38 Dinge, die ich in 38 Jahren gelernt habe

Ich bin 38 geworden. Hilfe! Wann ist das bitteschön passiert? Ich hab doch erst vorgestern in der Donut World gejobbt, im PP getanzt und bauchfreie Shirts getragen.

Andererseits…ich hätte nie gedacht, dass die 30er rocken. Je älter ich werde, desto mehr Gefallen habe ich daran. Ich fühle mich wohler in meiner Haut als früher…und in meinem jetzigen Leben auch. Die letzten Tage habe ich innerlich zusammengetragen, was ich in den letzten 38 Jahren gelernt habe (und damit meine ich nicht so einen Bullshit wie die binomischen Formeln oder das Plusquamperfekt).

1. Tratsche nicht. Niemals. Tratschen ist wie ein Bumerang, den man lustvoll wegschleudert und dann in dem Moment hart von ihm getroffen wird, wenn man sich umdreht und weggeht.

2. Kaufe niemals Kleidung, von der du im Laden denkst: „Hmm, wenn ich zwei Kilo abnehme, dann sitzt die Jeans bestimmt perfekt.“

3. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt für Kinder. Irgendwas spricht immer dagegen.

4. Kinder kosten nicht soviel, wie allgemein angenommen wird. Mit schlauer Haushaltsführung, Shoppen im Second-Hand-Laden und Verzicht auf unnötigen Schnickschnack kommt frau gut über die Runden.

5. Noten sagen nichts über einen Menschen aus.

6. Wenn man Cellulite hat, bekommt man sie nie wieder los.

7. Pickel verschwinden NICHT nach der Pubertät.

8. Es ist tödlich, von anderen Menschen zu erwarten, mich glücklich zu machen und meine Bedürfnisse zu erfüllen. Der Schuss geht immer nach hinten los. In der Ehe. Mit meinen Kindern. In Freundschaften.

9. Reise soviel du kannst. Ich bereue meinen Entschluss nicht, dass ich Karriere gegen das Reisen eingetauscht habe. Ein Tropenarzt in Sydney gab mir vor vielen Jahren einen klugen Spruch mit auf den Weg nach Asien: „Reisen ist die Universität des Lebens“.

10. Schreibe alles auf. Den ersten Kuss. Die misslungene Führerscheinprüfung. Begegnungen mit Menschen. Die Geburt deines Kindes. Vieles gerät in Vergessenheit. Wie wunderbar oder peinlich oder lehrreich kann es sein, Jahre später nachlesen zu können, wie ich während einer bestimmten Lebensphase dachte und fühlte und was ich erlebte.

11. Sage nein, wenn du etwas nicht willst. Auch wenn es andere nicht gerne hören. Ich muss das immer wieder neu lernen.

12. Lese soviel du kannst. Meine inspirierendsten Bücher waren „Picknick mit Bären„, „Frühstück bei Tiffany“, „Bittersweet„, „Cold Tangerines„, „Der Junge aus London„, Exodus„, „Tausend strahlende Sonnen“ und „Ganz leise wirbst du um mein Herz„.

13.Du solltest etwas nicht erst dann gerne tun, wenn du es gut kannst. Tue etwas, weil du es liebst. Auch wenn du nur mittelmäßig darin bist. Als Kind z.B. hasste ich Handarbeiten, denn in dem besagten Schulfach war ich eine mittlere Versagerin. Meine Schals hatten größere Löcher als ein Schweizer Käse. Und meine Stickarbeiten habe ich nie zu Ende geführt. Heute nähe ich leidenschaftlich gerne. Immer noch mittelmäßig. Aber mit viel Leidenschaft.

14. Urteile nie über einen Menschen, dessen Geschichte du nicht kennst.

15. Eine Wald-Wiesen-und Versteckspiel-Kindheit ist tausend mal besser als eine Kindheit mit Frühförderung und Meditationsangeboten „für das gestresste Kind“.

16. Was ich als Kind gelernt habe, kommt mir noch heute zugute. Ich könnte im Schlaf Marmelade kochen, ein Ei trennen, Spargel stechen, Faden einfädeln, ein Huhn einfangen, freihändig Fahrrad fahren und das perfekte Spiegelei kochen.

17. Feiere soviel wie möglich mit Freunden und Familie.

18. Gott ist unberechenbar. Er lässt sich nicht in eine bestimmte Theologie einsperren.

19. Es gibt nicht die EINE richtige Art des Christseins.

20. Bei Gott ist alles möglich. Alles. Auch das, von dem ich denke: never-ever!!

21. Die Bibel vermittelt Wahrheiten, die vielen Menschen (und auch mir manchmal) unbequem erscheinen.

22. Wahrheiten sind Wahrheiten. Unabhängig von meiner jeweiligen Gefühlslage.

23. Sei dir selbst treu. Wenn du in Wirklichkeit ein verklemmter Bücher-Nerd bist und nachts um drei lieber mit einem guten Buch im Bett liegen würdest anstatt im PP den sechsten Tequila zu kippen. Oder wenn du lieber in Australien auf einer Apfelplantage jobben würdest statt in einer mittelfränkischen Werbeagentur: Sei dir selbst treu.

24. Das Leben verläuft niemals linear und nach Plan. Besser, du springst mitten rein und lässt deutsches Sicherheitsdenken hinter dir.

25. Es gibt keine echte Sicherheit.

26. Sicherheit habe ich in Gott. Dadurch habe ich mehr Gelassenheit als früher.

27. Korodin auf Open-Air-Konzerten ist ein echter Lebensretter.

28.  Eine schöne Wohnungseinrichtung muss nicht teuer sein. Möbel vom Sperrmüll und Flohmarkt und Haushaltsauflösungen sind oft interessanter und hochwertiger als die XXXL-Einheitseinrichtungen.

29. Sex muss gelernt werden. Und Sex ist niemals – ich wiederhole – niemals das, was uns MTV und die Pornoindustrie verkauft.

30. Menschen, die alle deine Energie rauben, solltest du meiden wie Katzen das Wasser oder Lindsay Lohan die Entzugsklinik.

31. Wenn ich keine Ahnung habe: Klappe halten und Rückzug antreten. Sonst könnte es mir wie Bridget Jones in dieser Szene gehen…

32. Wenn es schwer wird, bleibe dran. Das sind die Zeiten, in denen man am meisten lernt und geformt wird.

33. Wenn ich Freunde haben will (bin oft umgezogen!), dann muss ich Eigeninitiative ergreifen. In eine Gemeinde gehen. Einen Kurs belegen. Leute ansprechen. Leute einladen. Ja, man riskiert Zurückweisung. Aber manchmal zahlt es sich aus, sein Herz offen auf den Tisch zu legen.

34. Eine Geburt ist schmerzhafter, als man es sich im Vorhinein ausmalt.

35. Es gibt auf der Welt keinen besseren Duft als der von neugeborenen Babies. Seufz.

36. Ich bin nicht auf der Welt, um ein möglichst bequemes, sorgenfreies Leben zu führen. Ich bin auf der Welt, um in meinem Heute treu zu sein und das Leben für meine Mitmenschen ein bisschen erträglicher zu machen.

37. Gib niemals zu, dass du mal gerne David Haselhoff gehört hast.

38. Das Leben ist ein wunderbarer, wundersamer, verwirrender Ort. Und ich möchte nirgendwo anders sein, als gerade hier und jetzt.

3 Kommentare zu „38 Dinge, die ich in 38 Jahren gelernt habe

  1. Hey! Ich hab dich in der Family „gelesen“. Witzig, wir haben auch noch am gleichen Tag Geburtstag. Also Gottes Segen nachträglich zum Geburtstag. Gruß Gesa

  2. wunderbar!Da kann ich auch noch viel lernen, Danke fürs Aufschreiben!
    (und -oh weh-ich fand David Hasselhof auch mal gut…I`ve been looking for freedom;-))

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