Gedanken

Stille

Gestern Abend war wieder Hauskreis. Und ich hatte die Leitung. Ich stand also an der Flip-Chart rum und hampelte mich ab. (Yep, ich arbeite mit Flip-Chart, ich Oberstreber). Meine weitschweifigen Ausführungen langweilten das Publikum. Einige blickten heimlich auf die Uhr. Ich konnte sie verstehen. Innerlich war ich eh nicht ganz da. Während ich griechische Begriffe wie „Hamartia“ und „Metanoein“ erklärte (und ich dafür noch mehr strafende, gelangweilte Blicke erntete), schweiften meine Gedanken ab:

In ein französisches Tal, dessen dunkle Bergkuppen hervorspringen, wie die Zacken eines Messers. Direkt nach dem Hauskreis schaltete ich die Nachrichten ein. Und ich stellte sie schnell wieder aus. Das Geschnattere und die Spekulationen der sensationsgeilen Journalisten verstummten. Es wurde still im Haus. Die Flip-Chart stand noch da. Der Bildschirm war schwarz. Die Kinder schliefen friedlich.

Nach dem Lärm kommt immer ein Moment der Stille, der etwas Überirdisches und fast Tröstliches hat. Weil die Stille nicht versucht zu erklären, sondern nur ihre warme weiche Decke über mein wundes Herz legt. Wie eine Mutter, die ihrem weinenden Kind ein tröstendes“Sssschhhhh“ zuraunt.

Ich mag mir den Lärm, der vor zwei Tagen in dem Germanwings-Airbus geherrscht hat, nicht mal ansatzweise vorstellen. Es entstehen Szenen vor meinem inneren Auge, die ich nicht schnell wegschalten kann. Ich erinnere mich an einen Flug, als ich noch Flugbegleiterin war. Anflug Stockholm. Unwetter. Die Anschnallzeichen leuchteten röter als sonst. Wir saßen alle auf unseren Plätzen, ich in der hinteren Galley. Ich spürte, dass etwas nicht in Ordnung war. Die Maschine wurde durchgerüttelt, die Passagiere waren unruhig und ich versuchte mein Stewardessen-Pokerface zu wahren. Während ich mich durch die Ungewissheit hindurchlächelte, spulte ich innerlich das Vater-Unser ab, immer und immer wieder. Wir landeten sicher. Die Piloten kamen käsebleich aus dem Cockpit. Kurzes, geschocktes Innehalten und dann wieder zurück in den Lärm des Alltags.

Vor zwei Tagen brach der Lärm für 150 Menschen jäh ab. Und die Stille legte ihr Tuch über das Zackengebirge. Ich stelle mir vor, dass Gott dort schon gewartet hat. Mit offenen, liebenden Armen. Und seinen Kindern ein tröstendes „Ssssschhhh“ zugeraunt hat.

Ich hoffe, dass es so war. Der Tod darf nicht das letzte Wort haben. Sondern der, der hinter ihm wartet.

Bilder, Ich, Listen

Ich…

…genieße: die Stille am Morgen, zerhackt von melancholischem Amselgesang.

…sehe: Weite und Farben.

IMG_4338

IMG_4340klein

IMG_4353

IMG_4352

…trinke: den ersten frischen Brennnessel-Tee des Jahres! Ich weiß, ich klinge völlig gaga, weil ich mich über Brennnesseln freue. Sobald die ersten Triebe aus der Erde glotzen, werden sie von mir einen Kopf kürzer gemacht. Und dann? Tee, Spinat, Quiche, Smoothie.

IMG_4354

IMG_4350

…schmecke: nach einem Wochenende vollgestopft mit Bahnhof-Fastfood endlich wieder eine bodenständige Suppe. Diesmal mit den lockersten Grießklößchen, die ich je gemacht habe (aufgepimpt mit Parmesan!).

…höre: Wasserplätschern.

IMG_4341klein

IMG_4346klein

…genieße: wieder das Zusammensein mit meinen Kindern. Nach einem Wochenende im verregneten Ruhrpott bei der Family-Teamsitzung hab ich neue Kraft für unser herrliches Kinderchaos.

IMG_4324

IMG_4351

…lese:

IMG_4356

…rieche: gar nichts, dank einer vom Ruhrpott eingeschleppten Erkältung.

…liebe: immer noch dieses Haus am See, in welches ich mich letzte Woche hoffnungslos verliebt habe. Und das wir doch nicht kaufen (es scheitert am fehlenden Breitband-Internetzugang. SO DOOF.)

IMG_4317

…bete: für unser jetziges und unser zukünftiges Zuhause.

…fühle: mich absolut hundertprozentig zufrieden, da wo ich gerade bin.

…denke: Wie schön, dass Montagmorgen ist! Ich kann mich endlich vom Wochenende erholen….

Familie, Freundschaften, Gedanken

Ich bin halt auch manchmal total introvertiert

Ich kann mich noch genau an meinen ersten Tag in der fünften Klasse des Friedrich-Rückert-Gymnasiums erinnern. Meine langen Haare waren zu zwei Zöpfen geflochten und meine dünnen Finger klammerten sich an meinen grün-orangenen Schulranzen, der darauf wartete mit Englisch- und Algebrabüchern gefüllt zu werden. Hier war alles ganz anders als in meiner Dorf-Grundschule. Ich starrte bewundernd die anderen Mädchen an: wie wunderschön sie ihre gedauerwellten Ponys mit viel Haarspray in luftige Höhen gebürstet haben! Ich kam mir klein und unsichtbar vor mit meinen Zöpfen.

In der Grundschule hatte ich mich immer wie ich selbst gefühlt: frei, fröhlich, offen. Aber hier, auf den langen modernen Fluren mit dem billigen grauen Nadelfilzteppich, der einen elektrisch auflud, fühlte ich mich befangen. Ich war schon immer ein schüchternes Kind, wenn ich mich in einer ungewohnten Umgebung mit fremden Menschen befand. Ich betrat meine Klasse und war augenblicklich überfordert mit der Menge an fremden Kindern. Ein Mädchen winkte mich an ihren Tisch. Sie hatte die voluminöseste Dauerwelle, die ich je gesehen hatte und einen Pony, der dem Turm von Pisa in nichts nachstand. Ich fand sie toll. Sie war mein Rettungsanker. (Später fand ich sie nicht mehr so toll, weil sie sich als die größte Drama-Queen zwischen Losbergsgereuth und Unterpreppach entpuppte).

Ich fühle mich in ungewohnten sozialen Situationen heute immer noch genauso wie dieses 11-jährige Mädchen damals: unbeholfen, linkisch, unwohl. Damals habe ich schnell gelernt, diese Gefühle mit einem Witz, ungelenkem Small-Talk oder lautem Lachen wegzudrücken. Erst in letzter Zeit begreife ich, dass in mir zwei Seelen leben: eine introvertierte und eine extrovertierte. Die erstere ist mir unangenehm und ich habe sie mein halbes Leben lang versucht zu verstecken. Als wäre sie meine peinliche hässliche Schwester. Denn ein ungeschriebenes Gebot unserer Zeit erfordert von uns Extrovertiertheit. Alles andere wird kritisch beäugt („Deine Tochter ist so still. Ist alles in Ordnung mit ihr?“). Ich erkannte lange nicht, dass mich die Gesellschaft anderer Menschen an Kraft beraubt und dass ich anschließend Zeit für mich brauche, um meine Batterien wieder aufzufüllen. Und weil ich es so lange ignorierte, sammelte sich in mir viel Müdigkeit und Groll an.

Ich bin nicht bekannt dafür, dass ich mich auf Partys und Seminaren und auf anderen sozialen Spielplätzen schüchtern zurückhalte. Ich kann laut sein, meine Meinung unverblümt äußern, lachen, Menschen direkt ansprechen und mich komplett zum Affen machen, ohne dass es mich stört. Aber nach ein oder zwei Stunden möchte ich nach Hause gehen und ein Buch lesen. Das war schon als Kind so: In den Ferien spielte ich einen halben Tag mit meinen Freunden in der Wildnis. Die andere Hälfte des Tages? Die verbrachte ich zurückgezogen auf meinem Bett mit einem Buch. Ich glaube, um herauszufinden, wer wir im Kern unseres Wesens sind, müssen wir einfach nur in unsere Kindheit zurückgehen. Eigentlich brauchen wir keine Selbstfindungstrips und Gaben-Tests….

Ich blühe auf in Gegenwart von Menschen, bei denen ich mich sicher fühle: meine Familie, enge Freunde, mein Hauskreis. Manchmal sind das auch Menschen, die ich erst seit fünf Minuten kennen. Aber selbst von diesen sicheren Orten brauche ich regelmäßig eine Pause.

Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an: dieses Anerkennen meiner introvertierten Seite, die ich immer gleich als „Schwachheit“ abwerten möchte. Aber das ist sie nicht. Sie ist meine andere Stärke. Weil sie mich vom Lärm des Lebens wegführt hin zu einem Ort, wo ich mir selbst und Gott begegnen kann. Wo ich umgeben bin von Büchern und leeren Tagebuchseiten und Stille. Wo ich nicht geben muss, sondern nur konsumieren darf.

Our culture made a virtue of living only as extroverts. We discouraged the inner journey, the quest for a center. So we lost our center and have to find again. – Anaïs Nin

(Frei übersetzt: Unsere Kultur hebt die Extrovertiertheit auf einen Thron. Wir haben die innere Reise abgewertet, die Suche nach einem Mittelpunkt. Wir haben ihn verloren und müssen ihn wiederfinden. – Anaïs Nin)

IMG_8006 copy

Bilder, Gedanken, Wochenende

An den See

Ich kam die letzten Tage nicht zum Schreiben. Und wenn ich ein paar Minuten zwischen Krankenlager und Kochherd Verschnaufpause hatte, hielt ich ein Nickerchen oder strickte ein paar Reihen oder machte ein paar Yoga-Übungen für meinen geplagten Rücken. Es ist kennzeichnend für den Wechsel vom Winter hin zum Frühling, dass ich mich hier im Blog weniger aufhalte. Das Leben verlagert sich nach draußen, die Aktivitäten werden lauter, wilder, freier. Das Leben hier im Netz wird ein wenig leiser. Daher werde ich den Kreativen Freitag für die nächste Zeit einmotten und erst wieder im Herbst rausholen. Sicher werden mir mitten im Alltag mal ein Knallerrezept oder eine revolutionäre Idee über den Weg laufen. Dann werde ich das mit euch teilen. Ich kann gar nicht un-kreativ leben, weil Kreativität ein grundsätzlicher Motor meines Lebens ist. Ohne sie würde der Motor ins Stottern geraten und schließlich abwürgen. Aber wenn die Sonne draußen lacht und ich mit meinen Kindern an den See fahren und Steine ins Wasser schmeiße, dann pfeif ich auf meinen Blog und die Pseudo-Wichtigkeit, die er mir verleiht.  Dann versinke ich lieber im echten Leben…. Sowie heute.

IMG_4184klein

IMG_4187
IMG_4189klein

Der Garten lockt mich ebenfalls weg vom gemütlichen Couchleben. Und ich liebe es, in der Erde zu wühlen. Heute fiel mir ein, dass es vielleicht völlig dumm war, bereits Möhren, Salat, Kohlrabi, Spinat und Zwiebeln zu säen. Was, wenn wir demnächst umziehen? Ich kann doch nicht einfach das ganze Beet mitnehmen, oder?
Vielleicht ziehen wir ja an diesen See. Zumindest schauen wir uns dort diese Woche ein Haus an.

IMG_4198klein IMG_4206klein IMG_4196klein IMG_4195

IMG_4294klein

IMG_4292klein

IMG_4203 IMG_4212 IMG_4257klien IMG_4243klein


IMG_4197

IMG_4288 IMG_4290klein IMG_4282 IMG_4280klein IMG_4274klein IMG_4263

Familie, Gedanken

Das ist zum Kotzen

„Magen-Darm ist echt die Hölle!“

„Stimmt. Vor allem, wenn die Kids es nicht rechtzeitig zum Klo schaffen. Das ist so eklig!“

„Oh ja. Ich schalt in solchen Situationen einfach in den Roboter-Modus. Ich bin ein Ro-bo-ter und wi-sche oh-ne Wür-gen die Ko-tze weg.“ 

Dieses Gespräch habe ich gestern mit einer Freundin auf dem Spielplatz geführt. Die Sonne lachte vom enzianblauen Himmel, die Kinder lachten mit, ich dachte an die armen Mitbürger in ihren muffigen Büros und fand es famos, eine Mutter zu sein. Ich konnte endlich wieder durchatmen.

Die ersten Tage der Woche waren anstrengend und vollgepackt. Josefine hatte die Ringelröteln und war bis heute daheim. Nebenbei musste ich noch einen Foto-Auftrag abschließen, den ich nicht vor mir herschieben wollte. Also schob ich eine Nachtschicht ein.

Mein Rücken jaulte schon die ganze Woche, aber ich bin Profi darin, ihn verbissen zu ignorieren. Ganz nach meiner Devise: Wenn ich tapfer genug bin, gehts auch wieder vorbei. Letzte Nacht war Schluss mit tapfer. Der Schmerz schoss in alle Richtungen und die einzige schmerzfreie Position war stehend, mit einem abgewinkelten Bein. So kann man auch super schlafen. Ich dachte: Jetzt müssen die harten Drogen her. Da hilft dir auch dein Hippie-Kräutertee nicht mehr. Ich versank im herrlichen Schmerzmittel-Nebel.

Heute Nachmittag durfte Josefine wieder in den Kindergarten. Ich legte mich auf die Couch, döste selig eine halbe Stunde im Tabletten-Himmel, plauderte mit Schwesterherz am Telefon, säte Spinat und putzte die vernachlässigten Böden, auf denen sich Wollmäuse zu wohl gefühlt hatten. Ich fand es mal wieder sehr famos, eine Mutter zu sein.

Dann drehte sich ein Schlüssel im Türschloss um. Mist, was macht Armin schon daheim und stört mich in meiner Hausfrauen-Wonne? Mein Mann kam mit Leidensmine die Treppe hoch, verschwand murmelnd im Schlafzimmer und ward nicht mehr gesehen. Dann kamen die Kinder vom Kindergarten heim. Amelie hatte Bauchweh. Ich kochte ihr einen Hippie-Kräutertee, den sie eine halbe Stunde später zusammen mit einer bunten Mageninhalts-Mischung auf Couch, Flokati-Teppich und diverse Kissen erbrach. Mehrmals. Ich dachte an das gestrige Gespräch mit meiner Freundin auf dem Spielplatz und schaltete in den Roboter-Modus. Ha, mein 30-jähriges Selbst sollte mich jetzt mal sehen! Das hätte es niemals gekonnt – so professionell Kotze aus dem Flokati entfernen, parallel ein verstörtes Kind baden und dabei keine Miene verziehen, dachte ich. Ich bin echt erwachsen geworden. 

Jetzt sind alle im Bett verstaut. Nur ich bin noch wach. Ich merke, wie sich der Blues an mich heran schleicht. Die Woche war hart. Und endet in einer Enttäuschung. Morgen wollte ich mich eigentlich vormittags mit einer Freundin bei IKEA treffen. (Das wäre echt praktisch, weil wir könnten seit heute ein neues Sofa und einen neuen Flokati brauchen!). Nachmittags hätte ich einen Termin zum Styling und anschließend sollten Fotos von mir gemacht werden. Vorhin habe ich alles abgesagt. Und sehe einem weiteren langen Tag entgegen, an dem ich alle meine Bedürfnisse auf dem hintersten Parkplatz abstelle.

Anfang der Woche hatte ich eine Bibelstelle gelesen, in der Jesus einen Gottesdienst in einer Synagoge besucht. Dort bemerkt er eine Frau, die schrecklich verkrüppelt ist. Er unterbricht die Gottesdienst-Ordnung, wendet sich dieser Frau zu und heilt sie. Damit löst er natürlich einen Eklat aus, weil er die schöne gewohnte Ordnung über den Haufen wirft. Ich kam von dieser Bibelstelle nicht los. Sie hängte sich an mich, zwickte und kratzte mich. Bis ich Folgendes erkannte: „Lass dich diese Woche unterbrechen und leg deine lieb gewonnene Routine ab. Du wirst von Menschen gebraucht werden. Vertrau mir.“

Es ist tatsächlich so eingetroffen. Und die entscheidende Frage ist jetzt, ob ich mich beleidigt zurückziehe und darüber klage, wann ICH ICH ICH endlich mal wieder am Zug bin. Oder ob ich die Unterbrechungen annehme und mein Ego zurückstelle. Ich tendiere zu Ersterem. Aber ich entscheide mich für Letzteres.

Und nein, ich bin kein Roboter. Ich bin eine Frau aus Fleisch und Blut und mit Bedürfnissen und mit einem Herz voller Liebe. Das mich dazu befähigt, über Rückenschmerzen und vollgekotzte Flokatis und abgesagte Dates hinauszuwachsen. Und das Leben anzunehmen, wie es sich halt gerade präsentiert. Manchmal lachend. Manchmal kotzend.

Gerade will ich diesen Beitrag veröffentlichen, da sendet mir eine Freundin dieses Zitat von Henri Nouwen:

„Früher habe ich mich ständig darüber beklagt, dass ich bei meiner Arbeit unterbrochen wurde, bis mir bewusst wurde:die Unterbrechungen SIND meine Arbeit.“

Geht’s noch deutlicher?

Bilder

Wochenende


IMG_4173

Meine Kleine heute: große juckende Pusteln auf dem Bauch. Das große Rätselraten beginnt. Ich befürchte heimlich, es könnten die Windpocken sein. Mich juckts auch schon überall (Mutti, hatte ich die Windpocken?? Bitte sag ja!!!). Gegen Abend war Fischen so müde, dass sie nur noch ein Vorlese-Marathon bei Laune hielt. Aber das ist eigentlich jeden Abend so. Josefine hat schon immer ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Wenn sie dann endlich in ihr Bett darf, schickt sie mich mit einem genervten Husch-Husch-Mama weg. Denn ich steh mit meinem nervigen Abendgebet und Gute-Nacht-Geträllere nur dem süßen Schlaf im Weg.

IMG_4176

Gibt es etwas Besseres als ein Haus voller Bücher, die einem die Welt öffnen?

IMG_4134

Dieses Buch hier, Leute, dieses Buch! Ich weiß, dass mich ein Buch verändert, wenn seine Worte eine Tür aufstoßen, hinter der ich Wahrheiten entdecke, die mich zum Schluchzen und Jauchzen bringen.

IMG_4110klein

Die März-Sonne kitzelt meine Schaffenslust wach. Jeden Morgen steh ich mit einem Elan auf, den ich lange nicht mehr hatte. Und so werkel ich mich durch den Tag, bis ich abends müde auf die Couch sinke. Es ist aber die gute Art von Müdigkeit. Eine, die mich lächeln und früh zu Bett gehen lässt.

IMG_4111klein

Ein alter Kinderwasch-Tisch meines Vaters aus den 30er Jahren. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die richtige Farbe gewählt habe…

IMG_4166klein

Aus Naturjoghurt orientalischen Labane herstellen: Den Joghurt mindestens 12 Stunden durch ein Tuch abtropfen lassen. Dann rühre ich noch Salz unter, beträufle den Frischkäse mit ein wenig Olivenöl und streue Sa’atar darüber.

IMG_4167klein

Oh, und heute habe ich gelernt, dass die Herstellung von Crackern ebenfalls lachhaft simpel ist. Hier das Rezept.

IMG_4156klein

Nach soviel Arbeit muss ich mal eine Weile in der Sonne chillen…..

IMG_4133klein

…ein bissl stricken…

IMG_4163

…und ein Feuer machen (das nach zwei Minuten wieder ausging….hmpf).

IMG_4115kleinIMG_4143klein
IMG_4177klein
IMG_4130klein
IMG_4129kleinIMG_4127klein

IMG_4126IMG_4121

IMG_4179klein

IMG_4107klein

IMG_4170klein

Ich hab heute Rücken und Knie. Und auch irgendwie gefühlt die Windpocken. Außerdem heult jetzt gerade ein Kind seinen Weltschmerz um halb neun abends heraus. Feierabend ist doch noch in weiter Sicht. Seufz. Trotz allem: Es waren ganz wunderbare, arbeitsreiche Tage. Und bei euch?

PS: Jetzt hat sich aufgeklärt, was sich hinter Amelies tränenreichem Weltschmerz verbirgt. Sie besitzt einen Marzipan-Engel, den sie aber Senf-Engel nennt (da sie ihn einem Senfglas geschenkt bekam). Als ich vorhin in ihr Zimmer kam, heulte sie laut auf: „Mein SENFENGEL!“ Ich (hörbar genervt): „Was ist mit deinem Senfengel?“ „Lisa und ich haben heute ein paar Teile von ihm aufgegessen und jetzt ist er kapuuuuuutt!!!!“ 

DIY, Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Oster-Springerle⎬

Spürt ihr es auch?

Das unbändige Drängen des nahenden Frühlings?

Vor einiger Zeit drückte mir meine Mutter diese handgeschnitzten Model in die Hand. Ich war fasziniert von der feinen Arbeit, die in diesem Holz steckt. Und ich nahm mir vor, einige Springerle für unseren Osterstrauß zu machen.

IMG_4105klein

Heute morgen bewaffnete ich mich mit meiner Gartenschere und ging im ersten Sonnenlicht durch den Garten. Ich nieste unter dem blühenden Haselstrauch, lauschte einer Amsel und schnitt Weiden- und Forsythienzweige.

IMG_4096klein

Letzte Woche hatten die Kids und ich mit lufttrocknender Modelliermasse von Fimo die Springerle geformt. Salzteig müsste auch funktionieren. Auf jeden Fall waren wir drei mit großer Begeisterung dabei.

IMG_3717klein

IMG_3719klein IMG_3718klein

Heute habe ich mich an die filigrane Malerarbeit gewagt. Die wackligen Linien? Sie sind der schmerzhafte Beweis dafür, dass ich eine Brille brauche.

IMG_4079klein IMG_4078klein IMG_4085klein

Aber auch ohne Brille erkenne ich gerade noch so, dass unser Osterstrauß ganz funky wird!

IMG_4100klein IMG_4098klein IMG_4097klein IMG_4102klein

Dankbarkeit, Ehe, Familie, Gedanken

Reset

Wehe mir, die Sonne scheint mit ihrem enthüllenden Licht. Dann hetze ich mit Riesenschritten durch den Flur, schaue weder nach rechts noch nach links. Fällt mein Blick doch dummerweise auf die Wände, ringt mich mein schlechtes Gewissen nieder. Seit Wochen wollte ich hier streichen. Vor sechs Jahren waren die Wände jungfräulich weiß. „Zu weiß!“, wie ich damals meckerte. Heute wünschte ich, sie wären noch immer so.

Aber zwei Kinder und eine Katze später zieren die Wände allerlei Spuren. Jetzt hätte ich also meinen damaligen Wunsch-Ton: Eierschalen-weiß. Nur das diese Farbe nicht aus dem Baumarkt, sondern von vielen schmutzigen Patschehändchen stammt.

Ich hab echt keinen Plan, wann ich diese dämliche Wand anpinseln soll. Jeden Tag schreibe ich morgens hoffnungsvoll in meinen Terminplaner: Zum Baumarkt fahren! Farbe kaufen!! Abends verschiebe ich es auf den nächsten Tag. Und setze ein weiteres Ausrufezeichen dahinter.

Es ist ja nicht nur der Flur. Alle Wände haben eine General-Sanierung nötig. Allein nur vom Drandenken fühle ich mich schon ganz ausgelaugt und schwach.

Dieses Gefühl, als wir hier vor mehr als sechs Jahren einzogen! Es herrschte soviel Platz, es roch nach frischer Farbe und Holz und Leim. Der Duft eines verheißungsvollen Neuanfangs, der mich inspirierte, unseren Wohnraum zu gestalten. Ganz neu. Alles auf Anfang. Reset.

Seit wir uns Häuser auf Verkaufsportalen im Internet ansehen, sehe ich unser Haus in einem ungünstigeren Licht. Warum haben wir kein Eichenparkett und keine dänische Landhausküche und keine gerade Böden? Als heute die nörgelige Unzufriedenheit ihren Siedepunkt erreichte, reichte es mir. Ich drückte den Reset-Knopf. Alles auf Anfang. Ich erinnerte mich an das erhebende Gefühl unseres Einzugs. Und die damit verbundene tiefe Dankbarkeit für ein echtes Zuhause. Vergessen war die dänische Landhausküche (…fast).

Ich brauche für alle Lebenslagen einen Reset-Knopf. In meinen Freundschaften. Mit den Kindern. In meiner Ehe. Für meine Arbeit.

Reset: In Konflikten, in denen ich nicht mehr weiß, was eigentlich der Auslöser war.

Reset: Im Gefühls-Chaos, das mich aus der Realität heraus reißt.

Reset: Nach einer Fress-Attacke.

Reset: Wenn ich anfange, mich mit der Schreib- und Fotografie-Leistung anderer zu vergleichen.

Reset: Wenn Unzufriedenheit mein Herz vergiftet.

Reset: Wenn ich mir und anderen nicht vergeben kann.

Alles auf Anfang. Ich möchte mich immer wieder an die aufregenden, vielversprechenden, hoffnungsfrohen Anfänge erinnern und aus ihnen neuen Antrieb gewinnen. An das Ja-Wort vor dem Altar. An die ersten Stunden mit meiner neugeborenen Tochter an der Brust. An meine ursprüngliche Liebe für Bilder und Worte. An Menschen, die mich – nachdem sie mich wirklich kennen lernten – nicht von meiner Seite wichen.

Zu irgendeinem Zeitpunkt in unserem Leben machen wir den ersten, glückssprudelnden Schritt. Je weiter wir uns vorwärts tasten, desto mehr besteht die Gefahr, dass wir uns in den Fallstricken unserer eigenen Dunkelheit verheddern. Aus der Lust am Schreiben wird das Streben nach Lob. Zwischen die bedingungslose Liebe zu unserem Partner, den Kindern drängen sich dann doch Bedingungen. Wachsender Zweifel an der Zuneigung von Freunden drängen zum inneren Rückzug.

Wir sehnen uns nach dem Ursprünglichen zurück. Nach unschuldigeren, einfacheren Zeiten. Vielleicht ist diese Sehnsucht ein Hinweis darauf, dass solch ein Ort tatsächlich auf uns wartet. Wo irgendwann ein fetter Reset-Button für die ganze ächzende Schöpfung gedrückt wird.

Mal sehen. Bis dahin muss ich mehrmals täglich auf meinen Reset-Knopf eindreschen.

Zurück auf Anfang. Zurück zur Liebe. Zurück zur Gnade.

Bilder

Wochenende


IMG_3697klein

Raren Sonnenschein einfangen und abspeichern.
IMG_3700klein

Meine alten Kinderpuzzle spielen und in Nostalgie ertrinken.

IMG_3694klein

Dem Licht folgen.

IMG_3692klein

Brot braucht Geduld. Und neugierige Helferhände.

IMG_3703klein

So stell ich mir das Paradies vor: Warmes Brot aus dem Ofen mit Butter.
IMG_3705klein

IMG_3724klein

Geliebtes Bamberg, wo vor 80 Jahren mein Vati zur Welt kam!

IMG_3723klein

Unterwegs zur Feier. Könnt ihr sehen, wie glücklich ich bin?IMG_3728klein

IMG_3726

IMG_3770klein

Dieses Bild sagt alles über meinen geliebten Vati: Humor, Liebe, Demut.

IMG_3769kleinHoffentlich hat er uns Kindern etwas davon vererbt!

IMG_3733kleinEr lebt uns vor, dem Leben positiv zu begegnen…

IMG_3780klein

… sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen….

IMG_3768klein

…in Krisenzeiten auf Gott zu vertrauen…

11024633_10152579940891736_2180080161673263595_n Kopie

…zusammenzuhalten…

IMG_3744klein

…den anderen wichtig zu nehmen….
IMG_3760klein

…barmherzig mit den Schwachen zu sein…

IMG_3735klein

…und alle Unterschiede mit Liebe und Sanftheit zuzudecken.