Familie, Schwangerschaft

Neues Leben und der Tod

So, endlich ist es offiziell! Ich bin sehr sehr schwanger. Und Gott sei Dank ist auch das kritische Stadium der ersten 12 Wochen rum, so dass ich es endlich rausposaunen kann. Der Test, den ich am 1. April gemacht habe,war mit Sicherheit kein Scherzartikel (Bei Risiken, Nebenwirkungen und Scherzgefahr verklagen sie ihren Arzt und Apotheker). Auch wenn ich zuerst SICHER war, dass der Test sich geirrt haben muss, befand ich mich angesichts der zwei sehr deutlichen rosa Streifen im Zustand eines glücklichen Schocks. Ja: Schock. Ich muss es zugeben. Ich hatte in den ersten Minuten keine mütterlichen Gefühle. Nur sehr weibliche. Folgende Gedanken jagten mir durch mein hormongeschütteltes Hirn: „Aber ich habe doch noch gar nicht mein Prä-Schwangerschafts-Gewicht wieder erreicht. Kann ich jetzt noch meine Stepaerobic weitermachen? Und dabei wollte ich doch im Sommer endlich wieder in meine Shorts passen!!“ Und:“Hmmm, Amelie schläft durch, sie ist so schön selbstständig. Und jetzt fängt alles wieder von vorne an.“ Und:“Juhuuu, ich darf wieder Urlaub im Öhringer Krankenhaus auf Kosten meiner BKK machen! Ich freu mich schon auf die Massageliege!“

Es ist mir peinlich, diese Gedanken und mein Gefühlschaos zuzugeben, aber als ich mit anderen Müttern darüber sprach, bestätigten sie mir, dass das völlig normal sei. Auch dass man gegenüber ungeborenem Kind Nr. 2 ein ständig schlechtes Gewissen habe, weil man sich nicht vorstellen kann, dass die Liebe für zwei Kinder reichen soll.

Aber um nicht ganz unmütterlich dazustehen: Armin und ich freuen uns natürlich. Und die Freude wächst mit jedem Tag. Denn dass ich so schnell und mühelos schwanger werden könnte, damit ich habe ich im Leben nicht gerechnet! Ich empfinde es als gigantisches Geschenk, das ich ohne viel Bettelei und Bemühung einfach so bekommen habe.

Nun ist der kleine Zwerg 13 Wochen alt, das Herz schlägt kräftig und laut Ultraschall ist alles dran, was dran sein muss. So richtig real ist meine Schwangerschaft auch erst geworden, als ich da dieses 3,5 Zentimeter große Bündel auf dem Bildschirm gesehen habe.

Real sind leider auch die Begleiterscheinungen: Übelkeit (lustigerweise immer abends), Müdigkeit, Lustlosigkeit und unkontrollierbare Fressattacken. Das hat dazu beigetragen, dass ich die ersten Wochen gar nicht richtig genießen konnte. Aber das liegt jetzt hoffentlich bald alles hinter mir. Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich sediert und dann gelingt mir gar nichts. Noch nicht mal einen vernünftigen Satz zu Papier zu bekommen. Ich bin gerade in diesem Moment sehr stolz auf mich, dass meine Finger über die Tasten fliegen und mein Hirn dem rasenden Tempo meiner sekretärinnengeübten 10-Finger-Technik nachkommt.

Die Überschrift verrät, dass ich mich gerade auch mit der Schattenseite des Lebens beschäftige. Vorgestern nämlich erfuhr ich vom Tod eines …hmmm, wie soll ich sagen: Freundes? Bekannten? Er war sehr lange Zeit mit meiner Schwester liiert. War also eigentlich immer mit dabei. Teil der Familie? Wie dem auch sei: vor wenigen Tagen wurde er von einem Selbstmordkommando in Kabul in die Luft gesprengt.

Mit einem Wimpernschlag der Geschichte war sein Leben vorbei. Ich hätte ihm gewünscht, dass er zu Lebzeiten echte Erfüllung gefunden hätte, Frieden geschlossen hätte. Auch wenn ich schon länger nicht mehr an ihn gedacht habe, so hat mich sein Tod getroffen und mir wieder einmal die Sinnlosigkeit dieses Krieges vor Augen geführt. Ist er es wert, wenn dafür Familien, Dörfer, Ehefrauen, Kinder, Kulturen und Seelen irreparablen Schaden erleiden?

Gerade da ich neues Leben in diese irrsinnige Welt bringen werde, verzweifele ich manchmal an ihrer Irrsinnigkeit. Ich wünsche mir sehnlichst, dass meine Kinder eine lebenswerte Zukunft in ihr haben. Was tue ich für diesen Lebenswert?

Familie

A fränkisches Servus

Bin gerade am Kofferpacken….Nein, das ist kein dramatischer Fluchtversuch, sondern ein Familienbesuch im Frankenland. Was ich mich freue!! Endlich wieder Mamas Küche genießen, den Fränkischen Tag lesen, auf’n Keller gehen (alle Nichtfranken haben keine Peilung, was das ist, hehe) und in die Bamberger Nacht eintauchen. Da kommen wehmütige Gefühle auf….

Aber bis dahin muss ich halt noch Packen (soll ich mein großen Glätteisen UND das Ponyglätteisen mitnehmen? Werde ich Flip Flops brauchen oder müssen bei der Wetterlage doch noch meine Fellstiefel herhalten?) und alles nochmal durchputzen, so dass wir am Sonntag nicht in ein Flodderheim zurückkehren müssen. In diesem Sinne: Servus und bis bald….

Garten

Sensenfrau

Ich würde gerne mehr schreiben, aber in meinem Kopf herrscht zurzeit mal wieder Gedankensalat, den ich einfach nicht so leicht entwirren kann. Und wenn ich dann vor dem Laptop sitze, herrscht auf einmal gähnende Leere, so als würden meine Gedanken wie Kakerlaken blitzschnell beim Lichteinschalten in die Bodenritzen verschwinden.

Apropos Kakerlaken. Das größte Exemplar begegnete mir einmal in meinem Kibbuz-Zimmer in Israel. Ich war gerade eingezogen und hielt das Vieh für einen verirrten Frosch. Als ich mir die schreckliche Wahrheit dämmerte, verließ ich für den Rest des Nachmittags nicht mehr mein Bett. Seitdem leide ich unter einem Käfertrauma.

Haha. Genau so sieht es in meinem Kopf aus: Kaum möchte ich einen wichtigen Gedanken fassen, kommen mir plötzlich so banale Geschichten in den Sinn. Und schon ist wieder alles Salat.

Zurück zum Banal-Alltäglichen: ich habe heute unsere Motorsense in Betrieb genommen. Und habe damit eine neue Leidenschaft entdeckt. Es gibt wenig Befriedigenderes (außer Bläschenfolie zu zerdrücken!) als mit diesem lärmenden Monster alles platt zu machen, was in irgendeiner Weise nach Löwenzahn, Quecke und Hahnenfuß aussieht. Danach sieht jetzt alles so herrlich ordentlich im Garten aus. Ich habe sogar endlich endlich endlich einmal eine korrekte Rasenkante. Obwohl ich eigentlich nicht der Typ für korrekte Rasenkanten bin. Das letzte bisschen Gartenanarchie herrscht hinter dem Gartenhaus, wo sich die Natur austoben darf. Und wo auch noch unser Weihnachtsbaum auf eine Wiederbelebung hofft. Daraus wird aber nix – der wird demnächst unser Lagerfeuer füttern.

Nächste Woche schreibe ich mehr. Es gibt ja noch einiges zu schreiben, aber mein Kind jammert, ich muss mich jetzt mal wieder um meine quakende Leibesfrucht kümmern.