Fotografie, Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Wohin mit der digitalen Bilderflut???⎬

Eigentlich hatte ich meinen Beitrag für heute fertig im Kopf. Springerle für den Osterstrauch. Weil ich nämlich hammermäßig schöne antike Springerle-Formen von meiner Mutter bekommen habe. Aber Ostern ist zeit- und wettertechnisch noch Lichtjahre entfernt. Verschiebe ich auf nächsten Freitag. Denn die Leserin Anna hat heute morgen eine Frage gestellt, die uns Eltern immer wieder im Nacken zwickt: Was mache ich mit meinen 100 Milliarden Bildern?

Früher war es so: Rolle zum Entwickeln. Zappeliges Warten. Abholen. Enttäuschung. Bilder ins Album kleben – auch die verwackelten und überbelichteten.

Heute ist es so: 280 Bilder von der letzten Party aufspielen. Nie mehr anschauen.

Ich denke, es gibt unterschiedliche Methoden der Bild-Verwaltung und jeder muss für sich das passende System finden. Meines ist sicherlich nicht perfekt, aber ich habe die Bilderflut ganz gut im Griff.

Hier mein System:

  1. Die Fotos spiele ich in Ordner, die ich nach Datum und Ereignis sortiere. Also zum Beispiel: 2014-12 Adventsmarkt. Für Fotos, die sich schwer einer Kategorie zuordnen lassen, habe ich Allgemein-Ordner, ebenfalls nach Datum sortiert. Zum Beispiel: 2015-02 Allgemein.
  2. Ich lösche gnadenlos. Wer braucht zehn Bilder von ein und derselben Blume? Das beste Bild auswählen, den Rest in die Tonne.
  3. Archivierung: Meine Datenmenge ist enorm groß. Alle Ordner, die älter als 2 Jahre sind, kommen ins Archiv. Ups, müsste ich mal wieder machen!
  4. Da liegen sie nun, die vielen Erinnerungen und keiner schaut sie mehr an. Wie schade, denn sie sind ein Schatz! Unsere Kinder wollen ihre Wurzeln erforschen und dazu gehört auch das Stöbern in Bildern von früher. Ihre eigenen Babybilder, die Hochzeitsbilder von Mama und Papa, der erste Urlaub.
  5. Also lassen wir die Bilder lebendig und greifbar werden! Ich kenne viele Leute, die am Jahresende die schönsten Fotos auswählen und ein Fotobuch gestalten. Das ist eine superbequeme und schnelle Lösung. Ich persönlich bin kein so großer Fan von Fotobüchern. Bin halt ein altmodisches Mädchen und habe gerne richtige Fotos zum Ansehen. Ca. zwei Monate vor den Geburtstagen meiner Kinder wähle ich ihre schönsten Bilder des vergangenen Jahres aus und bestelle sie als Abzüge bei einem Online-Fotodienst. Wenn ich immer brav meine Fotos das Jahr über aufgespielt, sortiert und selektiert habe – dann geht das relativ zügig. Außerdem führe ich ein Familienalbum. Das aktualisiere ich ebenfalls jedes Jahr. Meistens in den ruhigeren Wintermonaten.
  6. Fotoalben sind teuer und unpraktisch (Das Seidenpapier zwischen den Seiten? Für Kinderhände völlig ungeeignet).  Ich mache meine eigenen Alben. Dazu benötige ich einen DIN A 4 Ordner, starkes Papier (mind. 300g/m2) und Fotokleber. Das Papier loche ich und lege es in den Ordner ein. Die Ordner haben den Vorteil, dass ich nachträglich noch Seiten einheften kann. Postkarten, Tickets, Briefe füge ich ebenfalls hinzu.
  7. Und weil ich halt ein spezieller Spezialist bin, bekommen die Ordner noch eine hübsche Hülle. Wer gerne näht, hier die supereinfache Vorlage (gut für Anfänger geeignet!).

Zu den Geburtstagen meiner Kinder liegt dann früh das aktualisierte Album neben ihren Geschenken. Wir haben schon Stunden damit verbracht, uns die Alben anzusehen. Manche sind schon ganz abgegriffen, aber so soll es sein. Ich bewahre sie leicht zugänglich im Wohnzimmer auf, so dass Kinder-, Oma- und Mama-Hände immer schnellen Zugriff darauf haben. Diese Erinnerungen gewinnen mit der Zeit an Wert, weil wir sie aus dem PC heraus und lebendig werden lassen.

Und was ist euer Bilder-System?

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Dankbarkeit, Familie, Gedanken

Stinknormaler Stinke-Socken-Alltag

Gestern Abend saß ich mit meinen Mädchen beim Abendessen. Armin war nicht da, er war noch auf der Rückfahrt von einer Beerdigung.

Ich liebe unsere Zeiten zu dritt bzw. zu viert am Ess-Tisch. Nicht, weil sich meine Kinder so exzellent benehmen (das tun sie nicht!) oder weil das Essen immer so vorzüglich wäre (das ist es nicht!). Sondern wegen der Gespräche, die sich dabei ergeben.

Gestern Abend also beim Abendessen. Amelie fragt: „Mama, was ist Alltag?“ Mir lag die ironische Antwort auf der Zunge: „Wenn ich tausend stinkende Socken gewaschen und am Ende des Tages denke, ich hätte mal wieder nichts geschafft.“ Das habe ich natürlich nicht laut ausgesprochen. Kinder und Ironie, das ist ein gefährlicher Cocktail, der immer in die Hose geht.

Stattdessen: „Das sind Tage, an denen nichts Besonderes passiert, sondern das gleiche wie immer: Kindergarten, Essen, Spielen, Duschen, Geschichten lesen, ins Bett gehen.“ Amelie, meine scharfsinnige Sechsjährige verstand sofort: „Aha, dann war heute also Alltag.“ Stimmt.

Warum ruft das Wort Alltag in mir Widerwillen und Ablehnung hervor? Diese Frage kam mir einige Stunden nach unserem Gespräch. Weil es immer das Gleiche ist? Tag für Tag für Tag? Weil nichts Besonderes passiert, das mir das Gefühl gibt, wichtig und lebendig zu sein?

Während ich über diese Fragen nachgrübelte, kam Armin heim. Erschöpft und emotional angeschlagen. Er erzählte von seinem Tag auf dem Friedhof, wo Kinder ihre Mutter zu Grabe getragen haben, wo sie voller Unglauben und Grauen dem zukünftigen Alltag ohne den geliebten Menschen ins Auge blicken mussten.

Erst wenn das Leben aus den Fugen gerät, wissen wir das Geschenk des ganz normalen Alltags zu schätzen.

Wenn ich genau hinschaue, sehe ich die vielen kleinen Perlen, die in den Winkeln dieses Alltags versteckt liegen und ihn zum Glänzen bringen. Menschen, die ich liebe und von denen ich geliebt werde. Ein flammender Sonnenaufgang, der mir morgens zuraunt, dass alles gut wird. Frisch gebackenes Brot auf dem Tisch, das von den Kindern verschlungen wird (die Tischmanieren, DIE TISCHMANIEREN!!). Die ersten Kräuter, die zaghaft aus dem Boden schauen. Schöne Worte, die ich in den freien Winkeln meines Tages lese. Schöne Worte von Freunden oder Bloglesern. Das Lachen meiner Kinder. Das Weinen meiner Kinder. Mitlachen. Trösten. Tee.

Es geht mir nicht darum, hübsche Wohlfühlmomente zu schaffen. Sondern meinen Blick für das Besondere neu zu schärfen. Alltag ist, wenn nicht Besonderes passiert? Wir haben uns nur so sehr an ihn gewöhnt, dass wir alles für selbstverständlich halten. Dass uns diese Momente zustehen. Aber seien wir ehrlich: Uns steht nichts wirklich zu – das ist ein Trugschluss. Und wir erkennen das erst oft, wenn uns das Leben um die Ohren fliegt.

Ich bin heute dankbar für meinen stinknormalen Stinkesocken-Alltag. Wie ich ihn liebe!

So, es ist Zeit, Frühstück für die Kinder zu machen. Mal sehen, welche Frage heute auf mich lauern.

Bücher, Bilder, Gedanken, Listen

Ich….

…lese: Die Bienenhüterin und einen ganzen Stapel anderer Bücher. Weil ich nie genug Bücher haben kann und Worte wie Luft zum Atmen brauche.

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…höre: den Soundtrack des Kino-Films „Wild“ (sehr emfpehlenswert).

…rieche: den Duft von rosa und blauen Hyazinthen, die meine Sehnsucht nach Frühling stillen und gleichzeitig schüren.

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…liebe: dass ich wunderbare Gäste am Wochenende bewirten durfte!

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…bete: für Freundinnen, deren Mangel und Not und Trauer ich mit meinen mageren Worten nicht ausfüllen kann. Nur mit Gebet. Und Zuhören.

…schmecke: Pfefferminze und Mönchspeffer und Himbeerblätter. Mein selbst zusammengestellter Hormon-Tee für die Zähmung des Monsters in mir. Klappt!

…nähe: zwei Frühlings-Tunikas aus blauem Stoff.

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…backe: Maisbrot.

…sehe: alle Kleider der Oscar-Verleihung (ja, das ist mein heimliches Vergnügen: Traumhaft schöne Frauen in Dior und Zac Posen und Marc Jacobs zu begaffen)

…genieße: einen Besuch bei meiner Blogger-Freundin Christina mit Kaffee und Waffeln und Basteln und Reden.

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…denke: Ach, das Leben besteht zu 99 Prozent aus alltäglichem Mühsals-Kram. Moment mal (denke ich), das stimmt doch gar nicht. In meinem Leben gibt es wunderbare Menschen und Begegnungen und Feiern und neue Brotrezepte und Bücher und Blumen und Blödsinn und Filme und Musik und kreative Ausbrüche. Vergesse ich nur manchmal, wenn ich die Wäsche machen muss und mich selbst inmitten stinkender Socken bemitleide.

…fühle: mich müde.

Gedanken

Wir sind zum Leben bestimmt

Eigentlich wäre ja heute an dieser Stelle mein Kreativer Freitag.

Aber ich kicke ihn weg. Stattdessen mache ich Platz für Trauer. Ganz unerwartet ist jemand in Armins Familie gestorben. Jemand, den wir sehr wert geschätzt haben. Wir sind verstört und können die kalten Fakten der Realität nicht greifen.

Ich bin heute müde. Fühle mich ausgehöhlt von diesem Winter, der so viele Todesfälle im Freundes- und Bekanntenkreis mit sich brachte wie noch nie. Ich weiß, langsam hör ich mich an wie eine Schallplatte mit Kratzer. Es wiederholt sich –  Ich wiederhole mich. Wohin mit dieser Schwere der Gefühle, die eine Angst in mir auslöst, die wie klebriges Baumharz hartnäckig an mir haftet?

Manchmal lehrt uns das Sterben mehr übers Leben alle Vorlesungen und Selbsthilfebücher zusammen. Mich hat es diesen Winter gelehrt, dass wir zum Leben bestimmt sind, auch wenn wir sterben. Dass durch die Schwere und Schwärze ein Lichtschein hindurchfällt, eine Hoffnung darauf, dass es weitergeht. Dass auf die Enge eine Weite folgt, die wir uns nicht vorstellen können.

Heute schlug ich mein druckfrisches Exemplar der „Aufatmen“-Zeitschrift auf. Auf der ersten Seite blieb ich stehen:

Wir sind mitten im Leben
zum Sterben bestimmt;

was da steht, das wird fallen.
Der Herr gibt und nimmt.

Wir gehören für immer
dem Herrn, der uns liebt,

was auch soll uns geschehen.
Er nimmt, und er gibt.

Wir sind mitten im Sterben
zum Leben bestimmt;

was da fällt, soll erstehen.
Er gibt, wenn er nimmt.

Lothar Zenetti

Familie, Fasten

Gut gebrüllt, Mutter!

Es hat sich ausgefaschingt. Die Kostüme schleudern in der Waschmaschine, von den Krapfen sind nur noch trockene Krümel übrig, das Konfetti liegt immer noch lustig in allen Ecken rum und klammert sich hartnäckig an Teppiche. Als ich in den letzten Krapfen biss und das Hiffenmark am anderen Ende herausquoll, fiel mir ein, dass heute die Fastenzeit beginnt. Irgendwas muss einem ja immer den großen Spaß verderben. Zuerst sind es die Eltern, dann die Schule, dann die Pubertät, dann das Finanzamt und jetzt auch noch die Fastenzeit.

Die letzten Jahre hab ich die Zeit zwischen Fasching und Ostern erfolgreich ignoriert. Ich mochte auf nichts verzichten. Weil ich nämlich das Gefühl hatte, seit der Geburt meiner Kinder auf genügend Dinge verzichten zu müssen. Da wollte ich mir nicht noch einen Extrastein aufladen. Ein-, zweimal machte ich einen halbherzigen Anlauf. Aber nach zwei Tagen Stunden siegte die Schokolade. Oder der Wein. Oder der Fernseher. Meistens alles drei gleichzeitig.

Ich glaube, ich habe die Fastenzeit immer ganz falsch interpretiert: Als persönliches Trainingslager für Gewichtsverlust und Persönlichkeits-Optimierung. Aber eigentlich geht es in der Fastenzeit nicht um mein nimmersattes Ego. Eher sollen durch Verzicht Freiräume entstehen, die ich mit allem füllen darf, was mich näher zu Gott und näher zu Menschen bringt. Ich darf lernen, einen weiten Bogen um meine heiß geliebten Stolpersteine machen. Die Leere einmal nicht gleich füllen, sondern aushalten.

Ich verzichte dieses Jahr auf Süßigkeiten (bye bye Ben and Jerrys), auf Alkohol (hoch die Teetassen!) und auf das Anmotzen und Anschreien meiner Kinder. Du bist schockiert, dass ich meine Kinder anschreie? Ja, das tue ich gelegentlich und öfters. Dank meiner grundaggressiven Impulsivität. Aber was passiert, wenn es passiert? Zunächst herrscht eine ganze Weile Sonnenschein. Und dann bricht ohne Vorwarnung ein Hurrikan über sie herein. Da stehen sie im Gewitter und wissen nicht, wohin mit sich und ihrer Mutter. Ein Sturm der Gefühle fegt über sie hinweg: Angst, Isolation, Schuld. Entweder enden wir alle in Tränen. Oder in Rebellion. Nach einem Sturm hilft nur Reden, Erklären, Entschuldigen, Trösten. Trotzdem hab ich die Befürchtung, später die Schlüsselfigur in unzähligen Therapiestunden meiner Töchter zu sein.

Kurz vor Beginn der Fastenzeit ist mir so klar geworden, dass ich als Mutter nicht Opfer meiner Gefühle werden darf. Manchmal sind meine Gefühle nicht mehr als ein Sturm, den ich vorüberziehen lassen kann und der dann als sanfter Regen niedergeht. Ich gerate ganz schnell in einen Mütter-Automatismus, in dem ich nicht mehr die Agierende bin, sondern meinen Impulsen das Steuer willenlos in die Hand gebe. „Hier, macht ihr mal. Ihr wisst viel besser, wie das geht.“ Es ist an der Zeit, das Steuer wieder in die Hand zu nehmen und einen anderen Kurs einzuschlagen. Es ist schwierig und kostet mich etwas. Selbstdisziplin. Aufgabe falscher Macht. Nerven. Das anstrengende Ringen um richtige Reaktion.

Heute war ich extrem achtsam im Umgang mit meinen Kindern. Ein paar Mal wollte ich laut losmotzen: „Muss ich dir alles dreimal sagen!“ „Ich krieg die Krise!“ „Häng endlich deine dämliche Jacke auf!!“ Aber ich biss mir auf die Zunge. Atmete tief durch. Und kriegte die Kurve. Nur einmal motzte ich ganz ganz leise.

Ich sehne mich wie noch nie nach Frieden in dieser sturmgebeutelten Welt. Und am liebsten würde ich losziehen, UM IRGENDWAS HEROISCHES ZU TUN! Aber die tatsächlich heroische Tat ist, bei sich selbst anzufangen. Im Kleinen und Unscheinbaren. Seit heute erinnere ich mich wieder daran, wie schwer das ist. Das eigene Ego hintenanstellen. Das Wohl des anderen vor mein eigenes Wohl stellen. Nicht das letzte Wort haben müssen.

Diese Welt braucht wie noch nie Oasen des Friedens. Orte, an denen man einfach sein darf und willkommen ist. Ich kann diesen Ort in meiner Familie nur mit meinem Friedensbringer schaffen. Meine einzige Chance. Meine Vergebung. Mein täglicher Neuanfang.

PS: Oft ist Schreien ein Zeichen davon, dass der eigene Tank leer ist. Es ist ein Schrei nach Gesehenwerden.  Wie kann ich meinen Tank füllen lassen? Die Realität des Lebens ist, dass ich nicht immer gesehen werde. Wie lerne ich, damit umzugehen und Frieden mit dieser Realität zu schließen? Jetzt hab ich ja sieben lange Wochen Zeit, diesen Fragen auf den Grund zu gehen…..

Bilder, Familie, Gedanken

Wochenende

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War ja klar, dass ich den Valentinstag mit seinen überfrachteten Erwartungen verpenne. Stand am Samstagmorgen verstrubbelt und im Schlafanzug in der Küche. Schlürfte meinen ersten Kaffee. Mein Mann überreichte mir grinsend dieses Buch. „Alles Gute zum Valentinstag“. Meine erste Reaktion: „Scheiße, und ich hab nichts für ihn!“ Ich bekam ein schiefes Lächeln hin und murmelte verschämt: „Dir auch alles Gute, Geschenk kommt später.“ Ich kaufte ihm dann später seine Lieblings-Schokolade. Schwach, ich weiß. Und abends kochte ich ihm ein Curry mit Garnelen und Cashews. Aber zurück zu diesem Bildband. Ich liebe und verehre und verneige mich vor ihm. Schon lange verfolge ich Brandon Stantons Blog „Humans of New York“. Er hat ganz klein angefangen, mit einer vagen Idee, rudimentären Foto-Kenntnissen und viel Leidenschaft für Menschen und ihre Geschichten. Mittlerweile ist er ein Star. Und das zu Recht. Seine Fotografien inspirieren mich. Weil er „sein Ding“ gefunden hat. Weil er jeden Tag am Leben ganz nah dran ist. Das zeigt mir, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe….und irgendwie „mein Ding“ noch nicht entdeckt habe. IMG_3578 IMG_3579 IMG_3580

An unseren Wochenende kollidieren oft Erwartungen, Pläne, Bedürfnisse. Wir bekommen alles mal mehr und mal überhaupt nicht unter einen Hut. Oft fallen einige Dinge einfach vom Tisch. Dieses Wochenende Flurstreichen und Gottesdienst. Dafür haben wir einen Ausflug in die nächst größere Stadt unternommen. Stadtbummel mit frierenden Kindern, Bücherei-Besuch, Pizza-Essen. Wir haben keine Predigt gehört, die Flurwände schauen immer noch grauenvoll aus. Aber wir waren zusammen, haben gefeiert, geheult, geschlafen, gestritten, ausgeruht, gelesen.
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Ein gutes Wochenende ist eines, an dem wir viel Platz in unseren Terminkalendern und Köpfen voller Plänen lassen. Denn dann passiert das: spontane Mal-Session mit den Kindern. IMG_3647klein IMG_3650klein

Familie

Kreativer Freitag ⎨Mode anders⎬

Wichtigstes zuerst!

Ich wurde nach Amelies Kleid gefragt, das ich ihr für Fasching genäht hatte. Ich wurde rechtzeitig fertig – es war aufwändiger als gedacht. Mit Futter und viel Denkarbeit. Aber ich habe es geschafft!

Und Amelie aka Pippilotta hat gestern selig die große Party im Kindergarten gerockt.

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Die letzten Monate hab ich mich mit einem Thema beschäftigt, das mir immer ein wenig Furcht eingeflößt hat: Mode.
Ich fühlte mich oft unsicher, wie ich mich kleiden sollte und hinkte den neuesten Trends hoffnungslos hinterher. Gefühlt kleidete ich mich immer noch wie 2004. Und als ich mit meinen Schwangerschaften an Gewicht zulegte, begrub ich meinen mageren Sinn für Mode. Ich bevorzugte Lycra, grau, Sack. Und versteckte mich dahinter, weil ich meinte, mit meinem Körper verdiene ich es nicht, mich schick zu machen. Außerdem hatte ich verlernt, wie das überhaupt ging. Mode war nichts für eine Frau wie mich, mit ein paar Pfunden zuviel und zuwenig Zeit für Oberflächliches.

Aber in letzter Zeit spüre ich, dass Mode viel mehr ist, als sich morgens schnell etwas überzuwerfen. Sie ist viel mehr als unsere schmale Definition von dem, was gerade beworben wird. Mode ist ein kreatives Ausdrucksmittel, ein Spiel, das Freude bereitet, Kunst. Und Mode ist nicht nur der aktuelle Trend – sie ist die Suche und das Ausprobieren von Material, Farben, Accessoires, Schnitten, Qualität. Das Hineinfühlen in unser weibliches Selbst. Mode ist die Überzeugung, dass ich es verdiene, mich schön zu machen. Unabhängig von Körperform, Lebenssituation und Geldbeutel.

Seit ich begonnen habe zu nähen, wächst mein Verständnis für gute Mode und Qualität. Seitdem kann ich kaum mehr zu den großen Ladenketten gehen. Ja, H&M plus Co. ich meine euch! Ethische Gründe, nachlassende Qualität und schlampige Schnitte hindern mich daran, mein Geld in euren gierigen Rachen zu schmeißen.

Neuerdings ist es mein Hobby in Second-Hand-Läden oder auf Flohmärkten nach Kleidung zu suchen. Zwischen den vielen Oma-Mänteln und Stone-Washed-Jeans mache ich manchmal einen richtig glücklichen Griff. Sowie dieses Blümchenkleid mit einem Flair der 40er Jahre. Gürtel, Mütze und Bolero sind ebenfalls aus dem Second-Hand-Laden. Insgesamt hat mich das Outfit (minus Stiefel, ähäm) 5 Euro gekostet.

Und demnächst werde ich mich echt mal daran wagen, etwas für mich zu nähen. Irgendwas Buntes, Schrilles, Schönes. Mal sehen, ob das meine wackligen Näh-Künste hergeben!

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Danke Amelie fürs Fotografieren!

Bilder, Heute...

Heute…

…war wieder ein völlig unspektakulärer Tag. Jeder Blick durch den Sucher schärft meine Sinne für das augenscheinlich Alltägliche. Was sich vor meinen Augen entfaltet, ist das pralle normale wunderschöne anstrengende Leben. Kurze Sekunden, aneinander gereiht wie kleine Perlen.
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Freundschaften, Gedanken, Haushalt

Was niemanden wirklich interessiert….

Tagein, tagaus dasselbe Spiel. Aufstehen, überleben, schlafen gehen.

Ich sitze hier und verkrampfe meine Hirnwindungen, was ich Geistreiches oder Lustiges oder Erlebnisreiches zum Besten geben könnte.

Da ist nichts. Leere. Uninteressante, langweilige Leere. Ich fühle mich ausgehöhlt von stumpfer Routine und Kinderjammern und nie endenden Anforderungen.

Es interessiert euch sicher nicht, dass ich heute einen Berg stinkender Wäsche gewaschen habe und auf dem Boden rumgekrochen bin, um Bügelperlen aufzulesen. Ich hätte sie einfach aufsaugen können, aber das hätte meine sensible Vierjährige nicht verkraftet (und welche Mutter hat schon Lust, Bügelperlen aus einem haarigen Staubsaugerbeutel zu klauben, nur damit das Kind endlich aufhört zu heulen?).

Es interessiert euch auch sicherlich nicht, dass ich heute zuviele Hefeklöße mit brauner Butter gegessen habe. Und dass ich unsere Kleiderschränke entrümpelt habe. (Ich dachte während dieser Aktion an den Spruch: „Alles, was du länger als ein Jahr nicht getragen hast, kann weg!“ 70 Prozent meines Kleiderschranks ist ein stilles Grab. Aber die wenigsten Leichen fanden ihren Weg in den Altkleidersarg. Tut mir Leid. Ich pflege meine Sentimentalitäten gewissenhaft. Das I ♡ NY-Shirt aus Manhattan? Bleibt – auch wenn die Farbe schon abbröckelt. Das löchrige und durchscheinende Army-Shirt aus meiner Zeit, die ich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ami-Kaserne verlebte? Bleibt. Der verwaschene GAP-Hoodie aus den USA? Auch du hast ein Aufenthaltsrecht in meinem Kleiderschrank. Die dunkelblaue Hüft-Jeans aus dem Jahr 1999? Da pass ich bestimmt irgendwann wieder rein. Bleibt.)

Sicher interessiert es euch noch weniger, dass ich eine ellenlange To-Do-Liste vor mir herschiebe. Wie einen Berg Schnee. Je mehr ich versuche, ihn wegzuschieben, desto mehr sammelt sich in der Schneeschaufel an. Und es hört nicht auf zu schneien. Also akzeptiere ich das Schnee-Chaos und schippe mir immer nur einen minimalen Weg frei. Reicht.

Ich bin überzeugt, es interessiert euch nicht, dass ich heute niemanden am Telefon erreicht habe. Außer meine Freundin Chrissi. Ich erzählte von meinem uninteressanten, eintönigen Alltag. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie einfach aus purer Langeweile aufgelegt hätte. Aber das tat sie wundersamer Weise nicht. Und dann erzählte sie mir von ihrem eintönigen, langweiligen Alltag. Ich habe den ganzen Tag nichts Spannenderes gehört.

Wie gut, wenn wir ein Quentchen Kraft reservieren, um am Leben des Anderen ein wenig teilzunehmen. Auch wenn es nur manchmal Krümel sind, die wir einander zuwerfen können (weil wir nicht mehr zu bieten haben). Aber es reicht oft. Und wenn es am Ende des Tages nicht reicht, wende ich mich an den, der mir statt ein paar Krümel ein ganzes Brot reicht.

DIY, Kreativer Freitag, Nähen

Kreativer Freitag ⎨Fasching naht⎬

„Als was möchtest du dieses Jahr gehen?“

Einem Faschingsmuffel wie mir, fällt diese Frage nicht leicht. Weil sie fünftausend Wünsche und Ideen nach sich ziehen: Ballerina, Polizeiroboter, Bär, Marienkäfer, Pippi Langstrumpf, Astronaut, Cowboy….

Und dann jedes Jahr neue Kostüme besorgen? Wir werden später einen Theaterfundus beherbergen! Und um einige Euros ärmer sein! Wir werden Griechenland sein und ich werde nur noch als alternder Costa Cordalis zum Fasching gehen!!

Amelie hat Gott sei Dank ihren Wunsch, sich als Polizei-Roboter zu verkleiden, abgelegt. (Was bitte schön ist ein Polizei-Roboter? Und wie sieht der aus?? Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon über grünem Stoff, Alufolie und Pfeifenreinigern schwitzen).

Aber nun hat sie ein neues Idol: Pippi!

Ich sah mir ein paar Pippi-Kostüme im Internet an. Ach, dachte ich übermütig, das kann ich auch selber! Ich erinnerte mich, dass irgendwo noch ein Schnittmuster von Citronille herumliegt, das ich noch nie ausprobiert habe. Haltet mich bitte nicht für einen Profi an der Nähmaschine. Meine Werke zeigen alle möglichen falschen Nähte und Löcher und Falten auf. Aber ich nähe trotzdem – weil ich es liebe. Ich verwende tatsächlich die Muster von Citronille am liebsten. Sie sind sehr einfach und obwohl auf Englisch erklärt, kann ich den Anleitungen leichter folgen, als so mancher komplexen deutschen.

Ich bin noch mittendrin im Werkeln und werde das Kleidchen am Wochenende fertig nähen.

Dann noch ein Ringelshirt, zwei lange, verschiedenfarbige Strümpfe, Papas große Schuhe und Amelies Haare zu zwei Zöpfen flechten. Fertig ist unsere Pippilotta.

Und das Beste? Das Kleid wird alltagstauglich sein und nach Fasching nicht in unserem dunklen Theaterfundus versauern. Der Blümchenstoff wird Frühlingssonne tanken und gute Laune machen!

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