Gedanken

39

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Ich wurde in den letzten Tagen oft gefragt, ob ich Panik vor dem Älterwerden habe. Vor allem mit der drohenden 40 vor meiner Nase. Ich hab mit den Schulter gezuckt und geantwortet: “ Jetzt ist eh scho Wurscht“. Ab einem gewissen Alter ist der Alterungsprozess gekoppelt mit babybedingtem Schlafentzug und hohem Stresslevel nicht mehr aufzuhalten. Wie ein führerloser Güterzug, der unaufhaltsam auf den Schienen dahin prescht.

Vor zehn Jahren, also an meinem 19.  29. Geburtstag, war ich sorgenvoller. Arbeitslos, beziehungslos und wieder bei Muttern daheim lebend. Aber dafür hatte ich noch keine grauen Haare, keine erschlaffte Bauchmuskeln und keine Stirnfalten.

Ich habe also mein 39. Jubiläum gefeiert. Und den vierten Jahrestag meines Blogs. Seit ich den Mut gefunden habe zu schreiben, erlebe ich das Leben intensiver. Jedes Mal wenn ich mich mit einer Tasse Kaffee an meinen Schreibtisch setze und die ersten Worte in die Tastatur hacke, verlangsamt sich das Leben. Dann höre ich mich denken. Dann fühle ich mich lebendig. Dann erkenne ich oft , wie gesegnet ich bin. Und das war ich auch in den letzten Tagen. Das Wetter war mir wie immer sehr gnädig an meinem Geburtstag und die Herbstsonne gab ihr Bestes. Zwei Freundinnen und meine Schwester mit Familie versammelten sich um unseren Gartentisch. Der bog sich unter Kuchen, Blumen, Sektkelchen. Wir lachten viel. Die Kinderschar rannte zuckergeschockt über die Wiese. Und ich dachte: Das ist es. Zusammenkommmen. Das Leben feiern. Über Missgeschicke und peinliche Anekdoten lachen. Uns gegenseitig mit unseren vielen Ecken und Kanten gnädig sein. Einfach nur da sein und die Gegenwart der Anderen genießen. Am Ende des Tages quollen Herz und Geist über von schönen Momenten, Zuneigung, Schönheit, Genuss.

Heute zehre ich davon. Denn heute ist wieder Alltag. Früh aufstehen, Kinder antreiben, mich über meine chaotische Wäschekammer ärgern, Zeitpläne erstellen, Rechnungen schreiben, Klo putzen. Ich mach das alles mit 39 genauso ungern wie mit 38. Und ich liebe das Leben heute fast noch ein bisschen mehr als vor zehn Jahren.

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Oreo-Pops. Die wollte ich eigentlich auch essen. Aber die Kinder waren schneller…

IMG_6157Amelies Geschenk für mich. „Ein Buch für dich zum Reinschreiben, Mama.“

IMG_6130_edited-1Lagerfeuer am Abend mit Stockbrot, Bier, Käseplatte, Marshmallows und Schokolade

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Familie

Heute bin ich mal gar nicht nützlich

Heute morgen bin ich zu früh aufgewacht. Nach einem Hochzeits-Foto-Marathon summt es immer noch in mir. Ich bin aufgekratzt und gleichzeitig todmüde. Will die Bilder sichten, beurteilen, aussortieren. Bald werden die Kinder wach, die den gestrigen Tag ohne mich verbracht haben. Ich will heute einfach nur Zeit mit ihnen verbringen, mir erzählen lassen, was sie gestern erlebt haben. Einen Blick in den Garten sollte ich heute auch werfen. Die Tomaten knicken unter ihrer Last fast zusammen. Ich musste mehrere Rettungs-Anlein-Versuche unternehmen, um sie vor ihrer eigenen Fülle zu retten. In meinem Kopf eile ich in die nächste Woche voraus. Was soll ich aus der Tomaten-Fülle zaubern? Salsa….Tomatensauce….getrocknete Tomaten….Ketchup.

Mein Leben ist momentan so aktiv, dass ich mir komisch vorkomme, wenn mal nichts ist. Dann fängt es wieder an in mir zu summen. Das selbe alte Lied: „Du musst die Zeit nutzen. Sei nützlich. Verschwende keine Zeit.“ Ich kenne die Melodie dieses Liedes in und auswendig. Sie ist ein lästiger Ohrwurm, den ich nicht loswerde.

Heute morgen las ich diesen Satz, der mich innehalten ließ.

Es ist völlig egal, wo und in welcher Lebensphase ich mich gerade befinde: Der Zweck meines Lebens ist nicht Nützlichkeit sondern Gott zu kennen und mich an ihm zu freuen. 

Mein lästiger Ohrwurm legt ein Pause ein und ich atme tief durch. Ja, ich liebe meine Arbeit, meine Aufgaben, selbst lästige Haushaltspflichten. Aber ich habe die Freiheit, mich nicht über meine Nützlichkeit definieren zu müssen.

Für dieses Jahr nehme ich keine Fotoaufträge mehr an (abgesehen von denen, die ich zugesagt habe!!). Ich will mich am Herbst und an der Weihnachtszeit freuen. Ich will ganz viel Zeit mit meinen Kindern verbringen. Ich will Pausen einlegen. Ich will Gott noch mehr kennenlernen. Ich will, dass seine Liebe unseren Alltag mehr durchdringt.

Ich will einfach nur mal so aus dem Fenster schauen, den Wolken nachsehen, Herbstluft schnuppern. Und den Laptop zugeklappt lassen. Bis nächstes Jahr.