Wir sind zum Leben bestimmt

Eigentlich wäre ja heute an dieser Stelle mein Kreativer Freitag.

Aber ich kicke ihn weg. Stattdessen mache ich Platz für Trauer. Ganz unerwartet ist jemand in Armins Familie gestorben. Jemand, den wir sehr wert geschätzt haben. Wir sind verstört und können die kalten Fakten der Realität nicht greifen.

Ich bin heute müde. Fühle mich ausgehöhlt von diesem Winter, der so viele Todesfälle im Freundes- und Bekanntenkreis mit sich brachte wie noch nie. Ich weiß, langsam hör ich mich an wie eine Schallplatte mit Kratzer. Es wiederholt sich –  Ich wiederhole mich. Wohin mit dieser Schwere der Gefühle, die eine Angst in mir auslöst, die wie klebriges Baumharz hartnäckig an mir haftet?

Manchmal lehrt uns das Sterben mehr übers Leben alle Vorlesungen und Selbsthilfebücher zusammen. Mich hat es diesen Winter gelehrt, dass wir zum Leben bestimmt sind, auch wenn wir sterben. Dass durch die Schwere und Schwärze ein Lichtschein hindurchfällt, eine Hoffnung darauf, dass es weitergeht. Dass auf die Enge eine Weite folgt, die wir uns nicht vorstellen können.

Heute schlug ich mein druckfrisches Exemplar der „Aufatmen“-Zeitschrift auf. Auf der ersten Seite blieb ich stehen:

Wir sind mitten im Leben
zum Sterben bestimmt;

was da steht, das wird fallen.
Der Herr gibt und nimmt.

Wir gehören für immer
dem Herrn, der uns liebt,

was auch soll uns geschehen.
Er nimmt, und er gibt.

Wir sind mitten im Sterben
zum Leben bestimmt;

was da fällt, soll erstehen.
Er gibt, wenn er nimmt.

Lothar Zenetti

4 Kommentare zu „Wir sind zum Leben bestimmt

  1. Liebe Veronika,
    das Tut mir sehr leid und ich sende aus der Ferne mein POLE (so drückt man in dem Land, in dem wir derzeit leben, das Beileid und Mitgefühl aus!).
    Manchmal kommt es echt massiv…
    Ich wollte Dir eigentlich nur eine mail schreiben. HAb hier aber keine Adresse gefunden. Evt. gibt es die ja auch wirklich nicht, oder ich bin nur zu blind, was auch immer wieder vorkommt 🙂
    Ich hab in einer Aufatmen auch sehr gute Gedanken zum Tod gelesen, die mich tief bewegt und getroffen haben.
    Hier schreibe ich darüber – falls Du das lesen willst. Aber evt. erinnerst Du dich ja auch selbst an diesen Artikel von G.MacDonald.
    Ich hab bisher noch meinen Blog auf einem anderen verlinkt und Du kannst das Kommentar hier nach dem Lesen auch gerne löschen, denn wie gesagt, wollte ich es Dir ja als Email senden.

    http://sansibar.over-blog.de/article-funf-jahre-danach-125214302.html

    Und das Buch kann ich Dir auch nur wärmstens ans Herz legen. Da Du sehr belesen bist, kennst Du es aber evt auch schon 🙂
    Ich wünsche Dir besonders viel Sonne an diesem Wochenende. In solchen Zeiten sind es oft diese ganz einfachen, alltäglichen Dinge, Du der Seele zum Balsam werden.
    Herzliche Grüße
    Doro

    1. Liebe Doro,
      jetzt hab ich mich erstmal durch deinen tröstenden und sehr hilfreichen Blogeintrag gelesen. Und den Rest deines Blogs hab ich auch gleich mitgenommen. Was für eine bunte und herrliche Rasselbande du hast! Das ist sicher nicht immer einfach und dazu noch das Leben in einem halbwegs fremden Land. Erst letztens hab ich mit meinen Kindern über Tansania geredet und wir haben uns auf dem Globus angesehen, wo es liegt. Ich freu mich, dass wir über diese Entfernung durch unsere Worte miteinander verbunden sind!!
      Viele liebe Grüße
      Veronika

  2. Liebe Veronika,
    danke für deinen letzten Blogeintrag. Wir haben vor einer Woche das Baby meiner Freundin beerdigt. Ich war Patin und bin immer noch sprachlos und wie gelähmt. Wie gut, dass wir die Hoffnung haben, dass dieses Leben hier nicht alles ist und wir uns eines Tages wiedersehen werden…
    LG, Heidi

    1. Liebe Heidi,
      mir fehlen fast die Worte für eine Antwort. Es tut mir so leid! Ein Kind zu verlieren ist der schrecklichste Alptraum… Du kannst deiner Freundin in dieser Zeit zur Seite stehen und ihre Trauer teilen.
      Viele liebe Grüße und ganz viel Kraft!
      Veronika

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