Familie, Gedanken, Schreiben

Mutmachmütter!

Ich bin so froh, dass ich diesen Blog habe. Diesen Ort, an dem mich ganz ungeniert blamieren und offenbaren darf. Ich denke oft erst später daran, dass jemand meinen Quark tatsächlich lesen könnte. Manchmal fahre ich mitten in der Nacht entsetzt hoch, mit knallrotem Kopf und bekomme unkontrolliertes Herzrasen. Ähnlich wie Momente, in denen man sich an hochnotpeinliche Situationen aus der Vergangenheit erinnert.

Es ist ja nicht so, dass ich ein Word-Dokument verfasst und dann abgespeichert habe. Nein, ich schicke meine Einträge ins WEB – den Tummelplatz für Stalker, Psychos, Nerds und gelangweilte Hausfrauen. Jeder kann das lesen. JEDER. Meine Mutter, mein Nachbar, die Erzieherin, der Australier, der Exfreund. Nein, ich werde diesen Gedankengang nicht weiter vertiefen….

Und weil im Web nicht nur wohlwollende Mitmenschen unterwegs sind, haben Armin und ich nun schweren Herzens beschlossen, dass wir keine Bilder mehr von unseren Kinder  in diesen Blog stellen. Sorry, Mutti und Vati!!

Aber wie gut, dass im Netz auch nette Menschen unterwegs sind! Auf meinen letzten Blogeintrag hat mir eine Leserin noch am gleichen Abend geantwortet. An diesem Abend war ich frustriert und mal wieder kurz davor mit geknickter Mütterseele nach Mexiko auszuwandern. Die Worte der Leserin trafen mich ins Herz und schenkten mir Trost und Heilung. Das hatte ich dringend gebraucht. Den Zuspruch einer anderen Mutter. Sie war wie ein Cheerleader, der bei einem Wettrennen  hinten an der Ziellinie steht, mich anfeuert und mir Mut zuruft. Den Rat, den sie mir gab, konnte ich am nächsten Tag in aller Gelassenheit umsetzen. Josefine spürte das und ließ sich ohne ihre üblichen Zicken ins Bett bringen. Wie dankbar war ich, dass sich meine Leserin und junge Mutter noch spät am Abend die Zeit nahm,  mir Mut zuzusprechen!

IMG_2944Ich dachte: Genau das ist es! Wir Mütter, wir Frauen brauchen einander mehr, als wir denken. Oft genug bin ich Einzelkämpferin, weil ich nicht um Hilfe bitten mag. Weil mein Stolz mir verbietet, meine Erfolge mit jemand anderem teilen zu müssen. Weil ich nicht verletzlich sein will. Weil ich niemandem etwas schuldig bleiben will. Weil ich meine, ich selbst kann es eh am besten.

Am nächsten Abend traf wieder eine Cheerleader-Email ein: „Das ist genau mein Wunsch, dass  Mütter sich gegenseitig ermutigen, anstatt sich zu vergleichen.“ Dieser Satz aus der Mail drückt das aus, was ich empfinde.

Mütter mit hormonübersteuerten Teenies, übermüdete Mütter von Neugeborenen, Sechsfach-Mütter, Mütter von ungeborenen Kindern – Wir alle sitzen in einem Boot und brauchen einander mehr als wir denken.

Oft tun es bei mir schon die kleinen Gesten. Eine Tasse Kaffee von einer Freundin. Ein Lob, ein Kompliment, eine Flasche selbst gemachter Holunderblütensirup als Geschenk.

Wir vereinsamen, wenn wir uns vergleichen. Wir verspielen die Chance auf Gemeinschaft, wenn wir als Einzelkämpferinnen unseren Weg gehen. Wir erleben NICHT das Geschenk der Gnade und der Ermutigung, wenn wir heile Welt vorspielen.

Oft haste ich an anderen Müttern vorbei und ich denke mir:“Morgen nehm ich mir Zeit und sprech mit ihr oder lade sie zum Kaffee ein.“ Meistens kommt das Morgen nicht. Und ich frag mich, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wenn ich mir die zwei Minuten Zeit genommen hätte.

Ich will es nicht alleine schaffen müssen. Ich will mich verletzlich machen. Ich brauche euch anderen Mütter. Auch wenn es meistens den Anschein hat, dass ich alles im Griff habe.

Welche Art der Ermutigung ist für euch Balsam auf eurer Mütter / Frauen-Seele?

Familie

Mrs Ratlos

IMG_2641Jetzt muss ich mir diesen Tag von der Seele schreiben. Ich weiß nicht, was los ist. Ich weiß nur soviel: Mama-sein macht müde. Mama-sein frustriert. Mama-sein verwirrt.

Es fing bereits gestern an. Meine sonst so harmoniebedürftigen Töchter legten ein Drama nach dem anderen hin. Hatte ich mich von einem Drama erholt, überrumpelte mich bereits das nächste. „Mama, Fine will mir nicht die Gelb geben!“ „Mama, Amelie mich gehauen!“ „Mama, kannst du mir die Hose anziehen, ich hab vergessen, wie es geht.“ „Mama, ich find den blauen Löffel doof. Gib mir den roten.“ „Mama dies, Mama das, Mama jenes!“ Mama, kannst du zaubern? 

Ich schwanke hin und her zwischen schlechtem Gewissen (weil zuviel geschrien und geschimpft), Zorn (weil ich das Gefühl habe zu sehr vereinnahmt zu werden) und Frust (weil ich meine Aufgabe als Mama gerade nicht gut, nicht perfekt mache). Der Tagesabschluss ist zum Leidwesen der Familie auch nicht versöhnlich. Josefine lässt sich nicht ins Bett bringen. Tobt. Schreit. Erpressungsversuche. Bis wir einknicken und sie a) in Mamas Bett legen b) solange Händchen halten, bis sie einschläft. Ich beende den gemeinsamen Tag mit innerem Zorn und Ratlosigkeit. Für die Mädchen ist das Ende des Tages auch nicht oscarreif. Scheiße. (Das sage ich nicht laut, aber innerlich schreie ich es hundertmal hintereinander um meinem Herzen Luft zu machen).

Die letzten Monate habe ich als echtes Zuckerschlecken erlebt. Andere haben Probleme mit der Erziehung? Haha, ich nicht! Andere beschweren sich über ihre Kinder? Die sollen sich nicht so anstellen und positiv denken. Andere haben nie Zeit für sich? Selbst schuld, wenn sie sich von den Kindern total vereinnahmen lassen.

Sobald es in meinem Leben gut läuft, tendiere ich ein wenig zur Hartherzigkeit und Überheblichkeit (*hüstel*). Ich beginne an Gedächtnisverlust zu leiden. Ich vergesse schnell, dass es auch Phasen des Kampfes gibt. Dass Sand ins Getriebe kommt. So wie jetzt. Und das nicht, weil ich als Mutter und Armin als Vater versagen. Sondern einfach weil Kinder Kinder sind. Ihr Erleben der Welt ist so ganz anders als unsere. Wir sind abgestumpft, aber meine Kinder besitzen noch keine Filter. Und ich habe vergessen wie es ist, etwas noch nicht zu können oder zu dürfen. Ich habe gelernt, Frust auszuhalten (manchmal zumindest….), Belohnung zeitverzögert zu erhalten, vernünftig zu handeln. Meine Kinder lernen das gerade mühsam. Und das bedeutet: einen Schritt vor, zwei zurück. Wir kommen voran. Langsam. Mit Rückschlägen.

Das Leben schlägt mir  gerade meine eigenen guten Vorsätze, meinen Perfektionismus und meine Ideal-Vorstellung vom harmonischen Familienleben um die Ohren. Gut so. Ich bin gezwungen mein Herz zu überprüfen, weich zu werden, Versagen zuzulassen, Gnade zuzulassen. Und meine Kinder so zu lassen, wie sie  gerade sind. Voller Fragen, Unsicherheit, Staunen und Leben.

PS: Hat jemand einen Tipp für einen besseren Übergang vom Abend in den Schlaf? Für Josefine, nicht für mich. Ich hab ja Rotwein. 

Bilder, Ernährung, Familie, Freundschaften, Heute...

Heute…

…gab es unser obligatorisches Sonntags-Pfannkuchenfrühstück. Und keiner merkte den Vollkorn-Anteil.Strike!!

…haben wir einen regnerischen Vormittag ganz gemütlich im Haus verbracht und Blumenbücher gebastelt. Die Mädchen lieben ihre Blumenpresse. Und noch mehr lieben sie es, mein Blumenbeet zu räubern. Also habe ich jeder ein Blumenbuch angelegt, in das sie ihre Schätze einkleben können. Dabei grabe ich lang vergessenes Wissen wieder aus und lerne ganz neu die Namen der Blumen. Eine Win-Win-Situation.

…ließen wir den gestrigen Nachmittag nochmal Revue passieren. Kindergarten-Sommerfest. Ich war begeistert. Von Amelie. Natürlich hat sie vordergründig nichts weiter gemacht, als ihren Part der Vorführung pflichtbewusst zu erledigen. Darin liegt vielleicht nichts Besonderes. Aber ich staune so sehr über ihre Entwicklung. Von einem ängstlichen kleinen Mädchen, das sich nichts zutraut hin zu einer selbstbewussten, stolzen und redegewandten Vierjährigen. Das motiviert mich für meinen Mama-Job.

…verschlangen wir mittags selbst gemachte Bio-Burger mit Salat aus dem Garten. Burger King, zieh dich warm an.

…machten wir eine Radtour in den Nachbar-Ort. Amelie radelte die 5 Kilometer stramm durch. Ohne Meckern. Nur mit stolzgeschwellter Brust. „Mama, ich hab nämlich superstarke Knochen.“

…schauten wir auf der Rückfahrt beim Sportplatz vorbei, wo gerade ein Tauziehen stattfand. Mehrere Mannschaften aus dem Ort waren bei einer Art „Spiele ohne Grenzen“ gegeneinander angetreten. Das Tauziehen war der Höhepunkt. Da kämpften der Biervernichtungs-Trupp gegen die Slibowitz-Trinkerle, die Crazy Frogs gegen die Gummibärchenbande. Nächstes Jahr stelle ich auch ein Team auf die Beine. Die Super-Moms. Oder Die Rabenmütter. Oder Die Windelschleudern.

…haben wir viele bekannte Gesichter und Freunde getroffen. Einfach so.

…war ein richtig schöner Tag. Ich fühl mich wohl und schau gleich noch „Wie ein einziger Tag“.

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Ernährung, Garten, Gedanken, Schreiben

Klangwechsel – Teil 2

Ich hatte ja versprochen über meinen neuen Tagesablauf zu berichten. Leider bin ich keiner der Menschen, die auf Schmalspurveränderungen stehen. Hier an einem Schräubchen drehen, da etwas verschieben. Nein, ich bin der radikale Brutalo-Typ. Ein bisschen Reisen? Nichts für mich. Ich kündige alles und backpacke ein Jahr um die Welt. Ein bisschen Schreiben? Das funktioniert ebenfalls nicht bei mir. Ich brauche die bedrängende Verbindlichkeit eines Blogs, um dran zu bleiben. Mal ein bisschen auf eigene Faust abnehmen? Nein. Ich mach das per Coaching und regelmäßiger Kontrolle von außen. Mal ein bisschen gemütlich asiatisch kochen? Nein. Ich kaufe Wok, Kochbücher, Zutaten. Und dann gibt es Pad Thai und Currys, bis uns der Asia-Kram zum Hals raus hängt. Ein kleines Beet im Garten umgraben? Nein. Ich stürze mich voll und ganz ins Gärtnern, kaufe mir Bücher, pflanze und jäte und gieße und pflege und lerne und ernte.

Ich habe es tatsächlich an den meisten Tagen (Heimatbesuch ausgenommen) geschafft, früh um 6 Uhr aufzustehen. In meinen Sportklamotten hatte ich sicherheitshalber schon geschlafen, um am frühen Morgen keine Ausflüchte zu haben. Dann eine halbe Stunde durch die Wiesen joggen. Ein absolut erhebendes Gefühl. Warum habe ich das nicht schon früher gemacht? Dann ein Rundgang durch den Garten, bei dem ich verschiedene Kräuter pflücke, um mir anschließend einen Tee aufzubrühen. Duschen, Bibel lesen, Gedanken und Listen aufschreiben. Frühstück machen (heute gabs selbstgemachtes Zimt-Honigbrot mit selbstgemachtem Nutella. Ich bin ein Streber, ich weiß).

Mit diesem Vorlauf starte ich völlig anders in den Tag als sonst. Erfrischt. Stark. Mit guter Laune. Fühlt sich einfach besser an, als von den Kindern irgendwann völlig schlaftrunken aus den Träumen gerissen zu werden und einen Kaltstart hinlegen zu müssen. Statt einem mürrischen „Guten Morgen“ und „Lasst mich doch bitte noch fünf Minuten schlafen!!!“ begrüße ich nun meine Familie am Morgen völlig knitterfrei mit einem trällernden „Einen wunderschönen guten Moooorgen“.

Und abends? Es fällt mir noch sehr schwer, um 22 Uhr schlafen zu gehen. Mein inneres kleines Kind schreit auf: „Aber ich bin doch noch gar nicht müde!!“

„Halt die Klappe und schlaf jetzt!“

Aber das innere Kind nölt weiter bis Mitternacht. Dann gibt es Ruhe.

 

Bilder, Familie, Gedanken

The Times They Are A Changin…

Der Regen hat den Hof reingewaschen. Noch ist der Morgenhimmel grau, aber in der Luft liegt die Ahnung des nahenden Sommers. Im Kamin knistert ein Feuer, das meine Kinder und mich in den alten Gemäuern des Gutshofs wärmen soll. Meine Eltern, beide Mitte 70, bewohnen immer noch den Hof, auf dem mein Vater, meine vier Geschwister und ich groß geworden sind. Ein Besuch bei ihnen ist immer durchtränkt von Erinnerungen und Sentimentalitäten. Der Geruch des Spielhauses am Ende des Gartens katapultiert mich zurück in Augustnachmittage, an denen ich dort selbstvergessen mit meiner kleinen Schwester spielte. Der krähende Hahn, das Klackern der Murmeln, das Klappern der Küchenschranktüren, das Knarren der Bodendielen, der Klang des Klaviers, das leise Dröhnen der Motorflugzeuge – das ist der bis heute unveränderte Soundtrack meiner Kindheit. In dieser ländlichen Gegend verändert sich nicht viel. Das merkte ich heute morgen beim Besuch des Supermarktes, der immer noch von der gleichen Familie wie vor dreißig Jahren geführt wird. Hier ist kaum etwas zu spüren von der globalen Veränderung. Immer noch die gleichen Verkäuferinnen, nur etwas kompakter und älter. Weit und breit weder I-Phones, noch Bio-Limetten und Hipster. Das hippste ist ein Starbucks-Eiskaffee im Kühlregal. An der Kosmetikabteilung ging der Fortschritt der milliardenschweren Schönheitsindustrie spurlos vorüber. „Wie früher“, denke ich. Das Kosmetikhighlight meiner Jugend waren Clearasil-Gesichtswasser und babyblauer Lidschatten einer No-Name-Firma. Den Lidschatten haben sie noch immer im Angebot. Nur das Radio spielt nicht mehr David Hassehoff sondern „I see you baby shaking that ass.“

Jetzt sitze ich im Garten unter dem Nussbaum. Vor mir eine Schale Süßkirschen, in den Ohren der Soundtrack meiner Kindheit, in der Nase der Sommerduft von frisch gemähtem Gras und Sonnencreme. Meine Kinder spielen selbstvergessen mit ihren Puppen im Spielhaus. Heute Abend erwartet mich ein weiterer Trip in die ferne Vergangenheit: Grundschul-Klassentreffen. Ich habe ein bisschen Angst davor. Denn der Anblick meiner ehemaligen Klassenkameraden, mit denen ich früher um die Wette rannte, mich mit ihnen prügelte und Briefmarken tauschte, wird mich mit meinem eigenen Älterwerden konfrontieren. Im Herzen bin ich immer noch die kleine Vroni, die unbeschwerte Sommertage genießen will, die über einer Schüssel Süßkirschen fast ihren Verstand verliert und nicht an die Zukunft denken mag. Die Zukunft bedeutet, dass sich hier irgendwann doch alles verändern wird. Wenn meine Eltern nicht mehr können, wenn es diesen Garten nicht mehr geben wird, wenn das Spielhäuschen zerfällt und der Soundtrack meiner Kindheit schweigt. Ich möchte jeden Moment festhalten wie kostbare Perlen, aber sie entgleiten mir. Sie sind Augenblick-Geschenke, die ich nicht behalten darf. Umso dankbarer bin ich für das Geschenk der Worte und Bilder. Mit ihrer Hilfe kann ich diese Momente nachzeichnen, festhalten, verinnerlichen und noch Jahre später (wenn alles anders sein wird) die Gefühle nachspüren, die diese Sommertage in Sendelbach in mir ausgelöst haben.

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Bilder, Familie, Gedanken, Listen, Reisen, Schreiben

Klangwechsel

Ich folge einer unsichtbaren Melodie, die den Lebens-Rhythmus vorgibt. Mal ist sie aufgewühlt, schnell, ohne erkennbaren Takt. Dann wieder ruhig dahinfließend, eintönig, sanft. Mal Rock’n Roll, mal Jazz, mal Easy Listening, mal Death Metal. Aber immer ist der Rhythmus da, nach dem ich mein Leben ausrichte. Er verändert sich je nach Jahreszeit, Entwicklungsphasen der Mädchen, eigenen Befindlichkeiten, beruflichen Anforderungen und unseren Entscheidungen, wie unser Wochenalltag aussehen soll.

Meine Melodie heute? Das längste Orgelstück der Welt http://www.youtube.com/watch?v=FaABvYVfiuA.

Ein bisschen eintönig, ich weiß. Wer sich das 639 Jahre lang anhört, ist entweder ein Freak oder jemand, der nicht weiß, was er mit seinem Leben machen soll. Jedes Mal, also alle paar Jahre, wenn ein Klangwechsel bevorsteht, wird dieser zelebriert wie eine Wagner-Aufführung in Bayreuth. Ich kann mir Spannenderes vorstellen. Der Besuch beim Steuerberater zum Beispiel. Oder Erbsen pulen.

Was ich eigentlich sagen will: meine derzeitige Melodie ist unspektakulär, langsam und wenig abwechslungsreich. Und das ist ok für den Moment. Ich verbringen viel Zeit auf der Couch, schaue dem endlosen Regen zu, lese viele Bücher und ich schlafe nachts wie ein Stein. Verborgen hinter der Melodie lauern aber Einsamkeit, Trägheit und Melancholie. Wenn ich nicht bald einen Klangwechsel herbeiführe, dann schlägt dieses Gefühlstrio zu.

Selbst zum Schreiben bin ich eigentlich zu lustlos. Aber heute morgen, inmitten des sonntäglichen Morgen-Chaos und Kindergewusel, reicht es mir. Ich brauche einen Klangwechsel. Und den leite ich für mich am besten immer mit dem Schreiben ein. Also, jetzt hab ich geschrieben, wie es mir gerade geht. Gut. Und was soll sich nun ändern? Das Wetter, als erstes. Als zweites mein Lebensrhythmus. Vor einigen Wochen wachte ich sehr früh auf, schnürte aus unerfindlichen Gründen  meine Joggingschuhe und trabte einmal ums Dorf in der Morgenkühle. Es fühlte sich befreiend an für meinen Körper und meine Seele. Aber schon am nächsten Morgen lullte mich meine eintönige Melodie wieder ein und ich blieb lieber im Bett liegen.

Aber ich will mehr davon tun, was meinem Körper und meinem Geist gut tut. Und deshalb habe ich mir vorgenommen, meinen Rhythmus an dieses Ziel anzupassen.

  • Unter der Woche um 6 Uhr aufstehen.
  • Eine halbe Stunde laufen und mich innerlich auf den vor mir liegenden Tag einstellen.
  • Über einer Bibelstelle meditieren und innerlich vor Gott zur Ruhe kommen.
  • Mich umwerfend stylen
  • Dann bin ich gewappnet für den Tag, die Kinder, die Aufgaben.
  • Mein Tagesrhythmus ist gut, den will ich nicht verändern.
  • Ab 20 Uhr soll Feierabend sein.
  • Und um 22 Uhr Licht aus.

Noch bin ich skeptisch, ob ich mit äußerlichen Maßnahmen tatsächlich einen inneren Klangwechsel herbeiführen kann. Ich teste diese Woche den neuen Rhythmus und lasse euch in einer Woche wissen, wie es mir ergangen ist. Ok?

Hier noch ein paar Bilder von unserer Familienfreizeit…

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