Reisen

Fronkreisch, Fronkreisch!

Katzen versorgt – erledigt
Planzengießservice organisiert – erledigt
Fernseher aus – erledigt
Staub wischen – hmm…nicht geschafft
Auto bis unters Dach in und in jedem Winkel mit unnötigem Schnickschnack gepackt – erledigt

Amelie nimmt Abschied
Amelie nimmt Abschied

Und los geht’s Richtung französische Grenze. Ha! Wir wollen es heute bis nach Reims schaffen, am nächsten Tag dann weiter bis ans Meer in der Normandie.

Leider macht uns die Mercedes-Technik einen gehörigen Strich durch unsere so schön geplante Rechnung. Wir kommen nicht weiter als bis nach Kaiserslautern. Auf einem Minirastplatz –natürlich ohne WC – streikt unser Schwabenmobil. Kein Mucks, kein Huster. Nichts. Tot. Nur das Display leuchtet hektisch auf: EPS, ABS, BAS, SAP oder so ähnlich.

Mein Herz sinkt bis unter den heißglühenden Asphalt. Ich habe Erholung sooo nötig. Ich will nur in den Urlaub, ohne unwillkommene Pannen. Einige Kilometer vorher hatte ich noch eine Familie gesehen, die mit Kind und Kegel hinter der Leitplanke in der heißen Sonne stand und der Familienvater verzweifelt versuchte, ihr Auto wieder flott zu kriegen. „Gott sei Dank bleibt uns das erspart“, denke ich mit leiser Schadenfreude.

Ist das jetzt die Retourkutsche des Schicksals? Anscheinend. Jetzt hilft nur noch die ADAC-Goldcard.
Wir schlagen unser Lager unter einem krüppeligen Ahorn auf, um wenigstens ein bisschen vor der unbarmherzigen Sonne geschützt zu sein.

Keine Stunde später taucht unser pfälzischer Engel in Gelb auf. Aber trotz seiner Engelqualitäten bekommt er unser Auto auch nicht mehr fit.

Ich habs schon immer gesagt: die ganze Elektronik taugt einen Sch…dreck. Früher hätte man einfach an ein paar Schrauben, oder was ein Auto sonst so hat, rumgebastelt und: voila, es tut wieder.

Heute muss dann der Abschleppdienst ran. So wie in unserem Fall. Ich heule vor Frust, Amelie findets spannend und Armin muss organisieren und seine aufgelöste Frau beruhigen.

Dafür dürfen wir auf ADAC-Kosten in einem schicken Kaiserslauterner Hotel übernachten UND schaffen es sogar noch, die glorreiche zweite Halbzeit gegen England zu sehen. Mit diesem historischen Fußballergebnis, einem Becher Ben and Jerry’s und einem klimatisierten Hotelzimmer bin ich wieder halbwegs mit unserer unfreiwilligen Planänderung versöhnt.

Völlig erledigt und hitzegeschädigt in Kaiserslautern
Völlig erledigt und hitzegeschädigt in Kaiserslautern

Trotzdem bin ich kaputter als Özil nach der 82. Minute. Ich merke einfach, dass ich aufgrund der Schwangerschaft weniger belastbar bin als sonst. Und dass ich tatsächlich Erholung nötig habe.

Am nächsten Tag erfahren wir nach einigen bangen Stunden von der Werkstatt, dass sie unser untreues Auto wieder flott bekommen haben. YEAH! In der Mittagshitze setzen wir unsere Reise fort. Das Navi sagt: „Hey, in 6 ½ Stunden seid ihr am Meer!“ Klingt vielversprechend. Aber die Technik lügt. Ja, ganz genau, sie ist hinterhältiger als eine Bande Mafiosi. Heimtückisch, aalglatt und man fällt so leicht auf sie rein.

Denn es sind dann letztendlich 10 heiße, unendlich langsam verrinnende Stunden, bis wir in St-Aubain-sur-Mer sind. Davon entfallen schon fast drei Stunden auf den Großraum Paris, wo ich beinahe einen weiteren Nervenzusammenbruch erleide. Amelie plärrt herzzereißend in ihrem Sitz, Armin steuert uns schwitzend und stumm leidend durch den Moloch und ich – ich spiele irgendwann Puppentheater mit meinen Zehen. Nur um mein Kind irgendwie abzulenken. Innerlich fluche ich dabei: Scheiße, Scheiße, SCHEISSE!! Nächstes Jahr machen wir Urlaub in der Fränkischen Schweiz!!!!

Mit Frosch und Löwe in der Pariser Verkehrshölle

Paris hat uns verschlungen, durchgekaut und dann endlich wieder ausgespuckt. Völlig erledigt kommen wir spät abends auf unserem Campingplatz an.

Und hier erleben wir mit unserem Cottage ein USA-Camping-Feeling-Deja-Vu. Denn die 25 qm sind so klein, dass wir hier mindestens genauso beengt leben wie in unserem Campingmobil damals. Aber das Wetter ist hier ist gigantisch und wir leben die ganze Zeit im Freien. Und man sieht es uns an. Armin hat einen weißen Brillenabdruck im Gesicht. Und Amelie hat richtig Farbe bekommen.

Es ist das erste Mal, dass wir diese Art Urlaub unternehmen. So total spießig mit lauter Holländern und Franzosen auf einem Campingplatz mit Animation und Badelandschaft. Ich gebe zu: es gefällt Amelie…und auch uns…irgendwie.

Heute haben wir uns jeweils einen halben Tag papa- und mamafrei genommen. Armin hat sich den Landungsstrand der Alliierten angesehen (Omaha Beach) und ich habe nachmittags Bayeux erkundet. Das Land hier haut einem die Geschichte regelrecht um die Ohren. Selbst der ignoranteste Urlauber wird damit zwangsläufig konfrontiert. Auf dem Weg nach Bayeux mache ich Halt an dem kanadischen Soldatenfriedhof. Wenn ich die vielen hundert Kreuze sehe, dann läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Denn das ist ja nur ein winziger Bruchteil der Opfer vom D-Day und den folgenden Wochen, als Europa endlich aus den Naziklauen befreit wurde.

Mit der älteren Geschichte der Normandie mache ich mich in Bayeux vertraut. Hier ist ein 70 Meter langer Wandteppich aus dem Jahr 1066 ausgestellt. Hallo??? 70 Meter! Ja – das ist ungefähr die Distanz zwischen unserem Haus und dem Waldbacher Fußballfeld. Und auf diesen 70 Metern haben fleißige Frauen mit wahrscheinlich blutigen Fingern die damaligen Ereignisse um Wilhelm den Eroberer aufgestickt. Wie er zum Thronfolger des Königs von England bestimmt wurde. Und dann von einem Verwandten übers Ohr gehauen wurde. Der hat sich nämlich ganz frech selbst auf den Thron gesetzt. Und schwupps ist Wilhelm mal ganz schnell mit seinen (Nor)Mannen nach England übergesetzt, hat dort gegen den Bösewicht gekämpft und der ist dann durch ein Pfeilgeschoss ins Auge über den Jordan gegangen. Sehr graphisch auf dem Wandteppich in herrlicher Stickarbeit verewigt.

Außerdem hat Bayeux noch viel mehr zu bieten. Eine wunderbare Kathedrale.

Dort wollte ich so gern eine Kerze für unser Ungeborenes anzünden. Die hätte aber einen Euro gekostet, aber ich hatte nur einen 50-Euro-Schein zur Hand. Ich denke, es wäre unangenehm aufgefallen, wenn ich mich mit Wechselgeld aus dem Kässchen bedient hätte.

Seltsame Vogelnester (Armin meinte, das wären Webervögelnester. Aber die gibt’s doch nur in Afrika, oder??)

Eine sehr normannische Altstadt – unzerstört von Weltkriegsbomben.

Da ich jetzt in die Bar muss, um Wifi zu bekommen, werde ich gleich mal das Abendprogramm abchecken. Falls Karaoke geboten wird, würde ich ja fast zu gerne „Fronkreisch, Fronkreisch“ zum Besten geben.

Aber a) möchte ich ungern faule Eier ernten

Und b) schaffe ich das erst nach 10 Tequilas nur mit der Unterstützung meines lieben Mannes, der aber zum Babysitten hierbleiben muss.

Fun

Sexy Mum.

Ich muss sagen, ich habs echt noch voll drauf! Trotz meiner 35 Jahre, Schwangerschaftsfettansatz und Krähenfüße scheine ich doch noch eine gewisse Wirkung auf das andere Geschlecht zu besitzen.

Gestern, nach einem Konfirmandennachmittag in unserem Waldbacher Hüttle, schultere ich meine Gitarre und trete auf die Straße. In diesem Moment biegt ein Auto um die Ecke, der Fahrer ein ca. 45-jähriger Mann, braungebrannt, sportlich, der sexy-ältere-Männer- Typ á la George Clooney. Und dieser George wirft mir einen eindeutigen Blick zu, wird langsamer, starrt und hängt sich halb aus dem Fenster. Sichtlich geschmeichelt schalte ich mein blendendstes Lächeln an und werfe mich in Pose. Tja, wie gesagt, ich habs halt doch noch voll drauf. Wer sagt denn, dass man jenseits der Dreißig, als Ehefrau und Mutter zum alten Eisen gehört! Schaut Euch doch mal Heidi Klum an. Oder Jennifer Lopez! Alles heiße Mehrfachmamis und brave Ehefrauen. Und doch hechelt ihnen die halbe Männerwelt hinterher. Und auch „mein George“ hechelt, macht mir für einen kurzen Augenblick schöne Augen, während ich hüftwackelnd zu meinem sexy Familienvolvo stolziere. Dann gibt er Gas und ich sehe meinen Kurzzeitverehrer in der Ferne verschwinden.

Mit einem breiten Grinsen lasse ich mich sehr selbstzufrieden auf den Autositz fallen und überprüfe mein nicht mehr ganz faltenfreies Gesicht im Rückspiegel. Ich erstarre. Mein Grinsen rutscht einige Etagen tiefer und macht Entsetzen Platz. Meine Nase leuchtet rot. Das komplette Ding ist noch von einem Spiel mit den Konfirmanden mit Fingerfarben komplett rot angemalt! Der Rest meines Gesichtes passt sich dieser Farbe an angesichts der Erkenntnis, dass nicht meine reife Sexyness George zum Starren gebracht hat. Nein, es war meine rote Clownsnase. Ich möchte vor Scham und Peinlichkeit am liebsten unter der Volvo-Fußmatte verschwinden. So kann sich Frau irren.

Schwangerschaft

Schwangerschaftsgelüste

Armin erzählt mir etwas über seinen Kaufland-Alltag beim Abendessen. Ich nehme ihn zwar wahr, ebenfalls seine Lippenbewegungen, aber seine Worte erreichen meine Ohren nicht. Nun darf man nicht meinen, ich wäre eine egozentrische, unaufmerksame Ehefrau (zugegeben, manchmal bin ich es doch): Denn in just diesem Augenblick tritt mir ein angehender Erdenbürger gehörig in meine Blase, die meistens überfüllter als ein südafrikanisches Fußballstadion im Weltcup-Finale ist. Neben dem unangenehmen „Uff-Autsch-Effekt“ stellt sich eine ordentliche Portion Glücksgefühl bei mir ein. Endlich, ENDLICH meldet sich mein innerer Mitbewohner/ meine innere Mitbewohnerin! Armin blickt mich verwundert an – er glaubt wohl, ich hätte gerade einen Schlaganfall erlitten, denn meine Gesichtszüge sind mir entgleist. Als ich endlich aus meiner Schockstarre erwache, muss ich lachen und lasse Armin teilhaben. Er guckt wie ein zufriedener, satter Kater.

Ja, die Schwangerschaft sorgt für viele seltsame Momente, in denen ich mich und mein Innenleben nicht wieder erkenne. 19,5 Jahren lebe ich nun vegetarisch. Ich habe Fleisch nie vermisst. Nur den Geflügelsalat meiner Mutter, für den ich früher hätte morden können, und der auch heute noch in unregelmäßigen Abständen meine Träume heimsucht. So: Nun habe ich also meiner Tochter ein Schüsselchen Hähnchen mit Reis vorgesetzt, den sie auch bis zur Hälfte tapfer hinunterwürgt. Die andere Hälfte bleibt übrig. Und ich bin hungrig. Und eigentlich sehr sehr konsequent was meine Fleischverweigerung betrifft. Ich esse um das Hühnchen herum. Aber aus Versehen gerät doch ein Fitzel in meinen Mund. Oh. My. God! Meine Geschmacksknospen explodieren und tanzen Samba! Irgendetwas in meinen Schwangerschaftshormonen blockiert meine idealistische Weltanschauung und – schwupps- noch ein Stückchen vom toten Huhn landet in meinem Mund. Nun sind alle Dämme gebrochen und ich schaufel mir unkontrolliert den Rest rein. Wenn das meine Mutter gesehen hätte! Sie hätte vor lauter Glück und Triumph sofort begonnen, Zutaten für ihren Gefügelsalat zu schnibbeln.

So sehr ich in den ersten 3 Monaten von Übelkeit geplagt war, überfallen mich nun alle 2 Stunden Fressgelüste. Vergesse ich zu essen, rächt sich mein Körper augenblicklich mit Schweißausbrüchen und Zittern. Und dabei hatte ich mir vorgenommen, in dieser Schwangerschaft höchstens 10 bis 12 Kilo zuzunehmen. Wird wohl nix. Wunderbarerweise ist unsere Waage kaputt, so dass ich in dieser Hinsicht in gnädiger Unwissenheit verharre.

Familie

Waren mal kurz auf Koh Samui

Tatsächlich. Am Samstag. Unser Tisch hieß Koh Samui. Passend zu meinen Urlaubssehnsüchten. Da waren wir nämlich auf einer (rumänischen)Hochzeit. Was in unserer Erinnerung haften bleiben wird?:

  • Rumänische Schnitten (und damit meine ich nicht die Kerle)
  • Eine herrliche Sommerlounge
  • Du  hast a Herz wie a Bergwerk (Solo nach der Trauung – haaach, zum Dahinschmelzen!)
  • Eine Süßigkeiten-Bar für die Kids (wenn niemand hinschaute, hab ich mich auch bedient. Hey! Schwangerenbonus!)
  • Tanzen mit Amelie
  • Ein Kind, das vor 23 Uhr nicht ins Bett wollte
  • Mc-Donald’s-Frühstück statt gemütlicher Frühstücksrunde mit den Brautleuten (da hat uns Amelie nen Strich durch die Rechnung gemacht…)
  • Und eine Menge betrunkener, tanzender, knutschender Gäste. Hmm, da war ich mit meinem alkoholfreien Sekt leicht deplaziert.
Familie, Schwangerschaft

Kinderblues

Manche Tage sind so furchtbar anstrengend. Und dann kommt noch ein Kleinkindtornadowirbelwind mit Trotzallüren dazu. Ich liege tot auf dem Sofa. Ein Wunder, dass ich überhaupt noch die Tastatur bedienen kann. Rückblickend kann ich noch nicht mal sagen, was ich eigentlich heute Großes geleistet habe (so geht es mir an den meisten Abenden – ich nenne es die Hausfrauen-Amnesie). Dann lass ich’s mir mal von meinem Männe aufzählen: „Du hast Wäsche gewaschen, Betten bezogen, gekocht, tausend Mal Spielzeugautos aufgeräumt, Windeln gewechselt, Rechnungen bezahlt, Kontakte gepflegt, Katze gefüttert, Bücher vorgelesen, getröstet, erzogen, Unkraut gejätet, Fliegengitter installiert, Spülmaschine ein- und ausgeräumt und mich nach meinem Tag gefragt.“ Hurra, ich bin das wandelnde Hausfräuleinwunder! Und das alles unter erschwerten Bedingungen. Amelie hat nämlich neuerdings den Spleen, sich heulend an mein Hosenbein zu klammern, sobald ich die Küche betrete und kochen will. So schnippel ich Karotten, räum die Spülmaschine ein und koch Kartoffeln, während sich meine Tochter heulend am Boden wälzt. Meine Kochleidenschaft köchelt also gerade auf niedrigster Sparflamme. Und so zaubere ich von Zeit zu Zeit kulinarische Katastrophen auf den Tisch wie z.B. schleimige Kräutersuppe oder Salat mit soviel Salz, dass der Körper vor Schreck sofort fünf Liter Wasser einlagert.

An solchen Tagen frage ich mich dann ernsthaft, wie ich das alles mit zwei Kinder bewältigen soll. Ja klar, ANDERE Mütter schaffen das auch. Aber ich bin nicht ANDERE Mütter, sondern einfach ich mit all meinen Zweifeln und Ängsten. Und da ich mir ja vorgenommen habe, ehrlich zu mir selbst zu sein, schieb ich all diese Gefühle auch nicht zur Seite, sondern schau sie mir genau an. Und steh dazu. So.

Wenn ich dann mal kurz ein Pause brauche, verziehe ich mich trotz Geheule in den Keller zu meinen Katzenbabies. Ihnen zwei Minuten beim Schlafen und Trinken zuzusehen hat schon fast eine zenartige Auswirkung auf mein Gemüt. Heute ist die vierköpfige Rasselbande zwei Tage alt und Muffin ist eine furchtbar stolze und fürsorgliche Mutter. Fast war ich heute etwas neidisch auf sie, als sie zwei Stunden draußen rumspazierte, während ihre Kleinen schliefen. Katzen kennen keinWochenbett. Keinen Wochenfluss. Keinen Babyblues. Aber der Bauch hat sich noch nicht zurückgebildet. Und das hat mir dann doch noch etwas Genugtuung verschafft.