Bücher, Familie

Confessions of a Desperate Housewife

Gerade lese ich ( wenn ich denn mal dazukomme) das aufschlussreiche Buch „Schatz, wie war Dein Tag auf dem Sofa?“ Witziger Titel, aber gehaltvoller Inhalt. Es gibt tatsächlich irregeleitete Menschen, deren Hausfrauenbild von jogginganzugtragenden, kaffeetrinkenden, faulenzenden, Daytime-TV-glotzenden Müttern geprägt wird. DAS war vielleicht der Fall vor der Industrialisierung, als jeder mittelständische Haushalt Personal hatte. Heute ist eine Hausfrau ein Multitalent, selbstdiszipliniert, organisiert und gutaussehend (zumindest in meinem Fall).

Um nun ein für alle Mal mit Hausfrauenvorurteilen aufzuräumen, hier ein grober Abriss eines durchschnittlichen Tagesablaufs im Smoor’schen Haushalt:

6:30 (allerspätestens!): Das Babyphone hustet. Oder erzählt eine Geschichte bestehend aus Dada-riri-Lauten

6:31: Ich wehre mich gegen die Realität. So früh musste ich auch aufstehen, als ich noch ins Büro fuhr. Das ist unfair! Und ich muss mich endlich vom Selbstbetrug lösen, Hausfrauen könnten bis in die Puppen schlafen, während ihre Männer schon im zweiten Meeting sitzen.

6:32: Ich schlurfe mit Amelie im Arm in die Küche, wo mich ein kurz vor dem Hungertod stehendes Katzenvieh anfällt.

6:37: Ich habe das Kunststück vollbracht, gleichzeitig Katze zu füttern, Milch aufzuwärmen, Amelies Butterbrot zu schmieren, ein meckerndes Baby zu beruhigen, mir selbst einen Kaffee einzulassen und meinen wild in alle Richtungen stehenden Pony geradezubürsten. Ach ja, und Armin, der sich hinter dem Laptop versteckt einen guten Morgen zu wünschen.

7:00: Die Küche ist einer Verwüstung anheimgefallen. Ich schließe die Tür hinter mir und ziehe Amelie an.

7:30: Amelie spielt im Laufstall (ja, ich bin eine Rabenmutter, die ihr Kind gerne mal einsperrt – ich stehe dazu) und ich habe die Küche wieder in ihren Originalzustand versetzt. Zeit für eine zweite Kaffeepause.

8:00: Zeit für den zweiten Windelwechsel des Tages (Ich zitiere meinen Vater: „Der Morgenschiss, der kommt gewiss, auch wenn es erst am Abend ist“).

8:05: Armin verabschieden. Puuuuh, bin ich froh, nicht in die raue Arbeitswelt hinauszumüssen, sondern in unserem kuscheligen Zuhause bleiben zu dürfen. Oh, Amelie hat Milch auf den Teppich erbrochen. Muss ich schnell aufputzen.

bis 9:00: Spielzeit mit Amelie. Und wenn sie mich lässt, lege ich parallel Wäsche zusammen, putze Zähne, räume auf.

9:00-10:00: Während Amelies Vormittagsschläfchen hatte ich mir ursprünglich vorgenommen, mich auf den Tag auszurichten und eine persönliche Stille zu halten. Die halte ich aber nur selten ein, denn es drängen sich mir von allen Seiten Haushaltsaufgaben auf. Dass man durch die Fensterscheiben überhaupt noch durchsehen kann! Die Kürbiskotzflecken auf dem weißen Flokati sollte ich auch endlich mal behandeln. Und überhaupt den Kühlschrank ausmisten! Einige seiner Bewohner haben das zulässige Alter schon um Jahre überschritten….Eigentlich kann man die Führung eines Haushaltes auf zwei Worte beschränken: Schlechtes Gewissen.

Irgendwo zwischendrin springe ich auch schnell mal unter die Dusche…

11:00: Ich halte mich penibel an meinen Kochplan und beginne in meinen Töpfen zu rühren.Für  Amelie Kürbisbrei (da ich ja umwelt- und preisbewusst neuerdings einkaufe, wird nur noch mit saisonalen Zutaten gearbeitet) und für Armin und mich Diätkompatibles.

12:00: Wir nähern uns der kritischen Phase. Steht das Mittagessen nicht superpünktlich auf dem Tisch, explodiert mein kleiner Zorneszwerg und wirft mit seinem Plastiklöffel nach mir. Von wegen, als Hausfrau kann man selbst über seine Zeit und Arbeitseinteilung bestimmen!

12:30: Die Küche ist einer Verwüstung anheimgefallen.

12:31: Muffin kommt anmiaut und klammert sich solange an mein Bein, bis ich ihren Futternapf mit Trockenfutter gefüllt habe.

12:32: Endlich esse ich auch einen Happen.

13:00: Mittagsschlaf für Amelie. Gott sei Dank, das Kind schläft. In dieser Zeit gönn ich mir tatsächlich ein paar Minuten auf dem Sofa oder vor dem Laptop.

14:30: Jetzt habe ich noch hektisch ein paar Dinge erledigt, die mit Kind einfach nicht durchführbar sind: Telefonate, Bügeln, Gartenarbeit, Ideen für den Jugendkreis entwickeln usw.

15:00: Mein Sport heißt Spazierengehen. Zu allem anderen fehlt mir momentan der innere Antrieb und die Zeit. Also, Kind dick einpacken und raus an die frische Luft.

16:00: Mein kleiner Zorneszwerg wirft wieder mit Plastiklöffeln nach mir, während ich hektisch den Brei zusammenrühre.

Ab 17:00 beginnt wieder eine kritische Phase im Tagesablauf, Amelie wird müde und quengelig und ich habe alle Hände voll zu tun, angefangene Hausarbeiten zu Ende zu führen, ihr Abendessen vorzubereiten und unser ausgehungertes Katzenvieh zu versorgen.

18:00 Abendessen und damit eine schöne Tageszeit. Armin kommt nach Hause, Amelie ist zufrieden, wir zünden Kerzen in der Küche an, machen schöne Musik an und unterhalten uns darüber, wie unser Tag lief und was gerade ansteht. Diese Zeit ist für mich Dreh- und Angelpunkt unseres Familienlebens.

19:00: Amelie wird ins Bett gebracht, vorher muss ich (oder Armin) noch ihr Gute-Nacht-Ritual abspulen: Bären-Bibel vorlesen, beten, singen und tausend Küsse.

Ahhh, und schon ist fast Feierabend. Vorher noch die verwüstete Küche aufräumen, sorgfältig von Amelie aussortierte CDs und Magazine wieder einräumen und dann mit dem Gesicht nach vorne aufs Sofa kippen.

Und morgen geht’s wieder von vorne los…..

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