Familie, Gedanken

Chill-Mom

Hab ich jemals behauptet, der Herbst sei meine Lieblingsjahreszeit? Ich revidiere diese Aussage bis auf Weiteres! Es ist Abend und ich sitze mit dem Laptop auf den Knien auf dem Balkon. Die Amseln singen ihr Abendlied, die ersten Fledermäuse schwirren ums Haus und unsere treuen Grillen zirpen, was das Zeug hält. Dieser Frühsommer stößt den Herbst vom Thron. All die Schönheit um mich herum nehme ich aber erst seit ca. einer Woche wahr. Vorher bin ich durch das Frühjahr gehetzt und habe nur kurz angehalten, um ein paar Samen in die Erde zu schmeißen, Knete zu machen und ab und zu ein Kleidungsteil für meine Mädels zu nähen (meistens in den späten Abendstunden).

Es lief alles bestens. Mein Leben hat sich in Richtungen entwickelt, die mehr als nur erfreulich sind. Meine Kinder sind gesund und machen selten Probleme. Ich schlafe fast jede Nacht durch. Unsere Ehe plätschert friedlich vor sich hin. Aber vorletzte Woche musste ich mir eingestehen, dass ich in einem Loch aus Erschöpfung und Traurigkeit fest steckte. Das durfte ich doch nicht fühlen – wie undankbar! Ich schob diese unangebrachten Gefühle weg. Aber sie bohrten sie sich ihren Weg an die Oberfläche und wollten gehört werden. Denn Gefühle deuten immer auf etwas tiefer Liegendes hin. Ich spürte meiner Traurigkeit nach und stieß auf diese Wahrheit: mein Leben war übervoll. Übervoll mit guten Dingen, die mein Leben uferlos und überfrachtet haben. Ich bin nicht zum ersten Mal an diesem Punkt in meinem Leben. Da muss ich immer wieder hingeführt werden, bis ich verstehe, dass ich ein Mensch bin, der sich selbst klare Grenzen setzen muss.

Also habe ich beschlossen, mich auf eine Sache zu konzentrieren: schreiben. Alles andere steht hinten an und darf eine Weile Däumchen drehen. Und weil ich gerade so schön in Fahrt war, entschied ich, dass ich nur noch maximal zwei Abende pro Woche verplane. Den Rest will ich zur freien Verfügung haben.

„Gestresst, müde und beschäftigt“: Das ist unser gesellschaftliches Markenzeichen, mit dem wir punkten und Anerkennung einheimsen. Zeit und Freiräume haben, ausgeruht sein: Das wird misstrauisch beäugt. Soviel Faulenzerei bremst ja meine Effektivität aus. Und nur wenn ich produktiv bin, bin ich effektiv, bin ich wertvoll.

Ach Bullshit. Ich faulenze jetzt manchmal. Und dann sitze ich halt auf dem Balkon, schau den Fledermäusen zu und starre gedankenverloren in die Ferne. Oder ich finde endlich wieder die Muse, Freunde einzuladen. Ganz spontan. Und ich habe Zeit, eine Freundin im Krankenhaus zu besuchen. Mit Armin habe ich endlich mal wieder Thai-Curry gekocht, was wir schon seit Jahren vorhatten. Ich sehe endlich den Frühling. Und freu mich auf den Sommer

Amelie meinte beim Abendessen: „Das war heute der tollste Tag!“ Ich: „Aber wir haben heute doch gar nichts Besonderes gemacht.“ Amelie: „Jeder Tag ist der tollste Tag, weil du schon lange nicht mehr geschimpft hast.“

Bingo. Ich kenne zur Zeit keinen besseren Erziehungsrat, als den: Ein entrümpelter Zeitplan und ein Minimum auf meiner To-Do-Liste verwandelt mich von Schimpf-Mom in Chill-Mom. Gut, ne?

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Mein Abend-Blick

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 Endlich wieder mehr Zeit zum Scrabble-Spielen…

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…zum Blumen pflücken…

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…zum Erdbeeren genießen…

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…für Spaziergänge rund ums Dorf…

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…und für meinen heiß geliebten Book Club!

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Chill, Mom!

 

DIY, Familie

Soooo müde….

Die Kinder sind im Bett und ich fall auf die Couch. Nicht, dass sie außergewöhnlich anstrengend gewesen wären. Aber ich fühl mich seit einigen Tagen wie von einer Panzerkolonne überfahren. Meine Energie reicht bis ca. 9 Uhr vormittags. Danach schleppe ich mich mit größter Mühe durch den Tag. Frühjahrsmüdigkeit? Vitaminmangel? Vorzeitige Wechseljahre?

Meine Erschöpfung gepaart mit dem kräftestrotzenden Enthusiasmus meiner Kinder ist keine angenehme Mischung. Ich wünschte, ich könnte eine begeisterungsfähigere Mutter sein. Als heute Amelie mit dem Wunsch ankam, Rahmen für ihre Schwimm-Urkunde zu basteln, erntete sie ein gequältes Lächeln und ein gepresstes Ja. Innerlich fiel ich in Ohnmacht. Aber ich wollte heute wenigstens eine Sache pädagogisch richtig machen. Mein Ja führte zu Begeisterungsstürmen und ich ließ mir den dritten Kaffee ein. Ich hatte noch keinen Schluck getrunken, schon standen die Mädels mit ihren Scheren und Kleber parat. Sicher hätte ich irgendwo eine Anleitung zum Rahmenbasteln. Aber der Grobmotoriker in mir meinte, ich könne das auch so. Also pi mal Daumen abmessen, aufzeichnen, Kinder ausschneiden lassen, Kleber draufklatschen und passt….nicht. Amelie schaute mich mit ihren großen, blauen, traurigen Kinderaugen an. „Haha, da hab ich mich wohl vermessen. Kinder, wollt ihr nicht lieber auf die Gasse und Fahrrad fahren und Mama das hier richten lassen?“

Anscheinend hatten meine Kinder ihr Vertrauen in meine Bastelfähigkeiten verloren und waren aus der Tür, ehe ich bis drei zählen konnte. Endlich konnte ich einen Schluck von meinem kalten Kaffee nehmen. Wütend bearbeitete ich den Karton mit der Schere. Eindeutig gehöre ich nicht zu den bastelbegabten Müttern. Mir fehlen dafür Geduld und Geschick. Bei mir muss es ratzfatz gehen. Und ratzfatz klebte ich die Rahmenstücke fluchend und schief zusammen. Sie sahen aus, als wären sie von einem debilen Schimpansen gebastelt worden. Egal, ich hatte es geschafft, klopfte mir mit klebstoffverkrusteten Händen auf die Schultern und schleppte mich durch den Rest des Tages.

Morgen Vormittag streiche ich alles von meiner Liste und werde nur das tun, worauf ich wirklich Lust habe.

Vielleicht eine Runde Nähen? Es warten ein Stapel verlockenden Stoffes und ein paar neue französische Schnittmuster auf mich.

Oder auf der Couch rumliegen und Kaffee trinken? Mit einem Stapel Bücher neben mir?

Ein paar Fenster putzen? Halt! Das gehört zu den Dingen, die ich mir morgen strikt verbiete.

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Bücher, Rezepte, Schreiben, USA

Ich schreib ein Buch. Fei echt jetzt!

Der Trockner summt und erinnert mich an den Wäscheberg, der zusammengelegt werden muss, wenn meine Familie weiterhin saubere Socken haben möchte. Auf dem Herd blubbert Milchreis, mit dem ich heute Mittag bei meinen Mädels punkten kann. Ich bin heute mal wieder nicht zum Yoga gekommen, was eigentlich täglich auf meiner To-Do-Liste steht, aber das ich immer zugunsten anderer Dinge streiche. Kaffeetrinken zum Beispiel. Macht auch fit.

Mitten in meinen völlig profanen und unspektakulären Alltag platzt die Nachricht vom SCM-Collection-Verlag: „Schreib mal ein Buch“. Tatsächlich erhielt ich vor einigen Wochen eine Buchanfrage. Ich fiel erstmal tot um. Dann lachte ich. Ich, ein Buch schreiben! So etwas können doch nur kettenrauchende, vom Weltschmerz zerfressene, intellektuelle Freaks. Dann folgte ein Treffen mit der Programmleiterin des Verlags. Und ich stellte erschrocken fest: Die meinen das ernst!

Ich schwanke immer noch zwischen Euphorie und ungläubiger Fassungslosigkeit. Der Traum, ein Buch zu schreiben, schlummert heimlich in mir, seit ich schreiben gelernt hatte. Mit sieben Jahren lernte ich, dass man Worten eine Form geben kann. Ich fand das so aufregend, dass ich mich daheim mit Papier, Stiften und Kleber hinsetzte und mein erstes Buch verfasste. Es war ein selbst illustrierter Räuberroman und ging über vier Seiten. Diese klebte ich zwischen zwei Kartonseiten und bezog das Cover mit einem türkis-rot-karierten Stoff. Mein erstes Buch. Es hatte genau drei Leser. Mich, meine Mutter und meinen Vater. Ich war so stolz!

Dieser Blog ist in den letzten fünf Jahren zu einem kleinen Raum gewachsen, in dem ich wunderbare Menschen kennengelernt habe, mich ausdrücken darf und immer wieder erlebe, dass Worte aufrütteln, ärgern, beglücken, inspirieren und sicher auch manchmal langweilen. Vor fünf Jahren saß ich in einem Hotelzimmer in Boston und sagte zu Armin: „Ich würde gerne einen Blog über unsere Amerika-Reise schreiben. Für Freunde und Familie.“ Und Armin richtete mir noch in derselben Stunde diesen Blog ein. Als ich die ersten Zeilen schrieb, stieg ein eigenartiges Gefühl in mir hoch, an das ich mich auch heute noch ganz genau erinnere. Die Freude über eine lang zugeschüttete Gabe, die wieder zum Leben kam. Seitdem schreibe ich. Und dass das jetzt alles tatsächlich in einem Buch mündet, soweit hätte ich nicht zu träumen gewagt.

Mein Buch (mein Buch, hahaha!) wird leider keine Fortsetzung meines ersten Räuberromans. Aber es geht um meine Herzenssache: Essen, Tischgemeinschaft, Genuss, Gastfreundschaft und wie Gott unseren Bedürfnissen am Tisch begegnen kann. Jedes Kapitel wird mit einem passenden Rezept abgerundet.

Nach diesem kurzen Exkurs in die Welt der Literatur wende ich mich jetzt wieder Milchreis und Wäsche zu. Ich bin ja kein kettenrauchender, vom Weltschmerz zerfressener Freak, sondern einfach nur Hausfrau und Mutter mit einem ganz profanen und momentan ziemlich glücklichem Leben.

DIY

Knete. Selbstgemacht.

Wir haben bereits unsere Sommerbräune – dank des Frühjahrs. Jeden einzelnen Tag haben wir im Freien genossen. Ich glaube, so früh hat noch nie unsere Bade-, Aussaat- und Grillsaison begonnen. Seit einigen Tagen tröpfelt und rauscht es vom Himmel. Ich meine fast, unseren ausgetrockneten Garten vor Wonne aufseufzen zu hören. Ich seufze auch – seitdem sich das Leben wieder nach drinnen verlagert hat. „Mama, was können wir jetzt spielen??“ Das ist die Frage, die seit ein paar Tagen auf Repeat läuft.

Meine Antworten reichen von „Keine Ahnung, bin ich hier der Zipfelheinz?“ bis hin zu „Ihr könntet ja was kneten“. Letzteres findet Anklang. Meine Mädels können sich stundenlang damit beschäftigen. Und ich kann währenddessen hier teetrinkend sitzen und bloggen. Win-Win.

Wir machen unsere Knete am liebsten selbst. Spart Geld, macht Spaß, ist umweltbewusst und das Ergebnis ist fast noch besser als handelsübliche Knete.

Hier das Rezept:

  • 1/2 Liter Wasser
  • 500 g Mehl
  • 200 g Salz
  • 3 EL Öl (ich verwende gerne Lavendel- oder Babyöl)
  • 3 EL Zitronensäure (in Pulverform)
  • Lebensmittelfarbe nach Bedarf

Das Wasser zum Kochen bringen. Alle Zutaten rein, verkneten, fertig.

Knete unbedingt in luftdichten Containern aufbewahren. Unsere hält über Monate! Und damit ich nach der Knet-Session nicht immer die Farben auseinander sortieren muss, habe ich der Einfachheit halber nur eine Lebensmittelfarbe verwendet.

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