Heute bin ich ein bisschen sentimental

Irgendwann in den letzten Wochen muss es geschehen sein. Dass Josefine ihre Verwandlung von einem weinerlichen, distanzierten Baby hin zu einem vor Vergnügen gackernden Kleinkind durchgemacht hat. Ja, sie tritt sogar richtig in Kontakt mit uns. Augenkontakt. Gemeinsames Lachen. Ein breiverschmierter Löffel, der uns begeistert angeboten wird. Und der von ihr initiierte Wettbewerb, wer die schönsten Spuckeblasen machen kann. Was natürlich jedes Mal mit entzücktem Josefine-Gelächter quittiert wird.

Ist es nicht seltsam, dass man nur ganz selten das genaue Datum bestimmen kann, wann das eigene Kind sich zum ersten Mal aufrecht hingesetzt hat? Das letzte Mal gespuckt hat (auf den Tag WARTE ich noch)? Das erste Mal bewusst nach einem Gegenstand gegriffen hat? Das erste Mal unfallfrei selbst den Brei gelöffelt hat?

Heute morgen sah ich mir mit Amelie unser Familienalbum vom letzten Jahr an. Und ich wunderte mich: wo ist das großäugige, pausbackige Kleinkind hin, das sich jeden Nachmittag liebend gerne mit Joghurt beschmiert hat? Ich kann kein Datum, keinen Zeitraum festmachen, an dem sie vom Kleinkind zum größeren Kind wurde. Jeder Tag bringt winzige Veränderungen mit sich, die ich oft gar nicht als solche erkenne. Nur im Rückblick bin ich erstaunt, was ein Menschenwesen in so einem kurzen Zeitraum an gewaltigen Entwicklungssprüngen schafft.

Bin wohl heute etwas sentimental. Sollte mich von Familienalben und Babyvideos fern halten. Sie lassen mich aufseufzen und an die alten guten Zeiten denken. Und in jenen längst vergangenen Tagen, wie oft hatte ich mich in die Zukunft gesehnt, weg von Windelbergen, durchwachten Nächten und ohrenbetäubendem Säuglingsgebrüll?

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