Familie, Garten

Ein perfekter Frühlingstag mit Schrammen

Es musste ordentlich gescheppert haben. Aber keiner hatte etwas gemerkt. Die Menschen waren viel zu beschäftigt, den Frühling zu feiern und auf diesen ersten heißen Tag des Jahres mit einem oder zwei Bier anzustoßen. Nebenan im Biergarten. Vielleicht war der Täter von einem oder zwei Bier angesäuselt und meinte unserem Auto ein schrammiges Souvenir von diesem herrlichen Frühlingsabend zu verpassen. Nach vollbrachter Aufgabe, die er gewissenhaft und übergenau erfüllte, fuhr er zufrieden davon. Mit sich und der Welt im Reinen.

Zur gleichen Zeit sitzen mein Lieblingsgatte und ich auf der Terrasse des Trappenseesrestaurants. Rauchen mit schlechtem Gewissen blaue Gauloises, trinken kalten Weißwein und schauen zufrieden auf einen perfekten Frühlingstag zurück. Der hatte begonnen mit viel Arbeit im Garten. Ich musste ja schließlich an unserem Spießertraum von Geranien und Rankgerüst werkeln, während unsere Kinder jauchzend im Miniplanschbecken ihre Kindheit genossen. Wir blieben konsequent beim Spießertum und heizten den Grill an. Eine Stunde später streichelten wir müde unsere Würstchen-, Pommes- und Radlerbäuche. Die Kinder sahen wie die Überlebenden eines Massakers aus – dank einer Überdosis Ketchup. Nach einem ausgiebigen Schläfchen weckten wir die Fahrräder aus dem Winterschlaf, radelten 5km und sanken erschöpft neben einem Spielplatz nieder. Unsere Kondition befand sich ebenfalls noch im Winterschlaf. Dagegen half nur Eis. Es duftete nach einem herrlichen pittoresk-perfekten Frühlingstag: Erdbeereis, Sonnencreme, Fliederblüten und frisch gemähtes Gras.

Und nun, am Ende dieses Tages wartet eine Date-Night mit meinem Liebsten auf mich. Wir plaudern über Gott und die Welt. Und ganz tief innen drin sind wir dankbar, dass wir das nach fast acht Jahren Ehe noch können. Reden. Dass uns der Gesprächsstoff nicht ausgeht. Wir schauen zurück auf die vielen Achterbahnfahrten der vergangenen Jahre, genießen den Augenblick und freuen uns gemeinsam auf die Zukunft. Auf dem Weg zurück zum Auto werde ich übermütig. Das muss die Mischung aus Sonne, Weißwein und Liebe sein. Ich gehe nicht, ich tanze den Gehweg entlang. Gleichzeitig schwärme ich von diesem Tag: „Wie kann dieser Tag noch schöner werden? Ich habe jeden Augenblick genossen! Ich möchte noch mehr solcher Tage erleben!“

Wir entdecken unser Auto, wie es traurig am Straßenrand steht, als wolle es uns anklagen, dass wir ihm nicht zu Hilfe gekommen sind: Als nämlich ein Vollidiot Mitbürger in seinen Kotflügel rauschte und dann die Flucht ergriff. Jäh zerfällt alle Romantik  zu einem Häuflein Gefühlsmüll aus Zorn und Bitterkeit. In meiner manchmal naiv-idealistisch gefärbten Weltsicht sind nämlich alle Menschen ehrlich und rücksichtsvoll. Und wenn ihnen mal ein Fehler unterläuft, dann stehen sie dazu: Sie hinterlassen einen Zettel voller Entschuldigungen und mit einer Telefonnummer hinter dem Scheibenwischer. Sie hinterlassen GEFÄLLIGST tausend Entschuldigungen und die Versicherungsnummer und das hochheilige Versprechen ALLES WIEDER GUT ZU MACHEN.

Eine Wutzigarette später (ich rauche sonst nicht, ehrlich!) merke ich, wie meine innere Gelassenheit zurückkehrt. Die Polizei, die mittlerweile den Schaden aufnimmt, sieht sicherlich meistens ganz andere Dinge: häusliche Gewalt, Erpressung, Fahrerflucht nach Personenschaden, Kneipenschlägereien, Gewalt gegen Kinder, betrunkene Mütter, tote Väter.

Dagegen ist solch ein Blechschaden wie ein Kratzer auf dem Arm. Ärgerlich, störend, aber nicht lebensbedrohend.

Ich sehe, dass nichts selbstverständlich ist. Das spießige Gärtnern nicht. Der Duft nach Sonnencreme nicht. Das Jauchzen von ketchupverschmierten Kindern nicht. Innige Gespräche mit dem Liebsten nicht. Ebenso wie Erdbeereis und Fliederblüten nicht.

Wir versuchen es wie die Italiener zu halten: wir zucken mit den Achseln, steigen in den verbeulten Benz und fahren die verschlungenen Straßen zurück nach Waldbach. Und wenn die Reparatur zu teuer ist, dann fahren wir halt noch eine Weile so herum. Mit Schrammen und Beulen und einem vorwurfsvollen deutschen Auto und kümmern uns nicht darum, was der Rest der Welt denkt.

 

Familie

Statusmeldungen sind doof. Und warum Josefine Amerika mag.

Ich habe meinen Blog in letzter Zeit vernachlässigt. Ich weiß. Mein schlechtes Gewissen und mein Schaffensdrang zwingen mich heute wieder an die Tastatur, um die umwerfenden Ereignisse meines Lebens mit der Weltöffentlichkeit zu teilen.

Na gut, die Ereignisse meines Lebens sind eigentlich so grottenlangweilig, dass ich sie nicht mal als Statusmeldung auf Facebook veröffentliche:

  • „Trinke gerade Kaffee“
  • „Muss gleich den Windeleimer ausleeren. Er stinkt wie der Atem eines toten Eichhörnchens.“
  • „Kohlrabi gepflanzt – fühl mich mit meinem ökologischen Gewissen ganz im Reinen.“
  • „Leergut muss weg“

Folgende Dinge wären aber allerdings eine Meldung wert gewesen (trotzdem habe ich sie nicht auf Facebook gestellt, da ich nicht alle fünf Minuten einen Comment brauche um mich anerkannt zu fühlen).

  • Josefines drittes Wort (nach Mama und Papa) ist „Keks“. War ja klar. Sie betont es so süß: Käcks!
  • Ich habe in letzter Zeit viele viele Bücher verschlungen. Hurra, ich habe Zeit neben Kindern und Haushalt!
  • Eine Frau kann nie genug Ohrringe besitzen. Und deshalb habe ich mir mal wieder zwei Paar gegönnt.
  • Das Wochenende habe ich bei meiner Schwester verbracht. Und wir haben Lachen, Freude, scharfe Salsa und Abnehmtipps geteilt. Sonntagvormittag machten wir einen Abstecher in die Panzerkaserne. Amerikanischer Mikrokosmos auf deutschem Boden. Was nicht fehlen durfte: der Bodensatz amerikanischer Cuisine. Burger und Fritten. Josefine war zunächst skeptisch (hey, wo ist mein zuckerfreies Dinkelmüsli?), später euphorisch. Nun ist auch sie angefixt…

    Wenn ich aber jetzt meinen  Blog auf Facebook verlinke, dann widerspreche ich ja obigen Aussagen, oder? Verzwickte neue Welt….