Buchtipps für Kiddies und leidgeprüfte Eltern

Wer ein Kind hat, und dieses nicht unbedingt vor dem bequemen Babysitter Fernsehen parken wollen, liest vor. Stunden über Stunden. Oft gibt es Lieblingsbücher, die ich schon so oft vorgelesen habe, dass ich den Text mit geschlossenen Augen rezitieren kann und nebenbei im Geiste über die neue Wandfarbe für unser Wohnzimmer meditieren kann. Leider gibt es auch Werke, bei denen ich mich mit Würgen überwinden muss, diese vorzulesen.

Eltern (und solche, die es werden wollen) aufgepasst!

„Meine allerschönsten Geschichten“

Man nehme einen debilen Autor, dessen Hirnzellen vom regelmäßigen Cannabiskonsum aufgeweicht sind, und lasse ihn ein englisches Kinderbuch übersetzen. Kostprobe gefällig?

Schrum-didel-dum-Didel

Die Katze spielt Fidel

Die Kuh springt über den Mond

Da klappert der Teller

Komm Löffel lauf schneller.

Boah!!!Das hält man nur mit Drogen aus bzw. man kann nur im Rauschzustand diesen Zeilen einen tieferen Sinn zuordnen. Ich finde zu diesem Kinderbuch einfach keinen Zugang. Vor allem auch deshalb, da es an sehr veralteten Geschlechterrollen festhält. Da hat z.B. in einer Geschichte eine Frau Schwierigkeiten, den Abwasch zu machen. Sie wäscht und wäscht und wäscht den ganzen Tag. Wenn dann der Ehemann nach Hause kommt, steht natürlich kein Essen auf dem Tisch!! SKANDAL!!! Der Mann, ein ganz pfiffiger, schenkt seiner Frau kurzerhand eine Spülmaschine. Mit Dankbarkeitstränen in den Augen setzt sich die Frau umgehend in die Ecke, um dem Mann etwas zu nähen.

Diese Geschichte werde ich nie NIE NIE meiner Tochter vorlesen. Dagegen ist das Struwelpeterbuch als pädagogisch höchst wertvoll einzustufen!

Aber nun nach all der Meckerei zu meinen Favoriten. Also Bücher, die ich sogar heimlich in Abwesenheit meiner Tochter lese.

1. Mein Esel Benjamin


Ein alter Klassiker, der auch schon meine Kindheit mit Träumen vom eigenen Esel und einem rundum sorglosen Leben auf einer hübschen Mittelmeerinsel nährte. Ich kenne kein Kind, das nicht auf dieses Buch abfährt! Es ist zwar echt uralt und in schwarzweiß, aber die Protagonisten – ein Eselbaby und ein pausbäckiges Mädchen – lassen jedes Herz dahinschmelzen! Hat hier vielleicht meine Begeisterung für Schwarzweiß-Bilder ihren Anfang gefunden?


2. Ein Jahr in Wimmelhausen


In diesem Buch werden textfrei viele Geschichten erzählt. Geschichten vom Sich-verlieben, Kinderkriegen, Wochenbettdepressionen, Sterben, Heiraten, Laternenbasteln, Einsamkeit, Nachbarschaftshilfe usw. Selbst beim 47. Anschauen entdeckt man neue Facetten, neue Storylines. Und jedesmal keimt in mir der leise Sehnsuchtswunsch, selbst Bewohnerin von Wimmelhausen sein zu können…


3. Frederik


Die Geschichte einer Maus, die für den Winter keine Nüsse sammelt, sondern Sonnenstrahlen, Wörter und Farben – die sie dann in die Köpfe der anderen Mäuse zaubert, als all ihre Vorräte aufgebraucht sind. Ein wunderschön und anspruchsvoll illustriertes Kinderbuch! Ich hab mich in den kleinen Frederik verliebt. Und Amelie auch.

In letzter Zeit habe ich einiges an Elternlektüre gelesen. Hier meine HOT TOP 3:

1. So beruhige ich mein Baby.

Wer ein Schreikind hat (oder auch nicht; wurscht!), für den sollte dieses Buch Standardlektüre sein!!! Ich habe es schon hundertmal gelesen und jedes Mal ist es als entsteige diesem Buch in Zeiten größter Not eine Fee, die ein paar Mal mit ihrem Feenzauberstab wedelt und Sternenglitzer versprüht …und – oh Wunder – das Kind schläft/gurrt zufrieden/trinkt.

2. Achtung Baby!

Das Buch von Michael Mittermaier hab ich eigentlich Armin gekauft, aber sofort selbst gelesen. Eigentlich konnte ich bisher mit seinem Brachialhumor wenig anfangen, aber in Buchform kann ich mich mit ihm anfreunden. Ich hab das Buch in zwei Tagen und einer halb durchwachten Nacht durchgelesen. Musste aufpassen, dass meine Lachattacken Josefine nicht aufweckten! Jeder, der Kinder hat, wird sich mit dem Buchinhalt zutiefst identifizieren können. Ein wunderbares Geschenk für frischgebackene Väter!

3. Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Der stimmungsmäßige Gegenentwurf zu Achtung Baby. Dieses Buch ist zutiefst deprimierend – also Obacht! Aber es zeichnet meiner Meinung nach ein sehr realistisches Bild davon, was die moderne Pädagogik von Partnerschaftlichkeit (mein Kind ist mein Partner!) bei unserem Nachwuchs anrichtet. Und noch schlimmer, wenn Erwachsene ihre Bedürfnisse über ihre Kinder zu kompensieren versuchen. Das Resultat sind Kinder und Jugendliche, die es nie erlebt haben, dass sich ihre Eltern von ihnen abgrenzen und sie nie gelernt haben, Frustration auszuhalten. Sie bleiben auf dem psychischen Entwicklungsstand von Kleinkindern stehen. Also back to the roots: eine zugleich liebevolle und streng-konsequente Erziehung. Hoffe, Armin und ich kriegen das gemeistert!

Kommentar verfassen