Familie

Erziehen ist immer auch Theater

Zwei verschlafene Gesichtchen blinzeln mir entgegen, wenn ich früh die Rollos hochziehe. Innerlich bete ich, dass sich diese Gesichtchen gleich zu einem Lächeln verziehen und nicht zu einem Schmollmund. Das ist immer Glückssache. Heute ist mir das Glück gewogen und mich begrüßen zwei bettwarme und gut gelaunte Mädchen. Sie schmeißen sich in meine Arme und ich inhaliere ihren Duft. Dankbar, dass ich um diese Uhrzeit nicht in einer Stadtbahn mit missgestimmten, stinkenden Mitmenschen sitzen muss.

Meistens wird der Tag von der Aufwach-Stimmung diktiert. Hängt die Laune schief, gerät auch der Rest des Tages in Schieflage. Aber wenn der Tag so wie heute beginnt, erwartet mich ein Feuerwerk der guten Laune. Zwei Mädchen tanzen um mich herum, wollen helfen, ziehen Grimassen, üben Schielen, sind laut und wild. Ich kann nur brummen und nicken und tief durchatmen. Ich habe noch keinen Kaffee.

Meistens wird der Tag aber auch von meiner Reaktion auf die vermeintlichen Schwachpunkte der Kinder diktiert. Es gibt gewisse Knöpfe und wenn die gedrückt werden (und wie die gedrückt werden!), dann spult sich immer das gleiche Programm ab. „Jetzt ess endlich und spiel nicht mit deinem Bio-Bircher-Müsli!“ „Wie oft soll ich dir noch sagen, du sollst dich JETZT anziehen!“ „Ärger deine Schwester nicht, sonst darfst du heute Abend nicht fernsehen!“ „Ich werd gleich verrückt, es ist immer das selbe mit dir!“ „Nicht auf der Zahnbürste rumkauen, putzen, PUTZEN, PUUUUUTZEN!!!“. Bin voll die Supermutter. Mit einem klug durchdachten pädagogischen Programm.

Eigentlich sind das nur einprogrammierte Reaktionen, die sich tief in unseren Alltag eingegraben haben. Und die so gar nichts nützen. Überhaupt null nullinger nichts! Ich fühl mich, als wäre ich hinter einer schalldichten Glaswand und würde auf meine Kinder einreden. Sie sehen mich, lachen, winken und ziehen ihr eigenes Ding durch.

Ich versuche mich gerade umzuprogrammieren. Studiere neue Verhaltensweisen ein. Weniger reden (Hä, warum nörgelt Mama nicht mehr??). Mehr handeln. So tun, als wäre ich gelassen, geduldig, konsequent.

Praktisch sieht das so aus:

Ich: „Josefine, bitte wasch dir die Hände vor dem Essen.“

Josefine: „Nein, ich mag nicht!!!“

Ich: „Schade, dann müssen wir ohne dich essen.“

Josefine (dramatisch aufheulend): „Aber ich will mir nicht die Hände waschen, MAMA!“

Ich sage nichts. Denke: „Oneinoneinoneinonein. Bleib ruhig, bleib gelassen, jetzt blooooß nicht ausflippen.“

Josefine heult weiter in den höchsten Tönen. Ich nehme sie. Trage sie ins Bad, mache die Tür zu. Gehe supergelassen superangespannt zurück ins Esszimmer und beginne mit braver Tochter Nr. 2 zu essen. 

Josefine heult und heult und heult. Lange nachdem wir fertig mit Essen sind, kommt sie aus dem Bad mit sauberen Händen. Wie ein begossener trauriger kleiner Pudel. Sie schaut mich strafend an, setzt sich und beginnt zu essen. Ich hole zum ersten Mal seit fünf Minuten wieder Luft. 

Ich glaube, Erziehen ist wie Theaterspielen. Es ist völlig ok, so zu tun als ob. Wenn ich willenlos meinen Emotionen nachgebe, dann bin ich ein Clown, den auf Dauer niemand ernst nimmt. Aber wenn ich meine Emotionen klug verpacke und sie wie einem gut durchdachten Drehbuch transportiere, dann sind sie ein Lernfeld. Auf dem nach einiger Zeit mehr gute als schlechte Früchte wachsen. Wenn ich eine Weile so tue als ob, dann wird es vielleicht irgendwann Wirklichkeit.

“Acting is not being emotional, but being able to express emotion.“ (Kate Reed)

DIY, Kreativer Freitag, Rezepte

Kreativer Freitag ⎨Windlichter und dazu eine Pita⎬

Vorgestern war der erste Tag.

Der erste Tag, an dem ich die Heizung wieder eingeschaltet habe. Dazu habe ich Tee und Apfelmus gekocht. Mich mit den Kindern unter eine Wolldecke verkrochen und stapelweise Bücher gelesen. Wenn ich früh aufstehe, wabert feuchter Nebel über unsere Wiese, Spinnen haben nachts Kunstwerke zwischen den Zweigen unseres Haselnuss-Strauchs gewebt. In der Luft liegt ein Hauch von reifen Äpfeln, Feuer und faulem Laub. Mein Lieblingsgeruch: Herbst.

Mit den kürzeren Tagen holen wir uns wieder Kerzenlicht ins Haus. Was würde besser passen als diese Herbst-Windlichter?

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Die sind selbst für einen Bastel-Grobmotoriker wie mich keine Überforderung. Und die Kids haben ihren Spaß daran.

Ihr braucht:

  • Bunte Blätter (möglichst nicht zu große)
  • 1 Pinsel
  • Marmeladen-, Babybrei-, Pesto- oder sonstige Gläser
  • Serviettenkleber oder Mod Podge
  • Seidenpapier (ich hab einfach das Papier aus einem Schuhkarton genommen)

Sammelt Blätter aller Art und presst sie einige Tage.

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Dann kann es losgehen. Einfach das Glas mit Kleber einpinseln. Blätter drauf und ebenfalls überpinseln. Wer mag, kann das Glas erst mit Seidenpapier bekleben, dann mit Kleber bestreichen. Blätter drauf und ebenfalls mit Kleber einstreichen. Trocknen lassen, fertig. Ich liebe diese Windlichter! Sie zaubern eine total schöne Stimmung.

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Als wir noch mitten in der Bastelei waren, ging im Backofen ein Teig für Pitabrot. Ich war nämlich ein bissl verzweifelt. Erstens habe ich noch nie anständige Pita außerhalb des Nahen Osten gegessen. Und zweitens manipuliere ich Amelie, damit sie endlich Lust auf unseren anstehenden Israel-Urlaub bekommt („Mama, ich will da nicht hin. Da ist Krieg. Mallorca ist viel cooler!“).

Während die Windlichter trockneten, schob ich die erste Fuhre Pitas in den heißen Ofen. Ich rieb mir die Augen. Starrte ungläubig in den Ofen. Rieb mir nochmal die Augen. Vor mir verwandelte sich plumper Hefeteig in luftige Pitabrote.

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Noch heiß füllte ich sie mit Käse, getrockneten Tomaten und auf Wunsch für die Kids mit Hiffenmark (die orientalische Abwandlung des fränkischen Krapfens). Zehn Minuten lang war Stille und wir genossen. Das warme Brot, den Kerzenschein, heruntertropfendes Hiffenmark.

Der Pita-Trick hat übrigens funktioniert. Heute gab Amelie zähneknirschend zu, dass sie sich doch irgendwie schon auf Israel freut.

Und deshalb: die nächsten zwei Wochen entfällt der Kreative Freitag. Wir hängen stattdessen in der Wüste und am Strand von Tel Aviv rum. 

Rezept Pita-Brot (aus meiner Brotback-Bibel „Brot genießen“)
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rgibt 7 Brote

500 g Weizenmehl (Type 550)
100 g Weizenmehl (Type 1050)
21g Frischhefe (oder entsprechend Trockenhefe)
275 ml lauwarmes Wasser
1 1/2 TL Salz
1 EL Zucker
3 EL Olivenöl

Beide Mehle in einer Schüssel mischen. Eine Mulde formen, Hefe im Wasser auflösen und in die Vertiefung geben. Mit einer Gabel einen Vorteig anrühren. Abdecken und an einem warmen Ort 15 Minuten lang gehen lassen. Anschließend mit Salz, Zucker und Olivenöl zu einem geschmeidigen Teig kneten. Diesen wieder abdecken und für eine Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.

Den Teig nochmal durchkneten und in sieben Stücke teilen. Jedes Stück mit den Händen einige Male im Kreis walzen, bis sich eine Kugel geformt hat. Auf einer bemehlten Oberfläche ablegen. Für fünf Minuten abdecken und gehen lassen. In der Zwischenzeit den Ofen auf 180 Grad vorheizen, die Bleche im Ofen lassen. Ein Gefäß mit Wasser in den Ofen stellen.

Dann die Teigballen mit der Hand flach drücken, mit Mehl bestäuben und zu Fladen von 15 cm Durchmesser ausrollen. Nochmal abdecken und 15 Minuten lang gehen lassen. Anschließend die Fladen in den Ofen auf die heißen Bleche legen (ich habe sie mit Backpapier ausgelegt). Knapp 20 Minuten backen. Herausnehmen und abkühlen lassen.

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Familie

Ein nicht ganz so mördercooler Beitrag

Ich stöpsele die Kamera in den Laptop, überspiele die Bilder der letzten 48 Stunden und bin in Gedanken schon bei einer gemütlichen Stunde bei Wein und Blog.

„MAMMMMAAAAAA!“ Ein verzweifelter Aufschrei aus dem Kinderzimmer. Entweder sind wieder Löwen unter dem Bett (die nervigen Viecher) oder es ist zu heiß/kalt/lauwarm/laut/leise oder die Kinder haben Durst/Hunger/Langeweile. Ich darf mir was aussuchen und tippe auf Langeweile. Ich stampfe entnervt ins Kinderzimmer. „Was ist hier los?“, knurre ich, innerlich sauer, weil ich doch gerade diesen mördercoolen Beitrag über meinen mördercoolen 40. Geburtstag schreiben wollte. Alles andere als mördercool versuche ich meine Kinder, die einfach nicht einschlafen können/wollen, in den Schlaf zu wiegen.

Eine halbe Stunde verlasse ich das Kampffeld mit zerwuseltem Schopf, rotgeränderten Augen und ein paar weiteren grauen Haaren. Aber sie schlafen…sie schlafen…endlich.

Ach ja, der Blogbeitrag. Was wollte ich schreiben?

Ich hab Geburtstag gefeiert. Mit einer kleinen Handvoll Freunden und meiner ganzen großen Verwandtschaft. Das war schön. Richtig, richtig schön. Ich fühlte mich umsorgt, geliebt, gesegnet und behütet. Und weil mich die Ins-Bett-bring-Aktion heute um zehn Jahre hat altern lassen, hier die Kurzversion in Bildform:

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DIY, Kreativer Freitag, Rezepte

Kreativer Freitag⎨Peeling,Maske,Müsli⎬

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Was ist das neben meinem Mund? Ist das nur ein täuschender Schatten? Ich trete näher an den Spiegel und betrachte prüfend mein Gesicht. Sicher nur ein Schatten. Bitte sei ein Schatten! Vielleicht ist es nur ein dunkler Strich, ich hab doch vorhin mit den Kindern gemalt. Ich reibe über den Strich. Er ist immer noch da. Sicherlich wasser- und abriebfeste Farbe. Ja sag amoll! Ich schaue näher hin (vielleicht sollte ich mir doch endlich mal eine Brille verschreiben lassen). Es ist kein Schatten, es ist keine Farbe. Es ist eine Falte. Eine Million Mal lachen und heulen haben ihre wunderbar-gemeinen Lebensspuren hinterlassen. Ich lächle. Vielleicht kann ich meiner Haut, die schon soviel für mich geleistet hat, heute etwas Gutes tun. Peeling und Maske, jawoll! Danach fühlt sich mein Gesicht immer ganz neu und babypopomäßig an. Seit einiger Zeit weigere ich mich, diese Produkte zu kaufen. Weil man sie selbst leicht machen kann und die Ergebnisse mindestens genauso gut sind – wenn nicht sogar besser. Und die Zutaten hat jeder von uns in der Küche.

Sanftes Haferflocken-Peeling
2 EL Kernige Haferflocken
2 EL Milch
1 EL Zucker
Geht es noch einfacher? Die Zutaten miteinander vermengen, aufs Gesicht auftragen und mindestens eine Minute einmassieren. Mit warmem Wasser abwaschen. Jetzt ist die Haut super vorbereitet auf den nächsten Schritt.

IMG_6833 Reinigende Hefe-Honig-Zimt-Maske
1/2 Päckchen Trockenhefe
1 EL warme Milch
1 TL Honig
1/2 TL Zimt
Zutaten vermischen und mit einem Pinsel auf das Gesicht auftragen. Ich lasse die Maske mindestens 30 Minuten einwirken. Diese Maske ist absolut fantastisch für meine Haut, die gleichzeitig trocken ist und zu Unreinheiten neigt. Honig und Milch spenden Feuchtigkeit, Hefe und Zimt wirken heilend.

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Ich rieche wie eine Zimtschnecke, hehe….
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Ein Wunder, die Fältchen sind nicht weg!
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Dafür war ich beim Friseur. Und die Haut seufzt zufrieden.

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Damit mach ich unsere Version des Bircher Müslis. 

Abends eine halbe Schüssel Haferflocken, Rosinen und einen Teelöffel Zimt mit Milch knapp bedecken. Über Nacht in den Kühlschrank stellen. Morgens rühr ich noch einen Naturjoghurt unter. Obst, das gerade ungenutzt rumliegt, aufschneiden und dazugeben. Dünnflüssigen Honig (wahlweise Agavendicksaft oder Ahornsirup) nach Geschmack unterrühren. Walnüsse dazugeben. Ich geb immer noch einen Klacks Cashewmus obendrauf.

Die Kinder lieben es. Ich liebe es. Und das Müsli ist auch irgendwie Schönheit von innen, oder?

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PS: Liebe Anna aus München! Deine Karte ist angekommen. Ich kann dir gar nicht beschreiben, wie sehr ich vor Freude ausgeflippt bin. Tausend Dank für deine wunderbaren Worte. Du hast mich sehr sehr sehr ermutigt!!

Gedanken

Ich habe keine Lust mehr, ein Defizit zu sein

Ich stehe kurz vor meinem 40. Geburtstag und Leute fragen mich mit erwartungsvollem Gesicht, wie es mir damit geht. „Prima“, antworte ich ehrlich. Mein Gegenüber ist enttäuscht – es hat eine andere Antwort erwartet. „Ich habe den Zenit überschritten!“ „Ich schieb die Krise!“ „Alzheimer lässt grüßen.“ „Ich bestell schon mal einen Sarg.“

Prima. Denn ich habe 40 Jahre gebraucht, damit ich in diese Wahrheit eintauche: Ich bin kein Defizit, das permanent ausgeglichen und verbessert werden muss. Genau darauf habe ich meine Gefühle und meine Kraft die letzten 40 Jahre verwendet.

Werde ein besserer Mensch. Werde dünner. Werde intelligenter. Schreibe bessere Noten. Werde eine gelassenere Mutter. Werde eine bessere Freundin/Frau/Tochter/Schwester. Verschönere dein Haus/deine Haare/deinen Garten. Steige im Job auf. Werde ein hingebungsvollerer Christ. Strebe nach noch mehr geistlichem Wachstum.

Was ich vielmehr in den letzten Jahren gelernt habe: Ich muss nicht nach einer besseren Version meiner Person streben, sondern vielmehr die Person wieder entdecken und umarmen, die ich schon immer war. 

Das Fundament ist gelegt. Ich darf darauf bauen mit dem was schon immer in mir angelegt ist. Ich muss nicht das imitieren, was andere vorbauen oder mir vorschreiben lassen, was ich zu bauen habe. Ich muss keine Kathedrale, kein Schloss errichten.

Heute bastele ich einige Worte zusammen. Ob sie Sinn machen, weiß ich nicht – sie schwirren einfach in meinem Kopf rum und wollen raus. Heute bin ich in meiner Müdigkeit träge, baue langsam und werde heute nachmittag eine ganz lange Pause einlegen. Heute baue ich nicht an meinen Kindern rum, sondern will ihnen einfach zusehen, mich an ihnen freuen und ein paar Bücher mit ihnen lesen. Heute probiere ich ein neues Rezept aus (Mais-Salsa und warmen Kürbis-Kichererbsen-Salat) und meine Kinder werden es sicher nicht mögen. Heute habe ich eine alte Jeans an, eine Mutti-Palme auf dem Kopf und ein paar Pickel im Gesicht. Heute baue ich mein Leben mit dem was ich habe und nicht mit dem, was ich meine haben zu müssen.

40 zu werden bedeutet für mich neue Freiheit. Ich atme auf und freue mich!

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DIY, Ernährung, Flohmarkt, Fun, Kreativer Freitag, Nähen, Rezepte

Kreativer Freitag – ⎨Alles Äpfel⎬

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Die Äpfel liegen im Septembergras, glänzend in der Abendsonne. Ich nehme einen nach dem anderen in die Hand und fülle sie in unsere Apfelkiste, die trotz aller Bemühungen in den letzten Wochen nicht leerer wird. Dafür platzt unsere Kühltruhe aus allen Nähten, in der Tüte um Tüte Apfelmus lagert. Ich stehe gerne unter dem Apfelbaum, weil sich hier das Licht in unserem Garten am schönsten präsentiert. In meiner ersten Schwangerschaft lehnte ich mich gerne an den rauen Stamm und träumte davon, was wir mit all den Äpfel anstellen könnten. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen Apfelbaum. Die Möglichkeiten! 

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Unsere Lieblingsmöglichkeit? Apfelgelee! Ich mochte nie Apfelgelee, aber vor ein paar Jahren stieß ich auf ein Rezept der alten Shaker, das mich bekehrte. Seitdem sind wir bekennende Apfelgelee-Fans und das klebrige Zeug wird mindestens genau so gerne verschlungen wie frische Erdbeermarmelade.

Rezept Apfelgelee a la Shaker

1 Berg Äpfel
Wasser
Gelierzucker
optional Zimtstange / Vanille
Ok, die Angaben sind ungenau, aber bitte abwarten. Die Äpfel mit Schale und allem drum und dran grob zerschneiden und in einen großen Topf geben. Der darf ruhig fast voll werden. Dann die Äpfel knapp mit Wasser bedecken und solange kochen, bis sie zerfallen. Dann am besten über Nacht in ein Mulltuch geben und abtropfen lassen. Den gewonnenen Saft abmessen. Pro Liter verwende ich ein Päckchen Gelierzucker 2:1. Das Ganze vier Minuten lang sprudelnd kochen, ständig rühren. Den Schaum abschöpfen und den Rest in Gläser füllen. Sofort verschließen. Manchmal gebe ich vor dem Kochen noch ein, zwei Zimtstangen dazu oder Vanille. Herbst im Glas! Guten Appetit!

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Meine Mutter betreibt auf unserem alten Hof einen Trödelmarkt und nach jedem Besuch schleppe ich ein, zwei oder zehn Schätze mit nach Hause. Das letzte Mal war es ein Koffer voller Bettbezüge aus den 70er Jahren. Die Möglichkeiten!

Darunter auch ein Apfelstoff. Ich konnte gar nicht anders – ich musste ihn als erstes verarbeiten. Amelie braucht dringend neue Oberteile, da sie aus allen anderen heraus gewachsen ist. Der einfachste Schnitt, den ich kenne, ist Marjolaine von Citronille. Eigentlich ein Schlafanzug-Oberteil, aber – psssst – das braucht niemand zu wissen!

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Und wem das mit der ganzen Näherei zu kompliziert ist, dem bleibt immer noch der Apfeldruck. Das haben wir letztes Jahr gemacht.

Du brauchst: 

1 weißes Shirt
Stoffmalfarben
1 Pinsel
Äpfel

Spanne das weiße Shirt auf ein Stück Karton, damit die Farbe nicht durchdrückt. Teile den Apfel in zwei Hälften und bepinsle diese mit rot und grün und gelb. Dann mutig auf den Stoff drücken! Kerne und Stiel können hinterher noch mit Pinsel aufgemalt werden. Trocknen lassen und einmal drüber bügeln, um die Farbe zu fixieren. Und schon ist das neue Lieblings-Shirt fertig!

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Familie, Fun, Rezepte

Badda-Kotz

Gestern haben wir einen der letzten goldenen Sommertage ausgequetscht. Erst Schwimmbad, danach noch Biergarten. Ich bestellte brav einen Salat und ein Weißweinschorle. Unsere Kinder bekamen Pommes und Fanta. Die haben sich auch mehr bewegt als ich….

Glücklich genoss ich die letzten Spätsommerstrahlen, während unsere Kinder unter einem Nussbaum grüne Walnüsse auflasen. Dann kam ihre Fanta. Josefine stürzte sich durstig darauf und trank ihr Glas auf Ex leer. Fanta ist ihr Bier. Einige Minuten später postierte sie sich mit den Armen in die Hüften gestemmt auf einen kleinen Hügel neben den Tischen, als wolle sie zu einer Rede an ihr Volk ansetzen. Statt einer Rede ertönte ein herzhafter Rülpser, wie ihn selbst ein Maurermeister nicht hätte lauter zum Dröhnen bringen können. Ich riss meine Augen auf, Armin verfiel in Schockstarre und Amelie kicherte. „War der laut, Mama?“ fragte Josefine stolz. Ein Mann am Nebentisch bemerkte trocken: „Der war NICHT zu überhören.“ Und im gleichen Atemzug verschwor er sich mit meiner Tochter: „Soll ich dir beibringen, wie man mehrmals hintereinander rülpst?“ Ich bekam einen dieser Lachanfälle mit Heulen und Japsen und Johlen. Die Gäste drehten sich nach uns um (als hätten wir nicht schon genug Aufmerksamkeit erregt). Armin massierte hektisch den Autoschlüssel – er hegte Fluchtgedanken. Meine Kinder traten besorgt an mich heran, beäugten mich voll Sorge. Warum heult Mama so komisch?

Szenenwechsel. Heute gab es zum Mittagessen Quinoa-Bratlinge, die mehr Begeisterung hervorriefen, als ich dachte. Zum Nachtisch hatte ich Butterscotch Pudding gekocht. Den koche ich in letzter Zeit ziemlich oft. Das ist ein Dessert, in das ich mich am liebsten reinlegen und mich drin wälzen würde. Besser noch: ich würde mich am liebsten in Butterscotch Pudding marinieren! Ich könnte es morgens, mittags, abends, nachts essen. „Mama, hast du Badda-Kotz-Pudding gekocht?“ Meine Kinder haben dank meiner Weigerung ihnen Frühförderung zukommen zu lassen, Probleme mit der englischen Aussprache. Also haben sie das Dessert kurzerhand in Badda-Kotz-Pudding umgetauft. Manchmal auch Badda-Rotz-Pudding, wenn sie besonders albern sein wollen. „Heißt der so, weil man danach kotzen muss, Mama?“ fragt Josefine interessiert nach. „Ja, wenn man davon zuviel isst oder sich darin wälzt.“

Es gibt so Tage, an denen man sich als Mutter an einen ganz weit entfernten Ort wünscht. Und als Gegengewicht gibt es Tage, die besser als jede Comedy-Show sind und man nirgendwo lieber ist als genau hier in diesem Biergarten oder daheim am Esstisch. Zumindest habe ich in den letzten 24 Stunden soviel gelacht, wie in den letzten 24 Tagen nicht mehr.

Rezept Butterscotch Pudding (4-6 Portionen)
(Butterscotch ist eine amerikanische Geschmacksrichtung, die irgendwo zwischen Karamell und Vanille liegt und auf braunem Zucker basiert)

  • 60 g Butter
  • 160g Brauner Zucker
  • 2 Vanillezucker
  • eine ordentliche Prise Salz
  • 3 EL Speisestärke
  • 625 ml Milch
  • 2 Eier
  • 2 TL Whiskey (optional)

1. Die Butter in einem Topf schmelzen. Zucker und Salz hinzufügen und rühren, bis der Zucker sich gut mit der geschmolzenen Butter vermengt hat (nicht karamellisieren!). Von der Herdplatte nehmen.

2. In einer kleinen Schüssel die Speisestärke mit ca. 60 ml Milch verrühren, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. Dann die Eier darin verquirlen.

3. Die verbleibende Milch nach und nach zur Butter-Zucker-Mischung gießen, permanent rühren, dann den Speisestärke-Milch-Eier-Mix hinzugeben.

4. Den Topf zurück auf die Herdplatte stellen, viel rühren. Wenn der Pudding zu kochen beginnt, die Hitze reduzieren und für eine Minute ohne Pause rühren, bis der Pudding die gewünschte Konsistenz erreicht hat.

5. Wer möchte, kann jetzt noch den Whiskey hineinrühren.

6. In Gläser oder Schüsselchen füllen und für mindestens 4 Stunden kühl stellen.

Warum ich heute kein Bild habe? Ich finde, Badda-Kotz-Pudding ist ziemlich selbsterklärend, da braun. Aber vielleicht war ich auch einfach zu faul zum Fotografieren. 

DIY, Kreativer Freitag

Kreativer Freitag ⎨Postkarten⎬

Wohooo, ich starte eine neue Reihe!! Ich habe während des Sommers überlegt, ob ich meinen Blog so weiterführen soll wie bisher. In meiner Schreibpause kamen mir einige Ideen, die ich aber alle wieder verwarf. Vorhin dann die Erleuchtung, als Amelie eine Karte für ihre Großeltern bastelte! Wer es noch nicht geahnt hat: Wir sind eine kreative Familie, die Farben, Kleber, Stoffe, Papier, Holz und vor allem Tesa in jeder Lebenslage über alles liebt. Ab heute führe ich hier also den Kreativen Freitag ein!

Jeden Freitag poste ich, was in unseren Köpfen und Händen gerade Gestalt annimmt. Das kann eine Kinderbastelei sein oder ein neues Kuchen-Rezept, das mich begeistert. Eine Näharbeit oder eine Spielanregung. Eine Idee zur Vereinfachung des Lebens oder ein Foto-Tipp. Ich will aber nicht zum DIY-Blog mutieren, sondern abgesehen vom Kreativen Freitag weitermachen wie bisher und schreiben, was mir in den Sinn kommt und mich bewegt. 

Zurück zu Amelie und ihren Postkarten. Sie hat in den Untiefen ihrer Schubfächer Karten zum Ausmalen gefunden und diese sofort mit Begeisterung gestaltet und Texte diktiert, die für ihre Tante und Großeltern bestimmt sind. Wie gerne bekomme ich selbst solche Postkarten! Eine Email oder eine Whatsapp sind schnell getippt, aber eine handgeschriebene Karte in meinem echten Briefkasten lässt mein Herz höher schlagen. Sie zeigt mir, dass sich der Absender Mühe und Gedanken gemacht hat. Beim Aussuchen der Karte, beim Verfassen des Textes. Allein das Schreiben per Hand zwingt einen dazu, die Gedanken zu verlangsamen und so bleibt mehr Zeit als bei einer Email, über den Empfänger nachzudenken. Welche Worte würden ihm gut tun? Was empfinde ich für die Person? Was möchte ich ihr sagen und wünschen? 

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Ich möchte das Kartenschreiben wieder aufleben lassen. Und zwar gemeinsam mit den Kindern – damit sie fern von Tablet und Smartphone lernen, Kontakte zu pflegen. In meinem eigenen Kartenfach liegt ein ganzer Stapel bunter Blankokarten, der darauf wartet, versendet zu werden und Freude zu machen. Manchmal lasse ich die Kinder diese Karten mit Stempeln, Aufklebern und Malereien verzieren. Und dann überlegen wir, wer die Karte mit den Hello-Kitty-Aufklebern und mit den großem Herz bekommen soll….

Vielleicht habt ihr auch mal wieder Lust, Schneckenpost zu versenden? 

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Ich sammle alle Karten, die ich bekomme, in einem Extra-Ordner. Manchmal hole ich ihn hervor und freue mich an der Vielfalt und den Menschen, die sie uns geschickt haben.

 

 

 

 

 

Gedanken, Glaube

Mallorca-Fummel passt wieder!

Gestern habe ich zum ersten Mal wieder meinen Mallorca-Fummel angezogen. Mit Mallorca-Fummel meine ich das Kleid, was ich vor zwei Jahren in Palma gekauft habe und das jedes Mal, wenn ich es trage, meinen Mann schwer begeistert. Es ist nämlich oben und unten ein klitzekleines bisschen kurz. Rattenscharf, würde er sagen. Ich hatte es fast zwei Jahre lang nicht mehr an. 

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Es passt wieder!!!!

Vor etwas über zwei Monaten befand ich mich in einem ganz tiefen Tief. Ich bekam mein Essverhalten nicht in den Griff. Versteht mich nicht falsch – ich bin aus dem Alter raus, in dem ich nach einem bestimmten dürren Idealmaß strebe. Mit meinem gebärfreudigen Becken und meinen kräftigen Beinen bin ich dazu geboren, einfach ganz unvollkommen vollkommen ich selbst zu sein. Sowie halt Beyonce (nicht das ich mich mit ihr vergleichen würde…).

Ich hatte mich zu einer weiteren Runde Online-Coaching von Lebe Leichter entschlossen. Manchmal muss der Leidensdruck einfach groß genug sein, damit ich mir Hilfe hole. Aber dann hole ich sie mir auch, weil ich gelernt habe, dass ich hilfsbedürftig bin. So kam mein Coach Uli auf den Plan. Sie ist in den letzten Wochen so eine große Stütze für mich, aber langsam darf ich lernen, mein eigener Coach zu werden. Mit ihrer Hilfe habe ich mittlerweile acht Kilo runter. Fünf weitere sollen noch folgen. Aber die Abnahme ist nur ein Nebenprodukt des tatsächlichen Prozesses, der in Gang gesetzt wurde. Ein innerer Heilungsprozess, der aufräumt mit den Lügen, die mich immer wieder in ein erstickendes Gefängnis stecken und meine Lebenslust rauben. Stattdessen lerne ich diese Wahrheit: Ich bin nach dem Ebenbild meines Schöpfers geschaffen. Und das ist (wenn ich mich mal in seiner Schöpfung umsehe) soviel bunter, schillernder, vielfältiger als das magere Schönheits-Ideal, dem wir viel lieber glauben. 

Ich beginne freundlich mit mir zu reden. Denn so wie ich bisher mit mir geredet habe, würde ich es niemals wagen, mit jemand anderem zu reden. Niemals würde ich mein Gegenüber als Versager oder fett oder unliebenswürdig titulieren. Ich habe einen sanften Schubser in Richtung Wahrheit bekommen. 

Der neue Boden, auf dem ich laufe, füllt sich noch dünn an. Zulange habe ich den Lügen über mich selbst geglaubt und manchmal haben wir Angst, den Käfig, den wir uns selbst gebaut haben zu verlassen, nicht wahr? Ich mache erste, wacklige Schritte in Richtung Freiheit. Und ich hoffe, dass ich beim ersten Gegenwind nicht wieder in den Käfig flüchte.

Aber immerhin kann ich bei meinen ersten Gehversuchen auf ungewohntem Terrain sexy Kleider tragen. Das ist schon mal was, oder?