Gedanken

Neues Jahr, neues Haus?

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Es ist offiziell. Wir sind auf Haussuche. Seit Monaten steht das Thema im Raum, aber ich habe es bisher gescheut wie die Katze das Wasser. „Warum kann nicht einmal alles so bleiben wie es ist?“ frage ich mich hundertmal die Woche. Und dann gehe ich doch wieder auf Immo-Scout und bin hinterher verwirrter als vorher. Die Objekte, die überhaupt in Frage kämen sind entweder zu teuer oder mitten im Nirgendwo (was niemand außer mir total prima findet) oder so hässlich, dass ich sofort einen Ausschlag bekäme, wenn ich den Rest meines Lebens zwischen weißen Fließenböden, Gelsenkirchener Barock und Halogen-Strahlern verbringen müsste.

„Warum kann nicht einmal alles so bleiben wie es ist?“ Eigentlich mögen wir unser kleines Häuschen, in dem wir zur Miete wohnen. Aber dann kommt immer der Zeitpunkt, wenn wir alle zu viert ins Bad müssen. Eine schwere Prüfung für meinen Mann, den Distanz-Menschen. Eine fast unlösbare Aufgabe für mich, Make-Up aufzulegen, während ich von allen Seiten schwer bedrängt werde. Eine lustige Herausforderung für meine Töchter, wenn sie sich wie kleine zappelige Schlangenmenschen hüpfend in ihre Strumpfhosen zwängen. Das Kinderzimmer ist mittlerweile auch zu klein und immer öfter fordert Amelie ihren eigenen Rückzugsraum. Und ich träume heimlich von meinem eigenen Studio.

Ich habe Angst, ob ein anderes Haus zu einem echten Zuhause werden kann – so wie dieses hier. Mein Herz hängt an so Vielem hier. Am alten großen Weidenbaum im Garten, an den knarrenden Stellen im Flur, an der Atmosphäre und Stille, an dem Blick aus dem Gästezimmer, an der großen Freiheit, an unserer Feuerstelle.

IMG_8137Gestern war ich bei meinem Bruder zu Besuch – seine Schwiegereltern schneiten kurz herein und natürlich kam das Gespräch auf Hauskauf. Schwiegermutter meinte lapidar: „Ich mache mich doch nicht zum Sklaven meines Hauses.“ Der Satz hat ins Schwarze getroffen und klingt nach. Ich hänge mein Herz so sehr an dieses Häuschen und den Ort, dass ich nicht frei bin, nach vorne zu gehen. Vielleicht ist genau das die Forderung an mich im neuen Jahr: Mein Herz schrittweise frei machen für Neues. Raum schaffen für Veränderung. Neuen Raum finden, in dem jeder von uns gut und frei wachsen kann.

Wenn alles so bleibt wie es ist, warum sollten wir uns dann noch verändern?

Es stehen Hausbesichtigungen an und Entscheidungen und der ganze mühselige Weg von Notar und Bank und Handwerkern an. Werden das meine Nerven aushalten? Werden wir aufgeschlossene Nachbarn haben? Muss ich in eine Neubau-Siedlung ziehen? Wird sich mein Traum von einem restaurierten Bauernhaus erfüllen? Werde ich einen Kompromiss schließen, mit dem ich hinterher unglücklich bin? Kann ich nachts ruhig schlafen, wenn die Bank uns im Nacken sitzt?

Ich schiebe die Fragen jetzt erstmal zur Seite und gehe gespannt in ein Neues Jahr. Aber eine Frage kitzelt mich:

Wo werden wir in einem Jahr Silvester feiern?

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Weihnachten

Mitten im Chaos – Frohe Weihnachten

Wir sind angekommen. Die Spannung ist greifbar. Unser Haus versinkt im alljährlichen Weihnachts-Chaos und dieses Jahr ist es vielleicht zum ersten Mal, dass ich es fast entspannt genießen und mich auf Weihnachten einlassen kann.

Weihnachten passiert. Mitten im Chaos, mitten in unserer Unfertigkeit, mitten in unserer Unfähigkeit. Gerade deswegen ist Weihnachten passiert.

Ich wünsche euch, dass diese Wahrheit bei euch heute ankommt. Dass ihr in all dem Chaos, der Unfertigkeit, der Unfähigkeit feiert. Denn ER ist gekommen, um mitten unter uns und in unseren Umständen zu leben und uns einfach so zu lieben.

Frohe Weihnachten!

Merry Christmas!

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Familie

Sechs Jahre

Das war ich vor sechs Jahren. Kurz vorm Platzen. Und nein, die vielen Plätzchen waren nicht an meiner enormen Leibesfülle schuld. Ich hab mir auch keinen Basketball unter den Pulli gesteckt, sowie ich es früher manchmal in der Sportstunde machte und damit den errötenden Turnlehrer verwirrte.

P1040934Da sitze ich. Und noch lache ich. Nichts ahnend von der wunderbar-verrückten-nervenzerfetzenden Achterbahnfahrt, die folgen sollte. Und die nach sechs Jahren immer noch anhält.

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Ich bin ein ganz furchtbar sentimentaler Mensch. Vor Amelies Geburtstag werde ich ganz besonders anfällig für Tränen und Geschichten aus dem Kreissaal. Amelie kennt ihre Geburtsgeschichte schon in- und auswendig. Angefangen vom Blasensprung bis hin zum erlösenden Auftauchen eines schwarzen Köpfchens. Am Vorabend von Amelies Geburtstag fang ich an zu schwadronieren: „Ja, damals vor sechs Jahren! Da war ich erst noch auf dem Weihnachtsmarkt und hab Apfelpunsch getrunken. Und kurz vor dem Schlafengehen, hat es dann einen Riesenplatscher gemacht…“ Noch hört mir Amelie mit ungläubig aufgerissenen Augen zu, aber irgendwann wird sie ihre Augen nur genervt gen Himmel drehen und selbigen anflehen, dass ihre Mutter ein Schweigegelübde ablegen möge.

Ich feiere an Amelies Geburtstag auch immer den Tag, an dem ich Mutter wurde.

Das Mamawerden fühlte sich für mich anfangs sperrig an, ich kam mir nicht wie eine Mama vor. Und dann war es plötzlich diese nicht zu bewältigende, völlig überfordernde Aufgabe, die mir das letzte Fünkchen Kraft aus dem Leib saugte. Damals fragte ich mich ernsthaft, ob ich es jemals schaffen würde, so ein kleines Würmchen großziehen, ohne dass es schon mit sieben zum Therapeuten muss.

Irgendwie hab ich es bis jetzt geschafft. Ich blicke mit Staunen auf die letzten sechs Jahre zurück und schüttele ungläubig den Kopf. Heute fühlt sich die Mama-Rolle an wie ein bequemer, etwas ausgewaschener Pulli an. Nicht sexy, nicht hip, nicht sehr flexibel. Aber es ist viel Platz für Accessoires. Ich mag ihn nicht mehr ausziehen, weil ich mir darin einen Platz geschaffen habe, den ich nicht mehr missen will. Es sind Gaben an die Oberfläche gedrungen, von denen ich nicht wusste, dass sie in meiner DNA überhaupt existieren.

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Das Mutterwerden war wie ein Katalysator für meine Kreativität. Alles, wozu ich vorher nicht den Mut hatte, bahnte sich plötzlich mit Urgewalt einen Weg in mein Leben. Es war nicht nur ein Kind da. Sondern auch dieser Blog. Und dann eine Nähmaschine. Und dann eine komplette Foto-Ausrüstung. Und dann ein Garten, in dem sogar etwas Essbares wuchs. Ich bin in den letzten sechs Jahren mit und an meinen Kindern gewachsen.

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Amelies Geburtstag ist vorbei und damit auch die Gefahr von plötzlichen Melancholie-Anfällen meinerseits. Kaum haben wir die Trümmer einer ausgelassenen Geburtstagsparty beseitigt und anschließend zehn Stunden in Ohnmacht im Bett verbracht, steht der nächste Anlass zu Feiern vor der Tür. Mit jedem Jahr lerne ich besser mit diesem Marathon umzugehen. Die Tage so gestalten, dass sie unserem langsamen Rhythmus angepasst sind. Wenig reinpacken. Viel Zeit an der frischen Luft verbringen.

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Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas lernen könnte: Wie jeder von uns tickt, was wir als Familie und Einzelne brauchen. Nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Aber wenn ich eines nach sechs Jahren weiß, dann dies: Frische Luft und unser Esstisch machen immer alles besser. Für uns alle.

Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein. Angekommen, irgendwo zwischen Wickelkommode, Kindergarten-Terminen und Krisenmanagement.

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DIY, Gedanken, Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Ringelblumensalbe⎬

IMG_7940kleinEs ist dunkel. Draußen höre ich nur das Zischen der Autoreifen über nassen Asphalt. Unsere Katze Muffin jammert vor verschlossener Tür nach ihrem Frühstück. Es dauert noch eine Stunde, bis es draußen zögerlich hell wird. Der kürzeste Tag des Jahres steht unmittelbar bevor. Für mich immer ein Hoffnungsschimmer. Ein Wendepunkt. Bald werden die Tage länger und der Höhepunkt dieses Prozesses wird eine warme und kurze Sommernacht sein. Ich mag diesen verlässlichen Rhythmus, der mir Hoffnung gibt, dass sich Dinge doch noch immer wenden können.

Im Moment brauche ich dringend eine Wende in Sachen Gesundheit. Ich trau es mich fast gar nicht zu sagen: Ich liege wieder einmal danieder mit Erkältung. Letzte Woche noch war ich so stolz auf mich, weil ich nach sechs Wochen Nasenspray-Missbrauch endlich den eiskalten Entzug geschafft hatte. Nun steht das verhasste Fläschchen wieder auf meinem Nachtisch und lacht mich aus.

Ich bin ein Arztmuffel und stehe dem vorschnellen Griff zu Medikamenten – auch homöopathischen – immer erstmal skeptisch gegenüber. Da steht eine Multimilliarden-Industrie dahinter, die uns viel Schmarrn anpreist, den unser Körper eigentlich gar nicht braucht. Vor allem nicht bei Erkältungen. Ganz ehrlich: Wenn ich irgendein Schnupfen-Präparat einnehme, dann dauert die Krankheit statt einer Woche nur sieben Tage. Wahnsinn. Medikamente haben ihren Sinn (ich denke an meine migränegeplagten Freunde oder an die Herzmedikamente meiner Mutter oder an mein lebensnotwendiges Nasenspray – Dem  Himmel sei Dank dafür). Ich selbst schwöre auf Naturheilmittel, weil ich der Überzeugung bin, dass Gott uns vieles, was wir an Heilmitteln brauchen, in die Natur gepumpt hat. Schon als Kind habe ich den Ratgeber von Maria Treben verschlungen (ja, ich war ein seltsames Kind…).

Vielleicht weigere ich mich auch nur so vehement gegen das Pilleneinwerfen, weil wir auf oberflächliche, schnelle Ergebnisse getrimmt sind und nicht in unseren Körper hineinhorchen, was er uns eigentlich sagen will. So vieles, was uns plagt, hat oft keinen körperlichen Ursprung. Wer weiß? Vielleicht war mein Herbst so anstrengend, dass mir mein Körper jetzt die Notbremse durch eine Erkältung reinhaut? Vielleicht bietet er mir damit die Möglichkeit, mich auszuruhen, Perfektion entgleiten zu lassen, geduldig auf Heilung zu warten.

Josefine ist ebenfalls verschnupft und ihre empfindliche Haut um den Mund ist rot und rissig. In solchen Fällen verwende ich gerne Ringelblumensalbe. Sie hilft nicht nur bei rissiger, gereizter Haut, sondern auch bei leichten Verbrennungen, Abschürfungen und Verletzungen. Ich rühre sie gerne selbst zusammen und ich liebe den Duft von Bienenwachs und Sheabutter, der dann tagelang durch die Luft wabert. Die Salbe ist wirklich einfach herzustellen, die Zutaten bestelle ich immer online. Kokosöl habe ich eh immer im Haus und besorge es bei DM oder im Reformhaus. Und wenn was von den Zutaten übrig bleibt, dann mach ich davon noch eine Fuhre Lippenbalsam.

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Rezept Ringelblumensalbe

  • 2 Tassen Ringelblumenblüten
  • 1/4 l Olivenöl oder Kokosöl (ich nehme gerne halb halb)
  • 50 g Bienenwachs
  • 50 g Sheabutter
  • 5 Tropfen Vitamin E-Acetat

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Fette und Öle in einem Wasserbad schmelzen lassen. Das Vitamin E-Acetat hinzufügen, wenn die Fette etwas abgekühlt sind. Es verhindert, dass das Öl ranzig wird. Das Fett nochmals erhitzen und die Ringelblumen hinzufügen. Wenn das Fett aufgeschäumt ist, vom Herd nehmen und erkalten lassen. Einige Tage durchziehen lassen, dann nochmal erwärmen und durch ein Tuch filtern. In ein sauberes Gefäß füllen.

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Bücher, Dankbarkeit, Familie, Gedanken

Da steht ein Typ vor meinem Herzen und ich lass ihn nicht rein

Montagmorgen. Ich schaue in den Spiegel. Zwei müde, rote Augen blicken zurück. Innerlich eilen meine Gedanken voraus, in den Tag hinein. Verplanen jede „freie“ Minute des Vormittags. Sie planen, ordnen, organisieren. Einige unpassenden flüchtigen Gedanken schiebe ich schnell zur Seite. Ich würde am liebsten den ganzen Vormittag teetrinkend auf der Couch sitzen, ein paar Reihen sticken, lesen, schreiben. Meine diffusen Gedankengänge werden von zwei johlenden Mädchen unterbrochen, die durch den Flur zu ihren Adventskalendern rennen. Das heißt, Josefine johlt. Amelie schlurft verschlafen mit ihrem Teddy im Arm hinterher. Ich weiß, wie du dich fühlst, Kind. 

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Der Morgen verläuft holprig, wenig friedlich. Mit einem schweren Stein auf dem Herzen bleibe ich in dem stillen Haus zurück. Ich sehe aus dem Fenster und seufze über das trübe Wetter. Ich suche mir eine passende Tätigkeit für meine Stimmung: Kloputzen. Während des Putzens kommen mir wieder Gedanken. Das ist so typisch für mich. Ständig putze ich anderen hinterher. Den ganzen Tag lang. Mein ganzes Leben lang. Schnell spüle ich den Dreck gemeinsam mit dem aufkeimenden Selbstmitleid und Ärger runter.

Dann setze ich mich doch auf die Couch. Mit einem Tee. Eigentlich wollte ich unseren Vorratsraum mal aufräumen. Aber ich brauche ganz schnell einen Perspektivwechsel. Und ein bisschen Ruhe. Und diesen Ort hier. Heute morgen steht nämlich der innere Ankläger vor meinem Herzen mit seiner ellenlangen Anklageschrift. Nur lass ich ihn nicht rein. Denn vor meinem Herzen stehen zwei Wächter namens Dankbarkeit und Gnade. Der Ankläger rollt murrend seine Schrift zusammen und trollt sich davon.

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Der Wächter namens Dankbarkeit rollt dafür seine Schrift auf und liest vor.

Heute bin ich dankbar für:

…einen Bummel mit meiner Freundin über den Schwäbisch Haller Weihnachtsmarkt (sehr zu empfehlen).

…Bücher! Zeitschriften! Für alle Worte, die in mir etwas zum Klingen bringen.

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…Chia-Pudding am Morgen.

diese Yoga-Übungen gegen Verspannungen.

…mein Zuhause, das Zuflucht und Geborgenheit für mich bedeutet.

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Lebe Leichter. 

…unseren Book-Club, der heute Abend wieder stattfindet.

…Essen mit der Familie.

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….und Vorräte im Keller. Für selbst eingelegte Gurken, Birnen und Pfirsiche!

…viele schöne Stunden an der Nähmaschine, an der ich einige Geschenke gezaubert habe. (Pst, wird nicht verraten!)

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…diesen Blog, den ich hassliebe.

…das Mistwetter, das uns nach drinnen scheucht und uns viele Lesestunden mit Pippi Langstrumpf vergönnt.

…Gnade, Gnade, Gnade. Jeden Morgen neu.

DIY, Hobbies, Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Ein Herz für dich⎬

Wir steuern auf den dunkelsten Tag des Jahres zu. Ab vier Uhr nachmittags brennen bei uns Kerzen und die Weihnachtsbeleuchtung. Der Wind heult ums Haus und im Garten liegen die Erdschollen nassglänzend da und warten auf Frost. Muffin versinkt in den Federbetten der Kinder und hat ihren Winterpelz angelegt.

Unser Rhythmus hat sich verändert. Wir werden mit jedem Tag langsamer und wenden uns mehr nach drinnen. Die perfekteste Zeit für mich als Introvertierte. Wenn sich mein Radius auf Couch, Küche, Esszimmertisch beschränkt, bin ich extrem glücklich (ich weiß, das ist für viele schwer nachvollziehbar). Aber so bin ich halt gepolt.

In der Küche ist wenig los, obwohl ich schon Kochbücher für Weihnachten wälze. Aber eigentlich könnte ich es mir sparen. Ich weiß ja eh, dass ich auch dieses Jahr wieder in Tradition verfalle: Ente, Klöße, Blaukraut. Nur Heilig Abend ist noch offen. Habt ihr vielleicht eine Idee?

Der Esszimmertisch spiegelt wider, welche  kreativen Projekte uns gerade vom Kochen und Backen abhalten. Jeder Zentimeter des Tisches ist belegt mit Bügelperlen, Stoffen, Stiften, Linolplatten, Stoff-Farben, Papier, Kleber. Und zum Essen weichen wir in die Küche aus. Wo wir aufgrund von Platzmangel in Schichten essen müssen. In der Luft liegt Spannung und Zimt. Und ich versuche verbissen das herrschende Chaos zu ignorieren. Jedes Familienmitglied ist verschwörerisch am Basteln und Nähen und Hämmern. Armin verschwindet jeden Abend nach der Arbeit im Keller, um den Christkind beim Aufpimpen von Amelies Puppenstube zu helfen. Abends versammeln wir uns auf der Couch, kriechen unter die Decke, schauen „Die Kinder von Bullerbü“ und lesen das neueste Lieblingsbuch der Kinder: Pippi Langstrumpf.

Aus einem Stoffstapel zog ich gestern einen roten, groben Leinenstoff heraus. Und im Keller lagert Lavendel, den ich im Sommer geerntet hatte. So wurde ein simples Projekt für die Kids geboren:

Lavendelherzen!
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Du brauchst:

  • Groben Stoff
  • Sticknadel ohne Spitze
  • Stickgarn
  • getr. Lavendelblüten

    Zwei Herzen aus dem Stoff ausschneiden. Mit dem Garn rundherum zusammenheften. Eine kleine Öffnung freilassen. Mit Blüten befüllen. Die offene Stelle ebenfalls zusammenheften. Fertig.

    IMG_7889klein

IMG_7891klein(Mensch, hier müsste ich auch mal wieder Nägel schneiden.)

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Mit dem groben Leinenstoff, der Nadel und dem Stickgarn können selbst die ganz Kleinen schon erste Näh-Erfahrungen machen. Mama muss natürlich noch helfend eingreifen, aber die Kinder haben den Bogen schnell raus. Die Stiche dürfen groß und schief sein – das macht den Charme des Kissens aus. Und am Ende halten sie mit stolzgeschwellter Brust ihren ersten Näherfolg hoch. Den sie vielleicht zu Weihnachten verschenken wollen. Aber nur vielleicht. Man könnte es auch am liebsten selbst behalten und in den Puppenkleiderschrank legen.

Kreativer Freitag, Rezepte

Kreativer Freitag ⎨Wer braucht schon Nutella?⎬

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Heute morgen frühstückte ich mit meiner lieben Blogger-und-Real-Life-Freundin Christina (Den Spatz in der Hand) in unserem skandivanischen Lieblingsmöbelhaus. Über Graved Lachs, Zimtschnecken und Milchkaffee hatten wir endlich mal wieder Zeit, uns auszutauschen. In erster Linie natürlich über große und kleine Mutterfreuden und -sorgen. Irgendwann kamen wir aufs leidige Thema Nutella. Seit ich vor einiger Zeit für die Family eine Kolumne über den Nutellaverzehr in unserer Familie geschrieben habe, werde ich immer wieder darauf angesprochen: Das ist ja toll, dass eure Kinder ganz konsequent nur am Wochenende Nutella bekommen. Aber bei uns klappt das irgendwie nicht. 

Als wir also das Pro und Contra eines schokoladenhaltigen Frühstücks debattierten, fiel mir wieder mein Schoko-Creme-Rezept ein. Ich versprach Christina, das Rezept hier zu posten. Denn es ist randvoll mit guten Sachen: Datteln, Nüssen (sorry an alle Nuss-Allergiker, ihr Armen!), Mascarpone, Kakao.

Kaum daheim, habe ich eine Ladung gemacht und sie meinen Kinder aufs Brot geklatscht. Erst war eine Weile Ruhe. Dann der Kommentar von Josefine: „Mama, das ist besser als das Nutella-Zeug!“

Find ich auch.

Rezept Schoko-Creme

  • 100g entkernte Datteln (Am besten zu verarbeiten sind Medjool-Datteln!)
  • 100g Mascarpone
  • 1 TL Kakao-Pulver
  • eine gute Prise Zimt
  • 50g Wal- oder Haselnüsse

Die Datteln zusammen mit der Mascarpone, dem Zimt und dem Kakao-Pulver pürieren. Wenn du keinen kräftigen Pürier-Stab oder Mixer hast, dann mach das portionsweise nacheinander. Ansonsten schrottest du deinen Pürier-Stab.

Nüsse rösten, dann mahlen und mit dem Pürier-Stab untermischen.

Die Creme hält sich ca. 6 Tage im Kühlschrank. Aber sie wird das Mindesthaltbarkeitsdatum eh nie überschreiten. Versprochen.

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Aufatmen im Advent, Familie, Gedanken

Leuchten!

Abendessenzeit. Armin trifft sich heute mit einem Freund und ich bin alleinige Löwenbändigerin. Die Linsensuppe blubbert auf dem Herd und wird am Ende nur von mir gegessen, begleitet von übertriebenen Hmmmm-Lecker-Geräuschen. Ein Kind setzt sich auf den Boden und sucht nach verlorenen Bügelperlen. Das andere Kind entschwindet für längere Zeit aufs Klo und übt dort lautstark die türkische Version von Happy Birthday. Dann entbrennt ein Geschwisterstreit über die Brombeermarmelade. In dem Moment mag ich nicht mehr. Ich habe heute schon genügend Auseinandersetzungen und Empfindlichkeiten und superdringende Bedürfnisse aufgedröselt. Außerdem war der Terminkalender in letzter Zeit sehr voll. Das Erfolgsrezept für zerrüttete Nerven bei Müttern seit Erfindung des Menschen.

Hatte ich echt noch vor zwei Tagen den brennenden Wunsch ein afrikanisches Waisenkind zu adoptieren? WIRKLICH? Wie machen das andere Mütter mit mehr als zwei Kindern? Nehmen die Drogen? Oder greifen die heimlich zur Flasche? Oder sind andere Mütter innerlich stabiler gebaut als ich?

So, jetzt muss ich bei den Kindern kurz mal Licht ausmachen(Hahaha, hab ich „kurz“ geschrieben??). 

Bin zurück. Es lief gnädig ab. Ohne Tränen und Verzögerungstaktiken. 

Ach, was schreib ich heute für einen Schmarrn. Wenn ich das hier durchlese, dann merke ich, dass es nicht meine Kinder sind, die mich so stressen. Sondern meine Ansprüche an die Adventszeit, der volle Kalender, die übervolle Ablage, die noch zu besorgenden Geschenke, die Ansprüche an meine Kinder. Sobald ich ins Hamsterrad steige und losrenne, wächst mit jeder Umdrehung mein vermeintliches Recht auf funktionierende Kinder. Je schneller es sich dreht, desto reibungsloser muss der Alltag laufen. Aber es ist Sand im Getriebe, die Kinder streuen es unbewusst hinein. Halt an, Mama. Steig aus. Verbring Zeit mit uns. Lass doch die blöde Wäsche. Wir freuen uns auch über gekaufte Plätzchen.

Heute morgen hatte ich die Idee, mir ein Leitwort für die Adventszeit zu wählen. Ich saß für drei besinnliche Minuten vor einer brennenden Kerze und ich grübelte, welches Wort denn im Moment für meine Situation passend wäre. Und während ich noch ins Licht starrte, wurde es mir klar: Leuchten.

Ich will leuchten, ein Licht sein, Wärme geben. Nicht weil ich so ein besonders superfreundlicher Mitmensch bin. Oder besonders heilig. Sondern weil diese Welt ein verdammt dunkler Ort ist. Jede noch so flackernde Lichtquelle ist Hoffnung und Heilung. Mein Licht war heute wirklich extrem dürftig und klein. Aber ich will es trotzdem vor mir hertragen. Voller Mut hinein in die Welt, die direkt an meiner Wohnzimmertür beginnt. Ein freundliches Wort, geduldiges Warten auf das trödelnde Kind, das Streichen unnötiger Termine, sich selbst vergeben, Lachen, füreinander beten, nachfragen. Leuchten!

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