Mehr als alles andere hüte dein Herz

Novemberliche Kälte zwingt uns ins Haus. Dort vertreiben wir uns die Zeit mit Lesen, Spielen und vor allem Malen. Amelie malt, als würde ihr Leben davon abhängen. Vorzugsweise malt sie sich selbst (die frühe Form eines Selfies). Mit einem großen Herzen in ihrem Bauch. „Du malst ja in jedes Männchen ein Herz!“ „Ja, das ist wichtig, dass das Herz schlägt, sonst ist man ja tot.“ So Amelies Antwort auf mein Erstaunen.

Wenn das Herz nicht mehr schlägt, ist man tot. Ich hätte leichtfertig über diese Aussage meiner Tochter hinweg gehen können. Aber ich blieb daran hängen. Sie hallte einige Zeit nach. Dann erinnerte ich mich an den Vers, der mich seit Jahresanfang begleitet: „Mehr als alles andere hüte dein Herz, denn aus ihm quillt das Leben“  (Sprüche 4,23)

Es war einer dieser seltenen und kostbaren Augenblicke. Als Gott nicht nur mein eigenes Gedankengebilde war, sondern als er ganz lebendig mitten in mein Leben hinein gesprochen hatte. Hüte dein Herz! Und: Ich will dir ein neues Herz geben!

Seitdem grübele ich immer wieder darüber nach, was es bedeutet, mein Herz zu hüten. Als erstes konnte ich folgende Dinge ausschließen, denn sie haben nie dazu beigetragen, dass ich ein weiches Herz behalte:

  • Ich brauche niemanden
  • Ich mache mich unverletzlich
  • Ich hab alles unter Kontrolle

Das ist mein stolzes Verhaltens-Triumvirat, das mir immer mehr geschadet als genützt hat. Das sind die Dinge, die mein Herz zum Stillstand bringen. Wenn das Herz nicht mehr schlägt, ist man tot. 

Diesen Advent möchte ich genau das Gegenteil praktizieren. Ich will verletzlich bleiben. Um Hilfe bitten. Kontrolle abgeben. Einfachheit leben. Mein Herz ist so in Gefahr überfrachtet zu werden mit Ansprüchen an mich selbst und an Weihnachten, mit To-Do-Listen, Hektik, Konsum, Bildern, Terminen. Das raubt meinem Herz das Leben. Und die Liebe für andere. Dafür wird es überreich angefüllt mit Ängsten und Abneigung gegen alles und jeden.

Ich will diese Jahreszeit anders verbringen. Weniger. Langsamer. Um Hilfe bittend. Kontrollarm. Das ist so völlig konträr zur Vorweihnachtszeit (und zu meinen eigenen Ansprüchen), dass ich eine Blogreihe mit Selbstexperiment durchführen will. Ich will unbedingt herausfinden, wie ich mein Herz in dieser Zeit hüten kann. 

Ich will jeweils Montags und Freitags einen kurzen Blogbeitrag bringen, wie wir unsere Vorweihnachtszeit verbringen. Jeden Mittwoch will ich nur ein Bild posten. Es soll euch einladen, euch frei zu machen von der Bilderflut und euch nur auf ein Bild zu konzentrieren. Die Farben, die Aussage, die Komposition wahrzunehmen.

Aber Vorsicht: es könnte sein, dass meine Beiträge völlig unperfekt sind und manchmal einfach ausfallen. Meine inneren Antreiber habe ich nämlich nach Hause geschickt…

2 Kommentare zu „Mehr als alles andere hüte dein Herz

  1. Sehr wahr… und leider vernachlässigen wir viel zu oft unser Herz – also ich zumindest meins.

    Bin schon gespannt, was in den kommenden 5 Wochen hier zu sehen und lesen sein wird und wünsche Dir/Euch als Familie eine sehr besinniche und gesegnete Weihnachtszeit!

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