DIY, Ernährung, Kreativer Freitag, Rezepte

Kreativer Freitag⎨Kürbis-Knusper-Müsli⎬

Ich bin sehr geizig, mit dem was ich habe: Zeit, Geld, Besitz….Essen. Ein altes Relikt aus meiner Kindheit. Wir waren zu fünft. Wer zu langsam war, schaute in die Röhre. Oder in die leere Nachspeise-Schüssel.

Mein Vorratsraum spiegelt diese innere Haltung wider. Er ist randvoll mit Futter. Die Gefriertruhe lässt sich kaum schließen. Die Regale biegen sich immer noch unter Weckgläsern voller Birnen, Gurken und Pfirsichen. Ich spare alles auf….weil wir könnten es ja später noch brauchen. Das ist alte Kriegs-Notzeiten-Mentalität, die ich irgendwie vererbt bekommen habe. Oder einfach nur mein purer Geiz.

Ich habe beschlossen, jetzt alles in die Küche und auf den Tisch zu bringen. Die nächsten Wochen werden wir Vorräte aufbrauchen. Fürs Apfelmus werden wir wahrscheinlich einige Monate brauchen. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, als ich Mus für eine ganze Armee einkochte. Trotzdem ist es einfach wunderbar, mitten im kargen Winter Sommergenüsse auf den Tisch zu bringen. Heute habe ich das letzte Päckchen mit tiefgefrorenen Himbeeren aufgetaut. Amelie hat davon etwas in ihren Joghurt gerührt und geseufzt: „Hmmm, das schmeckt nach August!“

Ich möchte verantwortungsvoll großzügig sein. Im Keller nutzt mir das Essen nichts. Zuviel Besitz, der in den Schränken verrottet, ist zu nichts nütze. Zuviel Rückzug auf die Couch nützt mir nichts (und macht mich nur matschig).

In meinen Vorräten befinden sich UNMENGEN von Haferflocken. Also war ich diese Woche kreativ. Ich hab die Flocken ordentlich aufgepimpt und in Form von Kürbis-Knusper-Müsli auf den Tisch gebracht. Der neueste heiß geliebte Hit in unseren Müsli-Schalen!!

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Rezept Kürbis-Knusper-Müsli
(Quinoa, Kürbiskerne und Kokosflocken können bei Belieben durch anderen Zutaten ersetzt werden)

  • 340 g Haferflocken
  • 50 g Kokosflocken
  • 80 g Kürbiskerne
  • 50 g Quinoa
  • 2 TL Zimt
  • 1 TL Pumpkin Spice (gibt es hier im Handel fast nie – Kein Stress! Man kann es auch einfach weglassen.)
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eiweiß
  • 120 g Kürbis
  • 80 ml Ahornsirup oder Agavendicksaft
  • 60 ml Kokos- oder Sonnenblumenöl
  • Rosinen, Cranberries, getrocknete Bananenchips, Schokotropfen nach Belieben

Den Backofen auf 160 Grad vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Haferflocken, Kokosflocken, Kürbiskerne, Quinoa (vorher unbedingt waschen!!), Zimt, Pumpkin Spice und Salz in einer Schüssel vermengen. Den Kürbis in kleine Stücke schneiden und in wenig Wasser so lange kochen, bis er weich ist. Anschließend abgießen, pürieren und kalt werden lassen. Eiweiß steif schlagen, dann den Ahornsirup, das Öl und das Kürbispüree unterrühren. Über die Haferflockenmischung gießen und gut mit ihr vermengen. Dann das Müsli aufs Backblech geben und gleichmäßig verteilen. Es darf ruhig klumpig sein, die größeren Klumpen  aber zerkleinern, sonst bekommt man Riesen-Müsli-Batzen. Bei 150 Grad ca. 40 Minuten lang backen. Dabei mehrmals wenden und darauf achten, dass das Müsli nicht zu dunkel wird. Beim Auskühlen erreicht es dann noch den richtigen Härtegrad. Am Ende noch nach Belieben Rosinen, Schokotropfen, Cranberries und /oder Bananenchips untermengen.

Gedanken, Listen

Internet-Junkie

Gestern habe ich geschockt festgestellt, dass mich das Internet unfassbar nervt. Und das, obwohl ich glühender Internet-Junkie bin. Meistens habe ich diese Seiten offen: Immo-Scout, Auto-Scout, WordPress, Facebook, Pinterest, ebay-Kleinanzeigen (versuche gerade verzweifelt Babykram loszuwerden), Outlook, meinen Blog-Reader, Buzzfeed, Chefkoch, Wetter und diverse Promi-Klatsch-Seiten (nur um die Mode der Golden Globes zu beurteilen…).

Es ist, als würde ich versuchen 12 Bücher gleichzeitig zu lesen, während meine Kinder oder mein Mann oder Muffin um meine Aufmerksamkeit buhlen. Mein Hirn läuft auf Höchst-Touren und jetzt fliegt ihm langsam die Sicherung raus. Wenn ihr demnächst eine um sich schlagende, schreiende Irre durch Waldbach rennen seht: yep, das bin ich.

Dieser Tage ist es besonders schwer, vom Internet wegzubleiben. Weil es so unfassbar grau und langweilig und düster ist. Da bringen die Hungerhaken vom roten Teppich und Blogbeiträge aus Florida und Pinterest-Inspirationen Farbe ins Leben. Und saugen mich gleichzeitig noch mehr aus (weil ICH wäre gern auch mal auf dem Roten Teppich, klick, klick, klick! Florida füttert nur meine Sehnsucht nach Licht. Und Pinterest? Ach, lassen wir es bleiben. Mein Haus wird nie den Charme einer New Yorker Stadtvilla besitzen).

Ich verstecke mein momentan grau-langweiliges Leben hinter der Glitzerfassade des Internets. Aber ich brauche mehr echtes Leben!

Ich brauche dies gegen den Januar-Blues und den Internet-Overkill:

  • Echtzeit mit Freunden
  • Stricken (das ist Yoga fürs Hirn – ehrlich!)
  • Bei jedem Wetter jeden Tag für ein paar Minuten raus!
  • Den Keller entrümpeln (ich bring jetzt die Babysachen zur Diakonie. Falls jemand Bedarf hat, bitte bis morgen melden, ansonsten ist der Kram weg, weg, weg!)
  • Hantel-Training
  • Brettspiele mit den Mädels spielen
  • DVD-Abende mit meinem Mann
  • Brot backen
  • Krimis lesen
  • Kannenweise Kräutertee trinken
  • Karten statt Emails schreiben
  • In meinen Kochbüchern schmökern und neue Ideen sammeln

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Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Kreativ-Eck für Kids⎬

Wie ihr wisst, hadere ich schon seit einiger Zeit mit dem geringen Platz in unserem Häuschen. Eigentlich wollte ich übergestern ein toprestauriertes Bauernhaus in Toplage zu einem netten Preis kaufen. Zumindest in meinen wilden Träumen. Und dann ging unser Auto kaputt. Nicht zum ersten Mal diesen Monat. Nein, auch nicht zum zweiten Mal. Zum dritten Mal! Unser russischer Automechaniker hat Mitleid mit uns. Und anstatt nach Häusern zu browsen, suchen wir nun händeringend einen Gebrauchtwagen. So kann’s gehen.

Also schieben wir den Hauskauf auf die längere Bank und widmen uns dem nervigen Autokauf. Ich hätte ja gerne einen toprestaurierten VW-Käfer aus den 60er Jahren zu einem netten Preis. Aber Armin – unverständlicher Weise! – hat eine andere Meinung. Er tendiert zu einem Mercedes C-Klasse. „Da kannste gleich mit im Rotlichtviertel parken!“ rief ich erbost.

Ich schweife ab. Entschuldigung.

Wenn wir also noch etwas länger in diesem Haus verharren, brauchen wir kreative Lösungen. Und diese Woche war ich äußerst kreativ  – ich höre nicht mehr auf, mir vor Stolz selbst auf die Schulter zu hauen. Und an die Stirn, weil ich nicht eher drauf gekommen bin. Ein Kreativ-Zimmer für die Mädchen!

Bisher hatten wir alle Materialien quer im Haus verteilt. Einen Maltisch im vollgestopften Kinderzimmer. Eine kleine Truhe mit Papier und Krimskrams im Esszimmer. Malsachen in einer Kommode. Knete und Malbücher in einer Schublade. Bügelperlen unter dem Bett. Stempel überall.

Ich habe in unserem Gäste-/Arbeitszimmer ein Kreativ-Eck geschaffen. Bei der Gelegenheit wanderten viele alte Ordner in den Müll (Hurra!). Und Bücher in die Flohmarkt-Kiste. Auf einmal war Platz für alle Materialien, mit denen meinen Mädchen gerne basteln, schreiben, malen.

Sie sind aus „ihrem“ Zimmer nicht mehr heraus zu kriegen. Ihre Schaffenslust hat neue Höhen erreicht. Es macht mir soviel Freude, meine Kinder zu beobachten, wie sie ihre Ideen verwirklichen! Die übersichtliche neue Ordnung macht es ihnen leicht, die Dinge wieder an ihren Platz zu räumen und sie haben Zugriff auf alle Materialien, die sie brauchen. Und wenn Amelie in die Schule kommt, hat sie hier gleich ihren Arbeits-Bereich.

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Links habe ich ein Magazin-Utensilo aufgehängt, in dem nun übersichtlich alles an Papier griffbereit ist: farbiges Tonpapier, Transparentpapier, weißes Kopierpapier, Schmierpapier und Notizhefte…

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Stehsammler für Malbücher, Rätselhefte, Aufkleberhefte und Bastelbögen, die bisher nie ein richtiges Zuhause hatten.

Außerdem habe ich eine Schublade mit Katalogen, Zeitschriften, Kalendern, Werbekarten usw. eingerichtet. Da dürfen die Kinder mit Herzenslust ausschneiden und ihre Collagen kleben.

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Ich habe alles zusammengetragen, was ich an Behältern habe: Gläser, alte Dosen, Pappmache-Schüsseln, Kartons, Körbe. Dann habe ich die Behälter beschriftet, so dass die Kids nach ihren Arbeiten alles wieder an ihren Platz zurückräumen können (Klar, sie können noch nicht lesen, aber das verleiht ihnen ein Gefühl von Ernstgenommen-Werden und Wichtigkeit).

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Auch Naturmateralien sind vorhanden: Muscheln, Eicheln, Kastanien, etc.

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Körbe mit Wolle, Strickliesl, Webrahmen und Stoffresten. Amelie hat sogar eine Stoffschere (mit mütterlicher Ermahnung!) bekommen. Seitdem werde ich mit Stoffcollagen überhäuft!

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Ich möchte meinen Kindern Lust aufs Schreiben machen. Klar! Also haben sie Zugriff auf Blanko-Karten, Kuverts, Briefpapier und Briefmarken.

Und wohin am Ende mit allen Kunstwerken? Ich habe neben dem Tisch einen Sammelkarton aufgestellt, in den alle Bilder wandern. Wenn er voll ist, sortiere ich aus. Die schönsten kommen in eine Mappe. Der Rest kommt ins Altpapier.

Soviel zur Theorie. Muffin hat sich gerade den Karton als neuen Schlafplatz auserkoren. Grmpf.

Sie braucht dringend ihr eigenes Katzeneck…..

Familie

Gegenstück

Ich schaue dich an. Ich schaue dich seit 6 Jahren und 28 Tagen an. Keinen Tag habe ich den Blick von dir abgewandt.

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Jetzt belegst du dir dein Brot wie jeden Abend abenteuerlich mit Käse, Marmelade und Gewürzgurken. Es ist dein drittes. Deine kleine Schwester braucht ein Glas und du flitzt in die Küche, ehe ich reagieren kann. Beim Essen üben wir Gebärdensprache. Du bist fasziniert von der Tatsache, dass es Menschen gibt, die nicht sprechen und hören können. Meine Freundin war am Wochenende zu Besuch. Sie hat dir einen Satz in Gebärdensprache beigebracht. Jetzt reden wir nonstop nonverbal. „Ich….liebe….dich!“.

Vorhin hattest du einen Wutanfall. Beim Flöten. Du warst müde und frustriert, dass du das G noch nicht richtig spielen kannst. Vielleicht war ich auch ein bisschen dran Schuld. Ich war ungeduldig, hätte es lieber gehabt, du funktionierst. Das hast du natürlich gemerkt. Und dann mit dem Fuß aufgestampft, dass die Wände wackelten.

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Du hast dich heute selber fürs Schlafengehen fertig gemacht. Als ich die Zahnbürste in die Hand nahm, um nachzuputzen (der Zahnarzt sagt immer „Unbedingt nachputzen!!“) wurdest du wieder wütend. „Ich kann das allein.“Ich überreichte dir mit schlechtem Gewissen die Zahnbürste. Aber mir ist es wichtiger, du bekommst ein Gefühl von Unabhängigkeit, als dass ich jeden Tag auf den Zahnarzt höre.

Seit 6 Jahren und 28 Tagen sehe ich dich an. Ich sehe deinen noch blauen Körper, höre deinen ersten Schrei, rieche deinen Neugeborenen-Duft. Ich sehe deine zarten Finger, noch nicht in der Lage, etwas bewusst zu greifen. Sie fuchteln in der Luft herum, suchen nach Halt und Begrenzung. Du bist perfekt geformt. Mein Gegenstück. Du passt genau in die Kurve zwischen Schultern und Kinn.

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Du formst erste Worte. Mamamamama. Und schleppst immer ein Buch mit dir herum auf deinen Reisen zwischen Küche und Wohnzimmer. Worte purzeln aus dir heraus, zögernd, immer mehr. Du wirst große Schwester. Deine Worte bekommen Gewicht. Du erklärst die Welt.

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Deine Finger greifen nach meiner Hand. „Ich bin froh, dass ich dich habe, Mama“. Du kuschelst dich an mich. Du bist perfekt geformt. Mein Gegenstück. Du passt genau in meine Kurven zwischen Knie und Kinn. Dein drahtiges Haar kitzelt meine Nase. „Liest du mir was vor?“ Und du hältst mir ein Buch hin.

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Bilder

Schneckenhaus

Ich bin in meinem Schneckenhaus, falls mich jemand sucht. Oder falls sich Freunde wundern, dass ich mich nicht melde.

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Mein Buch ist fertig. So dachte ich zumindest, als ich vor zwei Monaten den Laptop mit einem lauten Hurra zuklappte und mich anderen Dingen widmete. Aber jetzt sind wir in der heißen Korrekturphase. Mann, setz ich den Rotstift an! Jeden Tag verschwinde ich für ein paar Stunden hinter dem Laptop, tippe, lösche, suche, tippe und finde meistens alles total bescheuert, was ich ursprünglich geschrieben habe. Zwischendurch in die Küche, Rezepte probekochen. Das alles macht mir einen Riesenspaß. Demnächst bekommt das Baby einen Namen. Bin so gespannt!

Nur komme ich diese Woche nicht zum ausführlichen Bloggen. Oder zum Nägelschneiden. Egal. Mit langen Nägeln zu tippen schult die Feinmotorik.

Daher speise ich euch heute einfach mit ein paar völlig zusammenhanglosen Bildern ab, die ich in den letzten Wochen geschossen habe.

Und den Kreativen Freitag gibt es erst nächste Woche wieder. Muss….weiterschreiben….

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DIY, Familie, Hobbies, Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Malen gegen den Januar-Blues⎬

Der Festtagszauber hängt vergessen zwischen den herab rieselnden Nadeln. Ich müsste den Christbaum entsorgen. Und die Weihnachtsdeko. Meistens steht beides bis Ende Januar herum und rieselt unbemerkt vor sich hin. Ich mag noch nicht loslassen und dem düsteren, zähen, langweiligen Januar ins Auge blicken.

Aber da ist er, der Januar, und er hat Hüttenkoller im Gepäck. Ich bin dankbar für jede Idee, mit der ich die Kinder beschäftige und Streit-aus-Langeweile vermeide. Manchmal spielen sie einige Minuten oder Stunden ganz wunderbar und selbstvergessen. Aber es gibt auch Tage wie heute. So richtige Miese-Laune-Ich-Will-Meiner-Schwester-Eins-Draufhauen-Tage. Also hab ich die Kiddies versucht mit ihren neuen Wachsmalkreiden abzulenken. Und ihnen bei der Gelegenheit gleich noch was über Symmetrie beizubringen. Haha, ich alter Fuchs!

Oh, da ist die brandneue Schachtel mit leckeren Wachsmalkreiden. Ich habe sie aus reiner Nostalgie gekauft. Weil ich die gleiche Schachtel als Kind hatte. Und weil mich der Geruch der Kreiden an lang zurückliegende Januartage erinnert, die ich mir mit stundenlangem Malen vertrieben hatte.

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Amelie malt eifrig drauflos und wählt natürlich ein Polizeimotiv. Josefine ist mäkelig und kritzelt lustlos herum. Wir haben 10 Minuten lang beinahe Spaß. Bis Josefine das Blau zu blau, das Gelb zu wenig gelb und überhaupt die ganze Welt zu doof ist. Ich bügele tapfer Amelies Bild, während sich ein Wutzwerg an mein Hosenbein klammert. „Wenigstens sind wir kreativ. WENIGSTENS SIND WIR KREATIV!“

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Wachsmal-Symmetrie-Bild

Du brauchst:

1 Stück Butterbrotpapier
Wachsmalkreiden
Bügeleisen

Wir haben das Papier in der Mitte gefaltet und wieder aufgefaltet, um eine Markierung zu bekommen, bis zu der man malen darf. Am besten wählt man ein einfaches Motiv, wie z.B. ein halbes Herz, einen halben Schmetterling o.ä. Dann KRÄFTIG mit den Stiften drauf losmalen. Fertig? In der Mitte falten, mit höchster Stufe bügeln und wieder auffalten.

Schön, unser symmetrischer Polizist.

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Gedanken

Kiss, hold, let go

“You can kiss your family and friends good-bye and put miles between you, but at the same time you carry them with you in your heart, your mind, your stomach, because you do not just live in a world but a world lives in you.”
Frederick Buechner

Ich liege mit Josefine im Bett. Der Abwasch steht in der Küche und ich spüre, wie er leise an mir zerrt. Mein Kind legt seinen Kopf in die Mulde zwischen meinem Kinn und Schulter. Noch eine Minute. Sie atmet tief ein. „Endlich rieche ich wieder meine Mama.“ Ein Augenblick wie ein kostbarer Juwel.

Mein Magen dreht sich um, Übelkeit steigt in Spiralen auf. Ich denke an eine Freundin von mir, eine lebenslustige Mutter von zwei kleinen Mädchen. Sie ist vorgestern aus dem Leben gerissen worden. Einfach so. Die eine Sekunde war sie noch da. In der anderen Sekunde tot. Zwei kleine Mädchen werden nie wieder den tröstenden Ur-Duft ihrer Mama einatmen können. Da, wo ihre Mutter vorgestern noch war, klafft heute eine unfülllbare Lücke.

In den letzten Monaten werde ich immer wieder mit Todesfällen im Bekannten- und Freundeskreis konfrontiert. Ich beweine alle Verluste. Ich verstehe Gottes Wege nicht. Aber ich verstehe, dass das Leben – dieses simple Leben heute – ein Geschenk ist. Kostbar. Zerbrechlich.

Heute morgen habe ich meine Kinder und meinen Mann nicht gehetzt. Ich habe Josefine Zeit gelassen, in aller Ruhe ein Spielzeug für den Mitbring-Tag auszuwählen. Ich habe meine Große extra lange an mich gedrückt. Meinen Mann habe ich mit einer richtigen Umarmung verabschiedet, anstatt mit einem flüchtigen Kuss.

Mein Blick öffnet sich für die Wahrheit des Lebens: Ich kann nichts halten. Ich kann nur meine Hände öffnen. Loslassen. Emfpangen. Alles aus Gottes Hand.

RIP Dagmar. 

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Ernährung, Gedanken

Freiheit!

Ich weiß nicht, wie es dir geht mit dem Beginn eines neuen Jahrs, aber vielleicht kennst du diesen Gedanken: „Dieses Jahr wird alles anders! Tschaka!! Ich werde sechs Kilo abnehmen und dann ist alles gut!“ Vielleicht ist es bei dir nicht das Gewicht, sondern andere Lebensbereiche: „Ich werde endlich organisierter / ordentlicher / erfolgreicher etc.“

Früher habe ich das Jahr hoffnungsfroh und traditionsgemäß mit neuen, manchmal abstrusen Diätversuchen gestartet. Ich denke mit Schaudern an die Kohlsuppe, die ich eine Woche lang herunter würgte und tatsächlich rasant abnahm. Nicht wegen der Kohlsuppe, sondern weil ich sie nach drei Tagen wegkippte und gar nichts mehr aß. Lieber Luft statt noch einen Löffel Kohlsuppe!

Ich hatte immer eine gewisse Gewichtszahl vor Augen. Wie verblendet war ich! Aber seit meinem letzten Blogeintrag formt sich ein für mich völlig neuer, ja revolutionärer und befreiender Gedanke. Es sind meine Gewohnheiten, auf die es ankommt, nicht die Zahl. Heute morgen stand ich vor der Waage im Bad und ich wusste, dass ich mein Ziel verwerfen muss. Ich will keine Zahl mehr. Denn jedes Mal, wenn ich mein Ziel erreiche, kann ich es nicht halten. Ich fühle mich dann, als hätte ich erst unter Mühe bei Olympia eine Goldmedaille rausgeschunden, die mir hinterher wieder abgenommen wird.

Ätsch. Loser. Und ich trotte beschämt mit hängendem Kopf davon.

Es sind meine Gewohnheiten, die sich ändern dürfen. Das ist nie ein endgültiger Zielpunkt, sondern ein fließender Prozess. Durch Lebe Leichter hab ich ganzheitliche Grundprinzipien für gutes Essverhalten an die Hand bekommen. Nie, wirklich NIE, hätte ich von mir gedacht, dass ich es gut mit drei Mahlzeiten am Tag aushalte. Ich hatte anfangs befürchtet, dass ich während der langen Essenspausen zwischendrin zum rasenden Monster mutiere. Anfangs war das auch so (sorry an meine Familie für manche emotionalen Entgleisungen!). Aber mittlerweile ist es mir so zur Gewohnheit geworden, dass ich nicht mehr darüber nachdenke. Es sind die alltäglichen, hartnäckige Entscheidungen, die Gewohnheiten herausbilden. Wenn ich dabei Gewicht verliere: prima. Wenn ich dabei fitter und leistungsfähiger werde: noch besser (ich könnte zur Zeit ganze Wälder ausreißen!). Wenn ich tatsächlich irgendwann mal DIE Zahl auf der Waage sehe: ich freu mich und werde dank meiner Gewohnheiten nicht so schnell rückfällig.

Gute Gewohnheiten sind mehr als nur eine flüchtige Goldmedaille, die später in der Vitrine verstaubt und in ihrem Kielwasser eine Spur bittere Enttäuschung hinterlässt. Sie sind ein Rahmen, der uns (er-)hält, aber nie einengen soll.

Was ich mir in den letzten sechs Monaten angewöhnt habe:

– Viel Wasser trinken

– Weniger Kaffee

– Drei reichhaltige, wertvolle Mahlzeiten am Tag

– Ich esse kaum noch raffinierten Zucker

– Ich koche mittlerweile viel mit Bohnen, Hirse, Quinoa, Dinkel usw.

– Sport ist manchmal immer noch eine Quälerei. Aber ich bin 40. Machen wir uns nichts vor. Move your ass.

Das sind die Gewohnheiten, an denen ich jeden Tag arbeite und die mir helfen, eine kurzfristige Zielsetzung in den Wind zu schießen.

Wir sind zur Freiheit berufen und das gilt für uns Frauen vor allem in den Bereichen Körperwahrnehmung und Essverhalten. Weil hier unser Gedanken und Energien am stärksten gebunden werden können. Ein liebevoller Umgang mit uns selbst befreit uns von ewiger Selbstgeißelung. Ich schüttle die verheißungsvolle Zahl ab, die mir über Jahre Lügen zugeflüstert hat, was sich ENDLICH alles ändern würde, wenn…. Stattdessen beiße ich auch morgen wieder in einen Apfel statt in eine Tafel Schokolade. Und manchmal beiße ich auch voller Lebenslust in die Schokolade. Auch das darf sein. Auch das.

Freiheit. Auf dem Teller. Auf der Waage. Im Kopf.

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Gedanken

Fröhliche Gelassenheit

Ich bin in ein neues Jahr gestolpert und frage mich nach zwei Tagen im brandneuen 2015 immer noch, wie ich hier gelandet bin. Es war doch gerade erst 2004. Oder 1998. Ich bin völlig unvorbereitet. Noch nicht mal einen neuen Planer habe ich. Dabei stehen die ersten Foto-Shootings an und die Zeit des süßen Nichtstun ist fast vorbei. Am liebsten würde ich etwas von dem Zeitenstillstand zwischen den Jahren hinüberretten ins neue Jahr. Ich möchte wirklich mehr davon: Zeit haben für Menschen, Brettspiele mit den Mädchen spielen, mit meinem Lieblingsmann brunchen gehen, Hollywood-Schnulzen sehen, dicke Schals stricken, Bücher wälzen und zwischendrin ein Haus anschauen.

Das neue Jahr war schneller da, als dass ich gute Vorsätze hätte schmieden können. Ich bin am 1. Januar früh aufgewacht und habe erleichtert festgestellt, dass ich keine Vorsätze brechen werde, weil ich mir nichts vorgenommen habe. Allein der Gedanke, mir irgendwelche hochtrabenden Ziele stecken zu müssen, empfinde ich als ermüdend. Ich möchte diesen ewigen Selbstoptimierungszwang abschütteln, auch wenn ich weiterhin davon überzeugt bin, dass ich an mir arbeiten sollte. Mit 40 Jahren weiß ich endlich, wie ich ticke. Unter Druck gebe ich schnell nach und komme in den Teufelskreis aus Antrieb, Versagen, Scham – weil ICH IMMER ALLES RICHTIG MACHEN WILL. Was ich als zwanghaft pflichtbewusster Mensch aber in allererster Linie brauche, ist fröhliche Gelassenheit.

Heute Nacht fiel mir auf, dass ich bereits auf einem guten Weg bin, Gelassenheit zu lernen. Die Wäsche hängt seit fünf Tagen im Keller bzw. eine Ladung liegt auch noch im Trockner. Normalerweise würde so eine Situation in drei Stufen ablaufen.

1. Leises Bauchgrummeln und erhöhter Puls. „Die Wäsche hängt seit einem Tag im Keller. Sie ist fertig. Sie muss hoch. Sie muss in die Schränke. Jetzt. Sofort!“

2. Das Unwohlsein steigert sich in unterdrückte Panik. „Wenn ich heute die Wäsche nicht mache, dann komme ich in einen Verzug, den ich NIE wieder aufholen werde!“

3. Ich wache um vier Uhr morgens mit Herzrasen auf. „Die Wäsche – röchel!!!“ Vergebens ringe ich um Schlaf, bis ich endlich kapituliere, die Wäsche nach oben hole und endlich erschöpften Frieden finde.

Ich bin sowas von happy-clappy, dass ich es ohne Panikanfälle bereits FÜNF Tage lang geschafft habe, die Wäsche zu ignorieren. Fröhliche Gelassenheit – auf einmal bist du da. Und ich will dich nicht mehr gehen lassen. Du bist mein Schlagwort 2015. Wann immer ich meine Hände zu Fäusten verkrampfe, will ich einen Schluck deiner heilenden Medizin!

Ich brauche keine Ziele. Ich brauche vielmehr gute Gewohnheiten, die nicht beim ersten Antreffen einer Flut wieder zusammenbrechen. Und deshalb ist jeder stinknormale Tag mit seinen stinknormalen Entscheidungen so wichtig, denn aus ihnen baue ich einen Damm, der irgendwann nicht mehr so schnell bricht. Ich möchte kein besserer Mensch werden – das werde ich sowieso nie schaffen. Ich will nur ein Mensch sein, der immer öfter gute Entscheidungen trifft anstatt sich von seinen Emotionen überwältigen zu lassen.

Fröhliche Gelassenheit.

Und was ist dein Wort 2015?