Ernährung, Gedanken

Gefühle fühlen.

In den letzten Wochen haben sich komische Gefühle in mein Leben geschlichen, die vor allem abends laut werden. Darf ich sie vorstellen?: Leere und undefinierbarer Schmerz.

Meine erste Reaktion war: „Hä? Wie kann das sein? Ich hab doch (fast) alles, von dem ich immer geträumt habe.“ (Abgesehen von einer Canon 1d und einem Privatjet).
Ich habe die Gefühle weggeschoben, mich ihrer geschämt. Denn ich dachte, ich dürfte so auf gar keinen Fall fühlen! Gerade jetzt, wo ich mich als Fotografin selbständig mache, zwei gesunde Kinder und einen tollen Mann an meiner Seite habe und die Waage fast jeden Tag einen neuen Tiefenrekord anzeigt.

Gestern Abend, als ich mich ins Bett legte, gesellten sich wieder meine zwei lästigen Begleiter zu mir. Zunächst versuchte ich sie aus dem Bett zu stoßen, aber sie sind hartnäckiger als ein Zeuge Jehovas, der dringend noch einen Bekehrten für seinen Eintritt ins Himmelreich braucht. Sie klammerten sich an mich, als wollten sie mir etwas Wichtiges mitteilen. Und dann verstand ich.

Seit 5 Wochen nehme ich an meinem Abnehm-Coaching teil (Lebe leichter). Die Grundregel lautet: Esse drei Mahlzeiten pro Tag, einen Teller voll. Zwischendrin und abends soll der Magen zur Ruhe kommen. Tagsüber habe ich kaum Probleme, mich an diese neue Art der Ernährung zu halten.Aber Abends. Da überfallen mich die Gelüste. Ich umkreise den Kühlschrank, traue mich aber nicht ihn zu öffnen aus Angst vor totalem Kontrollverlust.

Seit Jahren – quatsch, seit Jahrzehnten – bin ich der typische Emotionsesser. Ich esse  bzw. ich habe unkontrolliert gegessen um bestimmte Emotionen unter Massen von Pizza, Schokoeis und Chips zu ersticken. Gelegentlich spülte ich dann alles noch mit einer halben Flasche Rotwein runter. Ich fühlte mich nicht unbedingt blendend, aber die Übelkeit und das Völlegefühl hielten mich davon ab, mein Leben genauer zu betrachten.

Ich habe gestern Abend verstanden, dass nun endlich die Gefühle, die ich meinte erstickt zu haben, Luft und Platz zum Atmen haben. Jetzt meldet sich also eine innere Leere zu Wort, die ich nicht mit Essen fülle. Eine Traurigkeit überkommt mich, die ich nicht wegproste. Und wisst ihr was? Es ist nicht schlimm. Ich sterbe nicht daran. Im Gegenteil: zum ersten Mal darf ich diese Gefühle einfach anschauen mit den Gedanken: Was wollt ihr mir sagen?

Gefühle sind ja eigentlich nicht immer unmittelbar das, was sie uns auf den ersten Blick sagen. Eine innere Leere zu verspüren bedeutet nicht zwangsweise, dass mein Leben leer ist. Und Traurigkeit ist kein Indiz dafür, dass ich an Depression leide.

Ich weiß nicht, ob das jetzt total verrückt klingt. Aber gestern Abend beschloss ich einfach, diese Gefühle nicht mehr wegzustoßen, sondern sie willkommen zu heißen. Sie wollen mir etwas Wichtiges mitteilen.

Was es ist, das habe ich noch nicht herausgefunden. Aber ich habe herausgefunden, dass auch scheinbar negative Gefühle zu einem reichen und erfüllten Leben gehören. Ohne sie hätten wir keinen Tiefgang und hätten nie die Möglichkeit eine Kurskorrektur vorzunehmen.

3 Gedanken zu „Gefühle fühlen.“

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