Gedanken, Haushalt, Hobbies

Attention please!

Es ist mal wieder Mittwoch Vormittag. Das ist kostbare Zeit, von der keine Minute verschwendet werden darf. Denn beide Kinder sind außer Haus. Ich bin allein. Ich-Zeit. Schon Dienstag Abend zerbreche ich mir den Kopf, was ich alles in diesen Vormittag quetschen könnte: Bücherei-Besuch, gemütlich Kaffee trinken, Bilder bearbeiten, lang aufgeschobene Emails beantworten, die sich bis zur Decke türmende Ablage erledigen, Kleiderschränke ausmisten, Joggen, Äpfel auflesen und trocknen, telefonieren, lesen, Schuhe kaufen, ein neues Suppenrezept ausprobieren, eine Folge Gilmore Girls schauen, ein Heilmittel gegen Krebs erfinden. Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was ich auf meine To-Do-Liste kritzele. Ich müsste das Zeitfenster auf eine Woche ausdehnen, um alles zu schaffen.

Ich merke, wie es an mir und in mir zerrt, ich bekomme weniger Luft. Soviele Dinge, die um meine Aufmerksamkeit buhlen. Hier ein Paar Stiefel, das mir einflüstert: „Kauf mich endlich und tanz mit mir in den Herbst!“. Dort die Hausarbeit, die sich türmt. Der Papierkram, den ich schon seit Monaten aufschiebe. Meine Fitness, die keine mehr ist. Der unnütze Kram, den ich ausmisten will. Die Äpfel, die im Garten unbeeindruckt vor sich hinfaulen.

Heute morgen hab ich alles abgeschüttelt, schnürte meine Laufschuhe und rannte durch den Wald. Ich musste meinen Kopf und mein Herz unbedingt frei bekommen. Ich wollte wieder frei atmen. Ich wandte mich also innerlich den Dingen zu, die mir wirklich wichtig waren. Dem Rest erklärte ich wie eine geduldige Mutter einer aufmüpfigen Kinderschar: „Ihr seid mir wichtig, aber gerade kann ich mich nicht um euch kümmern. Geht spielen und später bekommt ihr meine volle Aufmerksamkeit.“

Meine Lieblingskinder erhalten heute meine Aufmerksamkeit: Schreiben, mein Zuhause ordnen, Joggen und Kochen.

Es fällt mir schwer, mich gleichzeitig auf mehrere Dinge zu konzentrieren. Ja, ich bin nicht multitasking-fähig. Ich will es auch gar nicht sein. Lieber widme ich einer Sache ganz und gar meine Aufmerksamkeit, verliere mich in der Tätigkeit und tauche dann zufrieden wieder auf, um das nächste in Angriff zu nehmen.

Ich werde nie fertig sein. Und so langsam gewöhne ich mich daran, dass mein Leben immer unfertig, unperfekt und aus halb abgearbeiteten To-Do-Listen besteht.

Das, was heute noch um meine Aufmerksamkeit ringt, ist morgen vielleicht schon gar nicht mehr wichtig….

 

 

Gedanken, Glaube, Listen

38 Dinge, die ich in 38 Jahren gelernt habe

Ich bin 38 geworden. Hilfe! Wann ist das bitteschön passiert? Ich hab doch erst vorgestern in der Donut World gejobbt, im PP getanzt und bauchfreie Shirts getragen.

Andererseits…ich hätte nie gedacht, dass die 30er rocken. Je älter ich werde, desto mehr Gefallen habe ich daran. Ich fühle mich wohler in meiner Haut als früher…und in meinem jetzigen Leben auch. Die letzten Tage habe ich innerlich zusammengetragen, was ich in den letzten 38 Jahren gelernt habe (und damit meine ich nicht so einen Bullshit wie die binomischen Formeln oder das Plusquamperfekt).

1. Tratsche nicht. Niemals. Tratschen ist wie ein Bumerang, den man lustvoll wegschleudert und dann in dem Moment hart von ihm getroffen wird, wenn man sich umdreht und weggeht.

2. Kaufe niemals Kleidung, von der du im Laden denkst: „Hmm, wenn ich zwei Kilo abnehme, dann sitzt die Jeans bestimmt perfekt.“

3. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt für Kinder. Irgendwas spricht immer dagegen.

4. Kinder kosten nicht soviel, wie allgemein angenommen wird. Mit schlauer Haushaltsführung, Shoppen im Second-Hand-Laden und Verzicht auf unnötigen Schnickschnack kommt frau gut über die Runden.

5. Noten sagen nichts über einen Menschen aus.

6. Wenn man Cellulite hat, bekommt man sie nie wieder los.

7. Pickel verschwinden NICHT nach der Pubertät.

8. Es ist tödlich, von anderen Menschen zu erwarten, mich glücklich zu machen und meine Bedürfnisse zu erfüllen. Der Schuss geht immer nach hinten los. In der Ehe. Mit meinen Kindern. In Freundschaften.

9. Reise soviel du kannst. Ich bereue meinen Entschluss nicht, dass ich Karriere gegen das Reisen eingetauscht habe. Ein Tropenarzt in Sydney gab mir vor vielen Jahren einen klugen Spruch mit auf den Weg nach Asien: „Reisen ist die Universität des Lebens“.

10. Schreibe alles auf. Den ersten Kuss. Die misslungene Führerscheinprüfung. Begegnungen mit Menschen. Die Geburt deines Kindes. Vieles gerät in Vergessenheit. Wie wunderbar oder peinlich oder lehrreich kann es sein, Jahre später nachlesen zu können, wie ich während einer bestimmten Lebensphase dachte und fühlte und was ich erlebte.

11. Sage nein, wenn du etwas nicht willst. Auch wenn es andere nicht gerne hören. Ich muss das immer wieder neu lernen.

12. Lese soviel du kannst. Meine inspirierendsten Bücher waren „Picknick mit Bären„, „Frühstück bei Tiffany“, „Bittersweet„, „Cold Tangerines„, „Der Junge aus London„, Exodus„, „Tausend strahlende Sonnen“ und „Ganz leise wirbst du um mein Herz„.

13.Du solltest etwas nicht erst dann gerne tun, wenn du es gut kannst. Tue etwas, weil du es liebst. Auch wenn du nur mittelmäßig darin bist. Als Kind z.B. hasste ich Handarbeiten, denn in dem besagten Schulfach war ich eine mittlere Versagerin. Meine Schals hatten größere Löcher als ein Schweizer Käse. Und meine Stickarbeiten habe ich nie zu Ende geführt. Heute nähe ich leidenschaftlich gerne. Immer noch mittelmäßig. Aber mit viel Leidenschaft.

14. Urteile nie über einen Menschen, dessen Geschichte du nicht kennst.

15. Eine Wald-Wiesen-und Versteckspiel-Kindheit ist tausend mal besser als eine Kindheit mit Frühförderung und Meditationsangeboten „für das gestresste Kind“.

16. Was ich als Kind gelernt habe, kommt mir noch heute zugute. Ich könnte im Schlaf Marmelade kochen, ein Ei trennen, Spargel stechen, Faden einfädeln, ein Huhn einfangen, freihändig Fahrrad fahren und das perfekte Spiegelei kochen.

17. Feiere soviel wie möglich mit Freunden und Familie.

18. Gott ist unberechenbar. Er lässt sich nicht in eine bestimmte Theologie einsperren.

19. Es gibt nicht die EINE richtige Art des Christseins.

20. Bei Gott ist alles möglich. Alles. Auch das, von dem ich denke: never-ever!!

21. Die Bibel vermittelt Wahrheiten, die vielen Menschen (und auch mir manchmal) unbequem erscheinen.

22. Wahrheiten sind Wahrheiten. Unabhängig von meiner jeweiligen Gefühlslage.

23. Sei dir selbst treu. Wenn du in Wirklichkeit ein verklemmter Bücher-Nerd bist und nachts um drei lieber mit einem guten Buch im Bett liegen würdest anstatt im PP den sechsten Tequila zu kippen. Oder wenn du lieber in Australien auf einer Apfelplantage jobben würdest statt in einer mittelfränkischen Werbeagentur: Sei dir selbst treu.

24. Das Leben verläuft niemals linear und nach Plan. Besser, du springst mitten rein und lässt deutsches Sicherheitsdenken hinter dir.

25. Es gibt keine echte Sicherheit.

26. Sicherheit habe ich in Gott. Dadurch habe ich mehr Gelassenheit als früher.

27. Korodin auf Open-Air-Konzerten ist ein echter Lebensretter.

28.  Eine schöne Wohnungseinrichtung muss nicht teuer sein. Möbel vom Sperrmüll und Flohmarkt und Haushaltsauflösungen sind oft interessanter und hochwertiger als die XXXL-Einheitseinrichtungen.

29. Sex muss gelernt werden. Und Sex ist niemals – ich wiederhole – niemals das, was uns MTV und die Pornoindustrie verkauft.

30. Menschen, die alle deine Energie rauben, solltest du meiden wie Katzen das Wasser oder Lindsay Lohan die Entzugsklinik.

31. Wenn ich keine Ahnung habe: Klappe halten und Rückzug antreten. Sonst könnte es mir wie Bridget Jones in dieser Szene gehen…

32. Wenn es schwer wird, bleibe dran. Das sind die Zeiten, in denen man am meisten lernt und geformt wird.

33. Wenn ich Freunde haben will (bin oft umgezogen!), dann muss ich Eigeninitiative ergreifen. In eine Gemeinde gehen. Einen Kurs belegen. Leute ansprechen. Leute einladen. Ja, man riskiert Zurückweisung. Aber manchmal zahlt es sich aus, sein Herz offen auf den Tisch zu legen.

34. Eine Geburt ist schmerzhafter, als man es sich im Vorhinein ausmalt.

35. Es gibt auf der Welt keinen besseren Duft als der von neugeborenen Babies. Seufz.

36. Ich bin nicht auf der Welt, um ein möglichst bequemes, sorgenfreies Leben zu führen. Ich bin auf der Welt, um in meinem Heute treu zu sein und das Leben für meine Mitmenschen ein bisschen erträglicher zu machen.

37. Gib niemals zu, dass du mal gerne David Haselhoff gehört hast.

38. Das Leben ist ein wunderbarer, wundersamer, verwirrender Ort. Und ich möchte nirgendwo anders sein, als gerade hier und jetzt.

Gast-Post

Gast-Post: Sommernachtsträume

Ich schreibe viel über Familie, über mein Leben als Mutter und Ehefrau. Zu meiner Familie gehören aber nicht nur meine unmittelbaren Verwandten, sondern auch meine Freunde. Freunde, die selbst keine Familie und Partner haben. Dass diese Freunde manchmal eine ganz andere Lebensrealität haben und ganz andere Kämpfe als ich ausfechten, liegt auf der Hand. Mir ist es wichtig über meinen beschränkten Familienteller-Rand hinauszuschauen. Und deshalb kommt hier heute meine Freundin Rita zu Wort. Sie ist in meinen Augen eine echte Wort-Künstlerin, die mich immer wieder inspiriert und ermutigt. Ihr Text hat mich letzte Nacht erreicht. Und in seiner Echtheit berührt. Danke, Rita.

Ein Sommernachtstraum

Mitten in der Nacht überkommen mich große Dankbarkeit und Liebe für das Leben. In meiner „Das-hätte-ich-gerade-ganz-besonders-gern“- Kategorie wird der Wunsch, all das Schöne, Verrückte, Tolle mit jemandem teilen zu können laut. Und ich frage mich innerlich: Möchte in der nächsten Runde noch jemand mitmachen?

Sehnsucht ist ein Arschloch. Und ich fühle: Es geht gar nicht mehr primär darum, das zu machen, was alle machen. Nicht um ein Haus, Familie, Kinder abzuhaken, sondern vielmehr darum, jemanden zu haben, der dabei ist, miterlebt und fühlt, zu mir gehört. Um anschließend miteinander anzustoßen oder sich in den Armen zu liegen. Seite an Seite zu kämpfen. Für einander. Da zu sein.

Ich weiß,es wird auch bestimmt anstrengend mit mir sein. Großes Stirnrunzeln, Erklärungsbedarf, Grummelphasen, Hassattaken, Aufmerksamkeitsforderungen, Streicheleinheiten, Rückzugsmomente. Aber andererseits sprühe ich vor Energie, Verrücktheit und Lebenslust dem Leben einen Anstrich zu geben. Sowas wie Gebrauchsanweisungen mal zu singen, statt zu lesen. 

Klar es gibt auch Freunde. Manche Momente gelten nur ihnen und werden nur durch spezielle Konstellationen an Herzensmenschen unvergesslich. Aber die Abenteuer. Auch wenn manche evtl. auch sehr früh morgens stattfinden. Alltag. Überlebensstrategien. Gott näher kommen. Tanzen. Lachen. Weinen. Einschlafen. Aufwachen. Es krachen lassen. Neue Orte entdecken. Essen ausprobieren, das Leben und Menschen studieren…und ja, dann wahrscheinlich irgendwann dann doch Haus und Kinder

Ich will das alles nur nicht alleine erleben. Nicht alleine Leben.

Ein Sommernachtstraum.

Fun, Gedanken

Me, myself and I

Ich gehe jeden Abend zu spät ins Bett.

Ich stehe jeden Morgen zu früh auf ( bis auf letzten Samstag. Da ließen uns die Kinder mirakulöserweise bis 9.00 Uhr schlafen. 9!!! U!!!H!!!R!!!!)

Ich verplempere zuviel Zeit auf Facebook. Ungesund!

Ich beschäftige mich viel zu viel mit mir selbst. Ungesund!

Ich wünsche mir mehr Mut.

Ich sehne mich manchmal nach der guten alten Zeit zurück. Wann auch immer das war. 1992? 2001?

Ich genieße mein jetziges Leben in meiner happy-clappy-Seifenblase.

Ich denke viel zu viel über den 30-jährigen Krieg nach.

Ich bin gerade sehr unsicher, ob der Islam eine friedliebende Religion ist. Oder nicht.

Ich lese zu wenig.

Ich will mehr Bücher.

Ich lese zuviel englische Bücher.

Ich backe fantastomanische Haferflocken-Rosinen-Cookies. Und esse davon, bis mir der Würgreflex Einhalt gebietet.

Ich trinke zu wenig einheimischen Wein (support your country)

Ich trinke zuviel Aussie-Wein.

Ich möchte mein Wohnzimmer grau streichen.

Dann verwerfe ich den Gedanken („Zuviel Arbeit!“) und schenke mir einen Aussie-Wein ein.

Ich finde, ich sollte öfters roten Lippenstift tragen. Auch zum Putzen.

Roter Lippenstift sieht scheiße zum rosa Oberteil aus.

Ich bin so glücklich, dass der Sommer endlich vorbei ist.

Ich sehne mich nach unbeschwerten Sommertagen. Und nach Meer.

Ich habe Angst vor der Liebe, die ich für meine Kinder empfinde.

Ich wünsche mir mehr Liebe für die Momente, in denen es so verdammt schwer ist zu lieben.

Ich möchte meinen Freunden öfters sagen, wie lieb ich sie habe.

Ich bin ein Gefühlsneurotiker.

Ich benutze das Wort „Ich“ zu oft.

Bilder, Fotografie

Hey, I just met you…

Gestern lernte ich Leonie und Daniel kennen. Auf dem Standesamt.
„Hey, I just met you…..Ich bin Eure Fotografin!“

Wir haben uns klasse verstanden, die beiden haben jeden Blödsinn mitgemacht und ich hatte einen sehr kreativen Tag.

Aber ich lasse heute lieber Bilder statt Worte sprechen…

Familie, Gedanken, Glaube

Surfen

Ich sitze gestrandet in der Garage.

Wie konnte es soweit kommen, dass ich mich von einer Welle der Überforderung und Wut habe mitreißen lassen? Diese Welle hat mich heute morgen in eine wilde Brandung hineingerissen und schließlich gleichgültig auf dem harten Sand der Realität wieder ausgespuckt.

Ich sitze in meinem Auto und wünsche mir, dass ich den Morgen noch einmal zurückspulen kann. Zu dem Punkt, als unsere Familiengewässer heute früh noch ruhig dahinplätscherten.  Dann kamen verschüttete Milch, um Aufmerksamkeit buhlende Kinder, vergessene Brotdose, dreckige Küche, Wäscheberge, sich vor mir auftürmende Pflichten und ein kleiner Clinch mit meiner besseren Hälfte dazu. An manchen Tagen schaffe ich es wie ein Surfer auf solche Wellen aufzuspringen und über sie hinweg zu reiten, um hinterher erstaunt festzustellen, dass es gar nicht so schwer war.
Aber heute hat mich diese Welle aus Anforderungen überrollt. Ich merkte, wie mir die Luft im Hals stecken blieb und langsam der Ärger in mir hochkroch.

Anstatt geduldig zu reagieren, stimmte ich in den globalen Mütter-Frust-Chor ein: „Warum muss ICH immer allen hinterher räumen?? Ich hab es S.A.T.T.!“
Anstatt auf die Bedürfnisse meiner Kinder einzugehen, schmiss ich sie aus der Küche.
Anstatt ein paarmal tief einzuatmen und den Fokus auf gute Dinge zu legen, hielt ich die Luft an und knallte mit der Tür.

Ich habe meine Kinder zum Weinen gebracht und mein Mann war, glaub ich, heute früh mal zur Abwechslung froh, zur Arbeit gehen zu können.

Das fühlt sich mies an.

Anfang der Woche las ich eine Bibelstelle, die ich bisher immer überlesen hatte:

Im Gehorsam gegenüber der Wahrheit habt ihr eure Seelen rein gemacht, frei für die Liebe unter Brüdern und Schwestern, die keine Verstellung kennt; so liebt denn einander aus reinem Herzen, ohne nachzulassen! 1. Petrus 1, 22

Mir geht der Vers nach. Denn das ist es was ich unbedingt lernen will: Lieben – ohne Verstellung!

Anfang der Woche dachte ich, Gott fordert von mir, dass ich jeden Menschen aufrichtig gern haben muss. Völlig abgesehen von Sympathiewerten und eigener Befindlichkeit. Dieser Gedanke fiel mir schwer, denn aus mir selbst heraus KANN ich nicht immer 100% lieben. Und deshalb war ich heute morgen angesichts meines offensichtlichen Versagens umso frustrierter. Aber dann keimte folgender Gedanke in mir auf:
Hätte ich heute morgen die Zähne zusammengebissen, die über mir zusammenschlagende Welle ertragen, dann wäre das keine aufrichtige Liebe gewesen! Nicht meinem Mann, meinen Kindern und mir selbst gegenüber. Denn heute habe ich aber gelernt, dass Liebe ohne Verstellung auch Folgendes bedeuten kann:

Grenzen in Liebe und Klarheit ziehen
Eigene Bedürfnisse und Überforderung klar (und unhysterisch!) kommunizieren
Ärger und Wut im Gebet an Gott abgeben und um Liebe beten

Ich muss mich also denen gegenüber, die ich liebe NICHT verstellen!! Das ist unglaublich befreiend…

Gott bringt mir gerade soviel über Liebe bei. Und das ganz anders als ich dachte. Ich hatte gehofft, ich würde diese Woche auf einer Wolke aus Glückseligkeit und brennender Liebe dahin schweben. Stattdessen versuche ich die Wellen des Alltags zu surfen. Dabei schlucke ich viel Wasser, schlage hart auf dem Sand auf.

Aber ich gebe nicht auf, sondern wage mich wieder und wieder ins Meer des Lebens hinaus.

Bücher, Familie, Fotografie, Freundschaften, Haushalt, Reisen

Einmal Schwarzwald-Urlaub und zurück

Der erste Tag aus dem Schwarzwald-Urlaub zurück und ich habe mich – trotz Sonntag – in einen Hausarbeitsmarathon gestürzt. Nicht aus Notwendigkeit, sondern weil ich eine Woche lang faul auf meiner alternden Hausfrauenhaut rumlag und nun endlich wieder meiner Koch-Back-Einmach-Gartenleidenschaft frönen wollte.

Also schnippelte ich mit Feuereifer Birnen und Äpfel für den Dörrapparat (ich habe ca. 1000 Kilo Äpfel zum Verarbeiten….)
Ich buk Vollkornbrot (klingt angeberisch….aber ich muss nur 6 Zutaten in den Backautomaten katapultieren – voila!)
Zum Mittagessen zauberte ich eine selbst gemachte Pizza auf den Tisch
Ich habe drei Ladungen frisch gewaschener Wäsche draußen aufgehängt (…und ein Ende ist nicht in Sicht)

Ach ja, und unser Urlaub?

Wir hatten uns ein Holzhaus direkt an der Nagold-Talsperre zusammen mit meiner Freundin und deren Tochter gemietet. Jeden Morgen (sehr früh morgens!) wachte ich mit direktem See- und Waldblick auf. Die Enten grüßten mit aufgeregtem Geschnatter. Meine Kinder grüßten mit dem Schrei nach Milch. Bitte lauwarm. Und mit Hooooonick!!! Und zwar sofort, Mamaaaa!!!! Hey, Kids, ich dachte, ich habe Urlaub! Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis mir meine Mädels Frühstück ans Bett bringen…komplett mit Schnabeltasse und Doppelherz.

Der traumhafte Blick auf das nebelumwölkte Wasser, den dunklen Tannenwald und die ersten orangefarbenen Sonnenstrahlen entschädigten für das zu frühe Aufstehen. Armin machte Feuer im Kamin, ich kochte Kaffee in der kleinsten Kaffeemaschine er Welt und meine Freundin hob meine Laune mit ihrem Gemüt aus Sonnenschein und Freundlichkeit. Die Tage flossen in einem behaglichen Rhythmus aus Lesen, Walken, Ausflügen, Weintrinken, gemeinsamen Kochen, Lachen und Ausruhen dahin. Es sei denn, ich hatte mal wieder meinen Fünf-Minuten-Hektik-Anfall. Wie der aussieht? Fragt am besten meinen Mann (der dann wahrscheinlich die Augen genervt verdreht, bis nur noch das Weiße zu sehen ist) oder meine Schwester oder sonst irgendjemanden, der mich in angespannten Situationen erlebt hat. Aber diese Situationen blitzten immer nur kurz auf, als würde mein angespanntes Alltags-Ich versuchen, wieder die Herrschaft über mein Urlaubs-Ich zu gewinnen.

Es war eindeutig ein Lese-Urlaub. Ich liebe auch actiongeladene Urlaube, in denen ich tauche, wandere, mich in Wasserfälle stürze und Extreme-Shopping betreibe. Aber das war ein herrlicher Leseurlaub. Egal ob mein dicker Roman, die Zeit, ein Andachtsbuch zum Thema Dankbarkeit, Hermann-Hesse-Kurzgeschichten oder die Gebrauchsanweisung einer Play-Doh-Ice-Cream-Station – ich verschlang alles.

Wir hatten kein Internet. Kein Telefon. Also Mittelalter. Und es war gut so. Ich konnte mich ungestört meinen Kindern widmen, stundenlang mit meiner Freundin quatschen und gemeinsam abends den Känguru-Chroniken lauschen. Nichts lenkte mich von den wesentlichen Dingen des Lebens ab.

Nun bin ich wieder an. Und mein Zuhause fühlt sich gut an. Es duftet nach Äpfeln und Birnen und Vollkornbrot. Der Herbst, mein heiß geliebter Herbst kann kommen.

Wir feierten das Leben, die Liebe, die Vergangenheit und die Zukunft
Postkartenshoppen für die Lieben daheim

 

Amelie verwandelte sich jeden Tag in ein anderes Tier
Josefine feierte ihre eigene Face-Painting-Party…