Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Torte kann jeder⎬

Ich bin absolut keine Tortenbäckerin. Weil ich das fummelige, langwierige Verzieren hasse. Ich kann gar nicht sagen, dass ich es hasse, weil ich noch nie eine umständliche Torte fabriziert habe. Ich wage mich an Brot, Brownies und Blätzla, aber Torten…neeeee.

Heute musste ich es wagen, denn Josefine hatte sich zum Geburtstag eine Erdbeertorte gewünscht. Nichts einfacher als das, dachte ich todesmutig. Ein paar Schichten Tortenboden, dazwischen Erdbeerfüllung geklatscht, fertig. Sah nur total zweckmäßig aus. Gar nicht nach Geburtstag. Also hab ich ein paar Schleich-Tiere rausgekramt und ließ sie ihre eigene Party auf der Torte feiern. Die Deko war schnell fertig und machte richtig was her. Ich habe viele viele Bilder dieser Torte gemacht. Weil ich so stolz bin. Ich kann Torten verzieren. Wow.

Als Mini-Törtchen habe ich Yoghurt Gums genommen, Sahne und Zuckerstreusel drauf, voila. Zwei Schaschlikspieße habe ich in die Torte gepikst und darüber die Strohhalme gestülpt. Ok, die Mini-Girlande war ein klein wenig fummlig. Dann noch einen Tisch aus Salzstängchen und einem Butterkeks gebaut. Ein Stück Stoff als Tischdecke. Fertig. Eine Torte, die jeder kann.
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Schlachtfeld Küche…..
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Ich kann es nicht lassen. Ein paar Geburtstagsbilder müssen sein! Früh am Morgen….

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Schnell, schnell, leise, leise…

IMG_2889klein…alles vorbereiten bevor unser Geburtstagskind die Augen aufschlägt!IMG_2894_klein

Freude über das neue Puppenhaus.IMG_7347kleinNoch ein paar Tortenbilder? Ich bin doch sooo stolz!IMG_7363kleinIMG_7358kleinIMG_7386kleinIMG_7382kleinWas am Ende bleibt: Kakao-Pfützen, vollgekrümelter Boden, überzuckerte Kinder, dünnhäutige Mama, müde Töchter und schöne Erinnerungen an einen ganz normalen, chaotischen, wunderbaren Kindergeburtstag.
Mit einer sagenhaften Torte, wenn ich das noch erwähnen darf! IMG_7391klein

Gedanken, Glaube

Wo bleibe ich?

„Aber die Amelie hat mehr bekommen als ich“, heult meine Jüngste auf und stampft mit dem Fuß so heftig auf, dass die Weingläser im Schrank gefährlich klirren. Ich seufze genervt und versuche das Jammerkonzert zu ignorieren. Aber das ist Öl im Feuer meiner Jüngsten. Sie wiederholt ihr Anliegen. Diesmal begleitet von einem dramatischen Niedersinken auf den Küchenboden. Ich protestiere schwach gegen ihren Ego-Anfall: „Ach, jetzt schau mal, WIEVIEL du bekommen hast! Kinder in Afrika wären froh, wenn sie überhaupt etwas bekommen würden.“ Aua. Ich bin ein wandelndes Eltern-Klischee.

Der Egoismus erhebt sein hässliches Haupt bereits in jüngsten Kinderjahren. Er scheint uns mit einer DNA eingepflanzt worden zu sein, denn alle Kinder-Generationen vor uns haben das gleiche Lied gejammert: „Immer ich….der hat aber mehr….das ist so unfair…ich will jetzt aber nicht!“ Blöd nur, dass Egoismus keine unangenehme Sitte ist, die sich mit der Zeit verliert, wie z.B. Nasebohren, Popo-Witze und Wettpinkeln.

Er verändert nur sein Gesicht und ich bin richtig gut darin geworden, ihn zu verstecken. Er versteckt sich vor allem in meiner Haltung: „Was ist da für mich drin?“ Was kann ich aus dieser Freundschaft schöpfen? Wo bleibe ich, wenn ich bei den Kinder daheim bleibe? Wie kann ich von dieser Predigt oder Bibelstelle profitieren? Was bringt mir diese Verabredung? Was, wenn niemand meinen Blog mehr liest – soll ich dann noch schreiben?

In letzter Zeit kratzt mich diese Haltung. Sie kratzt ganz unangenehm wie ein Wollpullover, wenn ich ins Schwitzen komme. Weil ich zu der Feststellung komme, dass ich ein Biest herangefüttert habe, das immer noch nach mehr jault. Ein Biest, das mir jeden Tag zuflüstert: „Schau, dass du genug bekommst! Du könntest nämlich zu kurz kommen, wenn du nicht nach deinem Vorteil suchst!“. Aber je mehr ich nach meinem Vorteil suche, je mehr ich genug bekomme, desto hungriger wird das Biest. Es wird niemals satt, sondern nur größer und stärker und verzehrender.

Ich mochte diesen Vers aus der Bibel lange Zeit ÜBERHAUPT nicht:

Wer an seinem Leben festhält, wird es verlieren. Wer aber sein Leben loslässt, wird es für alle Ewigkeit gewinnen.“ Johannes 12, 25

Ich mochte ihn nicht, weil er meinen versteckten Egoismus (dieses Biest!) aufdeckt. Ich mochte ihn nicht, weil ich ahnte, dass er wahr ist. Weil er mir Angst macht, ich könnte untergehen, wenn ich nicht mehr nach meinem Vorteil suchte. Die Bibel ist halt nicht nur ein spirituelles Wohlfühlbuch, aus dem ich mir meine Verse rauspicke, die mir gerade weiterhelfen. Sie ist auch Spiegel für mein menschliches Verhalten. Und dann kommt da Jesus, der so völlig anders ist und ganz schräge Dinge predigt.

Wenn ich nicht aufhöre, das Biest zu füttern, wird es mich irgendwann auffressen.

Ja, ich werde zu kurz kommen.

Ja, das Leben ist nicht fair.

Ja, der andere hat mehr.

Ja, oft will ich nicht.

Wann haben wir verlernt, diese Tatsachen mit einem inneren Frieden hinzunehmen? Haben wir es überhaupt je gelernt? Dieser Friede kann nur genährt werden durch eine Verwurzelung im Glauben, dass ich gesehen und geliebt bin – unabhängig von meinen Umständen.

Ok, große Worte. Vor mir liegt ein neuer Tag. Gleich tanzen meine Mädels an. Und die To-Do-Liste erstreckt sich vor mir wie die Unendliche Geschichte. Das Biest in mir muckt schon wieder leise auf: „Und wo bleibst du?“ Ich antworte heute morgen: „Ach, halt die Klappe“, und gehe trotzig-fröhlich in den Tag.

Familie, Haushalt, Kreativer Freitag, Listen, Rezepte

Kreativer Freitag ⎨Kochplan⎬

„Ende November ist immer die stressigste Zeit des Jahres für mich“, ächze ich. Während ich mit einer Freundin telefoniere, laufe ich hektisch von der Küche ins Wohnzimmer, wo die Wäsche wartet.

„Ja, und die Adventszeit hat noch nicht mal angefangen!“ lacht meine Freundin ins Telefon.

Nach dem Telefonat setze ich mich hin und denke nach. Wir hatten uns über das „Nein“-Sagen unterhalten, was für uns ein andauernder Lernprozess ist. Die heutige Lektion: Nein-Sagen zu Terminen und Aufgaben, die uns Spaß machen.

Im Moment reihen sich so viele wunderbare Dinge dicht an dicht: Geburtstage, Adventsmarkt auf dem Hof meiner Eltern, die erste Fuhre Plätzchen aus dem Ofen, Befüllen der Adventskalender, Buchungen fürs kommende Jahr bearbeiten, Weihnachtsdeko…und…und…und.

Und wie jedes Jahr fasse ich meinen Advents-Beschluss:  Keine zusätzlichen Termine und Aufgaben mehr. Damit ich ein Ja zu den Dingen habe, die mir und uns als Familie wirklich wichtig sind.

In solchen wunderbar-hektischen Zeiten ist mein Kochplan ein wahrer Segen. Wer mich kennt, kennt auch die ominöse Zettelwirtschaft über meinem Herd. Mein bombensicheres Rezept- und Kochsystem, das mir Nerven, Zeit und Geldbeutel schont.

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  • Ein Wochen-Kochplan
  • Eine Liste mit Rezepten (BEWÄHRT!), die ich in-und auswendig kenne
  • Eine Liste mit Rezepten (TRY!), die ich ausprobieren will….

….denn ich habe den Überblick verloren!! Ich habe mittlerweile eine richtige Bibliothek in meiner Küche. Und in jedem Buch hab ich angekreuzt, welche Rezepte ich ausprobieren will. Aber sobald ich das Buch zugeklappt habe, ist auch das Rezept vergessen.

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Die Vorteile eines Kochplans:

  • Ich muss mir nicht jeden Tag Gedanken machen, was ich kochen könnte.
  • Ich mache einen großen Einkauf pro Woche, denn ich kann anhand des Plans gut kalkulieren, was und wieviel wir brauchen werden.
  • Wenn ich meinen Plan schreibe, kann ich Wünsche meiner Kinder berücksichtigen.
  • Ich kann anhand des Plans auf ausgewogene Zufuhr von Fisch, Getreide, Gemüse und Proteinen achten.
  • Ich schmeiße weniger Lebensmittel weg.
  • Ich kaufe unter dem Strich weniger ein.
  • Das Schreiben des Plans dauert weniger als drei Minuten, weil ich meine TRY!- und BEWÄHRT!-Liste direkt darüber hängen habe.

 

Dieses Jahr habe ich sogar heimlich eine Plätzchenback-Liste geschrieben. Und gleich mit der Umsetzung angefangen….

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Ehe, Freundschaften, Gedanken, Glaube

Was am Ende bleibt

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Die Scheibenwischer quietschen monoton den Novemberregen von der Scheibe. Draußen beugen sich die fast kahlen Bäume vor dunkler Nässe. Wir fahren Richtung Münster und ich trippele mit den Füßen vor Aufregung. Aus Gewohnheit blicke ich nach hinten, auf den Rückfahrersitz. Aber da ist niemand. Keiner, der wegen Hunger-Pipi-Durst-Langeweile bläkt. Nur wir zwei. Nicht in Mission „Eltern“. Sondern als Ehepaar. Das ist ungewohnt und ich freue mich auf einen Stadtbummel mit anschließendem Hotelaufenthalt irgendwo auf dem Land. Außerdem ist es Armins 40. Geburtstag. Wir müssen möglichst oft mit Sekt-Kuchen-Kaffee anstoßen. Weshalb wir auch nicht viel von Münster sehen werden, weil wir immer auf der Suche nach einem Café oder ähnlichem sind.

Ich nehme mein Uralt-Handy aus der Handtasche und blicke aufs Display. Eine SMS. Ja, Wahnsinn! Ich verschicke selten SMS. Ich bekomme selten welche. Meistens sehe ich sie eh erst ein, zwei Tage später (könnte ich das meinem 20-jährigen Ich erzählen!!). Ich vergesse immer, dass ich ein Handy besitze (vielleicht will ich mir bald auch wieder ein Telefon mit Wählscheibe anschaffen…wer weiß?).

Die SMS ist von einer Freundin, deren Mutter gerade irgendwo zwischen Leben und Tod schwebt. Vor wenigen Tagen war sie noch halbwegs gesund. Jetzt ringt sie um ihr Leben. Die SMS klingt nicht gut. Ich will anrufen. Aber dann traue ich mich nicht. „Ich will doch jetzt nicht stören.“ Armin meint trocken vom Fahrersitz: „Wenn alle ihre Freunde so denken, dann meldet sich niemand bei ihr.“ Also rufe ich an. Die Mama ist seit dem Vorabend tot. Wir weinen. Das Herz meiner Freundin ist eine klaffende Wunde. Ihr Schmerz quillt heraus, durchs Handy, in alle meine Fasern. Der Regen peitscht gegen die Scheibe.

Als ich auflege, hallen noch einige Worte meiner Freundin nach: „Mütter sind etwas Heiliges“ und „Es gibt ein zu Spät“. Ich blicke aus dem Fenster und spüre der Sperrigkeit dieses Tages nach. Da war Ärger am Morgen, weil das Kind nicht hörte. Und prickelnde Vorfreude über ein Wochenende nur für uns. Da wurde mit Sekt auf 40 Jahre Leben angestoßen. Hektik, als wir aus der Tür gingen. Zweisamkeit im Auto. Tränen über den Tod. Trauer mit der Freundin. Feiern mit dem Mann. Shoppen im Oxfam-Shop. Sterne-Menü und Barvergnügen am Abend.

Das Leben verläuft weder logisch noch linear, sondern es haut uns gerne alles auf einmal um die Ohren. Was heute noch sicher und selbstverständlich ist, wird morgen zertrümmert. Und was zertrümmert ist, setzen wir notdürftig wieder zusammen. Wir lachen laut, schluchzen auf, beten, fluchen, freuen uns unbändig, leiden stumm. Und das alles manchmal innerhalb weniger Minuten. Und es darf sein. Kein Entweder-Oder. Sondern ein Nebeneinander.

Das Leben ist chaotisch, auch wenn wir es noch so krampfhaft zu ordnen versuchen. Und dann wollen wir Antworten auf drängende Fragen, als ob diese Welt und wir Menschen uns nach logischen Grundsätzen richten würden. Warum ist die Mama meiner Freundin trotz so vieler Gebete nicht am Leben geblieben? Ich will eine Antwort und schüttele meine Faust Richtung Himmel.

Und gleichzeitig richte ich ein stummes „Danke“ Richtung Himmel. Für ein traumhaftes Ehe-Wochenende.

Gott bleibt stumm. Ist ok so. Nur hoffe ich, dass er bei meiner Freundin nicht stumm bleibt, sondern sie in einer Weise tröstet und ihr Hoffnung ins Herz pumpt, wie kein Mensch es kann.

Am Ende bleibt doch immer nur Gott.

Ehe

Mini-Urlaub

Wir machen Urlaub. Mini-mini-mini-Urlaub. Nur Armin und ich. Er wird dieses Wochenende 40 und wir verschwinden für eine Nacht in einem Landhotel irgendwo im Münsterland (psssst, nicht verraten!!). Ich stelle mir das in unserem jetzigen Zustand lustig vor. Anstatt heißer Liebesglut teilen wir Taschentücher, Nasenspray und husten uns in den Schlaf. Ich bin eisenhart entschlossen, dieses Wochenende durchzuziehen. Hallo? Das erste Mal seit sechs Jahren allein! Da nehm ich das bisschen Bronchitis gern in Kauf.

Deshalb entfällt heut auch der Kreative Freitag. Ich war diese Woche so dermaßen NICHT kreativ. Es sei denn, ihr wollt gerne Tipps, wie man die Nebenhöhlen frei bekommt. Aber das erspare ich euch lieber.

Ich freu mich auf ein dekadentes, kinderfreies, faules Wochenende. Und ja, ich reibe es jedem unter die Nase, der es nicht hören will. Denn ich finde, ALLE Eltern haben spätestens alle sechs Jahre einen dekadenten Mini-Urlaub verdient! Hörst du, Frau Schwesig?

Familie

Das ist krank

Ich: „Grmpfl“

Armin: „Kannst du bitte ETWAS deutlicher sprechen, ich versteh kein Wort.“

Ich (leidend): „Mein Kopf explodiert.“

Armin: „Ja, mein armer Schatz, ich weiß.“ Dreht sich wieder zu seinem Laptop um. 

Ich : „Ach Mann…“

Armin (seufzend, klappt seinen Laptop wieder zu): „Was ist?“

Ich: „ACH MANN! Seit Tagen lieg ich nur im Bett, rotze rum, ich schau aus wie ein Zombie und ich fühl mich, als wäre ich im Gesicht massiv verprügelt worden. Und meine Nase blutet, ist das normal?“

Armin (erschrocken): „Sag sowas nicht laut! Sonst denken die Leut, ich würd dich vermöbeln!“

Ich: „Ich hab soviel in letzter Zeit verpasst: Den Bookclub, Verabredungen, Herbst-Spaziergänge, Kino, Essen gehen. Ich bin der unglücklichste Mensch der Welt. Buhuuu!“

Armin: „Jetzt mach dir nicht soviel Gedanken.“

Ich: „Gedanken – gutes Stichwort. Ich hab die letzten Tage nichts anderes getan, als zu denken. Wenn man krank ist, hat man endlich mal Zeit, die Gedanken zu denken, für die man sonst nie Zeit hat. Mein ganzer Kopf wuselt von borderline-genialen Gedanken. Ich hab in meinem Kopf die letzten Tage ganze Bücher geschrieben! Apropos Bücher, ich hab auch endlich mal Zeit zum Lesen!! Zwei Bücher hab ich am Wochenende geschafft.“

Armin (nach seinem Laptop schielend): „Aha.“

Ich: „Ist es nicht toll, wie Gott uns manchmal mit einer Krankheit aus dem Alltag herausreißt und sagt: Hier mein Kind. Ich schenk dir mal ganz viel Zeit. Streich alles aus dem Kalender und lass dich von mir versorgen? Schatz, ich leg mich jetzt wieder hin. Kannst du mir noch einen Kräutertee machen? Ich glaub, mein Kopf explodiert gleich.“

Kreativer Freitag, Listen

Kreativer Freitag ⎨12 x Herbst⎬

Die letzten zehn Tage habe ich mich mit dickem Kopf und kurzatmig durchs Leben geschleppt. Hab meine Kinder öfter als sonst angemotzt. Und meinen Mann auch. Der Erkältungstee ist leer und man kann anhand der benutzten Taschentücher meinen Weg durchs Haus rekonstruieren. Ich bin zu einem Eremiten mit ungepflegten Haaren verkommen.

Und ich habe es gründlich satt: Die Taschentücher, die Hustenattacken (mit Gruß vom Beckenboden), meine schlechte Laune und Depri-Gedanken. Den Tee und diese vier Wände. Ach ja, seit heute hat sich noch eine Nebenhöhlenentzündung hinzu gesellt. Als wäre ich eine Partyzone für Viren. Hallo??

Jeden Tag locken Herbstsonne und leuchtende Farben. Und ich bin zum Zuschauer aus der Ferne degradiert. Meine einzige Freude ist mein Nasenspray, dass ich mir stündlich mit schlechtem Gewissen und seltsamer Vorfreude in die Nase jage. Das Echo der Apothekenfachkraft halb im Ohr: „Aber NUR 7 Tage…!“

Zur Aufmunterung erstelle ich gedanklich Listen, was ich im Herbst mit und ohne Familie gerne mache. Ich habe nämlich beschlossen, dass die Viren-Party ab Montag vorbei ist. Dann will ich die verbliebenen  Herbsttage aufsaugen und Licht tanken und diese Jahreszeit feiern.

Hier meine ganz persönlichen Top 12 für den Herbst.

  1. Fotos machen! Keine Jahreszeit bietet optimaleres und wärmeres Licht als der Herbst.
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  1. Apple Pie backen und noch warm mit einer Kugel Vanille-Eis essen.
  1. Früh aufstehen und dabei zusehen, wie die Sonne durch den Nebel bricht.
  1. Ganz viele Kerzen abends im Haus anzünden.
  1. Eine Thanksgiving-Party schmeißen. Eigentlich bin ich kein Fan davon, amerikanische Feiertage zu übernehmen. Aber Thanksgiving ist eine so schöne und lebensbejahende Tradition, dass ich sie einfach in unseren Herbst integriert habe. Außerdem wird dann hier mal wieder die Bude voll.
  1. Listen für die Weihnachtszeit schreiben. Plätzchenback-Listen, Geschenke-Listen, Was-ich-diese-Adventszeit-nicht-mache-Listen.
  1. Nähprojekte aus der Versenkung holen. Im Sommer komme ich wenig zum Handarbeiten, aber jetzt verschieben sich die Aktivitäten wieder nach drinnen. Die ideale Zeit, lang vergessene Hobbies wieder aufleben zu lassen. Sei es Stricken, Kerzen gießen, Pralinen machen, Schreiben, Fotobearbeitung, Lesen, Yoga, Puzzeln….
  1. Einen langen Spaziergang durch raschelndes Laub und anschließend Punsch trinken.
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  1. Neue Suppenrezepte ausprobieren. Herbstzeit ist bei uns definitiv Suppenzeit. Wie wäre es mit einer scharfen Kokos-Kürbis-Suppe oder diesem genial-einfachen White Chicken Chili?
  2. Die Herbstgarderobe auf Vordermann bringen. Aber dieses Jahr mit Fair-Trade-Labeln, die keinen Öko-Müsli-Mief verströmen. Zum Beispiel hier oder hier oder hier. Oder mal auf Kleiderkreisel stöbern. Second Hand ist fast so gut wie Fairtrade, oder?
  3. Herbst-Plätzchen backen. Ich finde, jede Jahreszeit sollte man mit entsprechenden Plätzchen feiern!! Und das nicht zu wenig. Dazu verwende ich simplen Butterplätzchenteig, teile ihn in mehrere Kugeln auf und färbe diese dann mit Lebensmittelfarbe ein. Dann vermenge ich die Kugeln ganz grob miteinander, rolle den Teig aus und lasse die Kids mit Blätter-Ausstechern hantieren.
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  4. Lass dich von dieser Liste nicht stressen. Sie muss nicht abgearbeitet werden. Du sollst keine Häkchen dahinter setzen. Aber du darfst dich motivieren lassen, diese Jahreszeit mit allen Sinnen wahrzunehmen.
Dankbarkeit, Familie, Gedanken

Nährboden

Ich bin neun Jahre alt. Auf dem runden Kieferntisch im Esszimmer schieben meine zwei Schwestern und ich die rote Tischdecke zur Seite. Es kümmert uns nicht, dass wir sie dabei völlig zerknittern. So etwas wird uns erst 30 Jahre später stören. Draußen wird es schon früh dunkel. Unser Vater arbeitet im Hühnerstall, eigentlich sollten wir ihm helfen. Aber wozu hat man große Brüder? Sollen die das machen. Denn wir wollen unbedingt basteln, unsere weibliche Seite ausleben. Meine große Schwester zeigt uns, wie man Bilder aus Naturmateralien gestaltet. Nach kürzester Zeit türmen sich Linsen, Mais, Bohnen, Sonnenblumenkerne und weitere Vorräte aus Mutters Speisekammer auf dem Tisch. An meinen Händen kleben mehr Linsen als auf dem Bild. Aber der Ehrgeiz hat mich gepackt, ich will es meiner großen Schwester gleich tun. Meine kleine Schwester verliert schnell die Lust und geht lieber mit ihrer verunstalteten Barbie-Puppe spielen.

In der Küche werkelt Mutter vor sich hin, singt zu einem Lied im Radio. Ich verdrehe vorpubertär die Augen und popele ein paar klebrige Bohnen aufs Papier. Einer unserer Brüder kommt herein, mit einem Korb voll Holz. Er soll den Ofen anschüren. Im Vorbeigehen macht er, wie sich das für einen großen Bruder gehört, ein paar abfällige Bemerkungen über unsere Kunstwerke. Später bin ich dann frustriert. Weil mein Bild nicht so toll geworden ist wie das meiner großen Schwester. Ich widme mich also lieber einem meiner Enid-Blyton-Bücher und wünsche mir mal wieder nichts sehnlicher, als in einem Internat zu wohnen.

Hier auf diesem Hof in diesem Mini-Kaff passiert nie was Aufregendes. In den Büchern schon. Ich hab nur nervige Geschwister. Und keine coole Zwillings-Schwester. Ich gehe auf eine Dorfschule mit ganz gewöhnlichen Lehrern und ihren Schrullen. Und nicht auf ein Internat mit schicken Französisch-Lehrerinnen. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit mit Bohnen und Hühnern und stinkenden Jungs. Und nicht mit Tennis und dem Fangen von Verbrecherbanden.

Als Neunjährige rief die Lücke, die zwischen Realität und Traumwelt herrscht, einen große Sehnsucht und Unzulänglichkeit in mir hervor. Heute schaue ich diese Neunjährige an und denke mir: Was hatte dieses Mädchen Glück! Während sie mit einem Fuß in ihrer Traumwelt herumstolperte, war der andere Fuß fest verankert in einem Großfamilien-Gefüge. Voller Leben und Konflikte und Lachen und Schreien und Chaos und Raum zum Träumen.

Sie nahm es Schultern zuckend als selbstverständlich hin, dass immer jemand da war. Dass sie im Herzen der Natur und im fühlbaren Rhythmus der Jahreszeiten heranwuchs und lernte. Dass sie in der Dorfschule die Grundlagen lernte, die auch heute noch ihr Leben mit Leidenschaft erfüllt: Lesen, Schreiben, Kunst. Dass sie schon als kleines Kind die Freiheit hatte alles auszuprobieren: Auf Bäume klettern, Kochen, Backen, Angeln, Skifahren, im Wald herumstromern, Basteln, Banden gründen, Musik machen.

Ich habe mein allereigenstes Kinderleben geführt. Nicht das Leben einer Romanfigur. Alles, was in meiner Kindheit geschehen ist, kann mir keiner mehr wegnehmen. Kein gegenwärtiges oder zukünftiges Ereignis kann irgendwas daran ändern oder hinzufügen oder wegnehmen.

Warum ich über meine Kindheit schreibe? Weil ich hoffnungsvoll sentimental bin, vor allem in letzter Zeit. Und weil die Kindheit meiner eigenen Mädchen an Erinnerungen rührt, die eingestaubt waren und die ich jetzt wieder hervorhole.

Die Erinnerung hilft mir heute, vieles gelassener zu sehen. Meine Kinder werden ihre Kämpfe ausfechten und verlieren. Sie werden mit der Realität hadern und meckern. Sie werden verwirrende Zeiten durchleben auf der Suche nach ihrer Identität.

Ich kann meine Kinder nicht vor allem schützen. Aber ich kann ihnen ein sicherer Hafen sein, in dem sie andocken, Sicherheit und Liebe und Zuspruch auftanken. Ich darf ihnen Nährboden sein. Im Vertrauen darauf, dass vieles, was ich versuche zu säen manchmal erst viele Jahre später aufgehen wird.

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