Gedanken, Kreativer Freitag, Rezepte

Kreativer Freitag ⎨Waffeln und ein paar Gedanken⎬

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Ich bin mit einem dicken Kopf voller Watte aufgewacht. Missmutig bin ich ins Wohnzimmer geschlichen. Ich blickte aus dem Fenster. Und meine Missmutigkeit schwand ein bisschen. Die Watte im Kopf blieb. Und auch die Niedergeschlagenheit, die mich seit einigen Tagen im Griff hält. Ich beschloss, den heutigen Blogeintrag ausfallen zu lassen und widmete mich dem Frühstück.

Denn wenn ich das Gefühl habe, dass ich auseinander falle, dann hilft mir immer ein gutes Frühstück. Irgendwas Außergewöhnliches, Leckeres, Warmes, Kalorienhaltiges. Ich entdeckte mein Waffeleisen, das seinen Sommerschlaf gehalten hatte. Dieses Waffeleisen ist ungefähr so alt wie ich. Meine große Schwester hat es vor vielen Jahren aus einem Sperrmüll-Haufen gezogen. Und aus lauter Dankbarkeit über seine Rettung backt dieses Eisen immer noch treu die besten Waffeln.

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Ich klapperte mit dem Waffeleisen und schmiss die Getreidemühle an. Die Kinder wachten auf und schlurften ebenfalls missmutig in die Küche. Amelie hatte auch Watte im Kopf, Josefine wollte mir jeden Handgriff abnehmen und Armin stand orientierungslos mit seiner leeren Kaffeetasse im Weg rum. Ein typischer Morgen bei uns.

Das Waffeleisen ächzte und dampfte und rauchte und spuckte am Ende die besten Waffeln aus. Die Kinder mümmelten. Langsam lichtete sich die Missmutigkeit. Und ich dachte an den Bibelvers, den ich vor einigen Tagen gelesen hatte:

„Richtet eure Gedanken auf das, was schon bei euren Mitmenschen als rechtschaffen, ehrbar und gerecht gilt, was rein, liebenswert und ansprechend ist, auf alles, was Tugend heißt und Lob verdient.“ Philipper 4,8

Es hat heute morgen einige Zeit gebraucht, bis ich meine Gedanken von der Dunkelheit in Richtung Licht bewegt habe. Und nun sitze ich doch hier und schreibe einen Blogeintrag. Das hilft mir nämlich, meine Gedanken auf Gutes und Liebenswertes zu lenken. Ein paar Waffeln mit Puderzucker bestäubt. Einen Klacks Apple Butter dazu. Ein eifriges Kind, das mir helfen will. Worte aus der Bibel, die mir eine größere Perspektive verschaffen. Die Sonne, die durch den Nebel bricht.

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Rezept Dinkel-Vollkorn-Waffeln (ergibt 6 Waffeln)

  • 125 g Dinkel, fein gemahlen
  • 1/2 Päckchen Backpulver
  • 1 Ei
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 50 g Zucker oder Agavendicksaft nach Belieben
  • 200 ml Milch

Alle Zutaten miteinander vermischen. Wenn du Zucker verwendest, kannst du auch etwas mehr Milch zugeben. Den Teig kurz stehen lassen. Er quillt noch etwas und kann am Ende noch einen Schuss Milch vertragen. Den Teig im Waffeleisen ausbacken.

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Wir haben heute früh dazu Apple Butter gegessen. Das ist eine ganz einfache, amerikanische Art Apfelmus zu dickem, braunem, zuckersüßem Sirup zu kochen. Eigentlich ähnelt es eher einem Brotaufstrich und wir essen es gerne zu Pfannkuchen oder auf Hefezopf.

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Wenn du also eh gerade beim Apfelmuskochen bist, dann koch es einfach einige Stunden auf niedrigster Stufe weiter ein, bis es braun, zäh und dick geworden ist. Aber Vorsicht: Gegen Ende musst du viel umrühren, weil es sonst leicht anbrennt. Du brauchst KEINEN Zucker, aber du kannst die Apple Butter mit Zimt oder Vanille verfeinern. Ich habe keine Ahnung, wie lange die Butter haltbar ist. Aber zur Not kann man sie sicherlich auch einfrieren.

Bon Appetit!

Bilder, Fotografie, Fun

Diese Woche…

…Pralinenworkshop mit einer Freundin als Einstimmung auf die Weihnachtszeit (boah, werdet ihr dieses Jahr mit Eigenkreationen bombardiert!!!!)

…Spontaner Besuch von lieben Freunden

…Kürbis-Schnitzen

…Lagerfeuer

…Letzte Ernte

…Ein Mini-Foto-Shooting

…und zu allerletzt (nicht auf Bildern verewigt): Besuch beim Kinderarzt, vollgerotzte Taschentücher überall, dicker Kopf, müde Mama.

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PS: Im Frühjahr und Sommer nächsten Jahres habe ich noch Foto-Termine frei. Bucht möglichst früh bei Interesse, damit ich alle Anfragen unterbringen kann! Nähere Infos hier: lebensnah Fotografie

Familie

Heiliger Dienst

Es ist wieder soweit. Herbstzeit = Krankheitszeit. Und dabei habe ich noch letzte Woche mit stolzgeschwellter Brust verkündet, dass meine Kinder NIE krank werden. Hätte ich mal meinen vorlauten Mund gehalten. Prompt am nächsten Tag brach die Rüsselseuche aus. Amelie liegt matt auf der Couch, Josefine und ich schniefen vor uns hin und ich hoffe, dass ich weiterhin einsatzfähig bleibe. Ohne großelterliche Hilfe in der Nähe ist es für mich ein No-Go krank zu werden. Wie hab ich bloß die Babyjahre überlebt, in denen ich dauerkrank war? Anscheinend ohne weiteren Schaden – nur mit ein paar Gehirnzellen weniger. Zumindest hat meine Merkfähigkeit extrem abgenommen (was meine Familie und Freunde oft schmerzhaft zu spüren bekommen).

Heute ist so ein Tag. An dem ich renne, gebe, tröste, Tee koche, schnell schnell grob durchputze, vorlese, Aspirin einwerfe. Und das alles ungeduscht im Schlafanzug. Schade, dass jetzt niemand ein Bild von mir macht, das ich hier reinstellen könnte. Ich glaube, das würde euch Mamis da draußen trösten, deren Kinder gerade auch krank / grantig / bedürftig sind und deren Haushalt ein Chaos ist. Moment, ich versuch’s mal mit einem Selfie……

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Seht ihr? So seh ich aus an diesem Montagvormittag…..nachdem ich die Betten gemacht, drei Bücher vorgelesen (noch mehr, Mami, biiiitte!) und zwischendrin die Waschmaschine beladen habe.

Ich hatte gestern meinen Wochenplan aufgestellt. Meine umfangreiche Stoffsammlung wollte ich sortieren, ausmisten und in einen neuen Schrank räumen. Die Wäschekammer aufräumen. Einen Artikel für die Family anfangen. Ein paar fruchtfliegenverseuchte Fenster putzen. Einen weiteren Artikel zu Ende schreiben. Fotos sortieren.

Mein Blick fiel auf mein fieberndes Kind und ich strich alle Pläne von meiner Liste. Statt etwas zu „schaffen“, sitze ich nun neben meinem Kind, lese vor und kuschle mit ihr. Ich stelle alles hinten an. Auch mich. Und das fällt mir am schwersten. Es erschreckt mich. Dass es mir SCHWER fällt, meinen Fokus für nur zehn Minuten komplett auf ein anderes Wesen zu legen. Ohne zu denken: „Hmmm, ich würde jetzt gerne duschen.“ Oder: „Ich könnte jetzt einen Kaffee vertragen“.
Ich schaffe es ja kaum, meinen Mann zehn Minuten ungeteilt zuzuhören! Irgendwann fällt doch mein Blick auf den geöffneten Browser und ich linse hin, in der Hoffnung, mein Mann merkt es nicht. Während ich dann den Newsfeed überfliege, nicke ich weiter und mache zustimmende Mhm-Geräusche.

Selbstlose Hingabe. Dieser Begriff ist für mich abstrakt und wird immer erst dann mit Leben gefüllt, wenn jemand anderes mich in so einem Maße braucht, dass ich mich ganz in die Bedürftigkeit des anderen hinein versenke. Selbstlose Hingabe. Das ist Dienst auf heiligem Terrain.

„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matt. 25, 40)

Jesus hatte eine radikal andere Weltsicht. Nicht die sichtbaren Spitzenleistungen und Erfolgsmenschen und Reichen und Schönen und Unversehrten hat er groß gemacht. Sondern das Kleine und Verborgene und Schwere und Beschädigte hat er behutsam empor gehoben und geehrt.

  • Du bist Mutter eines kleinen Säuglings.
  • Du wäschst die Sachen deines kranken Kindes.
  • Du kochst für deine pflegebedürftige Schwiegermutter.
  • Du bist für einen depressiven Freund da.
  • Du bist selber depressiv und suchst dir endlich Hilfe.
  • Du adoptierst ein Kind.
  • Du gehst treu jeden Tag zu einer verhassten Arbeitsstelle, um deine Familie zu ernähren.
  • Du hast ein offenes Haus für Nachbarskinder.
  • Du nimmst den Kampf auf dich und setzt deinem Teenager Grenzen.
  • Du bist müde und hoffnungslos und trotzdem stehst du jeden Morgen tapfer auf.

Das ist alles heiliger Dienst. Das alles zählt. Auch wenn du heute Vormittag wie ich ungeduscht und müde und grummelig in den Tag startest.

Wenn du das Gefühl hast, von der Bedürftigkeit anderer schon ganz ausgehöhlt zu sein, dann halte inne und lass dir sagen:
Es gibt da jemanden, der dein Bemühen sieht und wertschätzt. Was du tust, ist heiliger Dienst!

DIY, Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Pappmache-Schüsseln⎬

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich diese Woche über das „schlechte Wetter“ gefreut habe. Während alle weinend den goldenen Oktobertagen hinterher winkten, rieb ich mir vor Freude die Hände. Ich bin bekennender Schlechtwetter-Fan. Weil ich mich dann nicht dafür rechtfertigen muss, wenn ich krimilesend und punschtrinkend auf der Couch rumgammle. Was bleibt mir auch anderes übrig, ich Arme!, wenn draußen der Nebel ums Haus wabert und die Welt im Nieselregen versinkt.

Und es ist Bastelwetter! Diese Woche waren die Mädels ganz verrückt nach Bügelperlen. Bis das Glas mit den fitzelkleinen Dingern umfiel und der Inhalt sich über unseren flauschedicken Fransenteppich ergoss. Ruhet in Frieden, ihr Bügelperlen, ruhet in Frieden.

Eine neue Idee musste her!

Pappmache!

Vor einiger Zeit bekam ich zum Muttertag ein sehr rührendes Geschenk von meiner Tochter. Genauso rührend war das Geschenkpapier. Retro at its best! Ich brachte es nicht übers Herz, das Papier zu zerknüllen und in die Mülltonne zu schmeißen. So wurde also die Idee zu Pappmache-Schüsseln geboren. Das ist mal wieder eine Bastelarbeit nach meinem Herzen: für Grobmotoriker geeignet und ich habe immer alle Zutaten zu Hause.
IMG_2628Die Kleineren brauchen dabei noch Hilfestellung, aber sie lieben es mit Kleber und feuchtem Zeitungspapier zu matschen. Meine Große macht das mittlerweile alleine und ich muss nur noch in Notsituationen eingreifen.

Pappmache-Schüsseln

Du brauchst:

Zeitungspapier
Alufolie
Große Pinsel
Selbstgemachten Kleber (Wasser, Mehl, Salz)
Acryl-Farbe und/oder hübsches Papier
Ggf. Mod-Podge oder Serviettenkleber

1. Deck deinen Arbeitsbereich mit einer Plastiktischdecke ab. Wähle eine Schüssel als Form aus und bedecke sie außen mit Folie. Während die Kinder damit beschäftigt sind, Zeitungspapier in Streifen von ca. 10 cm Länge und 5 cm Breite zu zerreißen, kannst du den Kleber kochen.
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2. Kleber: Verrühre in einem Topf 600 ml Wasser mit 80g Mehl und einem Teelöffel Salz. Koche die Mischung auf und lasse sie unter Rühren weitere fünf Minuten köcheln. Vorsicht: brennt leicht an.

3. Jetzt kann der Spaß beginnen. Streiche jeweils einen Zeitungsstreifen mit Kleber ein und beklebe dann die Schüssel damit, bis sie ganz bedeckt ist. Bringe mehrere Schichten auf, damit die Pappmache-Schüssel am Ende auch stabil ist. Zwischendrin mit Pinsel oder Fingern glattstreichen. Meine Kinder lassen irgendwann gerne den Pinsel zur Seite und benutzen nur noch ihre Finger. Voll ok, denn der Kleber ist ja ungefährlich und ganz leicht auswaschbar.
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4. Lass die Schüssel auf der Heizung gut trocknen. Das kann mehrere Tage dauern.

5. Wenn die Schüssel trocken ist, dann kannst du sie von der Ursprungsschüssel lösen, ebenfalls die Folie entfernen.

6. Wir bemalen unsere Schüsseln entweder mit Acryl-Farben oder kleben eine Schicht hübsches Geschenkpapier auf (dazu benutze ich Mod-Podge, eine Art Serviettenkleber. Der ist gleichzeitig ein Lack, der der Schüssel ein glänzendes Finish gibt).

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TIPP: Wenn du noch was vom Kleber übrig habt, dann schau dich mal nach ablösenden Tapeten im Haus um. Das Zeug ist unschlagbar, um Tapetenecken wieder anzukleben!!

Bilder, Dankbarkeit

Momente zwischendrin

Die ersten Tage nach dem Urlaub waren hart. Erziehungsfragen und Wackelzähne. Wäscheberge und Müdigkeit. Frust und Energieräuber. Heulattacken und Schreianfälle. An solchen Tagen vergesse ich schnell, dass solche Phasen vorübergehend sind und versenke mich im Selbstmitleid. Und an genau so einem düsteren Tag nahm ich meine Kamera zur Hand, fest entschlossen, die Momente und Dinge festzuhalten, für die ich dankbar bin. Es lag vielleicht nicht an der Kamera. Aber mit jedem Bild lichtete sich der Nebel. Sonne brach durch. Ich nahm immer mehr die schönen Momente wahr, die oft so flüchtig sind, dass sie bereits von dem nächsten Geschwisterstreit platt gewalzt werden. Wenn ich die Bilder der letzten Tage durch gehe, dann muss ich lächeln. Ich sehe die Farben des Herbstes, schmecke die Süße der Äpfel, höre das Lachen von Kindern, spüre den Wind, rieche faulendes Laub. So viele Momente zwischendrin, die einfach schön waren und die es wert waren, dass ich sie wahr genommen habe.

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Familie, Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Mittagspause für Kind und Mama ⎬

Ich glaube fest an die Wichtigkeit von Rhythmus. Nicht nur in der Musik (und doch liebe ich den Free Jazz).

In einer Welt, in der nichts sicher ist, gibt es unverrückbare Dinge. Die uns Sicherheit und Halt und Orientierung geben.

Der Wechsel der Jahreszeiten.

Tag und Nacht.

Arbeit und Ausruhen.

Schlafen und Wachen.

Und alles ist ein eingebunden in den großen, unverrückbaren Rahmen von Geburt und Tod. Seit Menschheitsbeginn hat sich an diesem Lebensrhythmus nichts geändert.

Unser Körper, unser Geist sehnen sich nach Struktur, verlässlichem Rhythmus. Genau wie unsere Kinder.

Heute morgen las ich den lieben Kommentar einer Blogleserin, die zwischen Frustration und Bewunderung schwankt. Sie fragt sich, wie ich das alles hinkriege.

Vorab: Ich kriege nie alles hin. Am Ende des Tages muss ich mich jedes Mal damit versöhnen, dass vieles liegengeblieben ist und die Fenster immer noch schmutzig sind.

Aber was mir unwahrscheinlich hilft, ist unser Mittags-Rhythmus. Ich wäre kein funktionierendes Mitglied dieser Gesellschaft ohne Mittagsschlaf. Tiefes Luftholen vor dem Nachmittagsprogramm.

Als unsere Älteste ihren Mittagsschlaf aufgab, sah ich mich vor einem Dilemma, das ich auch von vielen anderen Mamas kenne. Wie kann ich mir trotzdem noch ein paar Minuten Pause rausholen? Und wie kann ich mein Kind dazu anleiten, sich alleine zu beschäftigen?

  • Ich achte darauf, dass das Kinderzimmer zum Spielen einlädt. Das gröbste Chaos beseitigen. Kinder können sich schwer orientieren, wenn alles rumliegt. Den Maltisch mit gespitzten Stiften und Papier ausstatten. Ein paar Bücher ins Kuscheleck legen. Die Playmobilkiste mitten ins Zimmer stellen.

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  •  Langsam anfangen und mit der Zeit die Länge der Mittagspause ausdehnen. Ich lege eine Hörspiel-CD ein. Anfangs durfte Amelie nach einer Geschichte ins Wohnzimmer kommen. Später dann nach zwei, drei und vier. Irgendwann waren wir bei einer Dauer von 45 Minuten.

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  • Zunächst hatte ich ein ultraschlechtes Gewissen, mein Kind „abzuschieben“. Aber gerade jetzt in den Kindergartenjahren merke ich, wie sehr die Kinder diese Pause brauchen. Außerdem war die Einführung der Mittagspause das Sprungbrett zur Loslösung von Mamas Rockzipfel.
  • Wichtig: Es klappt nicht immer. Gerade am Anfang. Jedes Kind ist auch ganz eigen, hat unterschiedliche Bedürfnisse und Persönlichkeit. Noch heute gibt es Tage, an denen alle zwei Minuten ein Kind mit einem dringenden Anliegen ins Wohnzimmer stürmt – meistens dann, wenn ich mich gerade ins Reich der Träume verabschiedet habe. Aber dann gibt es auch die Tage, an denen die Kinder so vertieft in ihr Spiel sind, dass sie erst nach anderthalb Stunden auftauchen……

Ich wünsche euch guten Mittagsschlaf. Oder eine Schmökerstunde mit Kaffee! 

Familie

Lebensschule

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An manchen Tagen ist alles hochkompliziert:

  • Beide Kinder streiten ums Bilderbuch, obwohl die Bücherregale überquellen.
  • Trotz hochheiliger Versprechungen „nachher gaaaanz bestimmt“ aufzuräumen, mutiert das Chaos im Kinderzimmer zu einem Kräftemessen zwischen Kinder und Mutter.
  • Die Rosinen müssen abgezählt sein, damit die Schwester bloß nicht eine mehr bekommt.
  • Schnecken sind den Mount Everest hochgekrochen, bevor meine Kinder ihre Schuhe und Jacken (nach 21 Aufforderungen) angezogen haben.
  • Wozu Zähneputzen? Ich erkläre es zum Millionsten Mal und fühle mich dabei wie eine Schallplatte mit Sprung.
  • Warum KEINEN Snack eine halbe Stunde vor dem Abendessen? Warum, Mama, warum?? Ich erkläre nicht mehr, sondern mache nur „hmpf“ und gehe wortlos aus dem Zimmer.
  • „Ich kann meinen Pfannkuchen nicht selbst klein schneiden. Meine Hände tun weh. Mach du, Mama.“

Meine zwei hehren Erziehungsziele „Selbständigkeit“ und „Bescheidenheit“ liegen in weiter Ferne. Und an manchen Tagen (so wie heute) zweifle ich echt daran, ob meine Kinder mit 18 selbständig sein werden. Oder ob ich ihnen dann immer noch den Pfannkuchen kleinschneide und ihnen Nutella mit einem angespuckten Taschentuch aus dem Gesicht reibe. Je weiter so ein Tag voran schreitet, umso frustrierter werde ich. Nur mit Mühe kann ich meine gefährlich ruhige Stimme kontrollieren. Und dann – nach dem zehnten „…aber die Josefine hat…“ – entgleisen mir meine Gefühle. Und meine Stimme. Dann bin ich die Mutter, die ich gar nicht mag. Ach, sind wir ehrlich. In solchen Momenten bin ich generell nicht gerne Mutter. Es gibt kein Fluchtloch, kein Chef, dem ich die Kündigung auf den Tisch knallen kann.

Und das ist gut so. Ich kann mich hier nicht aus der Sache rauswinden wie früher. Mutter sein ist die ultimative Charakterschule deren Fächer Geduld, Selbstdisziplin, Selbstlosigkeit, Liebe und Vergebung heißen. In meinen früheren Jobs hab ich diese Fächer meistens ganz gerne geschwänzt und stattdessen lieber im Pausenhof getratscht. Aber als Mutter weiß ich, worum es geht: um alles. Und deshalb setze ich mich jeden Tag neu auf den Hosenboden, um diese Fächer zu pauken. In den Pausenhof gehe ich nur noch, um neue Kraft zu tanken.

Es geht nicht darum, in diesen Fächern gut zu sein. Sondern um Anwesenheit. Jeden Morgen das Klassenzimmer betreten. Auch nach Versagen. Ich werde in diesen Fächern nie einen Abschluss machen – aber in einigen Jahren werde ich zurückblicken und staunen, wie mich diese Zeit mit Kindern geformt hat und was ich alles gelernt habe. Und dann kommen neue Fächer dazu: Kommunikation mit umkommunikativ Heranwachsenden / Wie vermeide ich peinliche Sex-Gespräche mit Teenagern / Der erste Freund – was nun?

Ich renne nicht weg. Sondern höre aufmerksam hin, gehe einige Minuten in den Pausenhof zum Luft holen und sage mir am Ende des Tages: „Das war heute keine Glanzleistung, aber ich war da. Ich habe zugehört, Tränen abgewischt, Essen gekocht, um Vergebung gebeten, Jacken zugeknöpft und ein paar schnelle Gebete gesprochen. Ich war da. Und morgen bin ich auch wieder da.“

Die letzten zwei Wochen, Familie, Reisen

Chutzpah…oder zwei Wochen Israel

Wo soll ich anfangen? Wo soll ich aufhören? Ich fühle mich wie das jüdische Volk: zerstreut und müde.

Ich könnte mit meinem Reisebericht ganz am Ende anfangen. Als wir gestern am Tel Aviver Flughafen Amelies liebstes Lieblingskissen verloren. Heiße Tränen, gewürzt mit echter Verzweiflung, tropften auf heiligen Boden. Ich versuchte den Verlust mit einer Portion Pommes wieder gut zu machen. Und mir holte ich 12 Rollen Sushi. Nach zwei Wochen orientalischer Küche braucht der Mensch was Gescheites. Irgendwas mit ganz viel Wasabi. Die Uhr tickte heimlich und hämisch. Was uns nicht bewusst war: Armin hatte seine Uhr noch auf deutsche Zeit gestellt. Während das Boarding also lustig ohne uns verlief, stopften wir uns zum letzten Mal hemmungslos voll und ignorierten alle erst netten und dann immer strenger werdenden Ausrufe nach „Family Smuhr!“. Als wir in allerletzter Minute mit hochroten Köpfen an Bord hetzten, wurde mir bewusst, wie sich eine kollektive Hasswelle anfühlt. Aber nach zwei Wochen Israel zuckte ich lachend mit den Schultern und sagte mir: Chutzpah muss der Mensch haben!

Viel Chutzpah haben wir gebraucht, um uns für die Reise nach Israel zu entscheiden. Chutzpah angesichts der angespannten politischen Lage und der vielen Kommentare von Freunden: „Ihr könnt doch nicht…!“

Ha, wir haben doch gekonnt! Letztendlich brauchten wir die meiste Chutzpah, um unsere eigenen Sorgen angesichts der Reise mit zwei kleinen Kindern zu überwinden.

Die ersten Tage verbringen wir in Jaffa. Eine extrem bunte Stadt, die von christlichen und muslimischen Arabern und von Juden bevölkert wird. So befinden sich in friedlicher Koexistenz jüdische neben palästinensischen Restaurants, verhüllte arabische Mädchen baden neben yogagestählten, knapp bekleideten Jüdinnen im Meer. Und zwischendrin ein paar wohlbeleibte russische Mamis.

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Unsere Unterkunft!

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Abends sitzen wir mit unseren Vermietern Issy und Paula in ihrem Garten, umhüllt von Frangipani-Duft und dem abendlichen Ruf des Muezzins. Wir teilen Schokokekse, Wein und Geschichten. Sie lieben ihr bunt gemischtes Viertel und ihr ottomanisches Haus, das sie nach ihrer Auswanderung aus Südafrika vor vielen Jahren gekauft haben. Paula ist weitgereist, belesen, kreativ und liberal. Issy ist ein 60-jähriger Hippie. Und doch. Und doch….. Sie sorgen sich um ihr Land, um ihre Sicherheit. „Wenn wir nur einmal nachlässig werden, dann könnte das das Ende Israels sein. Warum wollen die Palästinenser ewig an ihrem Hass festhalten?“ Ich spüre Resignation. Und dann wandert eine weitere Schachtel Schokokekse auf den Tisch und alle Probleme sind für zwei Minuten vergessen.

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Mein jugendlicher Idealismus ist einem erwachsenen und manchmal schon fast zynischem Pragmatismus gewichen. Das selbe erlebe ich bei israelischen Freunden. Wir besuchen Liron und ihre Familie im Westjordanland. Vor 12 Jahren haben wir uns auf einem Roadtrip durchs australische Outback kennengelernt. Seitdem verbindet uns eine lose, aber dauerhafte Freundschaft. Jetzt hat sie zwei kleine Söhne. Nach dem Gaza-Krieg wirkt sie angeschlagen. Wochenlang war ihr Mann im Einsatz. Sie alleine daheim mit Neugeborenem, fast wild vor Sorge und Angst und Schmerz. Sie sieht die Bilder im Fernsehen und ihr Herz zerbricht bei jedem Soldaten der ums Leben kommt und bei jeder palästinensischen Mutter, die ihr Kind verliert. „Will there ever be an end to this conflict?“ Diese Frage schwebt an diesem Abend über unserem Tisch. Und wir zucken mit den Schultern: „Probably not.“

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Unsere Kinder verarbeiten Eindrücke wie kleine Akkord-Arbeiter. Das Meer! Der allgegenwärtige Geruch nach Kreuzkümmel und Müll! Der Lärm! Waldbach verhält sich zu Jaffa wie eine brave Pietistin zu Nina Hagen. Nach anfänglichen Ängsten von Amelie, bricht sie bereits am zweiten Tag in Begeisterungsstürme aus: „Ich will hier nie wieder weg!“ Und ich füge in Gedanken hinzu: „Ich auch nicht.“

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An manchen Tagen fahren wir viel. Zum Beispiel nach Jerusalem oder an den See Genezareth. Die Zeit vertreiben wir uns so: „Wer zuerst einen Esel/Soldaten/Panzer/Falafelstand sieht!“Auf einer Verkehrsinsel in Tiberias blühen Mohnblumen. Meine Kinder zu Strebern erziehend, frage ich oberlehrerhaft: „Wisst ihr, welche Blumen dort blühen?“ Amelie: „Dämonen!“ Auch die weitere Fahrt bleibt botanisch. Als Josefine in ihrem Sitz einnickt und in typischer Josefine-Manier zur Seite kippt, kommentiert das ihre Schwester so: „Das Blümlein hat sich geneigt.“

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Mit den Kiddies machen wir abgespecktes Programm. Kurz mal über den See Genezareth mit einem Holzboot fahren. In Jerusalem zur Klagemauer und mit arabischen Händlern feilschen. Am Toten Meer die meiste Zeit am Pool rumhängen. Unsere Mädchen werden sich später sowieso nicht mehr an Sehenswürdigkeiten erinnern. Dafür wird aber hoffentlich ein Gefühl hängen bleiben. Eines, das sie später immer wieder hinausziehen wird in die Welt mit ihrer bunten und herrlichen Vielfalt.

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Armin als Autofahrer unter Israelis entwickelt immer mehr Chutzpah. Anfangs blinkt er noch brav und traut sich kaum die Hupe zu betätigen. Nach fast zwei Wochen hat er sich völlig assimiliert. Hupend und andere Fahrer schneidend fährt er eiskalt über rote Ampeln. So mag ich meinen Mann. Auch ich sinke hinein in ein orientalisches Lebensgefühl, das mir vor vielen Jahren einmal Heimat war. In manchen Momenten überfällt mich hemmungslose Sentimentalität. Wenn ich vertrocknetes Eukalyptuslaub rieche, wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel durch Palmwedel bricht, wenn ich einheimische Sprache und Musik höre.

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Die letzten Tage verbringen wir in der Wüste am Toten Meer. Es gibt kaum einen surrealeren Ort auf diesem Planeten. Wenn ich nicht gerade sabbernd vor dem gigantischen israelischen Frühstücksbüffet stehe und am Pool Listen für daheim schreibe, gaffe ich die kargen gewaltigen Berge und Salzflächen an.

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                                      Dahinten – wo es grün ist – wohnen wir!

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Heute, an unserem ersten Tag in Deutschland, hat mich meine neu angeeignete Chutzpah wieder verlassen. Angesichts der Wäscheberge habe ich kapituliert. Und in ganz israelischer Manier mir einen Kaffee gebrüht und Zeitung gelesen.