Was ich über dreckige Wäsche und Perlen gelernt habe

Manchmal frage ich mich als Hausfrau und Mutter und Ehefrau: „Macht das alles einen Sinn?“

  • Ich wasche Wäsche und sie wird wieder dreckig.
  • Ich koche Essen und es wird in drei Millisekunden runtergeschlungen. Oder mit einem vorwurfsvollen Igitt verweigert.
  • Ich putze die Fenster und am Horizont bilden sich gemeine, saharasandgefüllte Regenwolken.
  • Ich reiße Unkraut raus. Einen Tag später feiert es ein Comeback wie die Wiedervereinigung der Spice Girls.
  • Ich sage zum hundersten Mal: „Hau deine Schwester nicht, sei lieb zu ihr“.
  • Ich stelle – mit sehr viel Groll im Herzen – dreckige Schuhe in Reih und Glied.
  • Ich mühe mich zu einer Fitness-DVD ab.
  • Ich rolle innerlich mit den Augen, schnaube wie ein altes Kutschpferd und pampe schließlich meine Tochter an, weil sie eine GANZE Minute braucht, um ihre Jacke anzuziehen.

So reihen sich all diese kleinen, oft mühsamen Momente wie Perlen an einer Schnur aneinander und bilden meinen Alltag. Und mir wird immer bewusster, dass diese Momente wertvoll sind. Wie Perlen.  Von Gott geschenkt. Denn jeder Moment birgt die Möglichkeit, dass wir Schönheit erleben und Geduld lernen und Vorbild sind und scheitern und Versöhnung erfahren und dienen und sein dürfen.

Am Anfang meines Christseins wurde mir viel von der Fülle erzählt. „Du musst dich ganz nach Gott ausstrecken, dann erlebst du Fülle!“ Oder: „Wenn du deine Berufung gefunden hast, dann hast du die Fülle von Gott!“ Ich wusste nicht, wie ich mich GANZ nach Gott ausstrecken soll (außerdem war ich auch ein bisschen der Überzeugung, dass Gott mir irgendwie auf halbem Wege entgegen kommt). Und hinsichtlich meiner Berufung war ich auch unsicher.

Es gibt für die wenigsten Menschen DIE eine Berufung. Zumindest ist das meine Überzeugung. Meine Berufung liegt genau im Jetzt. Im Wäschewaschen. Im Erziehen. Im Pflegen, heilen, fördern, runterschlucken. Im Aussprechen, schweigen, kochen, turnen, lesen und schlafen. Und in jedem Moment meines Alltags liegt Fülle. Es liegt nur an mir die Augen zu öffnen für die Schönheit die mich umgibt und meistens ganz leise daher kommt. Mein Ärger und meine Ungeduld sind oft lauter und gaukeln mir daher vor: „Für dich gibt es erst die Fülle, wenn du alles geschafft hast, die Kinder aus dem Haus sind und die Rente gesichert ist.“

Bullshit. Mein Leben macht Sinn. Vor allem im Kleinen. Die großen Momente sind selten im Leben. Warum meine kostbare Zeit mit Warten verbringen?

Heute ist wertvoll. Jetzt ist eine Perle. Und ganz am Schluss, wenn ich die fertige Perlenkette betrachte, macht alles Sinn.

5 Kommentare zu „Was ich über dreckige Wäsche und Perlen gelernt habe

  1. Liebe Veronika,

    seit ein paar Wochen „verfolge“ ich deine Beiträge und ich finde ich so gut darin wieder. Dieses Gedicht von Madeleine Delbrêl habe ich vor Kurzem einmal gefunden und es passt so gut zu deinem heutigen Beitrag:

    In kleinen Portionen das Leben geben

    Schon am Morgen suchen sie uns auf:
    Unsere Nerven sind angespannt
    oder gehen mit uns durch;
    der Bus ist schon voll,
    die Milch kocht über,
    die Kinder machen alles durcheinander;
    der Mann bringt Gäste mit,
    ein Freund kommt nicht;
    das Telefon läutet ununterbrochen,
    die, die wir lieben, streiten sich;
    man möchte schweigen und muss reden;
    man möchte reden und muss schweigen;
    man möchte ausgehen und muss daheim bleiben,
    und zu Hause bleiben, wenn man weg muss;
    man sucht im Mann eine Stütze,
    und der wird schwach wie ein Kind;
    das tägliche Einerlei ödet uns an,
    und wir sehnen uns nach all dem,
    was wir nicht haben können.

    So treten die Geduldübungen an uns heran, nebeneinander oder hintereinander, und sie vergessen uns immer zu sagen, dass sie das Martyrium sind, das uns bestimmt ist. Wir aber lassen sie verächtlich vorüberziehen und warten auf eine Gelegenheit, unser Leben hinzugeben, eine Gelegenheit, die es wirklich wert wäre.

    Liebe Veronika, einen erfüllten Alltag wünsche ich dir heute.
    Ute

    1. Hallo Ute,
      wow, das Gedicht bringt es gut auf den Punkt. Danke! Ich – und wahrscheinlich jede andere Frau auch – muss wissen, dass das, was wir tun, wichtig ist.
      Ich bin mittlerweile auch auf deinen Blog gestoßen und fand deinen Beitrag „Zwangslächeln“ wunderbar. Yep, das kenne ich alles zu gut 🙂
      Wenn es dir recht ist, dann würde ich dich gerne auf meiner Seite verlinken!
      Liebe Grüße aus der Hohenlohe…
      Veronika

  2. danke! Genau das glaube ich auch…Zwischen Baby wickeln und Mittagsschlaf(hoffentlich!:-)) hat mir deine mail Mut gemacht.

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