Familie, Gedanken

Ehe-Arbeit

 

Vorgestern haben wir Hochzeitstag gefeiert. Den siebten.

Es hat sich bei uns schon als Tradition eingebürgert, dass wir uns unser Hochzeitsvideo anschauen. Mit jedem Jahr, finde ich, wirkt die auf DVD gebannte Hochzeit irrealer. Da waren Gäste dabei, mit denen wir heute teilweise keinen Kontakt mehr haben. Gäste, die heute nicht mehr am Leben sind. Unsere kleinen Blumenmädchen sind mittlerweile zu bildhübschen Teenies mit meterlangen Gazellenbeinen herangereift. Meine Waage zeigt seitdem hartnäckig 10 Kilo mehr an. Armin und ich sehen so jung und glücklich aus. Und mittlerweile sind wir nicht mehr ganz so jung und anders glücklich. Einige unserer Illusionen und Ideale wurden auf dem Altar des Alltags und unserer Unterschiedlichkeit geopfert. Unsere Ehe ist wie eine Dauerbaustelle. Einiges ist fertig, anderes wird hin- und hergeschoben. Anderes muss nach sorgfältiger Prüfung eingerissen und neu errichtet werden. Und wir erkennen, dass wir nie fertig sein werden. Genau darin liegt für mich das Abenteuer und der Reiz unserer Ehe. Immer wieder Neues im Partner zu entdecken, Herausforderungen gemeinsam bewältigen, schöne Momente teilen, gemeinsam lachen, Versöhnung leben, das ICH zurücknehmen und Selbstlosigkeit üben (ich bin noch nicht sehr gut darin), alte Wege verlassen und Neues ausprobieren.

Ich bin alles andere als ein Ehe-Guru, der immer die richtige Weisheit zur Hand hat. Aber nach sieben Jahren habe ich dazugelernt. Eine Ehe funktioniert nicht einfach so. Am Anfang ja. Wenn die lust(igen) Hormone Unterschiedlichkeiten und enttäuschte Erwartungen mit einer rosaroten Brille verdecken. Aber wenn die Hormone abflauen, wir plötzlich das wahre Gesicht des Partners entdecken (oh Schock!), dann hat man zwei Möglichkeiten:

– Resignation und Verbitterung (das macht auf Dauer sehr sehr hässliche Falten)

oder

– Ehearbeit (das ist manchmal sehr sehr anstrengend)

Was habe ich also aus unserer „Ehearbeit“ gelernt?

1. Versuche niemals deinen Partner zu ändern! Die Extrovertiertheit deines Partners fandest du anfangs total niedlich und geht dir jetzt auf den Zeiger? Das, was uns anfangs am Anderen reizte (oft ist es die Andersartigkeit), kann sich schnell zum Stein des Anstoßes entwickeln. Ich sehe heute in der Andersartigkeit meines Mannes einen großen Schatz. Auch wenn ich ihn oft nicht verstehe. Aber das muss ich nicht. Ich habe zu ihm ja gesagt und damit auch zu allen seinen Prägungen, Charaktereigenschaften und Interessen. Manchmal muss man sich halt mehrmals am Tag neu für seinen Partner entscheiden…. 🙂

2. Mit dem Stichwort „Entscheidung“ bin ich gleich beim nächsten Punkt. Liebe ist eine Entscheidungssache. Natürlich ist das Feeling Grundvoraussetzung für eine Ehe. Aber mal Hand aufs Herz: habe ich den ganzen Tag lang tatsächlich gleichbleibende Gefühle für meinen Partner? Auch wenn er die dreckigen Socken auf dem Boden liegen lässt? Wenn er eine Verabredung vergisst? Wenn er ÜBERHAUPT nicht registriert, dass fünf Zentimeter meiner Haarlänge fehlen und schicke Strähnchen mein Haupt neuerdings zieren? Nein. Es gibt Tage, da fällt Liebe schwer. Sauschwer. Aber dann erinnere ich mich wieder daran, dass ich die Entscheidung gefällt habe, meinen Partner zu lieben und zu ihm zu stehen. No matter what! Das Herz ist trügerisch. Würden wir immer nur der Stimme des Herzens folgen, dann pflügten wir mit unserem Leben eine Verwüstungsspur.

3. Lerne zu kommunizieren.
Haha. DAS ist mindestens so knifflig wie die Besteigung des Mount Everests bei Schlechtwetter. Wir sind immer noch Anfänger, aber manchmal schaffen wir es tatsächlich zu hören, was der andere uns sagen will. Wir lernen zu verstehen, warum der andere so reagiert wie er reagiert. Aber das setzt wirkliches Interesse am Partner, an seiner Vergangenheit und an seinem Wohlergehen voraus…

4.  Lerne die Liebessprache des anderen. Und lerne deine eigene kennen. Muss ich hier nicht weiter ausführen. Wen’s näher interessiert, dem empfehle ich das Standardwerk von Gary Chapman: Die fünf Sprachen der Liebe 

5. „Ned g’schimpft ist gelobt genug“. Das ist ein schwäbischer Grundsatz, den ich ganz fürchterlich menschenunwürdig finde. Das ist der Todesstoß für jede Beziehung: den Partner und alles was er tut und ist für selbstverständlich nehmen. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Lob, eine Anerkennung in irgendeiner Weise zu Schaden geführt hätte. Ganz im Gegenteil. Jedes ernstgemeinte Lob ist Heilung für unsere Seele. Mit jedem Lob rücke ich dem Partner ein Stück näher. Übrigens: gerade Männer benötigen Anerkennung und Respekt (wir Frauen nörgeln doch normalerweise lieber an ihnen herum, oder?)

6. Verliert das Lachen nicht! Humor ist wie ein Kitt, der Beziehungen zusammenhält. Er löst so manche Spannung und hilft, dass wir uns selbst nicht zu ernst nehmen.

7. Eheabende sind ein abgelutschter Tipp. Aber es ist nun mal so, dass Eheabende vorbeugend gegen Entfremdung, Resignation und Verbitterung helfen. Wir lassen an Eheabenden Glotze, I-Phone und I-Pad aus. Dafür reden wir. Trinken gemeinsam einen guten Rotwein. Oder gehen Essen. Und wir reden nicht über die Kinder!

Eines noch zum Schluss: Verzeihen, verzeihen, verzeihen!

Ein Gedanke zu „Ehe-Arbeit“

  1. liebe vroni
    mitlerweile bin ich ein kleiner fan von dir.wie du schreibst, zieht mich irgendwie in deinen bann.ich bin ein echter lesemuffel aber was du da geschrieben hast, finde ich fantastisch und ich freue mich schon auf deine nächste mail.
    liebe grüße
    mary (lintzis frau:-)

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