Was niemanden wirklich interessiert….

Tagein, tagaus dasselbe Spiel. Aufstehen, überleben, schlafen gehen.

Ich sitze hier und verkrampfe meine Hirnwindungen, was ich Geistreiches oder Lustiges oder Erlebnisreiches zum Besten geben könnte.

Da ist nichts. Leere. Uninteressante, langweilige Leere. Ich fühle mich ausgehöhlt von stumpfer Routine und Kinderjammern und nie endenden Anforderungen.

Es interessiert euch sicher nicht, dass ich heute einen Berg stinkender Wäsche gewaschen habe und auf dem Boden rumgekrochen bin, um Bügelperlen aufzulesen. Ich hätte sie einfach aufsaugen können, aber das hätte meine sensible Vierjährige nicht verkraftet (und welche Mutter hat schon Lust, Bügelperlen aus einem haarigen Staubsaugerbeutel zu klauben, nur damit das Kind endlich aufhört zu heulen?).

Es interessiert euch auch sicherlich nicht, dass ich heute zuviele Hefeklöße mit brauner Butter gegessen habe. Und dass ich unsere Kleiderschränke entrümpelt habe. (Ich dachte während dieser Aktion an den Spruch: „Alles, was du länger als ein Jahr nicht getragen hast, kann weg!“ 70 Prozent meines Kleiderschranks ist ein stilles Grab. Aber die wenigsten Leichen fanden ihren Weg in den Altkleidersarg. Tut mir Leid. Ich pflege meine Sentimentalitäten gewissenhaft. Das I ♡ NY-Shirt aus Manhattan? Bleibt – auch wenn die Farbe schon abbröckelt. Das löchrige und durchscheinende Army-Shirt aus meiner Zeit, die ich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ami-Kaserne verlebte? Bleibt. Der verwaschene GAP-Hoodie aus den USA? Auch du hast ein Aufenthaltsrecht in meinem Kleiderschrank. Die dunkelblaue Hüft-Jeans aus dem Jahr 1999? Da pass ich bestimmt irgendwann wieder rein. Bleibt.)

Sicher interessiert es euch noch weniger, dass ich eine ellenlange To-Do-Liste vor mir herschiebe. Wie einen Berg Schnee. Je mehr ich versuche, ihn wegzuschieben, desto mehr sammelt sich in der Schneeschaufel an. Und es hört nicht auf zu schneien. Also akzeptiere ich das Schnee-Chaos und schippe mir immer nur einen minimalen Weg frei. Reicht.

Ich bin überzeugt, es interessiert euch nicht, dass ich heute niemanden am Telefon erreicht habe. Außer meine Freundin Chrissi. Ich erzählte von meinem uninteressanten, eintönigen Alltag. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie einfach aus purer Langeweile aufgelegt hätte. Aber das tat sie wundersamer Weise nicht. Und dann erzählte sie mir von ihrem eintönigen, langweiligen Alltag. Ich habe den ganzen Tag nichts Spannenderes gehört.

Wie gut, wenn wir ein Quentchen Kraft reservieren, um am Leben des Anderen ein wenig teilzunehmen. Auch wenn es nur manchmal Krümel sind, die wir einander zuwerfen können (weil wir nicht mehr zu bieten haben). Aber es reicht oft. Und wenn es am Ende des Tages nicht reicht, wende ich mich an den, der mir statt ein paar Krümel ein ganzes Brot reicht.

12 Kommentare zu „Was niemanden wirklich interessiert….

  1. Liebe Veronika,
    auch mein Tag war heute wenig spektakulär bzw eher frustrierend. Ein noch nicht wieder ganz gesundes Kind zu Hause, was meine Pläne durchkreuzt, eine Nähmaschine, die ungefragt ihren Geist aufgibt, auch ich hab heute Vormittag 2 Freundinnen nicht erreicht…..und zu allem Übel hatte ich auch gar keine Lust zu überlegen, was denn heute gut ist…..aber jetzt denke ich, gut, dass es anderen auch mal so geht, von daher Danke an Dich fürs Alltag teilen…..und morgen ist ein neuer Tag…..

    LG Kathrin

    1. Hallo Kathrin, ich denke, solche Tage muss man einfach abhaken und mit Optimismus nach vorne schauen. Manchmal hilft auch ein Glas Wein am Abend…. 🙂
      Liebe Grüße
      Veronika

  2. Hallo liebe Veronika,
    ich glaube, so geht es uns allen, oft. Liegt es vielleicht auch an unserer Lebensphase?
    – wir haben Kind oder Kinder
    -wir haben einen Partner
    -eine grössere Wohnung als früher
    -man hat Freunde, Bekannte, Nachbarn
    -Haushalt,Beruf, Kindergarten, Schule, Sport, Hobbies,
    da liegt soviel an, ist soviel zu tun, Verabredungen, Termine, nicht zu spät kommen, Internet, immer Erreichbar, eigene Ansprueche, etc.
    Es ist ein reiches Leben mit vielen Glücksmomenten aber auch nervtoetenden Routinen.
    Da kann es auch mal nicht so gut laufen, die Akkus sind leer, man wünscht sich auf die Insel weit, weit weg.
    Und es ist gut, dass es Blogs gibt, die einem klar machen, dass es vielen so geht.
    Und deswegen interessiert es!
    Mia

  3. Es interessiert mich!!! Es tröstet mich. Es sagt mir: ich bin nicht allein. DANKE. Drück dich und viel Kraft beim Schnee wegschippen (wenn man ihn lange genug iegen lässt schmizt er vielleicht auch von alleine:-). Christina

    1. Hi Christina,
      ja, der Schnee schmilzt 🙂 Und es war natürlich KEIN Vorwurf, dass es niemanden interessiert – war eher als versteckter Witz gemeint. Ähäm….
      Liebste Grüße
      Veronika

  4. Liebe Veronika,
    heute fühle ich mich GENAU S0.
    Vor zweieinhalb Wochen umgezogen, davon die letzten anderthalb krank gewesen. Hier herrscht das reinste Chaos, in dem eine gerade abgestillte mega quengelige Einjährige, die mich NICHTS machen lässt, eine völlig unterforderte nicht ausgelastete Zweieinhalbjährige und meine griesgrämige dauergenervte Wenigkeit versuchen, den Alltag zu bewerkstelligen. Obwohl noch nicht richtig angekommen und fertig eingerichtet, schleicht sich auch hier schon die gut bekannte stumpfe Routine ein. Wie gut, dass ich deinen aufmunternden liebenswerten Blog mit umziehen konnte :-). Und – der nächste Frühling kommt bestimmt!
    Lieben Gruß
    Corinna

    1. Hallo Corinna,
      du hast gerade eine Menge um die Ohren! Da tut es gut, wenn man sich Schlupflöcher schafft, nicht wahr? Irgendwann wird’s besser – jeder Engpass ist mal vorbei. Und der Frühling ist seit gestern auch da 🙂
      Liebe Grüße
      Veronika

  5. Es ist tröstlich, dass nicht nur ich solche Tage habe in denen ich scheinbar nichts zu erzählen habe ausser eintönigem Alltag. An manchen Tagen fühle ich mich ausgelaugt und müde und frage mich was ich denn bloß gemacht habe -ausser Berge von Wäsche gewaschen, das Haus geputzt, Lego im Kinderzimmer sortiert, eingekauft und natürlich eine nahrhafte, gesunde Mahlzeit für 6 hungrige Mäuler gekocht. Schön ist es dann von meinem Mann ein anerkennendes Lächeln zu bekommen wenn ich ihm von meinem scheinbar uninteressanten Alltag erzähle. Wieviel mehr Lächelt mir mein himmlischer Vater zu wenn er sieht, dass es aus Liebe zu den Menschen mit dennen er mich umgeben hat gerne gemacht wurde.
    Danke für die Einblicke die du uns in dein Leben gewährst. Ich freue mich über jeden neuen Beitrag und philosophiere für mich weiter 🙂

  6. In der aktuellen „family“ habe ich (sinngemäß) gelesen „Warum sind wir Gott bei der Hausarbeit so nah? Weil er ewig ist und das Wäschewaschen und Essen kochen auch.“ Und bei meiner Oma hing in der Küche eine Postkarte mit dem Spruch „Gott ist auch zwischen den Kochtöpfen“ und meine Oma schmunzelte und meinte „Du musst ihn halt suchen.“ So, so viel von mir, die ich mich jetzt gleich entscheiden muss, ob ich mit einer chaotischen Küche oder mit himalayesken Wäschebergen beginne.

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