen. Ich weiß noch nicht, ob ich darüber glücklich bin oder nicht…)

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Familie, Gedanken, Glaube

Geschichten…

An einem sehr müden Vormittag letzte Woche surfte ich willenlos im Internet. Dabei stieß ich auf einen Film, der ein Wiedersehen mit dem Cast von Gilmore Girls zeigt. Randnotiz: Wer noch nie Gilmore Girls gesehen hat, sollte diese eklatante Bildungslücke SOFORT schließen!! 

Ich war auf einmal hellwach. Lorelai, Rory, Luke, Emily und Dean – friedlich vereint auf einem Sofa! Ich war im GG-Himmel. Eine Stunde lang wurden die Darsteller interviewt. Eine der Fragen war, ob Gilmore Girls heute immer noch genauso erfolgreich sein könnte wie damals. „People are hungry for stories – so yes.“ (Menschen sind hungrig nach Geschichten – also ja).

Meine Gedanken wanderten immer wieder zurück zu dieser Stelle und ließen mir keine Ruhe: Menschen sind hungrig nach Geschichten – wir brauchen Geschichten!

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Am Wochenende war ich mit den Kindern in Sendelbach bei meinen Eltern und meiner Schwester. Dort, wo meine eigene Geschichte ihren Ursprung hat. Und von wo aus sie sich in hundert verschiedene Richtungen entwickelte. Jeder Gegenstand hier weckt Erinnerungen, ist Requisite meiner Geschichte. Abends hüllte ich mich in die Patchwork-Strickdecke, in die ich schon als Baby gewickelt war. Und nachts lauschte ich im Bett dem Quaken der Frösche, das von Anbeginn der Zeit immer von Sehnsucht und Liebe und Hunger erzählt.

Abends, als wir am Tisch versammelt waren, gab es für die Mädchen Märchenstunde. In ihren Augen spiegelten sich Spannung, Gruseln und Freude wider. Jeder von uns lauschte still, halb abwesend mit seinem eigenen Kino im Kopf. Und doch waren wir eins – eine Gemeinschaft geformt aus Geschichte und Liebe und Bedürftigkeit.

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Es war ein Bilderbuch-Wochenende. Eines von der Sorte, das nicht in Vergessenheit gerät, weil wir sicherlich in einigen Jahren wieder die alten Geschichten hervorkramen werden: Weißt du noch damals, als wir in einem heißen Juni im Garten saßen, junge Kätzchen beobachteten, Erdbeeren pflückten und unsere Kinder und Sorgen noch klein waren? 

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Am Sonntag hatte ich Silberne Konfirmation. Als ich inmitten meiner ehemaligen Mit-Konfirmanden in der Kirche saß, wanderte mein Blick. Vom Taufstein zum Altar. Von einem Gesicht zum anderen. Alles vertraute Landmarken. Hier wurde ich getauft. Konfirmiert. Und getraut. Jetzt sitzen wir wieder hier. Die Gesichter erzählen Geschichten. Fröhliche, bittere, tragische, spannende, leise und laute. Ich würde sie am liebsten alle hören.

Wir messen Geschichten an ihrer Großartigkeit und Heldenhaftigkeit. Aber unsere Geschichten sind oft verworren, folgen keiner einheitlichen Storyline, sie biegen ab, erklimmen Höhen und stürzen ab. Unsere eigene Geschichte hat Botschaften tief in unser Herz eingeritzt. Sie formt unseren Glauben daran, ob die Welt gut oder böse ist. Ob andere Menschen potenzielle Freunde oder Feinde sind. Ob wir geliebt sind oder nicht.

Jeder von uns braucht Geschichten, die uns Hoffnung schenken. Und uns den Glauben daran zurück geben, dass diese Welt wunderbar ist, dass andere Menschen genauso verwundet und liebesbedürftig sind wir wir selbst. Und, ja, dass wir geliebt sind.

Meine Hoffnung ist, dass meine Geschichte einmündet in die ganz große Geschichte, die Gott mit dieser Welt und mit jedem Einzelnen von uns schreibt. Das ist eine Geschichte, die radikal anders ist. Weil darin jeder die Hauptperson ist. Weil darin niemand den Held spielen muss, denn ein anderer hat es für uns schon getan. Weil darin Versagen und Schwäche und Absurdes und Hoffnung Platz haben.

Dieser neue Tag heute liegt wie ein Blatt weißes Papier vor mir. Ein bisschen habe ich schon darauf niedergeschrieben. Es war bisher eine Geschichte von Hektik, von Ratlosigkeit in Erziehungsfragen, von Freude an meinem Garten. Nichts in unserem Leben ist von Bedeutungslosigkeit. Alles hinterlässt Botschaften. Ich kann meine Botschaften heute ändern:

Ich darf mich an diesem Tag freuen (und nicht erst, wenn alles erledigt ist)

Ich bin geliebt (auch wenn die Menschen um mich herum mir das nicht immer zeigen)

Was ich tue, hat Wirkung (ein geputztes Klo ist ein geputztes Klo, Leute!)

In diesem Sinne: Schreibt heute mutig eure Geschichten!

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Familie, Gedanken, Glaube

Ich bin geschafft

„Wie schaffst du das alles?“

Diese Frage begegnet mir in letzter Zeit immer häufiger und ich muss jetzt echt mal dringend dieses Missverständnis aus dem Weg räumen. Es mag vielleicht so wirken, als würde ich bombastisch viel erledigt bekommen und noch nebenbei meine Kinder mit leichter Hand erziehen und ein Buch schreiben und ein Foto-Business am Leben erhalten und pro Woche noch ein paar süße Kinderkleidchen nähen. Ähäm. Die Wahrheit? Ich schaffe nicht alles.

Ich hab es versucht. Wirklich. Ich habe meinen Schlaf reduziert, weil ich dachte, wenn mein Tag mehr Stunden hätte, dann würde ich mehr schaffen. Falsch. Der Tag schaffte mich. Und abends war nur die Hälfte aller Aufgaben erledigt. So hechel ich nun schon seit einigen Wochen den kostbaren Stunden hinterher und werde immer dünnhäutiger. Das bekommen vor allem meine Kinder zu spüren. Gestern Abend konnte ich nicht mehr auf ihre Bedürfnisse eingehen (von denen sie im Moment ZUVIELE haben!). Als Kind Nr. 1 und Kind Nr. 2 um neun Uhr abends zum wiederwiederwiederholten Male in der Tür standen, verlor ich ein wenig meine Fassung. Später, im Bett, drückte die Last meines Versagens, meines Leistungsdenkens, meiner Grenzen auf mein Herz. Ich wollte so gerne alles abschütteln, mich umdrehen und einfach einschlafen. Stattdessen erinnerte ich mich an einen Bibelvers, den ich am Morgen gelesen hatte: „Der Herr schafft deinen Grenzen Frieden.“ (Psalm 147,14).

In Zeiten, in denen mein Kalender und mein Kopf voll sind, sehe ich Grenzen als Behinderung meiner Effektivität. Obwohl doch ursprünglich meine Begrenzungen zu mir gehören wie die Haare auf meinem Kopf und auf meinen Beinen. Sie sind Teil meiner Persönlichkeit. Sie sind Schutz, Schönheit….und wie Haare an den Beinen lästig. Ich darf Grenzen haben – bei dem einen sind sie weiter gesteckt, beim anderen enger. Aber ich lebe momentan im Unfrieden mit ihnen, weil ich gerne meine Identität an meinem Tun festmache. Aber das, was ich tue und leiste, definiert mich nicht. Meine Definition stand schon vor meiner Geburt fest: „Gut“.

Ich weiß, das ist nicht mein erster Blog-Post zu diesem Thema. Sicher wird es auch nicht der letzte sein. Es ist mein Lebens-Thema, über das ich immer wieder stolpere: Nicht mein Tun definiert mich, sondern das unerschütterliche Werturteil meines Schöpfers.

Glaube ich das wirklich?

PS: Ich muss mal kurz wieder meinen Blogeintrag lesen, den ich zum Jahresanfang über „Fröhliche Gelassenheit“ geschrieben habe. Wie schnell man seine Vorsätze in den Wind des Vergessens schießt, nicht wahr?

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Familie

Weniger

Letzte Nacht fühlte ich mich in die heiße Stillphase zurückversetzt. Schlafen in Alarmbereitschaft und jede Stunde panisch-sabbernd aus dem Tiefschlaf aufwachen. Nur dass es nicht die Milch war, nach der ausdrücklich verlangt wurde, sondern der Kotzeimer. Erst als die Amsel im Garten ihr Lied zu schmettern begann, kehrte im Schlafzimmer Ruhe ein.

Josefine hat schwer gelitten. Und nun warten wir hoffnungsbang ab, ob der fiese Magen-Darm-Virus die ganze Familie niederstreckt oder sich mit unserer Jüngsten zufrieden gibt. Eigentlich sind da 1000 Dinge, die mir im Nacken sitzen und erledigt werden wollen. Von den Kinderfingerverdreckten Fenstern ganz zu schweigen. Die kommen erst im Herbst dran…..oder nie. Aber anstatt heute durch meine MEGADRINGENDE To-Do-Liste zu powern, machte ich mir meine Muttipalme, blieb im Pyjama, spielte Brettspiele, las Bücher vor, verteilte Kekse und Zwieback und Kamillentee und wohnte einer spontanen Zirkusvorführung von Amelie bei.

Die letzten 24 Stunden zeigen mir mal wieder, dass dieses Leben meistens Durcheinander bedeutet, das ich nicht wirklich im Griff habe. Und dass es manchmal sehr viel einfacher ist, die Chaos-Welle zu surfen, anstatt gegen die Brandung anzukämpfen. Vor lauter Kämpfen habe ich mittlerweile fürchterliche Nackenschmerzen. Immer ein Zeichen dafür, dass ich mir zuviel aufgeladen habe: 20% Aufgaben und 80% Sorgen, wie ich diese schaffen soll. Es ist ein immer währender Lernprozess, dass ich mir selbst die Erlaubnis erteilen darf, weniger zu tun. Ich brauche weniger: in meinem Kalender, auf meinen Listen, in unseren Schränken.

Bis ich es wieder neu gelernt habe, surfe ich in der Zwischenzeit dahin mit Muttipalme und Pyjama und fettigem Haar und Kotzeimer.

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