Gast-Post

Gast-Beitrag: Wenn etwas zerbricht

Heute lasse ich meine Freundin Rita zu Wort kommen, von deren Wortkünsten ich schon lange begeistert bin. Ich komme momentan weniger zum Schreiben. Aber Rita, die hat gerade einen monumentalen Schreib-Flash. Alle paar Tage blinkt meine Inbox. Neuer Text von Rita. Fantastisch. 

Das hier möchte ich (und sie) gerne mit euch teilen: 

Wenn etwas zerbricht, splittert ein Ganzes in viele Teile.
Manche sind groß, manche klein.

Manchmal passiert es plötzlich. Oder es hat sich einiges angestaut.

Und dann passiert es – ein Riss – ein Sprung.

Es tut einen klirrenden Schlag. Scherben schlittern über den Boden.

Es ist etwas kaputt gegangen – das ist offensichtlich.

Manch einer holt sofort einen Besen, um das Chaos zu beseitigen Es ist einfacher (sich) abzukehren.

Es fühlt sich leichter an, es zu beseitigen – um damit nicht mehr konfrontiert zu werden.

Man versucht zu ersetzen – oder gar nichts – faselt Phrasen „sowas passiert halt“.
Und das war‘s.

Wenn einem der Gegenstand wichtig ist,
lieb und vielleicht auch teuer- nimmt man sich die Zeit.
Man betrachtet, was da passiert ist- überlegt.
Sammelt mühsam alle existentiellen Teile zusammen- man braucht Geduld und Kraft,
um für etwas zu kämpfen, was einmal heile war und jetzt anders ist.

Vorsichtig setzt man ein Stück nach dem anderen wieder zusammen.
Man nimmt es liebevoll in die Hand- bis alles im Trockenen –
Beobachtet und guckt, ob alles wieder in Ordnung ist.

Vielleicht hat sich durch den Zerbruch manches verändert.
Der Gegenstand ist nicht mehr wie vorher- sein Zustand wirkt zerbrechlich.
Vielleicht erfüllt er seine Rolle nicht wie bisher.

Akzeptanz kann eine Hürde sein, aber auch ein Zaun.

Man muss nur seine Tür finden, um sich auf ein „Anders“ einzulassen und Altem neu zu begegnen.

Beziehungen können zerbrechen, Träume, Wünsche, Herzen, Welten.

Vor ein paar Monaten ist für mich so eine Welt zusammen gebrochen. Meine Seele fühlte sich wie ein Becher an, der mit Voll- Karacho samt Inhalt auf dem Boden der Tatsachen zerschellt ist.

Vielen in meinem Umfeld fiel es schwer, das mit anzusehen. Sie waren hilflos und haben sich zurückgezogen, sich abgekehrt. Die Veränderungen tun weh. Auch mir. Das andere ist ungewohnt. Auch für mich.

Deshalb bin ich dankbar für jeden Einzelnen, der mir menschenmöglich geholfen hat, meinen kaputten Seelenbecher wieder zusammen zu setzen. Dankbar für die Präsenz, das Warten, das Zuhören, das liebevolle in den Arm nehmen, das nicht zu viel Druck ausüben, für das Verständnis, das Beobachten, das Eingestehen von Hilflosigkeit, den Mut, die Geduld und schließlich die Liebe.

Für alle, die ein weites Herz und einen offenen Blick haben, um in einem kaputten Becher, aus dem man gerade nicht mehr trinken kann, letztendlich einen Blumentopf zu sehen.

Zu füllen, statt zu nehmen.

Danke an meine Freunde und für jede einzelne Blume, die ihr in meinen Seelenbecher gepflanzt habt- ein neuer Frühling kommt. Bestimmt!

RW.

2 Gedanken zu „Gast-Beitrag: Wenn etwas zerbricht“

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