Brot!

Es fing an, als die kleine Bäckerfiliale an unserem Ort ihre Pforten schloss. Jeden Nachmittag hatten Klein-Amelie und ich auf unserer Spazierroute beim Bäcker Halt gemacht, hielten ein kurzes Schwätzchen mit der Verkäuferin und kauften einen Laib Vollkornbrot sowie die obligatorische Brezel. Josefine in meinem Bauch stellte noch keine Ansprüche, sie blubberte zufrieden in ihrem Fruchtwasser herum.

An einem kalten Februarmorgen standen wir vor verschlossener Tür. Amelie schaute mich mit ihren großen, fragenden Augen an: „Keine Bezel?“

Nein, keine Brezeln und kein Vollkornbrot mehr. Wir waren untröstlich. Wochenlang hofften wir, dass eine andere Bäckerei einziehen würde, aber allen Gerüchten zum Trotz blieb der Laden leer.  Der letzte örtliche Treffpunkt hatte geschlossen.

Not machte schon immer erfinderisch (obwohl wir ja nicht wirklich Not litten, denn der nächste Bäcker ist nur wenige Kilometer entfernt). Ich kramte den altersschwachen Brotbackautomaten meines Mannes aus dem Keller. Bei jedem Umzug wollte ich ihn entsorgen, denn damals fand ich Brotbackautomaten ebenso überflüssig wie Eierkocher und Tupperware. Ich sollte bald eines besseren belehrt werden. Zuerst probierte ich mit einer großen Portion Skepsis eine fertige Brotbackmischung aus. Das Ergebnis war fürchterlich. „Siehst du, Armin, ich hab’s schon immer gesagt. Dein Automat ist totaler Kokolores,“ mäkelte ich und fühlte mich in meiner Meinung bestätigt, dass die meisten modernen Küchengeräte überflüssig sind. Armin rollte genervt die Augen gen Himmel und ich unternahm zaghaft einen neuen Versuch. Diesmal verließ ich mich auf ein Rezept aus dem Internet. Der dampfende Brotlaib, den ich aus dem Automaten fischte, duftete so herrlich, dass ich es kaum erwarten konnte, ihn anzuschneiden. Er schmeckte wunderbar. Ich hatte Brot gebacken! Meine Hände  bzw. mein Automat folgten einer jahrtausendealter Kunst!

Dieser erste Laib Brot löste in mir den Wunsch aus, unabhängiger zu werden. Der Gedanke daran, dass wir abhängig von profitgeilen Lebensmittelkonzernen sind, sitzt wie ein Spreißel in meinem Bewusstsein. Ich spürte ihn erst nicht, aber nach und nach entzündete sich die Stelle und lässt mir nun keine Ruhe mehr. Ich versuche den Spreißel herauszupopeln, indem ich mittlerweile soviel wie möglich regional kaufe, mein eigenes Putzmittel herstelle, eigenes Gemüse und Obst anbaue (das zumindest für den Sommer und Herbst reicht), Mehl mahle, Joghurt selber mache und ab und zu schon Kleidung für die Kinder nähe. Mein nächstes Projekt ist Käseherstellung. Gestern folgte ich Schritt für Schritt einer Anleitung zur Ricotta-Herstellung. Das Ergebnis war Fensterkitt. Schwierige Chemie, der Käse.

Ähäm, ich klinge wie ein Streber-Hippie. Aber ich lebe immer in einem Kompromiss zwischen Hofladen und Kaufland, zwischen H&M und Secondhandladen, zwischen meinem Buchladen und Amazon.

Aber zurück zum Brot. Immer, wenn der Tag hektisch und chaotisch wird, flüchte ich mich in die Küche um Brot zu backen. Der immer gleiche Vorgang, das Warten, Kneten und Formen zwingt mich in eine langsamere Gangart. Wenn ich bis zum Ellbogen im warmen Hefeteig versinke, spüre ich eine Verbindung zu den vielen Frauen in den Jahrhunderten vor mir, die genau die gleichen Arbeitsabgänge befolgt haben, um ihre Familie zu ernähren. Das tröstet mich in dieser gegenwärtigen Zeit, die mich mit ihrem Tempo und ihren Ansprüchen manchmal ängstigt und überfordert.

Und wenn dann das unvergleichliche Aroma nach frisch gebackenem Brot das ganze Haus durchdringt, fühle ich mich glücklich. Komisch, was Brot alles mit mir macht!

Hier unser Rezept für Körnerbrot aus dem Backautomaten.
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Wir lieben auch dieses Frühstücksbrot, das nach Honig und Zimt schmeckt. Allerdings sind die Maßangaben in Cups – also entweder umrechnen oder einen entsprechenden Messbecher verwenden. Oft werfe ich alle Zutaten am Abend in den Brotbackautomaten und am nächsten Morgen haben wir frisches Brot. Einfacher geht’s nicht.

 Frühstücksbrot
1 ¼ Cups lauwarmes Wasser
2 EL Honig
2 EL Butter
1 TL Salz
3 Cups Mehl (ich nehme 2 Cups Weißmehl und 1 Cup Vollkornmehl)
½ Cup Haferflocken
1 EL Brauner Zucker
1 TL Zimt
½ Päckchen Trockenhefe

In der angegebenen Reihenfolge in den Backautomaten geben und auf Start drücken.

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Und hier unser derzeitiges Lieblingsbrot, das dank der Kartoffeln im Teig sehr lange frisch bleibt und ohne Sauerteig auskommt:

 Kartoffelbrot
680 g gekochte mehlige Kartoffeln
4 TL Salz
42 g Frischhefe
1/4 l lauwarmes Wasser
2 EL Olivenöl
670 g Weizenmehl

Ergibt 3 Brote

Die Kartoffeln mit der Schale in reichlich Salzwasser in 30 Minuten weich kochen. Das Wasser abgießen, die Kartoffeln 5 Minuten ausdampfen lassen, schälen und durch eine Presse in eine Schüssel drücken (oder mit dem Kartoffelstampfer zerkleinern). Die Hefe in Wasser auflösen und mit den restlichen Zutaten zu den Kartoffeln geben. Alles rasch zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Eventuell noch etwas Mehl zufügen. Für 1 Stunde abgedeckt bei Zimmertemperatur gehen lassen. Nach 30 Minuten einmal ziehen und falten (d.h. den Teig auf einer bemehlten Oberfläche in die Länge und Breite ziehen und danach von allen vier Seiten in die Mitte falten und zurück in die Schüssel legen). Nach dem Gehen nochmals ziehen und falten. Den Backofen auf 230 °C vorheizen. Ein Gefäß mit Wasser in den Ofen stellen. Den gegangenen Teig auf der stark bemehlten Arbeitsfläche in drei Portionen teilen. Daraus jeweils mit den Händen runde Brote formen und diese auf ein Backblech mit Backpapier legen. Nochmals für 20 Minuten abgedeckt gehen lassen. Anschließend 10 Minuten im Ofen backen, danach die Temperatur auf 210 °C reduzieren und das Wasser entfernen. In weiteren 30 Minuten goldbraun backen. Herausnehmen und abkühlen lassen.

IMG_7017_edited-1Wohooo, ich habe Brot gemacht!!!!

9 Kommentare zu „Brot!

  1. Liebe Veronika, seit EWIGKEITEN habe ich das Rezept fuer das kartoffelbrot schon abgeschrieben und nun eeendlich nachgebacken! Ich bin als Aupair in den USA und Brot ist hier bekanntlich… nicht grad das, was man von daheim gewohnt ist:-/. gestern habe ich mit dem gastkind das brot gebacken und wir alle sind total begeistert! danke fuer die Inspiration! Gerne wuerde ich deinen Post verlinken, wenn ich darf? alles liebe,

    1. Hallo Luisa!
      Ich bin begeistert, dass das Brotbacken bei dir funktioniert hat. Ist ja sicher nicht so leicht in den USA, wenn man nicht die gewohnten Zutaten hat. Und das Mehl ist dort auch anders? Hab ich zumindest mal gehört…. Ich freu mich, dass euch das Kartoffelbrot geschmeckt hat! Meine Kiddies lieben es auch.
      Du darfst mich gerne verlinken – kein Problem.
      Liebe Grüße in die USA (und noch weiterhin viel Spaß mit deinen Aupair-Kindern!)
      Veronika

  2. Liebe Veronika,
    vielen Dank für diese Rezepte. Ich backe auch sehr gern das Brot für meine Familie (bin auch kein Fan von industriell hergestellten Lebensmitteln) und bin daher immer auf der Suche nach neuen Rezepten. Seit einem Jahr haben wir auch eine kleine Mühle und die Kids lieben es das Getreide zu mahlen. Ich werde das Kartoffelbrot demnächst mal nachbacken- bin gespannt, wie es wird.
    Also, vielen Dank nochmal.
    Lg, Lena

  3. Liebe Frau Smoor,
    schon lange wollte ich dir schreiben und dich wissen lassen, wie ich es genieße, deinen Blog zu lesen. So viele Anstöße, so viel Hingabe, so viel Normalität, so viele „Geheimrezepte“ und so viel Schönheit, das tut einfach gut.
    Gerade habe ich aber noch eine ganz andere Frage (und bin etwas zu müde, um die Nachricht, die ich eigentlich schreiben wollte – schön durchdacht und mit allem, was mir so durch den Kopf spukt an Fragen und Gedanken zu deinen Einträgen – so zu verfassen, wie ich mir das gewünscht hatte. 😉 ) Also: Du hast mal erwähnt, dass du nicht nur das Brot selbst bäckst, sondern auch das Getreide selbst mahlst. Ich möchte mir auch eine Getreidemühle besorgen, habe aber ein gewisses Talent, immer unpassendes zu kaufen… Kannst du mir sagen, was für eine Mühle du benutzt, ob du zufrieden damit bist und was du sonst empfehlen kannst? Das wäre wirklich toll.
    Ich wünsche dir noch eine gute Woche. Sei behütet!!
    Viele liebe Grüße,
    Elisa

    1. Hallo liebe Elisa,
      ich freu mich richtig, dass du mich nach der Getreidemühle fragst. Es hat lange gedauert, bis ich mich zum Kauf überwunden hatte, aber jetzt möchte ich sie nicht mehr missen. Ist halt schon ein Kostenfaktor, aber im Endeffekt ist sie mir es wert. Ich habe die Fidifloc Medium von Komo. Die ist hochwertig verarbeitet und hat eine Flockenquetsche mit dabei. http://www.perfektegesundheit.de/fidifloc-medium-getreidemuehle-und-flockenquetsche?gclid=CL7yt9qoj8QCFSbJtAod_1MAcQ
      Danke Dir auch für deinen wunderbaren Kommentar!
      Viele liebe Grüße
      Veronika

  4. Liebe Veronika,
    …jetzt ist meine Frage fast drei Jahre her. Und Weihnachten stand sie dann endlich unterm Baum: die Getreidemühle. Ich bin deiner Empfehlung gefolgt (nur ohne die Quetsche). =) Und ich bin seeehr zufrieden damit, auch die Familie ist begeistert.
    …nur die Sache mit den Rezepten habe ich mir etwas einfacher vorgestellt. Könntest du mir dabei bitte nochmal helfen? Verwendest du Rezepte die original „Vollkornmehl“ in der Zutatenliste stehen haben, das du dann 1:1 mit selbstgemahlenem Mehl „ersetzt“?
    Ich finde, die meisten Rezepte, in denen direkt Vollkornmehl angegeben ist, schmecken dann auch sehr… ähm… „öko“. Also hab ich bis jetzt „normale“ Rezepte genommen, aber ich setze immer erstmal mindestens drei Brote in den Sand, bevor ich die Verhältnisse richtig angepasst habe. Das ist so schade drum… Hast du einen Tipp zum universalen Umrechnen (machst du es immer 2:1, wie beim Frühstücksbrot oben), oder vielleicht ein paar erprobte Rezepte, vor allem für Brot, die du mir geben würdest?
    Hab vielen lieben Dank und sei ganz lieb gegrüßt,
    Elisa

    1. Hallo Elisa, Glückwunsch zum Kauf der Mühle! Ich denke, es braucht seine Zeit bis man im Gefühl hat, welche Mengen man mit Vollkorn ersetzen kann. Ich hab da leider kein Patentrezept, bei mir funktioniert das pi mal Daumen. Bei den meisten Rezepten ersetze ich ca. die Hälfte durch Vollkorn. In letzter Zeit verwende ich fast nur noch Dinkel. Ich backe zurzeit ganz simple Sauerteigbrote. Da nehm ich auch halb weiß/halb Vollkorn. Ich kann das Rezept für Dinkelbrötchen aus meinem ersten Buch empfehlen 😉
      Liebe Grüße
      Veronika

    2. Oh, und hast du schon Getreidebrei ausprobiert? Ist bei uns immer der Renner: Dinkel ganz grob mahlen, in Milch ca. 5 Minuten köcheln lassen, Zimt und Honig rein. Fertig!

      1. Liebe Veronika,
        oje ist mir das peinlich, jetzt lässt meine Antwort schon wieder über ein viertel Jahr auf sich warten… =( Entschuldige bitte. (Naja, immerhin eine Steigerung zu den 3 Jahren vom letzten Mal…=/)
        Hab auf jeden Fall vielen lieben Dank für deine Hinweise. Den Dinkelbrei gibt es bei uns jetzt auch regelmäßig. =)
        Die Dinkelbrötchen stehen noch auf der try-Liste.
        Das Mehl-Verhältnis mache ich je nach Rezept recht unterschiedlich. Bei meinen Lieblingsrezepten hab ich es inzwischen ganz gut raus. Am meisten nutzen wir bei uns aber eh das Brotrezept, das uns Komo gleich mitgeschickt hat, mit 100% selbstgemahlenem Mehl. Das hat sich sehr bewährt.
        Also, hab vielen Dank für deine Starthilfe und sei herzlich gegrüßt,
        Elisa

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